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Thema: Guide: Lufttunnel für die Grafikkarte  (Gelesen 7669 mal)

  • Graf
    • Adel
Guide: Lufttunnel für die Grafikkarte

(Dieser Threat enthält Bilder von ~500kB Gesamtgröße)


Vorwort

Angeregt von einem Artikel in der PCGames Hardware und der Lautstärke meiner Grafikkarte habe ich mich entschlossen einen Lufttunnel für dieselbe zu bauen.

Da mir die in der PCGH beschriebenen Lufttunnel nicht gefielen, sie waren im Grunde nur ein viereckiger Kasten, habe ich kurzerhand selbst einen entworfen.


Ziel:
Zufuhr von kühlerer Luft -> geringere Temperatur -> geringere Lüfterdrehzahl -> geringere Lautstärke und bessere Übertaktbarkeit


Grafikkarte:
GeForce 7800GT von Leadtek mit Standartkühler.

Da alle Grafikkarten unterschiedlich sind muss vor Beginn die Position des Lüfters bezogen auf das Slotblech ermittelt werden.
Außerdem muss geprüft werden ob der Kühler über das Slotblech hinaus steht



Die Zeichnungen:
Boden.dxf
Deckel.dxf
Wand.dxf
Boden.mdi
Deckel.mdi
Wand.mdi
Aus irgendeinem Grund funktioniert der Download von Archiven nicht richtig, ich arbeite dran.

Nur für GeForce 7800 GT von Leadtek, Übereinstimmung mit anderen Karten oder anderen Herstellern ist nicht auszuschließen. Am besten Maße überprüfen.

Hier ein Plan welches Maß wichtig ist und wie die von einander abhängen.
Vorlage.mdi

Um die Dateien herunterzuladen rechtsklick, Speichern Unter


Wer selber kein CAD-Programm hat oder nen Zeichen-Skill <= 20 hat, der kann mir die Maße aus der Vorlage (Und Angaben um welche Graka von welchem Hersteller es sich handelt, zwecks Erstellung einer Datenbank) per PM mitteilen, Ich mach dann ne Zeichnung und schick die im .mdi-Format (email Adresse angeben).


Exkurs: Was sind .dxf und .mdi?
.dxf ist ein Format des CAD-Programms AutoCAD von Autodesk, es hat sich mit der Zeit zu einem Standartformat zum austauschen von 2D-Zeichnungen zwischen unterschiedlichen Programmen entwickelt.
.mdi ist ein „Microsoft Document Image“, quasi die Druck-Datei, das Programm zum öffnen ist Teil von Windows, einfach öffnen und drucken. Für Linux-User findet sich bestimmt eine Alternative.



Der Lufttunnel belegt einen PCI-Slot neben der Grafikkarte, auf der Seite des Lüfters.



Sicherheitshinweis

Beim Arbeiten mit Maschinen ist grundsätzlich eine Schutzbrille zu tragen!
Beim Arbeiten an Maschinen mit sich bewegenden Teilen dürfen keine Handschuhe getragen werden, es besteht die Gefahr "hineingezogen" zu werden (siehe der Unfall-Threat)!
Der hier verwendete Nitroverdünner ist sehr aggressiv, er reizt die Atemwege, Schleimhäute und die Haut, nur in gut belüfteten Räumen oder im Freien verwenden!
Nitroverdünner ist Hochentzündlich!
Für die meisten Klebstoffe gilt das gleiche wie für Ntroverdünner!



Material

Verwendet wurde sogenanntes Bastlerglas mit 1,5mm Stärke, ich empfehle kein dickeres Material zu verwenden.
Darauf zu achten ist das es sich bei dem Bastlerglas um PS (Polystyrol, steht drauf) handelt, ansonsten muss statt dem Nitroverdünner etwas anderes verwendet werden.

Ein Slotblech das in das Gehäuse passt.



