57.Tag – Stufe 25
Vom Gwedenhof aus wanderte Skooma direkt nach Norden, mitten durch die nächtliche Landschaft der Goldküste. Am Schrein von Alkosh beichtete er seine gesamten Sünden der letzten Wochen. Es dauerte eine Weile, bis er fertig war. Skooma nahm es mit den Göttern ja meist nicht so genau, aber der Drachenkönig der Katzen ließ sich nicht täuschen. Mit reinem Gewissen ging es weiter bis zur Gottshaw-Herberge und dann zurück auf der Straße nach Anvil.
Die Herberge „Zum Brinakreuz“ tauchte im Morgengrauen hinter den Hügeln auf. Er trat ein. Schummerige Beleuchtung empfing ihn. Außer dem müde wirkenden Wirt waren noch drei Personen anwesend. Skooma setzte sich und bestellte sich Met und etwas zu essen. Nach einer Weile bemerkte er, dass zwei der Frauen ihn beobachteten. „Nicht schon wieder so eine Bande!“, dachte er und stand auf. Doch diesmal schienen die Frauen nicht auf ein Abenteuer aus zu sein, auch nicht dem Anschein nach. Die finster dreinblickende ältliche Hochelfe kam zuerst an seinen Tisch. Skooma beschloss, sie zu reizen. Wenn sie schon auf Ärger aus war, dann hier, wo er Rückendeckung hatte. Doch irgendwie prallten alle Provokationen an ihr ab. Selbst die „Mittelkralle“ brachte nicht das gewünschte Ergebnis. Na dann eben nicht.
Die andere Frau stellte sich flüsternd als Arielle Jurard vor. Da war doch was? Dieser Name? Skooma kramte in seinem Gedächtnis. Richtig, die Kontaktperson von Carahil. Erfreut wollte er sie in ein Schwätzchen vertiefen. Doch sie wehrte ab. „Nicht hier. Nehmt Euch ein Zimmer und wartet dort auf mich.“ Auch gut. Skooma löhnte für das Essen und ließ sich eine der schmuddeligen Kammern zuweisen. Der Wirt Christophe stellte sich als genauso gesprächig wie neugierig heraus. „Ein fahrender Händler seid ihr also? Na ja, in diesem Aufzug hätte ich das nicht vermutet. Womit handelt ihr denn? Was, Zucker? Und damit kann man Geld verdienen? Oder meintet ihr etwa ... ? Nein, ich will es gar nicht so genau wissen. Hier habt ihr den Schlüssel. Eure Kammer ist oben, letzte Tür rechts ...“ Aus den Augenwinkeln sah Skooma noch, wie die Ohren der Altmer immer länger wurden.
Er hatte es sich im Zimmer noch nicht mal gemütlich gemacht, da stand Arielle schon in der Tür. „Geht morgen früh nach Osten“, gab sie ihm weitere Anweisungen, „ich werde euch mit einem Kampfmagier folgen. Euch wird nichts geschehen.“ Das wollte Skooma doch hoffen.
Bis morgen warten, so eine Zeitverschwendung. Skooma beschloss, sich die Gegend einmal genauer anzusehen. Viel war hier nicht los, ein verlassenes Lager und ein wütender Eber (Dremonafutter) waren alles, was er an Zerstreuung fand. „Eigentlich ist es Blödsinn, bis morgen zu warten“, dachte er sich. Noch ein kurzer Mittagsschlaf und Skooma war auf dem Weg nach Kvatch. Die beiden Magier hatten seine Abreise natürlich mitbekommen und folgten ihm.
Sie gingen nur ein kurzes Stück. Plötzlich sprang die Altmer aus den Büschen. Da hatte Skooma doch Recht gehabt, mit seiner Vermutung. Nun rasch etwas beschwören, und dann ab auf den nächsten Felsen. Im Zickzack den heransausenden Blitzen und Feuerbällen ausweichend stürmte er los. Nur gut, dass er jeden Tag klettern übte. Die Magierin konnte ihm nicht folgen. Von oben hatte er dann eine wunderbare Aussicht auf den Kampf, der mit Hilfe der grausigsten Kreaturen (auch eine Riesenspinne war dabei) ausgefochten wurde. Seine gute Laune wurde nur durch den Umstand getrübt, dass die Elfe nicht viel an brauchbaren Sachen bei sich trug.
Auf dem Rückweg, in der Nähe der Hrota-Höhle, sah sich Skooma plötzlich einem Berglöwen gegenüber. Er hatte einen Heidenrespekt vor diesen vierpfotigen „Verwandten“. Das Erlebnis von Skingrad steckte ihm noch in den Knochen. Und auch heute benötigte er die Kampfkraft von acht Dremona, um das Tier zu besiegen.
Zurück in Anvil klopfte er zuerst bei Arvena Thelas. Sie antwortete zwar nicht, aber die Tür war nicht verschlossen. Skooma fand die Dunkelelfe in der oberen Etage ihres Hauses. Sie war völlig aufgelöst. Irgendetwas Schreckliches beunruhigte ihre „Babies“ im Keller. „Schnell, schnell seht nach!“ Damit scheuchte sie Skooma die Treppe herab. Zur Sicherheit unsichtbar und mit dem Beschwörungsspruch auf den Lippen schlich er sich nach unten. Er spürte die Anwesenheit eines großen Raubtieres bevor er es sah, hob sein Schwert zum Schlag und ... Treffer. Der Dremona stand nur untätig in der Gegend rum. Schon Skoomas erster Schlag hatte den Berglöwen halbiert. Das sollte ihm erst mal jemand nachmachen.
Gleich darauf erzählte er Arvana von seiner Heldentat und von dem riesigen Loch in ihrer Kellerwand.
Auch Dunmer konnten bleich werden, wieder eine neue Erfahrung. „Wo einer ist, treiben sich bestimmet noch mehr herum. Sucht Pinarus Inventius, den Jäger. Er wird wissen, was zu tun ist“, sagte sie.
Und Skooma hatte sich schon gefreut, diesen Auftrag erledigt zu haben. Nun gut, Pinarus wohnte nur ein paar Häuser weiter. Mit etwas Glück war er zu hause. Skooma sah nur schnell noch bei Carahil in der Gilde vorbei, damit sie seine Empfehlung auch rechtzeitig abschicken konnte. „Viel Erfolg beim Studium in der Kaiserstadt“, wünschte sie ihm. Irgendwie hatte Skooma dabei das Gefühl, Carahil wäre froh, ihn los zu sein, doch warum nur?
