Also ich oute mich an dieser Stelle mal als "Fan" fernöstlicher Kultur im Allgemeinen und damit auch Anime und Manga im Speziellen.

Naruto habe ich angetestet, weil der hierzulande wohl zu den populärsten Anime / Manga Serien gehört. Mir persönlich sagt er aber rein aufgrund des Zeichenstils nicht zu. Die Story mag anspruchsvoll und tiefgründig sein, aber wenn die Figuren zu Kindchenschema-mäßig gezeichnet sind, kann ich damit nichts mehr anfangen.
Ich würde gerne etwas zu den 10 Leuten sagen, die "Nein, wer bin ich denn?" gewählt haben:
Ich begegne dieser Einstellung gegenüber Manga und Anime hierzulande hauptsächlich bei den "älteren" Generationen. Dabei handelt es sich aber, so wage ich zu behaupten, überwiegend um Vorurteile. Versteht mich nicht falsch, jedem sein Recht auf eigene Meinung und persönlichen Geschmack. Aber vielfach wissen die Leute gar nicht so genau, was sie da kategorisch ablehnen. Viele Menschen hier im Westen sehen nur die niedlich gezeichneten Figuren mit untertassengroßen Augen und haben sofort "Kinderkram" im Kopf. Auf einige Werke mag das auch zutreffen, aber eben bei Weitem nicht alle!
Um das zu verstehen, muss man sich etwas mehr mit der fernöstlichen Kultur beschäftigen. Bei den Japanern (und auch teilweise Chinesen und Koreanern) hat Zeichentrick (als "Comic" oder später auch als Film) eine sehr lange Tradition und ist tief in deren Kultur verankert. Lange bevor Comics und Trickfilme hier im Westen für Kinder populär wurden. Anders jedoch als bei uns, wo solche Dinge fast ausschließlich für Kinder und Jugendliche mit entsprechend "einfachen" Geschichten gemacht wurden (daher auch unser westliches Vorurteil), richten sich die japanischen Mangas und Anime an alle Altersgruppen von Kindern bis hin zu Erwachsenen.
Dass die Figuren alle niedlich aussehen, gehört zum klassischen Manga-Zeichenstil dazu, denn vor allem die Japaner lieben alles, was niedlich (
kawaii) ist. Man darf daraus aber nicht fälschlicherweise annehmen, dass sich das Thema ausschließlich an Kinder richtet. Es gibt verdammt viele Mangas und Animes, die Themen aus allen Bereichen des Lebens aufgreifen, und sich an Heranwachsende oder Erwachsene richten. Dazu gehören soziale und sozialkritische Themen genauso wie philosophisches. Es gibt eine breite Palette unterschiedlicher Genres, Romantik, Drama, Sci-Fi, Fantasy und Thriller.
Und bei allem kann man sich einer Sache sicher sein: Die Stories sind meistens verdammt gut. Das ist zum einen so, weil es sehr viel Arbeit und Geld kostet, einen Anime zu produzieren. Darum legen die Produzenten auch erst los, wenn sie wirklich eine gute Story haben. Zum anderen liegt das aber auch am Anspruch der (zumeist erwachsenen) Zielgruppe, welche diese Filme (oder Bücher) eben hauptsächlich aufgrund ihrer Geschichten schaut / liest.
Wer also wie z.B. Tamriel behauptet, ein Fantasy-Fan zu sein, aber Animes verschmäht, der verpasst letztlich einen Fundus verdammt guter, komplexer Fantasy-Epen.
- Hanrok