Werkzeug

- Eine Laubsäge
- Vorzugsweise statt Laubsägeblättern Sägeblätter für eine Puksäge für Kunststoff, diese Blätter sind statt 0,5mm 5mm breit und reißen nicht.
- Laubsägeblätter für Metall
- Eine Anreißnadel oder besser eine spitze Klinge von einem Cutter- oder Teppichmesser (Schnittgefahr!)
- Ein Filzstift (Vorzugsweise Edding)
- Ein Dremel oder eine Tischbohrmaschine (oder Laubsäge)
- Fräser für den Dremel (der sich auch in die Tischbohrmaschine einspannen lässt)
- Ein feiner Pinsel
- Nitroverdünner oder Modellbaukleber (den mit Verschweißungseffekt, wird ein anders Material als PS verwendet muss statt Nitroverdünner ein entsprechender schnelltrocknender, warmfester Klebstoff am besten mit Verschweißungseffekt verwendet werden)
- Ein sauberer weicher Lappen (Brillenputztuch, Stofftaschentuch etc.)
- Schmirgelpapier, Körnung um 180 oder feiner, vorzugsweise selbstklebend
- Schlüsselfeilen, Rund oder Halbrund, Flach
- Ein Haarföhn mit hoher Temperatur oder ein Heißluftföhn (Ich rate zu ersterem)
- Stahllineal
- Krepp-Band oder Vergleichbares Klebeband
- Nach Bedarf Lack (Felgensilber)
- Pattex Stabilit (o.ä., Silikon geht auch, hält aber nicht gut)




Durchführung


Der Boden

Zunächst die Kontur des Bodens auf das Bastlerglas übertragen.
Ich habe dazu die Zeichnung auf den Tisch und darauf das Glas gelegt, das ganze mit Schraubzwingen fixiert und den Umriss mit dem Teppichmesser nachgezogen. Dabei ist ein Stahllineal hilfreich.


Erstmal nur für den Boden anreißen.


Die Kontur aussägen, mit der Gemoddeten Laubsäge geht das Ruckzuck, aber darauf achten immer neben der Linie zu bleiben und möglichst grade zu Sägen.



Danach das möglichst selbstklebende Schmirgelpapier auf den Tisch kleben, dadurch hat man einen ebenen, harten und waagerechten Untergrund. Darauf den Boden schleifen bis alle Spuren vom sägen verschwunden sind. Dabei darauf achten nicht zu viel wegzuschleifen und das die Kanten rechtwinklig zu den Flächen sind.



Dann den Mittelpunkt des Lochs für den Lüfter markieren.

Damit das Loch später wirklich über dem Lüfter sitzt den Boden abstauben, Grafikkarte ausbauen, den Boden darauflegen und nach dem Slotblech ausrichten. Sitzt die Markierung für das Loch nicht genau über dem Lüfter kann das jetzt korrigiert werden.




Exkurs: Wie baue ich meine Graka aus?
Als erstes den Computer herunterfahren, ist das geschehen am Netzteil ausschalten und Netzstecker ziehen.
Bevor man das Gehäuse öffnet sich selbst erden um eventuelle statische Entladung zu vermeiden. Dazu eignen sich z.B. Leitungen von Heizkörpern. Ist das Gehäuse aus irgendeinem Grund versiegelt oder verplombt besser das ganze sein lassen, sonst dürfte die Garantie verfallen. Jetzt das Gehäuse öffnen, dazu auf der Rückseite eventuell vorhandene Schrauben entfernen, die eindeutig zur Tür des Gehäuses gehören (nicht das Netzteil abschrauben) und das Gehäuse öffnen. Die Grafikkarte lokalisieren (idr. die Karte die dem Prozessor am nächsten ist (befindet sich auf der Grafikkarte kein Lüfter ist sie passiv gekühlt und das ganze erübrigt sich), alle Kabel die mit der Graka verbunden sind entfernen (die auf der Rückseite sind idr. angeschraubt), die Schraube aus dem Slotblech entfernen und die Grafikkarte VORSICHTIG mit beiden Händen greifen, dabei möglichst keine elektronischen Bauteile berühren, un VORSICHTIG herausziehen. AGP-Grafikkarten sind idr. mit einem Clip im Slot fixiert.





Das Loch anreißen. Wie man das macht bleibt jedem selbst überlassen, glücklich wer einen Anreißzirkel hat. In Ermangelung eines solchen habe ich ein Stück Sanitäranlage mit genau dem passenden Innendurchmesser als Schablone verwendet.



Das um das Loch in den Boden zu bekommen empfehle ich einen Dremel oder oben erwähnte Tischbohrmaschine mit Fräskopf. Wer beides nicht hat muss wohl oder übel zu Laubsäge (mit normalen Blättern für Kunstoff) greifen.
Es sei noch erwähnt das PS dazu neigt beim fräsen „ins volle“ den Fräser zu verkleben. Ich rate daher immer in kleinen Kreisen zu Fräsen, damit immer genug Platz für die Späne ist.



