Original von JeanAmery
Das ist mir alles ein wenig zu leicht geschrieben und wirklich zu essentialistisch (im schlechten Sinne des Wortes - sofern es auch einen guten gibt).
Dann versuche ich, etwas tiefer zu gehen. Auch auf die Gefahr hin, dann erst recht Schulterzucken hervorzurufen.
Original von JeanAmery
Original von klarix-TES
Ist da nicht dieses alte, im Menschen fest verankerte Recht auf Land, das bis in die heutigen modernen Tagen in uns schlummert?
Ich weiß nicht. Ist es da? Und vor welchem Souverän will man sich Geltung verschaffen?
Warum gleich ein Anruf höherer Instanzen? Eine negative Folge des sozialen Fortschritts - Klagen, sobald das kleinste Gefühl der Ungerechtigkeit aufkommt. Heute ist das Recht auf Privatsphäre festgeschrieben, eine soziale Norm in freier Welt, eine Errungenschaft mit blutigen Spuren auf dem Weg der Zeit. Was ist die Privatsphäre? Ursprünglich formuliert als das Recht, in Ruhe gelassen zu werden, beinhaltet es zusätzlich einen Anspruch auf etwas Räumliches, das unantastbar für Dritte sein soll. Ein Wohnraum, ein Lebensraum, ein Stück Grund, ein Stück Land. Dieses eigene Plätzchen dient der eigenen persönlichen Entfaltung und als Rückzug für das Individuum. Ich kann das Verlangen nach diesem Recht in mir spüren. Wenn man es nicht kann, ist es möglicherweise wieder eine negative Folge des Fortschritts, dass man abstumpft, eigene Gefühle nur unzureichend wahrnimmt, die Rufe des Halbbewussten unterdrückt und das Essentielle in uns durch Schnelllebigkeit und bequeme Oberflächlichkeit dämpft.
Dieses alte Gefühl in uns brachte ich als Beispiel, worin sich eventuell Autochthone von Einwanderern unterscheiden.
Was spricht gegen Fortschritt? Ich würde ungern ohne Elektrizität leben.
Die Reduzierung des weiten Begriffs Fortschritt auf die Beherrschung der Elektrizität ist bequem, kurzsichtig und ignorant zugleich. Ich sehe nicht nur die Früchte der technischen Revolution. Als progressiver Mensch profitiere ich davon einerseits und werde davon stark beeinflusst andererseits. Doch der Fortschritt hat auch beunruhigende, ja unheilvolle Seiten. Die Ausbeutung der Natur im Namen des Fortschritts. Die Zerstörung der Natur, unseres Lebensraumes. Die Leiden Millionen von Menschen, wenn begradigte Flüße ihre Existenz, ihr Leben zerstören. Im gemütlichen und sicheren Fernsehsessel in Mitteleuropa sieht man nur die Vorteile der Steckdose. Der Fortschritt hat für mich auch in den Köpfen stattgefunden, auf gesellschaftlicher, geistiger, kultureller und sozialer Ebene, wobei sich die Formen gegenseitig ankurbeln. Einerseits bringt es Vorzüge und Erleichterungen mit sich, andererseits wird das Ursprüngliche in uns erst gedämpft, dann weggedrängt oder gar stillgelegt. Tiefere Gedanken und Erkenntnisse weichen zu oft den kurzweiligen Freudenausbrüchen über den neuen MP3-Player. Die Zeitersparnis als Folge des Fortschritts ist ein Trugschluss, der Fortschritt fordert und inkorporiert die Zeit, die wir uns nicht mehr für uns nehmen können.
Was eine Verunreinigung sein soll, weiß ich nicht so recht. Werte, Sprache sind stetig im Wandel.
Das Verschließen der Augen und Ohren tut nicht weh und bewahrt vor Problemen und unbequemen Gedanken. Ich möchte aber wissen, was um mich passiert, die Entwicklung beobachten und mich damit auseinandersetzen. Die Sprache ist ein Schatz. Durch die Sprache sind wir in der Lage, eigene Gefühle, Zustände, Ängste und Verlangen einem anderen Menschen zu vermitteln. Je umfangreicher der Wortschatz, desto genauer, schneller und eindringlicher können wir kommunizieren. Oft jedoch beobachte ich, dass die einzigen 2 Adjektive im aktiven Wortschatz "geil" und "scheiße" sind, begleitet vom Atrikel "dem". "Dem Daedroth find ich geil" oder "Meine Schwester kocht scheiße" (über die Zweideutigkeit lacht keiner mehr). Als Methode zur Informationsweitergabe gerade noch ausreichend, aber der Schriftsatz liest sich genauso. Das geschriebene Wort unterscheidet sich traditionell vom gesprochenen. Man hat mehr Zeit, auch außerhalb des aktiven Wortschatzes nach adäquaten Begriffen zu suchen und Geschriebenes ist nicht so flüchtig und vergänglich. Ich möchte hier niemandem zu nah treten, indem ich Zitate aus dem Forum heranziehe, um die Verunreinigung der Sprache zu veranschaulichen. Sicher, die Sprache ist stetig im Wandel, aber hoffentlich nicht mit dem Ziel "Boah alder scheiße, voll geiles Handy - dem muss ich konkret holen".
Dass diese verunreinigte und verarmte Sprache nicht imstande ist, das Essentielle in uns zu erfassen und auszudrücken ist vielleicht ein Glück

Ausführungen zum Wertewandel möchte ich mir hier ersparen. Die negative Entwicklung ist überall deutlich sichtbar.
Aber wir waren ursprünglich bei dem Essentiellen, das einen Einheimischen vom Zuwanderer unterscheidet. Zumindest im Gefühl des Einheimischen. Doch leider haben wir uns in Begriffszerpflückung verstrickt. Zumindest hatte ich die Gelegenheit, manche Wendungen zu erläutern - ein kleiner Schritt zu gemeinsamen Sprachbasis, Voraussetzung für effiziente Kommunikation

klarix