Ich möchte hier ein paar Eindrücke, Patzer und Mängel auflisten, die mir während mehrmaliger Lektüre von "The Infernal City" (EV) und "Die Höllenstadt" (DV) aufgefallen sind. Dazu gehören u.a. auch Lore-Fragwürdigkeiten, weswegen ich den Beitrag in diesem Thread poste.
Neben den übersetzten Auffälligkeiten der EV beinhaltet die DV zusätzlich unnötige Schreib- und Übersetzungsfehler. Doch bevor ich zu den Ärgernissen komme, möchte ich die insgesamt gute Arbeit des Übersetzers Andreas Kasprzak anerkennen. Er besitzt die Fähigkeit, die englischen Inhalte mit leichten, verständlichen Sätzen ins Deutsche zu übertragen. Dabei bedient er sich einer Sprache, die erfreulicherweise nicht die Auswüchse der heute üblichen Texte beinhaltet. Er kommt ohne den "Deppenapostroph" aus und kennt den Unterschied zwischen "to realize" und "realisieren". Es "macht" nicht, sondern "ergibt" Sinn in seinen Texten. Außerdem hat sich Andreas Kasprzak mit dem Thema TES soweit beschäftigt, dass er viele Eigennamen korrekt auf deutsch wiedergibt, wie z.B. Krempen, Kleinmottien oder Himmelsrand (meistens).
Kleine
Schreibfehler schleichen sich immer ein und wegen der Vollständigkeit möchte ich auch diese hier erwähnen:
"die die" -> Doppelwort, S32
"Dochj" -> Tippfehler, S39
"Frischshce" -> "Frische" - Tippfehler, S41
"wWeder" -> Tippfehler, S45
"Flutmöglichkeit" -> "Fluchtmöglichkeit" - Wort falsch, S53
"Wemreddel" -> "Wemreddle" - Tippfehler, S84
"Grim" -> "Glim" - Tippfehler, 2x S100
"Ich verstehe nicht?" -> das sollte keine Frage sein, S101
"Ooral" -> "Oorol" - Tippfehler, S109
"denm" -> "dem" - Tippfehler, S115
"so dasssodass" -> "so dass" Doppelwort/Korrekturfehler, S115,212,239,300,301
"hatte hatte" -> Doppelwort, S117
"wir wir" -> Doppelwort, S139
"Qijnie" -> "Qijne" - Tippfehler, S142
"Shawwa" -> "Sharwa" - Tippfehler, S162
"als es" -> "als er es" - Wort vergessen, S164
"Megagastrologie" -> "Metagastrologie" - Tippfehler, S179
"ob sie das Slyrs Worte" -> "ob sie Slyrs Worte" - Wort zuviel, S179
"mich Euch" -> "mit Euch" - Wort falsch, S181
"ein Bild" -> "sein Bild" - Tippfehler, 181
"gegend" -> "Gegend" - Großschreibung, S197
"Schlange von etwa zwanzig Leute" -> Dativ, also "Leuten", S203
"durch den sie gekommen waren" -> sollte "wir" heißen, S235
"Dvaonreitenden" -> "Davonreitenden" - Buchstabendreher, S245
"ein verdammte Narr" -> "verdammter" - Tippfehler, S249
"wir werden uns dafür bestrafen" -> "sie werden" - falsches Wort, S259
"die Vorratsraum" -> "den" - falscher Artikel, S279
"Rashada" -> "Radhasa" - Name falsch, S297
Schreibfehler sind mir auch im Original aufgefallen, aber die meisten Leser werden sich an diesen Kleinigkeiten nicht stören. Es ist jedoch bemerkenswert, dass solche Fehler mit den heutigen elektronischen Rechtsschreibkorrekturen nicht behoben werden konnten. Es gibt nun mal kein "dochj" oder "denm" in der deutschen Sprache.
Darüber hinaus sind mir ein paar Begriffe und Wendungen aufgefallen, die ich
Stilfehler nennen würde:
- "Dad", S33 - unnötiger Anglizismus.