Ist das Loch gefräst mit Schmirgelpapier entgraten und mit der Schlüsselfeile, Rund oder Halbrund, eine Fase oder einen Radius innen an das Loch feilen.




Der Deckel

Jetzt den Umriss des Bodens auf das Bastelglas übertragen, aussägen und entgraten wie oben beschriebenen.




Die Wand

Jetzt mit einem Maßband den Umfang den Bodens oder des gerade gesägten Deckels messen (ohne die Seite die später am Slotblech befestigt wird) und 30 bis 50 mm auf addieren.
Das ist die Gestreckte Länge der Wand die jetzt gebogen werden muss.

Die Wand aussägen, dabei nicht zu schnell vorgehen sondern vorsichtig und konzentriert, damit die Schnittkante gerade und eben wird.
Wird die Kante schief hilft eigentlich nur noch mal zu sägen.



Biegen und Kleben

Es gibt im Grunde nur zwei Möglichkeiten die Wand zu biegen. Die eine ist mit Form, die andere ist Freiform (d.h. man biegt von Hand, ohne Form).

Den Weg mit der Form bin ich nicht gegangen, deshalb weis ich dazu nichts zu sagen.
Ich habe die Wand stattdessen im Freiformverfahren gebogen.

Jetzt kommen Pinsel, Nitroverdünner (oder entsprechender Ersatz) und Föhn zum Einsatz.


Die folgenden Schritte sind sehr Zeitaufwändig und nicht für Asthmatiker (nur im Freien oder mit geeignetem Atemschutz), kleine Kinder und Hektiker geeignet.


Die Sicherheitshinweise des Nitroverdünners lesen!


Etwas von dem Nitroverdünner in ein leeres, sauberes Glas füllen (kein Glas zum draus trinken benutzen! Lieber ein altes Marmeladenglas das danach entsorgt wird.)


Exkurs: Warum Nitroverdünner?
Nitroverdünner löst die Oberfläche des Polystyrols an und sorgt wenn man ihn als Klebstoff benutzt für eine feste Stoffschlüssige Verbindung, ähnlich oder eher genauso wie eine Schweißnaht (andere Klebstoffe wie Uhu oder Pattex sorgen für eine Kraftschlüssige Verbindung). Modellbaukleber für PS bestehen zu ca. 80% aus Nitroverdünner, der Rest ist gelöstes Polystyrol.

Dazu sei noch erwähnt das man eventuell verlaufenen Nitroverdünner keinesfalls wegwischen sollte. Was sonst passiert:

Links im Bild weggewischt, rechts einfach trocknen gelassen.



Als erstes die Schutzfolie von der Wand und der Innenseite des Deckels abziehen, dann die Wand mit dem ersten Abschnitt senkrecht auf den Deckel kleben (auf den Deckel damit man wenn etwas schiefgeht das Loch nicht neu machen muss, man beachte auch „auf“ den Deckel und nicht „seitlich an“ den Deckel).
Danach trocknen lassen. Mindestens zwei bis drei Stunden, ich hab es über Nacht liegen lassen.


Ist die Klebestelle getrocknet geht es direkt mit dem Biegen los.

Dazu mit dem Föhn den Bereich der gebogen werden soll erhitzen (und nur den) bis er weich wird (vorher mit Reststücken üben). Wenn es an den Fingern zu heiß wird nicht versuchen das noch zu kalte Teil zu biegen, die Risse bekommt man nicht mehr raus. Darauf achten das man den erhitzten Bereich weder zu groß noch zu klein macht. Wie gesagt, vorher üben.

Ist der erste Abschnitt gebogen mit dem Pinsel vorsichtig Nitroverdünner in den Spalt streichen und die Teile zusammendrücken.

Wieder mindestens drei Stunden warten. Die weiteren Schritte laufen genauso ab wie oben beschriebenen, zu der großen Rundung sei noch gesagt das man auch die in kleinen Abschnitten biegen sollte und nicht alles auf einmal.


Ist alles gebogen und verklebt das überstehende Stück Wand absägen und die Kante vorsichtig mit der flachen Schlüsselfeile entgraten (keine Fase feilen).


Jetzt kann der Boden aufgeklebt werden. Dabei darauf achten das er mit der Kante die ans Slotblech kommt gerade abschließt, überstehendes Material wird im nächsten Schritt entfernt.
Vorher die Schutzfolie auf der Innenseite entfernen.