Pinarus war zu hause und er war noch wach. Sofort erklärte er sich bereit, mit Skooma auf die Berglöwenjagd zu gehen. Allein? Nein, ein Mitglied der Kämpfergilde würde sich solch einen Spaß doch nicht entgehen lassen. Skooma war schon ein echter Witzbold. Skooma selbst sah sich eher als Pechvogel. Er setzte seine mutigste Miene auf und folgte Pinarus in sicherem Abstand.
Vor der Stadt trennten sie sich. Pinarus nahm den Weg und Skooma erkletterte ein paar Felsen, um dem Jäger von dort Deckung zu geben. Dabei entdeckte er das Löwenrudel sogar zuerst. Sorgfältig zielend schoss er einige blitze auf die Tiere, traf sogar ab und zu. Den Rest (so kümmerliche 90% der Arbeit) erledigte der Jäger mit dem Schwert. So schlimm war es ja nicht. Die Berglöwen waren schwach und halb verhungert. Damit brauchte sich ein geübter Kämpfer wie Skooma nun wirklich nicht abgeben.
Schnell lief er zurück zu Arvena, um sich seinen verdienten Lohn zu holen. Doch immer noch war sie nicht zufrieden. Wie auch, es rumorte schon wieder im Keller. Seufzend ging Skooma für Ruhe sorgen, für endgültige Ruhe! Die fehlenden Portionen Rattenfleisch schrieb er dem Löwen auf’s Konto. Arvena war trotzdem nicht zufrieden. Jetzt verdächtigte sie eine Nachbarin, ihr die ganze Sache eingebrockt zu haben. Skooma sollte sie gefälligst beschatten und auf frischer Tat ertappen ...
58.Tag – Stufe 26
„Beschwört nie wieder Skelette im Schlafsaal der Kämpfergilde!“ Mit diesen mahnenden Worten schickte ihn Azzan noch vor dem Frühstück in die Stadt. Skooma sah sich etwas im Hafen um. Die Argonierin zu beschatten, hatte er im Moment keine Lust. Hier war es viel aufregender, zum Beispiel auf dem Schiff dort. An Deck der „Clarabella“ war niemand zu sehen. Es stand auch kaum Ladung herum, also würde er es mal drinnen versuchen. Geräuschlos öffnete er die Tür. Der Kapitän, dem Aussehen nach sicher ein Pirat oder Schmuggler, sah ihn trotzdem. Er war ein guter Kämpfer und machte es Skooma sehr schwer. Aber schließlich hatte er angefangen. Skooma verteidigte sein Fell bis zum bitteren Ende ... für den Piraten. Danach benötigte er fast zwei stunden, um sich wieder zu heilen. Er sollte wirklich vorsichtiger werden.
Die Beute war eher mäßig, aber Skooma hatte ja noch genug Geld dabei. Sein nächster Weg führte ihn zur Kapelle. Die schweren Tore fühlten sich warm an, als er seine Pfoten dagegen lehnte. Im inneren erwartete ihn ein Anblick des Grauens. Alles war verwüstet. Eine Leiche lag auf dem entweihten Altar, weitere in den Gängen. Überall schwelten noch kleinere Brände vor sich hin. Und dann diese blutigen Runen. Jemand schien lästerliche Beschwörungen auf den Boden geschrieben zu haben.
Doch die unmittelbare Gefahr schien gebannt. Skooma konnte nirgends ein Lebenszeichen ausmachen. Damit hatte er also wieder einen Auftrag. Er musste unbedingt die Kellerräume vor Plünderern schützen. Am besten würde es sein, alles Wertvolle erst mal raus zu schaffen. Die Taschen vollgestopft mit wertvollen Büchern und Silbergeschirr verließ er bald darauf die Kapelle.
Den Rest des Tages trieb sich Skooma in Anvil herum. Er besuchte das Schloss und entdeckte die Schmugglerhöhle darunter, genoss die Aussicht vom Leuchtturm, sprach mit Norbert Lelles in dessen Laden und erinnerte sich schließlich wieder an seine Aufgabe.
Im Garten von Arvena Thelas legte er sich auf die Lauer. Es wurde Abend und Nacht. Skooma war kurz vor dem Einschlafen, als endlich die Argonierin erschien. Sie hatte müffelnde Fleischbrocken dabei, die sie nahe des Hauses auslegte. Sie erstarrte, als er ihr auf die Schulter tippte. Erwischt! Ja, sie hasste Ratten, gestand sie, aber Berglöwen anlocken, das hatte sie nun wirklich nicht gewollt. Er würde sie doch nicht an ihre Nachbarin verraten? Federweber war eine angesehene Akrobatik-Lehrerin, der Skandal würde ihren guten Ruf sicher ruinieren.
Hm, nach reichlichem Nachdenken hatte Skooma eine Idee, die für alle von Vorteil sein konnte, besonders natürlich für ihn. Arvena zu belügen fiel ihm nicht schwer und die stattliche Summe von 600 Goldstücken beruhigte sein Gewissen vollends. Das kostenlose Training bei Federweber war zwar anstrengend, würde sich aber sicher noch auszahlen. Skooma war mit sich und der Welt zufrieden.
Mit der guten Nachricht vom erledigten Auftrag trommelte er erst mal Azzan aus dem Bett. Der hatte auch gleich neue Befehle für ihn. Der Händler Lelles, ja der vom Hafen, hatte um Unterstützung der Gilde gegen Ladendiebe gebeten. Skooma sollte sich gefälligst darum kümmern und seinen Vorgesetzten schlafen lassen. Nun gut, er würde mal vorbeigehen. Doch erst einmal musste er dringend nach Bruma reiten, zu Ongar.
Noch vor Mitternacht langte er in der Gottshaw-Herberge an.
59.Tag – Stufe 26
Von hier aus ging es querfeldein weiter. Skooma passierte die Stadt Kvatch im Norden. Er ritt so schnell es das unebene Gelände und die Dunkelheit zuließen. Etwas anderes blieb ihm auch nicht übrig, denn kurz hinter dem Schrein von Zenithar hefteten sich die ersten Verfolger an seine Fersen. Bald hatte er eine muntere Gruppe bestehend aus Wölfen, Berglöwen, Ogern und anderem zusammen. Sein wilder Ritt führte ihn mitten durch das Dörfchen Dreckhack. Aber der Zeitpunkt war schlecht gewählt. Alle Bewohner schliefen in ihren Häusern, statt sich um seine Verfolger zu kümmern. Kurz vor Chorrol hatte er jedoch die meisten abgeschüttelt. Die letzten Wölfe fielen der Stadtwache zum Opfer. Skooma hielt sich nicht auf. Weiter auf der offiziellen, durch Legionäre gesicherten Straße ritt er bis nach Bruma.