- "Nun,..." S78,80,83,88,123,125,129,130,132, 134,137,141,157,175,176,180,181,239,241,275,284
Ich meine hier nicht "Nun ja" oder "Nun denn", sondern gewöhnliche Satzanfänge, die nach englischem Vorbild mit "Nun, " verziert wurden. So spricht kein Mensch, außer in eingedeutschten Ami-TV-Serien. - "Sex", S113,225 - (auch EV) Begriff klingt zu modern und dadurch etwas unpassend für die TES-Welt, obwohl er schon in älteren Texten vereinzelt vorkam. Größtenteils jedoch wurde der Geschlechtsverkehr bisher sprachlich passend beschrieben.
- "Ayleiden-Elfen", S135 (auch EV) - doppelt gemoppelt, wie Dunmer-Elfen
- "I think I can make a metagastrologic." (EV S131) das Wort ist ein Adjektiv, wird aber wie ein Substantiv benutzt, der auch vom Satzbau her erwartet wird. Von daher ergibt schon der englische Satz wenig Sinn. Andreas Kasprzak versucht es korrekterweise mit einem Substantiv zu übersetzen ("Metagastrologie" (DV S144,146)), was aber jetzt von der Bedeutung her unglücklich ausfällt. Die Endung Logie beschreibt nämlich keinen Zustand (wie im Buch beabsichtigt), bei dem die besondere Wirkung von Annaïgs Speisen einsetzt, sondern eine Lehre oder Wissenschaft. Unterm Strich: Ungeschickter Begriff, fragwürdige Nutzung
(Ein native speaker hat diese Ansicht bestätigt) - "vertrau mir", S201 - sollte "vertraut mir" heißen, wie bisher immer. Die Anrede in 2. Person Plural bei manchen Personengruppen ist eine Besonderheit in der DV und meines Wissens nur an dieser einen Stelle vergessen worden.
- "Revolution", S259 - (auch EV) Begriff zu modern. Auf der Erde als gewaltsamer politischer Umsturz erst ab 18. Jahrhundert gebräuchlich. "Revolution" kommt vereinzelt auch in älteren TES-Texten vor, doch die Chance einer sprachlich passenden Umschreibung wurde hier wieder vertan.
Es gibt auch
Übersetzungsfehler (in Zweifelsfällen habe ich bei native speakers nachgefragt):
- "Ne-Quin-alian" -> "Ne-Quin-artig" (S8 oben): Übersetzt in Unkenntnis des Ursprungswortes "Ne Quin-al" (ehem. Hauptstadt von Anequina). Es sollte wie Hungarian verstanden werden, also "aus Ne Quin-al" oder "Ne-Quin-aler"
- Das Pantheon der Acht, später Neun Göttlichen ist stark verwurzelt in der TES-Welt und wurde zu einem festen Begriff. Deswegen wirken andere Bezeichnungen oder 1:1 Übersetzungen zumindest ungewöhnlich.
"By the gods" -> "Bei allen Himmlischen" (S8 Mitte): noch nie in TES-Texten vorgekommen. Gewöhnlich wird verwendet "Bei den Göttern", "Bei den Göttlichen" - "Divines" -> "Geistliche" (S20)
- "thank the Divines" -> "den Himmlischen sei Dank", S116,246
- "Divines" -> "Bei allen Himmlischen", S120, aber "Göttliche" S162,227,294
- "the prince's touch" -> "die Berührung des Prinzen" (S10): Azura ist weiblich
- "the prince" -> "der Prinz" (S10): Azura ist weiblich
- "my Prince" -> "mein Prinz" (S11): Azura ist weiblich
- "'Azura' - one of the daedric princes" -> "'Azura' - der Name einer der daedrischen Prinzen" (S184): Unsicherheit, ob m oder w
(Gottheiten wäre ok)
aber dann hat sich Herr Kasprzak für die Weiblichkeit entschieden: - "Prince Azura" -> "Prinzessin Azura" (S282) + "sie, ihr, ihre, ihrem"
Schade, dass die ersten Seiten nicht entsprechend korrigiert wurden. - "ebon" -> "ebenholzfarben" (S15): ebenerzfarben
- "Festering Jewel" -> "das Brandige Herz" (S15): nicht übersetzt, denn "das brandige Herz" (DV S18) ist "gangrenous heart" (EV S14)
- "Merithic era" -> "Merithic-Ära" (S25) und "merithische Ära" (S169): üblicherweise Meretische Ära, seltener: Merethisch
- "Skyrim" -> "Skyrim" (S26): Himmelsrand, wie auf S215
- "Weye" -> "Weyhe" (S27): Name unnötig geändert. Auch der deutsche Name ist Weye.
