Nirn.de

Gast

Thema: Preview  (Gelesen 3152 mal)

  • Skelett-Magier
    • Untot
Wenn jemand Drakensang angespielt hat und der Allgemeinheit mitteilen möchte wie Gut oder Schlecht das Spiel ausgefallen ist hat er hier die Möglichkeit dazu.
  10.08.2008, 17:44
  • Offline


  • Spion
    • Klingen
Nach einer wochenendlichen Exkursion durch Drakensang, die jetzt allerdings in Trallon aufgrund von Motivationsmangel aufhörte, kann ich nur sagen, dass ich insgesamt extrem enttäuscht von diesem Spiel bin.
Ich kann nicht leugnen, dass mir das Spiel zuerst spaß gemacht hat, aber ähnlich wie bei Neverwinter Nights, stellte sich ungefähr ab Mitte des Spiels ein extremer Motivationsmangel ein...

Negativ:
- wenige bis keine Handlungsfreiheiten
- keine klassenspezifischen Quests
- Dialoge sind unabhängig von Rasse, Geschlecht oder Klasse gleich
- keine Auswahlmöglichkeiten bezüglich des Aussehens des Charakters beim Spielstart
- Einsatzmöglichkeiten von Gesellschaftstalenten lassen sich an einer Hand abzählen und per Speichern und Laden beeinflussen
- in den meisten Quests und Dialogen verhält man sich wie ein rechtschaffener Charakter (unabhängig von der Klasse)
- seltsames Kampfsystem, das viele Kämpfe zur Glückssache werden lässt und im Großen und Ganzen so gut wie keine taktische Herausforderung darstellt
- ein Magiesystem wie es seltsamer und unnützer nicht sein kann
- Fernkampf ist zu so gut wie nichts zu gebrauchen (Nahkampf ist hier IMMER besser)
- kaum Tiefe bei den Gruppenmitgliedern
- extrem leicht auszutricksende KI
- Endgegner zum Teil zu einfach
- viel zu kampflastig und viel zu wenig Möglichkeiten Kämpfen aus dem Weg zu gehen
- meist ist nur der erste Dialogteil synchronisiert und der Rest nicht...
- viele Talente, Sonderfertigkeiten und Zauber die man selten oder gar nicht einsetzen muss...
- Gruppenmitglieder bleiben hin und wieder irgendwo hängen (man läuft dann einfach normal weiter und irgendwann werden diese NPCs zu einem "teleportiert")
- NPCs scheint es egal zu sein, wenn man Kisten und Fässer kaputt haut oder Truhen an Marktständen knackt...
- einige Rechtschreibfehler... (peinlich peinlich aber nun auch nicht sooo schlimm)

Positiv:
- einige lustige Situationen (am besten ist die Sache mit Thalya in Moorbrück)
- Bilderbuchgrafik
- gute Athmosphäre (zum ersten Mal seit langem, sieht eine mittelalterliche Stadt mal schön realistisch aus)
- gute Synchronsprecher (und viele bekannte Stimmen)
- interessante Story (hängt vom Auge des Betrachters ab)
- viele Talente, Sonderfertigkeiten und Zauber
- kaum bis gar keine Bugs (wow!)

Ein richtiger Fehlkauf. Irgendwie glaube ich, dass ich verflucht bin. Alle Spiele, die ich mir in den letzten 3 Jahren gekauft habe, waren eine ziemliche Enttäuschung. Spiele, die ich mir zuerst auf nicht ganz legale Weise besorgt habe waren meistens ziemlich gut.
Werde das Spiel wahrscheinlich diese Woche wieder umtauschen und mir mein Geld zurückholen. An eine richtige Rollenspielrunde kommt dieses Spiel eindeutig nicht mal annähernd ran (was mir aber auch schon im Vorfeld klar war).