Ongar fluchte zwar, dass er so früh aus dem Bett geworfen wurde, doch Skooma kannte in dieser Beziehung kein Mitleid. Er war ja auch wach. Und Skoomas reichhaltiges Warenangebot stellte ihn schließlich zufrieden.
Dann waren die Magier an der Reihe. Von Selena Orania erstand Skooma den Beschwörungsspruch für einen (niederen) Daedroth. Er probierte ihn gleich aus. Dümmlich vor sich hin glotzend stand die riesige Echse mitten in der Gildenhalle. Skooma bewunderte die Nerven seiner Mitmagier. Vor allem Jeanne stand direkt neben dem stinkenden Vieh und mixte seelenruhig weiter ihre Tränke. Von Volanaro kaufte er noch die Dremona-Fürst-Beschwörung. Leider schlugen alle Tests fehl, seine Magie war wohl noch nicht stark genug.
Als Skooma darüber nachdachte, wen er noch mit seiner Anwesenheit beglücken könnte, fiel ihm Arnora ein. Da war doch noch dieser versteckte Schatz. Deswegen hatte er sogar im Gefängnis gesessen. Wie hatte er das vergessen können? Dunkel erinnerte er sich an Jorundrs Worte. Zwischen den Felsen vor dem nördlichen Stadttor sollte er suchen. Na gut, dann würde er genau das jetzt tun. Schnell musste er feststellen, dass er bei seiner Suche nicht allein war. Den Typ kannte er doch ... richtig, der Kerkermeister, ... aber was wollte der hier? Das gezogene Schwert vor Skoomas Nase war Antwort genug.
Der Kerkermeister hatte wohl damit gerechnet, dass Skooma sofort fliehen würde, doch da irrte er sich. Skooma grinste böse, er auch. Gerade wollte er das Schwert zum Schlag heben, als Skooma an ihm vorbei deutete: „Guck mal, hinter dir!“ Der Trick war so alt, dass er sich selbst wunderte, warum er sich umdrehte ... und in ein zähnestarrendes Maul blickte. Gerade noch rechtzeitig konnte er den Prankenhieb parieren. Das sollte ihm diese Miezekatze büßen! Doch Skooma verschwand gerade durch das Stadttor. Er rannte hinterher, sah sein Opfer mit einem riesigen Satz über die Mauer springen, auf das Dach des nächsten Gebäudes. Dann kamen die Stadtwachen ...
Nachdem alles vorbei war, rutschte Skooma vom Dach. Ein Schwert, eine Kettenrüstung, damit konnte er Ongar eine Freude machen. Schnell holte er sich den Schatz. Dann ging er zu Arnora. Er hatte nicht wirklich vor, zu teilen, aber der Kerkermeister hatte so eine komische Anspielung gemacht. Skooma war vorsichtig. Und richtig, Arnora lag erschlagen in ihrem Haus. Jetzt musste er schnell sein, bevor die Wachen falsche Schlüsse zogen. Bepackt mit allem Wertvollen, was er finden konnte, eilte er zu Ongar.
Sollten doch die Wachen Arnora finden. Skooma war schon lange weg. Sein Pferd hatte er nach langem Überlegen bei den Ställen gelassen. Hier draußen trieben sich viele Bären herum, und bei dem, was er vorhatte, würde er nicht auf die Hilfe anderer zählen können. Sein nächstes Ziel war der Schrein von Mephala.
Auf dem Weg dahin hatte er noch einmal Gelegenheit, seinen Daedroth zu „testen“. Ein kaiserlicher Waldläufer lieferte sich gerade eine Auseinandersetzung mit einem Zweigling. Vorbeischleichen ging nicht, das Gelände war hier zu steil. Also griff Skooma beherzt in den Kampf ein, besser ... er ließ eingreifen. Der Daedroth leistete gute Arbeit, fand Skooma. Der Waldläufer schien da anderer Meinung zu sein. Als der Zweigling erlegt war, griff er Skoomas Daedroth an. Böser Fehler ...
Mit etwas reparaturbedürftiger Lederkleidung in der Tasche kam Skooma am Nachmittag am Schrein an. Brav legte er seine Tollkirsche als Opfergabe aus. Dann wartete er ... und wartete ... und wartete.
Irgendwann gab ihm eine Dunmer den Tipp, dass sich Mephala nur zwischen Mitternacht und Morgendämmerung beschwören ließ. Zeit genug also, um etwas versäumten Schlaf nachzuholen ...
60.Tag – Stufe 26
Endlich war es soweit. Mephala, oder richtiger Mafala, sprach zu ihm. Und was ihm die große Stammesmutter auftrug, versprach sehr interessant zu werden. In Bleichersweg, einem Ort etwas weiter im Westen, lebten eine Nord- und eine Dunmerfamilie einträchtig zusammen. Skoomas Aufgabe bestand darin, zwischen den Familien Zwietracht zu sähen, und zwar auf eine besonders rigorose Weise. Aber wie sagte schon der Volksmund: „Fusozay Var Dar“ (Töte ohne Bedenken). Für einen höheren Zweck mussten eben Opfer gebracht werden.
Kaum im Ort angekommen, schlich sich Skooma auch schon ins nächste größere Haus. Es gehörte dem Nord Hrol Ulfgar, aber wo Skooma anfing war ja egal. So leise er konnte (und Khajiiti können extrem leise sein) schlich er durch das Haus. Hrol schlief unter dem Dach in seinem Bett. Ein sorgfältig gezielter Schwerthieb und Hrol war ... nicht tot. Er stellte sich sogar schwer verletzt als hervorragender Kämpfer heraus. Skooma und sein Daedroth hatten ordentlich zu tun. Aber schließlich lag er wieder in seinem Bett. Dann geschah etwas merkwürdiges. Es war als würde die Luft für kurze Zeit gefrieren, als würde die Zeit selbst kurz anhalten, als hätte ... jemand oder etwas Skooma bei seiner ruchlosen Tat beobachtet.
Skooma schüttelte die kurze Starre ab. Dazu war später noch Zeit. Erst einmal musste er nach brauchbaren „Beweisen“ suchen. Er fand sie in Form eines Siegelringes der Familie Ulfgar. Schnell steckte den Ring ein, dann verließ er das Haus auf der Suche nach dem zweiten Opfer.