- "lady's mantel seed" -> "Mandelsamen" (S33): sollte Frauenmantelsamen heißen
- "all of the people" -> "alle Völker" (S38): nur Argonier sind gemeint, also eher 'das ganze Volk', 'die ganze Nation', 'alle Landsleute'
- "venin-bat" -> "Veninfledermaus" (S51): Giftfledermaus
- "ampher venin" -> "Ampfervenin" (S275): Ampfergift
- "Merish" -> "Merish" (S74): nicht übersetzt. Sollte Meretisch heißen, oder zumindest Merisch
- "brass" -> "Kupfer" (S41,47): Messing ist gemeint, wie auf S239
- "iron" -> "Kupfer" (S83): Eisen ist gemeint
- "tartan pattern" -> "Schottenmuster" (S87): korrekte Übersetzung, aber das Wort ist in der TES-Welt fehl am Platz
- "parser" -> "Parser" (S91,186,240): in einer Küche eher Prüf-, Test-, Sieb-, Kontroll-Gerät zum Inspizieren, Aussieben, Zerlegen oder Überwachen.
Besser gelöst: "to parse" -> "zermahlen" (S91) - "Manor" -> "Manor" (S108): nicht übersetzt. In bisherigen TES-Texten: (Herren)Haus, Gut, Festung. In diesem Fall (des niederen Fürsten Ghol) wäre es vielleicht ein Anwesen.
- "hedgehog" -> "Igel" (S110): Vermutlich ist aber ein Stachelschwein gemeint
- "rods" -> "Algen" (S124): eher Halme, Stiele oder Stängel, aber nicht Algen
- "Sardavar Leed" -> "Sardavar Leed" (S135): Deutscher Name: "Sardavar Lihd"
- "West Weald" -> "Westebenen" (S138,157): unnötige Vervielfachung - die Region heißt "Die Westebene"
- "viper" -> "Otter" (S143): halbe Seite später ist es "Mondnatter", weiter auf S145 ist es "Natter". Also ist "Otter" hier falsch.
- "Ayleids" -> "Ayleids" (S144): nicht übersetzt, korrekt: Ayleïden
- "ethereat" (2xS132) -> "ätheretrisch" (S144): Wenn das eine neue Wortkreation ist, dann könnte die Übersetzung passen. Es könnte aber auch ein Schreibfehler sein ('ethereal'), dann wäre es 'ätherisch' oder 'himmlisch'.
- "Abgesehen von Radhasa waren da noch eine andere Bretonin,[...]" -> "andere" deutet auch auf Radhasas Rasse hin, die jedoch Rothwardonin ist (EV ist ok, ohne "andere"), S156
- "Riverhold" -> "Flussrand" (S157,158): sollte Stromfeste heißen
- "Water's Edge" -> "Flussrand" (S244x3,298): sollte Staade heißen
- "The face of the woman he'd failed." -> "Das war das Gesicht der Frau, die er getäuscht hatte." (S182): Die Übersetzung ist nicht korrekt. Es sollte heißen: "die er vermisst hatte."