Und um mal was aus dem zweiten Post im allgemeinen Thread zu zitieren:
Zitat
Original von AbinsNirvana
...
Die Entwickler haben ein Spiel im Stile Baldurs Gate 2 angekündigt.
Da ich Baldurs Gate 1 & 2 sehr oft gespielt habe, ist das schonmal ein gutes Zeichen, was die Story angeht oder die Interaktion mit der Party.
...
Reicht in keinster Weise nicht mal ansatzweise heran...
0,391 Beiträge pro Tag
Qualität > Quantität
  10.08.2008, 20:49
  • Offline


  • Hexer
    • Magiergilde
Ein Spielbericht zu DSA-Drakensang


Gerade für Leute, die seit Langem das P&P „Das schwarze Auge“ kennen und lieben war das PC-Spiel sozusagen ein Musskauf, um die Welt, welche sie jahrelang in ihrer Fantasie zusammen mit anderen Mitspielern bereisten auch mal in 3D bewundern zu können. Wird alles so sein wie ich es mir immer vorgestellt habe? Werde ich bekannte Personen treffen? Werde ich Teil dieser Geschichte werden? Nun aber zu meiner persönlichen (etwas ausführlicheren) Bewertung, wobei einige Dinge ja bereits von meinem Vorredner genannt wurden:

Story:
Die Story ist durchaus ansprechend und episch und ohne viel zu spoilern kann ich wohl verraten, dass man - wie in den meisten anderen Rollenspielen auch - den Helden verkörpert, der große Taten zum Wohle Anderer vollbringt und letztendlich die Welt vor den Mächten des Bösen rettet. Klingt zwar nun recht abgegriffen dieses Thema, doch genau das ist wohlgemerkt was die meisten Spieler (inklusive mir) möchten. Der Auserwählte sein, der umjubelt wird und Großes leistet. Und das Konzept funktioniert.

Quests:
Auch Quests sind reichlich vorhanden, wobei die Hauptquest hier deutlich mehr im Vordergrund steht als beispielsweise bei Morrowind oder Oblivion, da viele Nebenquests erst nach Erreichen eines bestimmten Punktes im Spielverlauf freigeschaltet werden. Das mag manche Leute stören; mich persönlich stört es eher weniger, da die einzelnen Abschnitte der Hauptquest meist ohnehin in ein anderes Spielgebiet führen und - je nach Spielweise - recht langwierig und spannend sind. Was mich persönlich wirklich stört ist die Tatsache, dass bei den verschiedenen Questdialogen viel zu wenig auf die gewählte Rasse bzw. Klasse eingegangen wird. Es wird zwar durchwegs zwischen männlich/weiblich unterschieden, doch wird beispielsweise ein grimmiger Zwerg, eine leichtfüßige Elfe und ein verschrobener Magier vom Spiel in die gleiche Schublade gesteckt wie ein strahlender Krieger und dann kommen eben Situationen heraus, dass eine Amazone (Rhulana) einer Amazone (dem Spieler) etwas über die Lebensweise der Amazonen erklärt oder dass ein Zwerg als idealer Kandidat vorgestellt wird, die Schuld der Menschen gegenüber den Zwergen zu begleichen. (Zitat: Aber nun liegt es an den Menschen diese Schuld abzutragen (oder so ähnlich) und hier haben wir auch schon den idealen Kandidaten dazu! (Kameraschwenk Richtung Spieler)) So etwas verdirbt meiner Meinung nach etwas die Glaubhaftigkeit, da hier an der falschen Ecke gespart wurde. Wenn das Spiel schon so zuverlässig zwischen Männchen/Weibchen unterscheiden kann hätte man ja auch noch eine Rassen/Klassenabfrage und ein paar zusätzliche Dialoge spendieren können!

Grafik/Spielwelt:
Die Grafik ist durchaus zeitgemäß (inklusive netter Animationen der Spielfiguren wie zwischenzeitliches Gähnen und dergleichen) und auch die Spielwelt ist groß genug und angemessen detailliert gestaltet. Auch hier gibt es jedoch für mich einen Minuspunkt für die „instanzierte Welt“, nämlich dass man gewisse Bereiche der Spielwelt nur für bestimmte Hauptquestabschnitte betreten und nach der Aufgabenerledigung nie wieder dorthin zurück kann obwohl vielleicht noch die eine oder andere Nebenquest noch nicht gemacht wurde. Das hätte man durchaus ebenfalls besser lösen können! Ansonsten orientiert sich die Spielwelt grafisch stark am Mittelalter (was laut DSA-Lore auch richtig so ist) und die einzige größere (oberirdische) Stadt im Spiel - Ferdok - hat das Flair einer typischen europäischen Handelsstadt um 1500, wobei natürlich auch viele Fantasy- und DSA-Elemente zu finden sind. Dem Spieler wird im Spielverlauf auch ein eigenes Haus zum Zwischenlagern der gefundenen Sachen und Personen zugetragen, wobei es hier nichts zu meckern gibt. Andere Spieler meinen zwar sie hätten sich das Haus gerne selbst eingerichtet, doch ist das meiner Meinung nach nicht unbedingt notwendig.