Auch Nivan Dalvilu lag in tiefem Schlaf, als ihn sein Schicksal ereilte. Skooma tauschte Hrols Ring gegen Nivans Zeremonialdolch aus. Dann brachte er den Dolch noch schnell ins Haus Ulfgar.
Alles war vorbereitet, wie Mafala es gewünscht hatte. Jetzt noch „Meldung machen“. Der beste Ort für Klatsch und Tratsch war immer noch die örtliche Schenke. Die Wirtin schlief bereits, aber das ließ sich ja ändern. Skooma stellte sich als Durchreisender vor, der nur schnell seine Vorräte auffüllen wollte, um sofort weiterzuziehen. Drei Goldstücke auf dem Tisch bewegten die Wirtin schnell dazu, etwas Fleisch und Brot zusammen zu suchen. Skooma beobachtete sie. „Komme es bei euch häufig vor, dass gleich zwei Männer in der selben Nacht erschlagen werden?“, begann er das Gespräch. Kirsten stutzte. „Zwei Männer? Natürlich nicht. Das war ja furchtbar. Wer war es denn?“ „Ich weiß auch nichts genaues“, beeilte sich Skooma zu versichern, „nur Gerüchte. Ein gewisser Hrol Ulfgar soll von seinem Nachbarn Nivan Dalvilu hinterrücks überfallen worden sein, und nachdem er sich heldenhaft zur Wehr gesetzt hatte, ist er leider seinen schweren Wunden erlegen.“ Kirsten stand wie vom Blitz getroffen da. „Diese niederträchtigen Dunmer!“, schrie sie los, ihren Dolch ziehend, „ich habe immer gewusst, dass man ihnen nicht trauen kann. Aber das sollen sie bereuen!“ Damit rannte sie zur Tür hinaus.
Skooma ging langsam hinterher, setzt sich auf eine Bank vor dem Haus und genoss das folgende Gemetzel. Mafala würde stolz auf ihn sein. Entgegen seiner Erwartung siegten die Dunmer. Magie hatte sich gegen pure Kraft erfolgreich durchgesetzt. Ihm war es eigentlich egal. Noch etwas Leichenfleddern, dann lief er zurück zum Schrein.
„Gibt es etwas Schöneres als Freunde, die sich bekriegen?“ Mit diesen Worten empfing die Daedroth ihn und überreichte ihm, er glaubte seinen Augen nicht trauen zu können, die legendäre Ebenholzklinge. Skooma weinte vor Rührung und versprach Mafala so viele Tollkirschen, wie sie essen könne ...
Etwas später entdeckte er sein Pferd. Das treue Tier war ihm wohl nachgelaufen. Auch gut, das ersparte ihm den Marsch zurück nach Bruma. Der ganze Tag lag noch vor ihm, genug Zeit also, in Ruhe nach Anvil zu reiten. Norbert Lelles wartete sicher schon.
Die Roxey-Herberge ließ Skooma am Wegrand liegen. Er hielt nur kurz bei alten Bekannten in Bockbierquell, ein Bier und etwas gebratener Hammel, dann ging es schon weiter. Gegen Mittag passierte er die Festung Kaiserreich. Jetzt wurde es etwas ungemütlicher, die üblichen Verfolger tauchten auf. Skooma ritt schneller. Er hängte alle ab.
Dann stand er wieder im gro-Bak-Lager vor Skingrad. Und wieder musste er einen Banditenmagier davon überzeugen, dass Khajiiti keine geeigneten Opfer waren. Wo kamen die ganzen Magier eigentlich her? So schön war das Lager hier nun auch wieder nicht. Skooma ließ sein Pferd zurück, diesmal angebunden. Wieder näherte er sich der Heulenden Höhle. Die Sonne brannte noch kräftig für diese Jahreszeit. Alles lag in grellem Licht, gut für ihn und schlecht für Geister. Die Umgebung der Höhle schien sicher zu sein.
Skooma bereitete seinen Daedroth-Ruf vor, zauberte sich noch etwas Licht und Schutz und betrat die Höhle. Zuerst wieder nur Ratten, doch dann ... ein Lich, nein, gleich zwei Liche geisterten herum. Daedroth marsch! Irgendwie schaffte er es, die Liche zu trennen. Der eine zog sich weiter in die Höhle zurück, der andere folgte ihm bis vor die Tür und rief sich ein Skelett zu Hilfe. Auch Skooma beschwor fleißig weiter. Während sich sein Daedroth um das Skelett kümmerte, griff er den Lich direkt an. Mit so viel Mut hatte der Untote wohl nicht gerechnet. Er schleuderte noch einen Blitz, der aber vorbei ging, und richtete dann seinen Stab auf Skooma. Skooma wollte vor Schreck aufschreien aber ... er konnte nicht. Nicht der leiseste Piep verließ seine Kehle. Und sein Daedroth begann bereits zu schwächeln. Alles oder Nichts! Skooma stürzte sich mit dem Schwert auf den Lich, schlug und stach zu so schnell und kräftig er konnte und ... gewann. Gerade noch die Axt zum Schlag erhoben, löste dich auch das Skelett in Rauch auf. Skooma schleppte sich bis vor die Tür. Jetzt erst mal Pause ...
Aber er hatte den Dreh raus, immer direkt den Beschwörer angreifen. Gleich würde es dem zweiten Lich an den Kragen gehen. Er ging gang ähnlich vor. Rein in die Höhle, anschleichen, einen Daedroth als Rückendeckung beschwören, auf den Lich einhacken. Wunderbar. Skoomas Planung ging auf, der zweite Lich war viel schneller bezwungen als der erste und, was viel wichtiger war, Skooma hatte sich nur ein paar kleine Frostbeulen zugezogen, musste wohl an diesem Stab liegen.
Die Sache war schnell geheilt. Skooma stand vor der Tür zum Innenbereich. Sein Herz schlug heftig vor Aufregung. Vier Totenbeschwörer, er konnte nur hoffen, dass er nicht mehrere auf einmal antraf.