- "short-grass" -> "wenige Zentimeter hohem Gras" (S191): unnötige 'Vererdlichung' (weitere siehe unten)
- "cravats" -> "Krawatten" (S192): wohl eher Halstücher
- "Where are my manners?" -> "Wo sind deine Manieren?" (S193): Sinnverdrehung durch falsche Übersetzung (sollte "meine" heißen)
- "You also have manners" -> "Dann hast du also doch Manieren" (S193): Folge der vorherigen Sinnverdrehung (sollte "Du hast auch Manieren" heißen)
- "Winged twilight" -> "Geflügeltes Zwielicht" (S241): gemeint ist der Flederschatten
- "Inner Sea" -> "Innere See" (S288,289): Unüblich. In früheren Texten wird vereinzelt 'Das Innere Meer' benutzt, aber in 90% der Fälle: 'Langes Meer'
- "Foaming Flask" -> "Schäumende Flasche" (S291): Die Taverne heißt "Zum Schäumenden Flachmann"
- "Now you're full of sliwv." -> "Jetzt bist Du voller Sliwv." (S142): Scheint eine Wortschöpfung zu sein. Vielleicht richtig, es nicht zu übersetzen (Sinn: "voller Leben")
- "Sweetwater" -> "Süßwasser" (S150): Wenn man annimmt, dass Sweetwater aus dem Sweetwater camp entstanden ist, dann sollte die Übersetzung lauten: Seewasser
Logikfehler (EV+DV):
- S79: "Von den vier unteren Gruben hat die Kropfgrube den kräftigsten Geruch."
dann waren sie an der Kropfgrube und es heißt jetzt:
S85: "...und vier weitere Gruben" - als ob es insgesamt fünf untere Gruben geben würde - S83: "fünf verschiedene Öffnungen" + S85: "Fünf Küchen...", aber
S84: "deutete der Reihe nach auf jedes der Löcher." (und zählt nur 4 auf) "Aghey, Qijne, Lodenpie, Fexxel." - S159: Attrebus badet nackt im Bach, stürzt (nackt) aus dem Wasser, kämpft (nackt) einige Runden mit Radhasa
S160-165: diskutiert (nackt) mit Radhasa, beobachtet (anscheinend immer noch nackt) Suls Kampf, redet mit Sul
S166: erst jetzt holt er seine Habseligkeiten. - Hier geht es um die Anzahl der Entführer von Attrebus:
S164: Sul sagt: "noch zwei übrig", aber es sind noch drei: Tsani, Ma-fwath und J'yas
S165: "Diese vier hier", aber es waren 3 HIER: Radhasa, Urmuk und Sharwa (EV: keine Zahl, also ok)
S165: "einer der beiden, die noch fehlen", aber es fehlen noch drei. (EV: "One of those two" - ok) - S261: Sie landeten in Hircines Reich und waren "im dichtesten Wald, den Attrebus je gesehen hatte" (deepest forest). Aber...
S262,263: ...ohne sich von der Stelle zu rühren und nach ein paar Gesprächen betrachtete Sul den "eigentümlich lichten Wald" (clear forest)
Lorefehler (EV+DV):
- Ganz allgemein: Bretonen haben bekanntlich eine angeborene, natürliche Affinität zur Magie. Diese immanente arkane Begabung wird bei Annaïg mit keinem Wort erwähnt. Vielmehr wird sie wie eine Kaiserliche mit einem Alchemie-Tick dargestellt. Bei vielen beschriebenen Gelegenheiten hätte sie ein kleiner Zauber weiter gebracht.
- S44: Hecua zu Annaïg: "Aber ich habe noch nie in meinem Leben von der Formel für eine Rezeptur gehört, die jemanden fliegen lassen kann."
Falls das nicht einfach nur Hecuas Unwissen ist: Levitationstränke konnte man noch vor vier Jahrzehnten in Morrowind kaufen und selbst brauen. - S44: Annaïg: "Ich habe gehört, dass Lazarum von der Synode einen Weg gefunden hat zu fliegen."
Allgemeine Info? Oder Unwissen? Levitationszauber sind in früheren TES-Spielen bekannt gewesen. Die Anwendung dieses Zaubers ist auch in der Literatur überliefert worden. Annaïg soll angeblich belesen sein. - Wo liegt Kleinmottien? Alle Karten zeigen, dass die Stadt auf einer Insel im äußersten Südosten von Schwarzmarsch liegt. Doch wo genau auf dieser Insel? Ein Teil der Karten zeigt die Stadt in der Inselmitte, auf anderen Karten liegt sie an der Nordküste. Im Roman wird ausführlich der Hafen beschrieben, also liegt Kleinmottion an der Küste. Die folgende Beschreibung suggeriert jedoch, dass die Stadt an der Südküste liegt:
S41: "[Urvwen] ließ den Blick über die Menge und an den bunten Masten der Schiffe vorbei nach Süden schweifen, dahin, wo die Bucht in das weite Meer überging."
