Nunja, als "Anmache" habe ich das ehrlich gesagt noch nie verwendet, und könnte es auch nicht - denn das, was Lord Akkarin schreibt, dass nämlich die meisten Tänzer nie eine fremde Dame zum Tanz auffordern würden, hat einen ganz einfachen Grund: Sobald man mal eine zeitlang tanzt, werden die Figuren so komplex, dass man sie nur noch mit der Frau/dem Mädchen tanzen kann, mit der man sie gelernt hat und mit dem man regelmäßig tanzt. Nach einiger Zeit werden die Figuren sogar so komplex, dass man sie nicht einmal mit den anderen Mädchen tanzen kann, die die gleiche Tanzklasse besuchen - spätestens dann, wenn man zeitweise ohne Berührung, also "nebeneinander" tanzt.
Jetzt kann man natürlich sagen, Schmarrn, sowas tanzt man mit fremden Mädchen eh nie, und das erwarten sie auch nicht - das stimmt auch, aber das ändert nichts daran, dass man es nicht mehr gewohnt ist, nur mit einigen wenigen Grundschritten zu tanzen und sie gut zu variieren, und dass die meisten Tänzer es nicht mehr gewohnt sind, ein Mädchen zu führen, dass das selbst nicht gewöhnt ist. Der eigene Stil verändert sich mit der Zeit, wird immer genauer, man federt automatisch, betont Takte etc., was es für ein nicht-tanzendes Mädchen am Anfang schwieriger macht, mitzutanzen - ganz unabhängig von den Figuren. Daneben funktioniert das Führen bei eingespielten Paaren ganz anders als mit Neulingen - das sind nur noch leichte Bewegungen, mit denen die bestimmte Figurenfolgen ausgelöst werden. Wenn ich jetzt aber mit einem Mädchen tanze, dass selbst nicht regelmäßig tanzt, muss ich jeden ihrer Schritte (nicht die Folge, sondern jeden Schritt) einzeln, und zwar relativ stark, führen. Das ist für einen Tänzer ungewohnt und unschön. Ich tanze zwar durchaus manchmal mit Mädchen, die nie getanzt haben oder fast nichts können, und den meisten gefällt es auch, aber für mich fühlt es sich trotzdem komisch und "für das Mädchen nicht gut" an...
Was die Sache mit der Kreativität angeht: Ich finde, dass Tanzen durchaus etwas sehr kreatives und individuelles ist. Das Problem ist, dass das erst mit der Zeit kommt. In den ersten Kursen lernt man ja nur ein paar Grundschritte und kann nicht variieren, aber später hat man so viele Möglichkeiten, auf die Musik, auf die Partnerin, auf die Tanzfläche zu reagieren, dass ich mich in keinster Weise in meiner Kreativität eingeschränkt fühle - im Gegenteil. Und beim Slowfox gibt es beispielsweise noch nicht einmal mehr einen festgelegten Grundschritt, sondern nur mehrtaktige Figurenfolgen mit gleicher Schrittbetonung (oder wie kann man das besser ausdrücken, Cypher?), sodass man dauernd gefordert ist, kreativ zu sein - einfach, weil es keine Grundfigur gibt, auf die man zurückfallen könnte...