61.Tag – Stufe 26
Dann ging es los. Skooma schlüpfte durch die Tür, beschwor seinen Helfer und zog sich sofort zurück. Diese Prozedur wiederholte er etwa zwanzig mal. Es dauerte ewig, aber zum Schluss hatte er den Vorraum von allen Kreaturen gesäubert. Auch der erste Totenbeschwörer lag still in einer Ecke. Skooma untersuchte ihn , oder besser sie. Ein daedrischer Streitkolben, etwas Geld, zwei magische Schriftrollen und etliche Tränke zur Lebensenergie-Wiederherstellung fielen in seine Pfoten. Es hatte sich schon jetzt gelohnt. Also weiter zum nächsten.
Beschwörer Nummer zwei war schneller zu besiegen. Nur ein etwas schwächlicher Lich leistete ihm Gesellschaft. Trotzdem brauchte er nach dem Kampf eine Pause. Also schleppte Skooma erst mal alles, was er in diesem Teil der Höhle an Wertsachen finden konnte, nach draußen und versteckte seine Beute im Zombiesarg vor der Tür.
Schnell mixte er sich noch einen Trank zur Lebensenergie-Festigung, nahm das bittere Gebräu ein, schüttelte sich und betrat wieder die Höhle. Beschwörer Nummer drei. Skooma hatte wieder Glück. Auch die letzten beiden Beschwörer waren anscheinend keine Freunde. Sie hockten in verschiedenen Kammern und machten keine Anstalten, sich gegenseitig beizustehen. Skooma metzelte freudig drauf los. Er ging sogar so weit, sich mit einem Düstergespenst anzulegen. Es kostete ihn zwar einige seiner Heiltränke, doch er gewann. Ein Haufen wertvoller Waffen, Tränke und Schriftrollen war sein Lohn ... vorerst, denn Meridia würde sicher auch noch was springen lassen.
Skooma holte sein Pferd, um all die schönen Sachen nach Skingrad transportieren zu können. Er selbst musste laufen, das kräftige Tier schwitzte schon genug unter seiner Last. Trotzdem schafften sie es, noch vor Ladenschluss in der Stadt anzukommen. Agnete die Besäuselte wurde Skoomas neue Freundin. Er setzte alle Waren zu einem fairen Preis bei ihr ab und ließ sich gleich noch die Rüstung reparieren.
Langsam wurde es auch Zeit, sich ein Bett zu suchen. Zwei schlaflose Nächte hintereinander waren auch für einen Helden ganz schön anstrengend. Das nächste freie Bett stand bei den Magiern. Er grüßte nur kurz, als er durch die Hallen ging, dann legte er sich auch gleich hin.
Ein Geräusch weckte Skooma. Er griff nach seinem Schwert doch ... es war nicht da. Vor seinem Bett stand ein vermummter Mann, schwarze Kutte, schwarze Kapuze, bleiches Gesicht. Skooma rutschte in die hinterste Ecke seines Bettes, bis die Wand ihn bremste. Er zitterte vor Angst. Nicht nur Schweiß sammelte sich auf dem Laken. Er wusste nicht, wer der Mann war, aber er wusste, WAS er war. Die Dunkle Bruderschaft hatte ihn gefunden! Skooma stammelte ein Gebet zu allen Göttern, die ihm einfielen. Doch dann bemerkte er, dass er noch gar nicht tot war. Der Assassine machte auch keine Anstalten, sich auf ihn zu stürzen. Vielmehr stand er grinsend vor Skoomas Bett und schaute auf das Häufchen Elend herab.
„Eure Arbeit, eure Todeskunst erfreut die Mutter der Nacht ...“, sagte er schließlich. „Ich habe euch ein Angebot zu machen. Hört gut zu, Mörder, denn die Bruderschaft ist es nicht gewohnt, Angebote zweimal zu machen.“ Lucien Lachance, wie er sich nannte, erzählte Skooma von einem alten kranken Mann in der Schenke „Zum schlechten Omen“ bei Bravil. Der Mann hatte, nach Einschätzung der Mutter der Nacht, bereits zu lange gelebt. Und nun lag es an einem jungen aufstrebenden Meuchelmörder, diesen Umstand zu bereinigen. Es war sozusagen Skoomas Aufnahmeprüfung. Sicher, er konnte auch ablehnen. Schließlich war der Friedhof von Skingrad geräumig genug, ein namenloses Grab mehr oder weniger ...
Verängstigt ob dieser Variante stimmte er kleinlaut zu. Was blieb ihm auch übrig? Ein kleiner Dolch lag plötzlich auf Skoomas Bettdecke. Als er ihn aufhob und anschließend wieder aufsah, war der Mann verschwunden ...
62.Tag – Stufe 27
Als er das Zimmer verließ, kam ihm Vigge „der Vorsichtige“ entgegen. Bevor ihn Skooma warnen konnte, legte er sich auf das feuchte Laken. Skooma war’s egal. Er verließ Gildenhalle und Stadt, pfiff nach seinem Pferd und ritt zu Meridias Schrein. Die ganze Plagerei mit den Totenbeschwörern zahlte sich endlich aus, Skoomas Belohnung war klein, aber unermesslich wertvoll, der „Ring der Khajiit“. Dieses uralte Artefakt, einst von Rajhin persönlich getragen, war lange Zeit verschollen gewesen. Und nun, nach all den Jahrhunderten hatte es einen neuen würdigen Träger gefunden. Skooma weinte vor Rührung und versprach Meridia so viel totes Fleisch, wie sie essen könne ...
Der Blitz, der daraufhin in sein Hinterteil einschlug, gab ihm dann doch zu denken. Hatte er etwas falsches gesagt?
Wenig später sah man ein scheinbar reiterloses Pferd in gestrecktem Galopp nach Anvil laufen.
Lelles Laden betrat Skooma durch den Hintereingang. Der Händler schien ihn schon erwartet zu haben, jedenfalls fing er gleich an zu jammern. Sein Geschäft war ausgeraubt worden, mehrmals sogar. Die Diebe kamen immer nachts, und welcher normale Mensch wollte schon unter diesen Umständen die Nacht im Laden verbringen? Er ganz sicher nicht, zu gefährlich. Aber jetzt war Skooma ja da. Die Kämpfergilde hatte ganz schöne Preise, das musste mal gesagt werden. Dafür verlangte er aber auch erstklassige Arbeit. „Ihr findet mich dann in der Schwimmenden Schüssel. Gebt Bescheid, wenn ihr die Diebe gefasst habt.“ Mit diesen Worten drückte er Skooma die Schlüssel in die Hand und verließ den Laden.