Wenn er vom Hafen aus nach Süden schaut und das Meer sieht, müssten alle bisherigen Karten falsch sein. Doch es gibt weitere Hinweise:
S68: Annaïg und Mere-Glim sind bereits auf Umbriel und fliegen nordwärts. "Schließlich erreichten sie die Reisplantagen südlich von Kleinmottien[...]"
S232: Attrebus: "Es [Umbriel] hat fast einen Tag gebraucht, um die Entfernung von der Südküste der Schwarzmarsch nach Kleinmottien hinter sich zu bringen, die Annaïg zufolge ungefähr fünfzehn Meilen beträgt."
Kleinmottien liegt also nicht an der Südküste. Die Beschreibung auf S41 dürfte also falsch sein. - S134: "[...]Gelbe Straße in Richtung Südosten, bis wir auf den Silberfisch-Fluss stoßen. Dann geht es über Land weiter, denn dort gibt es keine Wege mehr[...]"
Es gab aber genau dort einen Weg, wie man im Argonischen Bericht I nachlesen kann. Dieser Weg führte Decumus Scotti bis zur Grenze.
Parallel zu diesem führt weiter nördlich ein Weg nach Osten. Diesen kann man sogar in TES IV von der Gelben Straße bis Malada benutzen. In TES I geht er noch weiter nach Süd-Morrowind und gabelt sich dann nach NO und S. - S135,144: "Ayleids" / "Ayleiden" - Schreibweise mit ï. Der Buchstabe ist bekannt: Annaïg
- S138: "Niben Valley" / "Niben-Tal" - die Region/Landschaft heißt Nibenay Valley / Nibenay-Tal, wie auf S201 (DV)
- Suls Verweildauer in Oblivion:
S10: "[...]alles daran roch nach Oblivion. Nachdem er dort zwanzig Jahre zugebracht hatte, kannte er diesen Geruch nur zu gut."
Aber
S235: "[...]nach Oblivion geschleudert. Für die nächsten achtunddreißig Jahre." - S254, 1. Absatz: Vermutung liegt nahe, dass der Autor Morrowind mit Vvardenfell gleichsetzt. Es liest sich so, als ob Morrowind nur aus Aschland bestünde. Das ist auch nach dem Vulkanausbruch kaum anzunehmen, wenn Solstheim und Ost-Cyrodiil verschont wurden.
- S287: Ilzheven erinnert sich an das gemeinsame Haus in einem Bambuswäldchen, wo Larkinge sangen. Aber auf Vvardenfell gab es weder das eine noch das andere (ich weiß es, denn ich war zu dieser Zeit dort
) - S289: "islands" / "Inseln": Solstheim ist gemeint. Das ist aber nur eine Insel.
Ein ärgerlicher Punkt ist die fortschreitende
"Vererdlichung", also die hemmungslose Verpflanzung von Dingen aus unserem täglichen Leben in die TES-Welt.
Viele haben sich in Foren aufgeregt über die optisch gut umgesetzten, aber doch gewöhnlichen und fantasielosen TES IV-Landschaften. Oft las ich: "Wenn ich einen Wald sehen will, gehe ich aus dem Haus! Da brauche ich kein TES-Game dafür.". Auch Sachen aus Omas Küche und Garten und bekannte Erd-Tiere finden sich in der Welt von TES IV: Apfel, Birne, Orange, Mais, Pfeilwurz, Wassermelone, Rindfleisch, Brombeere, Erdbeere, Karotte, Käse, Mehl, Knoblauch, Ginkgo, Ginseng, Weinrebe, Weintrauben, Schinken, Lauch, Salat, Tomate, Zwiebel, Kürbis, Rettich, Tabak, Esche, Steinpilz, Flachs, Prunkwinde, Kannenpflanze, Primel, Tigerlilie, Wasserhyazinthe, Zinnoberschwamm, Speitäubling, Rötling, Frauenmantel, Aloe Vera, Wurmholz, Wiesenschaumkraut, Natternkopf, Akelei, Eisenhut, Tollkirsche, Lotus, Fenchel, Minze, Pfingstrose, Lavendel, Maiglöckchen, Johanniskraut, Seetang, Alocasia, Fliegenpilz, Bergamotte, Fingerhut, Hammel, Hirsch, Hund (als Haustier), Schaf, Berglöwe, Wildschwein und Wolf. Alles typisch für die Erde.