Entgraten

Dazu zunächst die restliche Schutzfolie abziehen und Flächen mit Krepp-Band abkleben, das schützt vor Kratzern (die Kanten nicht mit abkleben).


Jetzt weit überstehende Kanten mit grobem Schmirgelpapier abschleifen, danach mit der flachen Schlüsselfeile nacharbeiten.

Danach eine Fase oder einen Radius ringsum an die Kanten schleifen, außer an denen die ans Slotblech kommen.



Das Slotblech

Hat man ein geeignetes Slotblech gefunden, das in den PC einbauen und von außen den Umriss der Öffnung an das Slotblech anreißen.


Jetzt die Grafikkarte ausbauen, das Slotblech für den Lufttunnel am Slotblech der Graka mit zB. Wäscheklammern fixieren und den Lufttunnel so auf die Graka legen wie er später sitzen soll.

Ober- und Unterkante des Lufttunnels am Slotblech markieren und später auf die Außenseite, also die die im eingebauten Zustand außerhalb des Gehäuses ist übertragen und um die Materialstärke des Lufttunnels nach innen versetzen.

Bleibt nur noch die Öffnung in das Slotblech zu sägen, am besten mit Laubsäge und Blättern für Metall


Damit der Klebstoff besser haftet den Bereich wo der Lufttunnel später angeklebt wird anschleifen.

Wer das Slotblech lackieren will sollte vorher das ganze Slotblech abschleifen und eventuell die Bereiche die im eingebauten Zustand am Gehäuse anliegen abkleben.



Die Hochzeit

Jetzt wird der Lufttunnel mit dem Slotblech verklebt.

Wer kein Pattex Stabilit (Zwei-Komponenten-Kleber) oder ähnliches hat kann auch Silikon nehmen, das hat aber keine Stabilität sondern pappt nur.

Den Klebstoff dünn auf Slotblech und Lufttunnel auftragen, jenachdem was die Gebrauchsanweisung vorgibt, selbstverständlich nur auf die Flächen die auch geklebt werden sollen.


Vorher eventuell die Kanten des Lufttunnels leicht anschrägen damit überschüssiger Klebstoff nach Außen und nicht nach Innen gedrückt wird.

Das ganze mehrere Stunden, am besten über Nacht trocknen lassen.

Ist der Kleber getrocknet mit einem scharfen Teppichmesser den überstehenden Klebestoff entfernen.


Hat man das Slotblech lackiert sollte man jetzt die Kanten, vor allem die gesägten, übermalen, sowohl als Rostschutz als auch wegen der Optik.
Dazu etwas Lack in den Deckel sprühen und diesen als Farbtopf benutzen.
Es macht nichts wenn dabei auch überschüssiger Kleber mit angemalt wird.




Einbau und Fazit

Nun, der Einbau sollte nicht allzu schwer sein, einfach in den Slot unterhalb der Graka stecken.


Entsteht dann wie bei mir ein größerer Spalt kann man aus Resten einen Aufsatz bauen, das kommt bei mir aber erst noch.


Zum Fazit kann ich noch nicht viel sagen, die Benchmarks sind noch in Arbeit, werden aber nachgeliefert.




Viel Spaß beim nachbauen




Dank an:
Jonny im Net für die Erlaubnis
Meinen Vater der mir bei der Auswahl der am besten geeigneten Verfahren und Klebstoffe geholfen hat.

Haftung:
Keine, wer damit seinen Computer kaputtmacht ist selber Schuld!
Ich hafte für keine Schäden die durch die oben beschriebenen Schritte entstanden sein mögen!

Copyright:
Keines, betrachtet das ganze als Open Source, erwähnt nur meinen Nick.
  24.10.2006, 19:02
  • Offline
  • SCP-Wiki-DE


  • Drachengott
    • Nirn.de Team
Danke für deinen ausführlichen Guide!
  24.10.2006, 19:06
  • Offline
  • Nirn.de


  • Skelett-Krieger
    • Untot
Oha, sehr hübscher Guide  :)
Mal was anderes als die üblichen Threads

Hm... müsste auch mal wieder an meinem PC basteln  :lachen:
  24.10.2006, 19:11
  • Offline
  • http://nerdus.blogspot.com


  • Daedrafürst
    • Untot
Sehr gute Arbeit.

Lass lieber die Finger von sowas, bei Kleinarbeiten bin ich ne Niete.

Aber dennoch: echt schön informativ und auch für Noobs wie mich verständlich!

Thx!
  24.10.2006, 20:34
  • Offline