Händler! Skooma war kein einziges mal zu Wort gekommen. Na ja, bis zur Nacht war noch viel Zeit. Er trat ebenfalls vor die Tür. Sofort sah er drei Männer in Glasrüstungen, die auffällig unauffällig herumstanden. Es war eine merkwürdige Gruppe. Ein Nord, ein Dunmer und ein Bosmer, da konnte ja nichts Gutes bei herauskommen. Skooma sah sich um. Gut, mehrere Wachen waren in der Nähe. Er hatte also im Ernstfall Rückendeckung. Betont lässig ging er auf die Gruppe zu. „Hallo Schwestern“, versuchte er sie zu reizen, „ist das nicht ein herrlicher Tag für ein bisschen Klatsch und Tratsch über die neueste Mode?“
Die Hand des Nord fuhr zum Schwertgriff. Nur mit Mühe gelang es den anderen, den Riesen zurückzuhalten. „Verschwindet,“ knurrte der Bosmer ihn an. „Mit Leuten wie euch haben wir nichts zu schaffen.“
Schade, nicht geklappt, dachte sich Skooma. Dann eben anders. Er erinnerte sich, mal das Tagebuch einer Magierin gelesen zu haben. Dabei war er auf eine interessante Passage gestoßen. Sie hatte einen Dremona, oder ähnliches beschworen und ihn dann so lange geärgert, bis er alles um sich herum angriff. Klang machbar. Skooma rief den ersten Daedroth, zog sein Schwert und schlug auf die Kreatur ein. Als er merkte, dass das berühmte Maß voll war, sprang er schnell hinter die Dreiergruppe. Gerade rechtzeitig. Der Daedroth spuckte Feuer ... und traf zuerst die Männer, die sich natürlich wehrten. Skooma sah sich das ganze aus sicherer Entfernung an. Ein weiterer Versuch. Der Dunmer fiel ins Hafenbecken. Versuch Nummer drei. Der Bosmer hatte Pech. Aufgeschlitzt von langen Klauen flog er in die nächste Ecke. Eine schöne Rüstung für Skooma.
Leider hatte er bei dem Gemetzel selber einiges abbekommen. Die Heilung dauerte etwas. Zeit, mal schnell die gerade erbeuteten Sachen zu verkaufen. Als er von Morvayns Schmiede zurück kam, hatte sich der Dunmer wieder aus dem Hafenbecken befreit. Eine zweite „Testreihe“ konnte beginnen. Wieder kam der Daedroth, wieder sprang Skooma herum. Merkwürdigerweise zeigten keine Wachen Interesse an ihrem Geplänkel. Aber er schaffte dies hier auch allein. Der Nord blieb als nächster liegen und auch der Dunmer hatte schwere Verletzungen davongetragen. Mittlerweile war es Nacht. Skooma entschied, dass es Zeit war aufzuhören, betrat Lelles Laden und tarnte sich mit dem Ring.
Der Dieb bemerkte ihn trotzdem. Es war, wie vermutet, der Dunmer. Doch in seinem Zustand stellte er keine wirkliche Gefahr mehr dar. Skooma machte kurzen Prozess.
63.Tag – Stufe 27
Norbert Lelles saß in der „Schwimmenden Schüssel“ und hielt sich an seinem Bierkrug fest. „Scheen dassu die Diebe überfu ... überflüü ... kaputt gemach has! Hier issi Belohnung, hunnat Gold wie fa ... einbaat“, lallte er, Skooma einen Beutel mit Goldstücken zuschiebend. Der Inhalt betrug das Sechsfache, aber Skooma wollte dem glücklichen Mann nicht mit Kleinigkeiten die Laune verderben. Er grüßte kurz und ging, um Azzan Meldung zu machen.
Pflichtbewusst lieferte er die Hälfte der Belohnung, also 50 Septim an die Gilde ab. Azzan selbst beförderte ihn für seinen Mut zum Gesellen der Gilde. Neue Befehle hatte er erst einmal nicht, aber Skooma sollte sich bei Vilena Donton in Chorrol melden. Dort war immer genug zu tun.
Jetzt musste sich Skooma entscheiden. Nach Chorrol zu Vilena Donton? Oder erst nach Leyawiin, um endlich den Ring zu holen? Oder doch lieber gleich zur Geheimen Universität? Und da war noch diese unliebsame Sache mit der Bruderschaft ... Sein Bestreben nach persönlicher Sicherheit siegte wieder mal. Mit der Bruderschaft war am wenigsten zu spaßen, also erst zur Schenke bei Bravil. Außerdem war es der kürzeste Ritt. Skooma verscherbelte noch schnell ein paar Sachen an Morvayn und machte sich dann auf den Weg. Gegen Mittag passierte er Skingrad. Abends erreichte der Faregyl. „Jetzt erst einmal eine kurze Pause“, dachte er sich. Abhuki stand hinter der Theke, wie beim letzten Besuch. Auch die hübsche S’jirra war noch da. Sie unterhielt sich angeregt mit einem Fremden. Skooma setzte sich einfach zu ihnen.
„Alix Lencolia“, stellte sich der Fremde vor, der sich durch Skoomas dreistes Auftreten keineswegs gestört fühlte. „Sagt, ihr kommt doch gerade von draußen, ist euch etwas ungewöhnliches aufgefallen? Unsere Freundin hier vermisst nämlich ihre Kartoffeln.“ Skooma musste gerade nicht sehr intelligent ausgesehen haben, da er fortfuhr: Wisst ihr, die Kartoffeln waren für ein spezielles Rezept gedacht. Jemand scheint sie gestohlen zu haben. Ich bin leider hier mit jemandem verabredet und kann grad’ nicht weg. Könntet ihr mal nachsehen, ob ihr etwas findet?“ „Aber mit dem größten vergnügen“, hörte sich Skooma sagen, bevor er merkte, was er da gerade versprach. Diese großen dunklen Augen von S’jirra waren einfach zu verführerisch ...
Relativ lustlos suchte er den Boden um die Herberge ab. Nanu? Fußabdrücke? Skooma stellte seinen eigenen Fuß auf den Abdruck. Er passte zweimal hinein. Na wunderbar, hätte der Dieb nicht mal zur Abwechslung eine Ratte sein können? Vorsichtig folgte er den Spuren in den Wald. Hinter einem Gebüsch war lautes Schmatzen und Schnaufen zu hören. Skooma schlich näher. Plötzlich ... ein ohrenbetäubendes Geräusch, und ein ekelhafter Gestank drang in seine Nase. Skooma musste niesen. Sein Gegner stellte sich als riesiger Oger mit Blähungen heraus. Sofort griff er an.