Mods wurden belächelt, die zusätzlich Hühner und Kühe auf die Höfe von Vvardenfell oder Cyrodiil brachten. Denn für die meisten Spieler war da die Grenze erreicht. Schon alleine bei Apfel oder einem Hirsch wäre es ein fast unmöglicher Zufall, dass sich auf einem anderen Planeten in einer anderen Welt exakt die gleichen Pflanzen und Lebewesen entwickeln. Natürlich ist es eine Fantasie-Welt, in der alles möglich ist. Nur... wo ist denn die Fantasie geblieben?
"The Infernal City" geht hier noch einen Schritt weiter und führt völlig neue, originelle und atemberaubende Pflanzen und Tiere ein: Ingwer, Anis, Koriander, Zimt, Kardamom, Safran, Gerste, Geißblatt, Wacholder, Pappeln, Zypressen, Tamarisken, Olivenbäume, Palmen, Bambus, Eukalyptus, Hahn, Hennen, Sperling, Habicht, Stinktier, Gecko, Skorpione, Ochsen, Austern, Flunder, Wal, Delfin, Tausendfüßler, Glühwürmchen, Antilopen, Quallen und Haie.
Aber auch Viktualien und andere fantastische Dinge wie Schokolade, Kokosmilch, Erdnüsse, Datteln, Lakritz, Gänseeier, Kirschen, Limonen, Pflaumen, Nudeln, Chilischoten, Essigfleisch, Granat, Basalt, Stecknadelkopf, Gelbsucht, Vitriol und Porzellan werden "importiert".
Fehlt noch Cola und Pommes, aber es kommt noch ein zweiter Teil des Romans...

Auch die Chance auf Einführung TES-spezifischer Längen- und Gewichtseinheiten oder Benutzung bereits vorhandener (Pertan, Angaid) wurde vertan:
"pounds" / "Pfund" (S203,204)
"miles" / "Meilen" (S157,227,232,233,308)
Andreas Kasprzak erbarmte sich aber auch und rechnete wenigstens um:
"twenty miles" / "dreißig Kilometer" (S41,44)
"mile, inches" / "Kilometer, Zentimeter" (S47,59)
"ten feet" / "drei Meter" (S63,65,127,128,266)
"two feet" / "siebzig Zentimeter" (S218)
Eines bleibt noch zu beleuchten:
Der Grundgedanke, die Leitgeschichte des Romans.Kurz gesagt: Der mächtige Umbra befürchtete, von Clavicus Vile wieder in seinem Schwert gefangen zu werden und schleuderte es nach Mundus. Jetzt ist Vuhon mit Umbriel nach Nirn gekommen, um das Schwert zu holen. Sul will das verhindern.
Die Motive von Vuhon und Sul und der Verbleib des Kriegers Umbra und des Schwertes werden wohl im zweiten Teil geklärt. Aber schaut man sich die Geschichte genauer an, wird ein großes Problem sichtbar: Der Roman ignoriert die bisherige Lore.
Was bisher über Umbra überliefert wurde, ist folgendes:
- Ein besonders starkes Schwert, das die Seele des mächtigen Kriegers Umbra enthält. Diese Seele beeinflusst und verändert den Träger und wird nicht entladen. Darüber hinaus ist das Schwert mit Seelenfalle verzaubert, wofür Aufladungen mit zusätzlichen Seelen nötig sind (Die Spielmechanik unterstützt die Beeinflussung des Spielers nicht)
- Vor langer Zeit "besprach" die Hexe Naenra Waerr das Schwert (ob es damals schon Umbra hieß, ob es jemandem gehörte oder wer es dann an sich nahm, ist unbekannt. Vermutlich verzauberte Naenra das Schwert mit Seelenfalle, denn der Krieger Umbra soll von Clavicus Vile persönlich im Schwert eingeschlossen worden sein.)