Gameplay:
Das Spiel ist ganz auf das sogenannte „Party-Management“ ausgelegt, was bedeutet, dass  man zwar durchaus zu Anfang einen Hauptcharakter wählt, doch später im Laufe des Spiels auch NPCs aufgabelt, die man mit auf Reisen nehmen und wie Puppen lenken/ausrüsten kann, wobei einem maximal 3 NPCs auf einmal begleiten können (die anderen befinden sich in der Zwischenzeit im oben genannten Haus). Natürlich ist es hier auch wichtig, immer die richtigen NPCs für die richtigen „Arbeiten“ mitzunehmen, da nicht alle dasselbe können und man selbst auch nicht alles gleich gut beherrscht. Eine bunt gemischte Truppe mit allen Fertigkeiten ist meiner Meinung nach das Beste, obwohl hier - auch ein Minuspunkt - die Chars mit der Auslegung auf Diebesfertigkeiten mit der Zeit unnötig werden. Für Taschendiebstahl gibt es zu wenige Anwendungsmöglichkeiten innerhalb von Quests, Schlösseröffnen kann ein Magier viel schneller mit „Foramen Foraminor“, das Fallenstellen lohnt sich nicht und Fallen entschärfen auch nicht, da die meisten Fallen so wenig Schaden machen, dass ein hochstufiger Char den Lebensenergieverlust beim Auslösen schneller regeneriert als die Falle entschärft werden könnte. Auch die Gesellschaftstalente wie Betören und Überzeugen kommen leider nur äußerst selten wenn überhaupt zum Einsatz, stattdessen nimmt man dann lieber schlag/zauberkräftige Chars mit auf die Reise, da ja auch die Gegner immer zahlreicher und zäher werden je weiter man fortschreitet in der Geschichte. Wo wir auch gleich beim nächsten „Problem“ angelangt sind: der Kampflastigkeit. Also ich persönlich bin eine Spielerin, die durchaus einer kämpferischen Herausforderung nicht abgeneigt ist, doch was mir das fortgeschrittene Spiel hier bietet, ist meiner Meinung nach schon wieder zuviel des Guten. Die Endbosse der einzelnen Abschnitte können von mir aus gerne hartnäckig und nur mit überlegener Taktik zu knacken sein - nichts dagegen, doch die ständigen Dungeons (man verbringt hier wirklich viel Zeit in Dungeons), die auf dem Rückweg von der „Säuberung“ schon wieder Massen an neuen Gegnern enthalten, rauben mir manchmal den letzten Nerv. Sobald man den Boden vor lauter Gegnerleichen nicht mehr sieht ist das Ganze für mich kein DSA mehr sondern ein Monster-Metzelspiel a’la Serious Sam. Auch muss ich an dieser Stelle das leider sehr abgespeckte und teilweise seltsam zu bedienende Magiesystem erwähnen; ein Manko, dass es Magiern nicht gerade einfacher macht zu überleben.

Fazit:
DSA ist ein durchaus gutes Spiel, das einem jedoch sicherlich nicht wie beispielsweise Morrowind jahrelang vor dem PC fesseln wird. Man ist zwar versucht das Spiel ein zweites Mal durchzuspielen um beispielsweise eine andere Rasse/Klasse auszuprobieren und die ein oder andere Quest auf andere Weise zu lösen, doch dennoch bleibt es ein relativ kurzer Spaß. Ich selbst bin zwar noch nicht ganz durch, doch fast am Ende angelangt (mir fehlt nur noch die letzte Metzelorgie bis zum Ende) und ich werde es sicherlich noch einmal mit einem Krieger durchspielen nachdem ich nun eine Magierin gespielt habe. Alles in Allem aber kann ich das Spiel Leuten weiterempfehlen, die DSA schon als P&P kennen und bekannte Abschnitte Aventuriens nun auch einmal am PC sehen möchten bzw. Leuten, die gerne lineare Rollenspiele spielen und angesichts Unmengen von Monstern nicht so schnell die Nerven verlieren.
  20.08.2008, 10:17
  • Offline