Nur gut, dass Skooma schnell einen kleinen Felsen fand. Von dort spickte er die Bestie mit Pfeilen und schleuderte Blitze. Eigentlich war so ein Oger ein gutes Übungsziel, wenn man selbst sicher war. Der Krach lockte noch einen Zweigling an, aber das zögerte den Ausgang des Kampfes nur heraus, am Ergebnis änderte es nichts.
Skooma legte stolz die Kartoffeln auf den Tisch. Auch Alix Lencolia nickte anerkennend. Im Alleingang so schnell fünf Minotauren zu besiegen, das gefiel ihm. Skooma musste wirklich sehr gut mit dem Schwert sein. Er hatte sich die Ausbildung durch einen Meister redlich verdient, aber nicht mehr heute. Sein Geschäftspartner hatte ihn gerade dringend in die Kaiserstadt bestellt. Damit verabschiedete sich Lencolia und ging.
Nur noch S’jirra und Skooma und Abhuki. Sie saßen vor dem Backofen, scherzten und schwatzten miteinander. Endlich war das Kartoffelbrot fertig. Es roch verführerisch und schmeckte so gut. Skooma malte sich schon aus, was nach dem Abendessen alles passieren würde ...
Es kam etwas anders. Skooma ritt schnurstracks zum „Schlechten Omen“, ein Name, der auch auf Faregyl gepasst hätte. Da hatte ihm doch S’jirra tatsächlich einen Heiratsantrag gemacht! Skooma war in Panik geraten. Nein, heiraten? Er war doch noch so jung, hatte noch so viel zu erleben ...
Kopfschüttelnd betrat er das Gasthaus. Der Wirt war sehr gesprächig, verriet ihm auch gleich alles, was er über den alten Rufio wusste. Viel war es nicht, aber immerhin ...
Skooma bezahlte für ein Zimmer, dann ging er durch die Falltür nach unten. Alles war still. Rufio schlief, etwas unruhig wälzte er sich hin und her. Skooma schlich sich heran, den Dolch in der Pfote, holte aus und ... Rufio wälzte sich nicht mehr herum. Spätestens jetzt wurde ihm bewusst, er war wirklich zum Mörder geworden.
Total verunsichert ging er auf sein Zimmer.
64.Tag – Stufe 28
Wie versprochen erschien Lucien. „Ihr seid nun ein Teil der Familie. Begebt euch nach Cheydinhal, sucht das verlassene Haus. Im Keller werdet ihr eine Tür finden, die sich durch die Losung: „Sanguin, mein Bruder“ öffnet. Merkt euch die Worte gut, ein Fehler wird euch nicht bekommen. Und vor allem, haltet die Gebote der Familie ein. Möge Sithis euch gewogen sein.“ Es wurde still im Raum und Lucien war verschwunden.
Schon wieder Gebote. Wer sollte sich die denn alle merken? Und vor allem beim vierten Gebot würde er sicher schnell Probleme bekommen. Hoffentlich sah Sithis nicht so genau hin.
Nach Cheydinhal sollte er also gehen. Aber er war doch gerade auf dem Weg nach Leyawiin. Obwohl, wenn er sich beeilte, würde Sithis der kleine Abstecher kaum auffallen. Einen scharfen Ritt mehr musste sein Pferd eben noch aushalten. An Schlaf war sowieso nicht mehr zu denken. Skooma verließ die Herberge noch mitten in der Nacht.
Bis Bruma kam er gut durch. Dann wurde er von einem Troll entdeckt. Diese Bestien waren ziemlich schnell und sehr ausdauernd. Skooma spornte sein Pferd zu noch schnellerem Galopp an, ritt schließlich mitten in die Wildnis. Er hatte Glück. Irgendwann gab der Troll auf und Skooma fand sich am Schrein von Sheggorath wieder.
Warum nicht, er hatte alle Zutaten für eine Beschwörung dabei. Einsätzender Nieselregen versprach zusätzlich Erfolg. Als der Regen stärker wurde, vernahm er in seinem Kopf die Worte der „Skooma-Katze“: „Geht nach Grenzburg, Sterblicher, erfragt die K’Sharra-Prophezeiung und sorgt dafür, dass sie zu meiner Belustigung geschieht.“ Noch ein wahnsinniges Kichern, dann war es wieder still.
Grenzburg, Westniben-Territorium, auch hier war einst Elsweyr. Skooma fühlte sich daheim. Ein Dorf, in dem ausschließlich Khajiiti lebten, war schon ein seltener Anblick. Den ganzen Vormittag nutzte Skooma, um mit seinesgleichen zu schwatzen, zu handeln und Sachen zu tauschen. Er bekam ein paar sehr schöne magische Beinschienen und Handschuhe von der Wirtin S’thasa, viel günstiger als er sie in der Stadt hätte kaufen können. Er sprach mit dem Schamanen Ri’Bassa ausführlich über die Prophezeiung. Drei Katastrophen, so hieß es, würden den Untergang des Ortes und vielleicht der ganzen Welt einläuten, zuerst eine Ungezieferplage, dann eine Hungersnot. Über das dritte Ereignis wollte Ri’Bassa lieber nicht sprechen. „So etwas sollte man sehr ernst nehmen“, stimmte Skooma ihm zu ...
Er wäre gern länger geblieben, doch gegen Mittag musste Skooma nach Leyawiin aufbrechen. Der Ring wartete auf ihn. Sein Pferd ließ er in Grenzburg zurück und lief die Strecke zu Fuß.
Fast unsichtbar durch seinen Ring und zusätzliche Zauber schlich er durch das Schloss, fand das Schlafzimmer der Gräfin und wartete ...
65.Tag – Stufe 28
Das Gelage hatte wohl wieder mal sehr lange gedauert. Zuerst kam der Graf, legte sich ins Bett und begann zu schnarchen. Dann verging noch fast eine Stunde, bis die Gräfin erschien, sturzbetrunken ebenfalls zum Bett taumelte und sich mit einem Rülpser, der jeder Hafendirne Ehre gemacht hätte, in die Kissen warf. Skooma war es nur recht. Besonders leise brauchte er bei diesem Zustand der noblen Herrschaften nicht vorzugehen. Schnell griff er sich den Ring. Schweren Herzens verzichtete er auf weitere Andenken.
Auf dem Rückweg wäre er beinahe noch geschnappt worden. Der Leibwächter der Gräfin patrouillierte sehr aufmerksam durch die Gänge. Doch Meridias Geschenk schützte Skooma.