- Irgendwann im Jahre 3Ä 427 trug ein Ork das Schwert auf Vvardenfell (woher und seit wann er das Schwert hatte, ist unbekannt. Allerdings war seinen Worten zu entnehmen, dass er es schon einen Teil seines Lebens bei sich trug. Er sprach von einem Fluch, dass ihn niemand besiegen könnte - vielleicht ein Hinweis auf den Einfluss der Umbra-Seele)
- Im Jahr 3Ä 433 (und den Jahren davor) trug die Waldelfe Lenwin das Schwert in Cyrodiil (zu dieser Zeit war die Seele von Umbra zweifelsohne im Schwert gefangen, denn Irroke weiß von den Veränderungen an Lenwin zu erzählen. Auch Clavicus selbst sagt "In ihm lebt die Seele von Umbra, einem Helden, mit dem ich in der Vergangenheit zu tun hatte." und "Ein erbärmliches Schwert mit einer erbärmlichen Seele".)
Der Roman ignoriert das und erzählt, dass bis ca. 3Ä 430 das Schwert in Oblivion bei Umbra war, danach auf Nirn. Wie kann das sein, wenn es Jahre davor schon von dem Ork in Tamriel getragen wurde?
Trotz des unterschiedlichen Aussehens (Unachtsamkeit von Bethesda) ist das Schwert des Orks und von Lenwin das gleiche. Es trägt den gleichen Namen, hat vergleichbare Verzauberung und korrumpiert den Träger auf gleiche Weise. Doch ist es auch das Schwert aus dem Roman? Offenbar ja. Die Verbindung von bisheriger Lore mit dem Roman ist die Daedra-Quest von Clavicus Vile. Sowohl in der Quest, als auch im Roman will Clavicus das Schwert haben. Und sowohl in der Quest als auch im Roman hat Clavicus mit dem Krieger Umbra noch eine Rechnung offen.
Doch im Roman wird die Existenz des Orks ignoriert. Es wird auch außer Acht gelassen, dass das von Clavicus, Umbra, Vuhon und Sul gesuchte Schwert bereits von Lenwin gefunden UND vom Helden von Kvatch an Clavicus übergeben wurde (auch wenn manche Spieler das nicht taten). Kontinuität und konsistente Lore sieht anders aus.
Aber vielleicht kannte Greg Keyes diese Lore nicht. Überhaupt hatte ich bei der Lektüre das Gefühl, dass der Roman sich an nur zwei Sachen aufhängt:
- der Clavicus Vile Quest, aus der der Autor die offene Rechnung mit Umbra aufgreift und
- der übermäßigen Lektüre der Obskuren Texte der Imperial Library (die nicht die offizielle Lore wiedergeben)
Der zweite Punkt wird an zwei Stellen im Roman deutlich und es ist zu befürchten, dass all die Fantastereien der IL-Forumuser die Grundlage der ganzen Geschichte bilden. Das ist sehr schade, denn die TES-Lore brauchte bisher solchen User-Input nicht und war in sich einigermaßen rund und stimmig. Ich hoffe sehr, dass der Einfluss der Obskuren Texte auf den Roman ein K.O.-Kriterium für die Aufnahme in die TES-Lore darstellt und wir nicht irgendwann tatsächlich von Akatoshs Raumschiff und seiner Landung auf Nirn lesen müssen.
Für mich persönlich darf der Roman aus 4 Gründen nicht zu Lore gehören:
- Zerstörung von Morrowind und damit der Kultur, Geschichte und der historischen Bauwerke der Chimer/Dunmer und Dwemer.
- Die Abschaffung der Magiergilde, einer der bedeutendsten und einflussreichsten Vereinigungen in der Geschichte Tamriels.
- Nichtbeachtung der Lore und damit des Wissens langjähriger Spieler. Der Roman verfolgt einen Faden und ignoriert links und rechts das Land, seine Geschichte und Bedeutung.
- Stattdessen werden absonderliche Ideen und bizarre Gedankenergüsse aufgegriffen, die die bisherige Lore umkrempeln, umgestalten und transformieren.
Aber vielleicht sollte ich mir keine Sorgen machen und alles ist nur ein Traum, aus dem Annaïg zum Ende des zweiten Teils aufwachen wird

Alles wird gut *streichel*
klarix