Kaum aus dem Schloss lief er zu Ahdarjis Haus. Pech, abgeschlossen. Doch es half nichts, Skooma hatte noch etwas in Grenzburg vor und konnte nicht ewig warten. So knackte er ganze drei Schlösser, bis er sich zu Ahdarjis Schlafzimmer vorgearbeitet hatte. Sie freute sich über „ihren“ Ring, schmiss Skooma aber trotzdem raus. So ein Undank!
Skooma lief wieder nach Grenzburg. Den ganzen Weg über dachte er über die Prophezeiung nach. Wie sollte er sie Wirklichkeit werden lassen? Da war das Ungeziefer, Ri’Bassa hatte Ratten erwähnt. Gut, das sollte leicht werden. Für Ratten brauchte er nur einen guten Köder. Alles andere würde sich schon ergeben.
Wieder in Grenzburg klaute er erst mal etwas von S’thasas berühmtem Käse. Sie bemerkte es zwar, war aber nicht schnell genug. Im Vorbeirennen warf er das Stück in den nächsten besten Kochtopf.
Es stank erbärmlich. Aber es wirkte. Von überall her kamen plötzlich Ratten aus ihren Löchern, um über das „schmackhafte“ Mahl herzufallen. Panik brach aus. „Rettet euch! Die Prophezeiung erfüllt sich, das Ende ist nahe!“ Ri’Bassa rannte durch das Dorf und warf wahllos mit Rattengift um sich.
Rattengift! Skooma grinste. Damit musste doch Teil zwei der Prophezeiung zu erfüllen sein. Er könnte das gift ins Essen mischen, die Bewohner warnen. Niemand würde mehr etwas essen können und ... nein, so ging das nicht. Er konnte nicht alle Früchte vergiften, nicht mit diesen bisschen Pulver. Oder doch? ... Skoomas Blick fiel auf ein friedlich grasendes Schaf. Wenn es kein Fleisch mehr gab, dann war das doch für jeden Khajiit das gleiche, als ob es überhaupt nichts mehr zu essen gäbe, eine Hungersnot eben. Unbeteiligt Pfeifend stattete er den Futtertrögen einen Besuch ab.
Als etwas später das Jammern und Wehklagen lauter wurde, wusste Skooma: die zweite Prophezeiung hatte sich erfüllt.
Sheggoraths Lachen riss ihn aus seinen Gedanken. „Ihr habt euren Teil der Aufgabe gut erfüllt, Sterblicher. Richtet euren Blick nun zum Himmel und ergötzt euch an meinem Teil.“ Skooma schaute hoch. Und wirklich, der Himmel begann, sich zu verändern, wurde erst orange, dann rot. Kleine Feuerbälle tauchten auf, wurden rasch größer. Skooma sprang unter das nächste Vordach, um nicht einen der brennenden Hunde abzubekommen. Ein faszinierendes Schauspiel.
Auch Sheggoraths Lohn war faszinierend. Wabbajack, der Speer des Wahngottes. Skooma weinte vor Rührung und ... ach nein, lieber doch nicht. Aber den Speer musste er gleich ausprobieren. Ein Reh kam ihm da gerade recht. Skooma zielte kurz und entließ den Zauber. Dann rannte er heulend ostwärts, den Oger immer dicht auf seinen Fersen ...
Nur gut, dass der Zauber nicht von Dauer war. Der Oger wurde wieder zum friedlichen Reh, und Skooma stand auf einer Holzbrücke über den Niben. Die Schwierigkeiten waren damit aber noch lange nicht vorbei. Seine panischen Schreie hatten weitere Verfolger angelockt. Noch einmal riskierte er einen versuch mit Wabbajack. Der Heranstürmende Zweigling wurde zum Goblin ... keine große Verbesserung. Also wieder verstecken. Hinter dem breiten Rücken seines Daedroth sah Skooma zu, wie der Goblin-Zweigling, ein Dreugh und ein Dunmer-Bogenschütze abgeschlachtet wurden. Schließlich fing er sein Pferd wieder ein und ritt weiter.
Diese Seite des Niben erwies sich als weitaus gefährlicher. Überall lauerten Wegelagerer, Wölfe und andere Bestien. Skooma versuchte, einfach weiterzureiten. Es klappte nur bedingt, die Wölfe waren genauso schnell wie sein Pferd, die Trolle ebenfalls. Als er eine Gruppe Siedler sah, ritt er einfach mitten durch ihr Lager. Gut, es war nicht gerade die feine Art, aber vielleicht ließen sich so ein paar Verfolger abschütteln. Leider traute er sich nicht zuzusehen, ob sein Plan aufging. Das Hecheln der Wölfe hinter ihm sagte mehr als genug. Skoomas Pferd wurde langsamer, Erschöpfung machte sich breit. Als er schon dachte, er würde sich den Verfolgern allein stellen müssen, tauchten zwei Legionäre auf. Skooma konnte sich noch auf einen herumstehenden Mauerrest retten, sein Pferd jedoch lief einfach weiter.
Als er sich nach dem Kampf, die Legionäre hatten gesiegt, umsah, stand er vor dem Eingang einer Höhle. Ein Blick auf seine Karte sagte ihm, dass das nur die Gedächtnishöhle sein konnte. Hier also musste der Vampir Seridur irgendwo sein. Skooma schwamm lieber erst mal rüber zur Stadt, um sich besser vorzubereiten.
66.Tag – Stufe 29
Gleich früh hatte er am Markt seine überflüssigen Sachen verkauft. Nun stand er wieder vor dem Höhleneingang. Skooma wusste, Vampire traten selten einzeln auf, man konnte nicht vorsichtig genug sein. Gleich hinter dem Eingang beleuchtete eine brennende Leiche den Weg. Am liebsten wäre er sofort umgekehrt, aber dann ... „uaaargh“, ein Kampfschrei ließ ihm fast das Blut gefrieren. Ein riesiger Ork in schwerer Rüstung kam den Gang entlang. Skooma war sofort draußen und auf dem Felsen über der Höhle. Dremona – Daedra – Dremona, der Kampf währte lange, bis Skooma seinen Posten verlassen konnte.
Auf diese Weise lockte er dann sämtliche Vampire einzeln oder zu zweit vor die Tür. Gut, dass er so viele Tränke der Hexerei dabei hatte. Skooma merkte gar nicht, wie die Zeit verging. Als schließlich Seridur samt aller seiner Gefolgsleute um den Höhleneingang verteilt lag, war es schon wieder Nacht geworden ...