Kapitel 9
Ermittlungen
Kaum war der neue Tag angebrochen, hatte Teekeus auch schon wieder einen Auftrag bekommen. Diesmal von Delwin, einem anderen Mitglied der Diebesgilde. Er hatte zu Teekeus gesagt: „Die Stadt Markarth ist in letzter Zeit verstärkt gegen unsere Aktivitäten vorgegangen. Scheint so, als bräuchte der Jarl mal wieder einen Denkzettel, damit er sich erinnert, mit wem er es zu tun hat. Deine Aufgabe besteht darin, Waren im Wert von mindestens 500 Septimen zu stehlen, und ungesehen mit diesen zu entkommen. Die Beute kannst du behalten, aber vergiss nicht: Niemand darf dich dabei sehen!“. Teekeus fuhr sofort mit der nächsten Kutsche nach Markarth, was einen ganzen Tag dauerte.
Am Morgen des nächsten Tages stand er vor dem Stadttor und wurde ohne Probleme hineingelassen. Aber sobald er den Marktplatz betreten hatte, spürte er Gefahr. Alles sah friedlich aus, aber Moment, was machte denn dieser Arbeiter mit dem Messer da! Der sah aus, als wollte er jemanden angreifen! Teekeus ging zu ihm, hielt ihn fest und sagte: „Moment mal, Freundchen!“. Der Arbeiter ritzte ihm mit dem Messer leicht am Handgelenk und brüllte: „Für die Abgeschworenen!“. Teekeus zog sich zurück und wartete ab, was nun geschehen würde. Inzwischen waren die Stadtwachen aufmerksam geworden und stellten diesen Verrückten. Es dauerte nicht lange, da war der Kampf vorbei, und der Arbeiter lag tot am Boden. Seine letzten Worte waren: „Ich sterbe für mein Land!“. Eine der Wachen verscheuchte die Zuschauer, indem sie immer wieder rief: „Weitergehen, das geht euch nichts an! Weitergehen!“. Die junge Kaiserliche, die beinahe von dem Verrückten attackiert worden wäre, sprach Teekeus an: „Ihr….Ihr habt mein Leben gerettet! Hier, nehmt dies als Dank!“. Sie übergab ihm ein Silberamulett mit eingefasstem Edelstein. Teekeus war sprachlos. Markarth war ja schon eine verrückte Stadt. Er war kaum hier angekommen und hatte sich prompt den ersten Ärger eingehandelt, aber gleichzeitig auch mehr verdient als bei seinen letzten Diebestouren. Egal, er würde jetzt seinen Auftrag erfüllen und hier wieder verschwinden. Aber wieder kam alles gleich anders. Ein Waldelf ließ neben Teekeus einen Zettel fallen, stupste ihn an und sagte: „Ihr habt gerade diese Notiz verloren. Sieht nach etwas wichtigem aus.“. Teekeus schaute verblüfft drein und wollte gerade etwas erwidern, aber der Elf war bereits in der Menge verschwunden. Er las die Notiz, auf der stand, dass er den Waldelfen namens Eltrys beim Schrein von Talos treffen sollte.
Teekeus war neugierig, deshalb ging er gleich eine halbe Stunde später zum vereinbarten Treffpunkt und fand dort auch Eltrys vor, der ihn bat, die rätselhaften Morde in der Stadt für ihn zu untersuchen. Teekeus erkläre sich mit Aussicht auf eine Belohnung sofort einverstanden, und machte sich auf den Weg. Eltrys hatte ihm geraten, mit seinen Ermittlungen entweder bei der geretteten Kaiserlichen (schließlich musste es ein Motiv für den Angriff geben), bei dem getöteten Angreifer (warum hatte ein einfacher Bergmann so etwas getan?) oder bei der einflussreichsten Familie der Stadt, den Silberbluts (falls hier etwas vor sich ging, wussten die so gut wie sicher worum es sich handelt). Teekeus beschloss, zuerst die gerettete Kaiserliche zu befragen. Er fand sie in der Taverne, und sie unterhielt sich auch bereitwillig mit ihm über das Vorgefallene, aber sie gab vor, nicht zu wissen, warum der Mann sie angegriffen hatte. Teekeus spürte, dass sie ihm etwas verschwieg. Er war aber nicht redegewandt genug, es aus ihr herauszukitzeln, und beschloss deshalb, die einfachere Methode zu wählen. Die Tür ihres Zimmers war schnell geknackt, und Volltreffer, im Zimmer fand Teekeus ihr Tagebuch. Das enthielt sehr interessante Neuigkeiten. Die junge Frau war anscheinend eine Spionin der Kaiserlichen hier in der Stadt. „Äußerst aufschlussreich, dachte Teekeus, aber dieses Wissen allein brachte ihn noch nicht viel weiter. Also machte er sich auf den Weg zu Thonar Silber-Blut. Vielleicht wusste er mehr.
In der Schatzkammer der Stadt wurde Teekeus jedoch nicht zu ihm vorgelassen. Thonars Sekretärin beharrte darauf, dass er nicht zu sprechen sei. Teekeus wusste jedoch ein Mittel gegen solche Sturheit. Er legte ein paar Münzen auf den Tisch und sagte leise: „Es geht um Geschäfte - wenn ihr versteht, was ich meine….“. Die Sekretärin schaute auf die Münzen und sagte dann: „Geht nach hinten durch, er erwartet euch jetzt.“. Teekeus ging weiter, mit einem gewinnenden Lächeln im Gesicht. Thonar Silberblut war sogar noch schwieriger zu überreden als seine Sekretärin, und gerade als er endlich dabei war, zu den wichtigen Gesprächsthemen vorzudringen, hörte er Lärm und einen Schrei aus dem Vorzimmer. Teekeus und Thonar rannten nach vorne und sahen ungläubig, was sich ereignet hatte. Die Sekretärin hatte offensichtlich Thonars Frau ermordet und stand jetzt mit dem blutbeschmierten Dolch in einer Hand da. Die alte Putzfrau, die Teekeus vorher gar nicht beachtet hatte, stand neben ihr und hatte den Leichnam mittels Magie wiederbelebt. Als Thonar dieses Bild sah, schrie er, zückte sein Schwert und ging auf die Sekretärin los. Diese verteidigte sich mit dem Dolch, würde aber gegen Thonar nicht lange bestehen können. Die alte Frau hingegen griff gemeinsam mit ihrer untoten Dienerin Teekeus an. „Die Abgeschworenen werden siegen!“, brüllte sie in einer erstaunlichen Lautstärke, bevor Teekeus sie mit seinen Dolch erstach, ohne weiter auf die Flammen zu achten, die sie zu ihrem Schutz beschworen hatte. In dem Moment, als sie starb, begann sich der Leichnam von Thonars Frau aufzulösen, bis nur noch ein Häufchen Asche übrig war. Thonar, der inzwischen mit der Sekretärin fertig geworden war, kniete sich vor diesem Haufen hin und sagte: „Verfluchte Abgeschworene! Niemals hätte ich das zulassen dürfen!“. Teekeus stutzte und fragte: „Was habt ihr denn eigentlich damit zu tun? Diese Abgeschworenen müssen ja ganz schön sauer auf euch sein!“. Thonar erzähle Teekeus, dass die Abgeschworenen seine Marionetten waren und dass er sie eigentlich unter Kontrolle gehabt hatte, immerhin säße ja ihr Anführer Madanach, auch „der Lumpenkönig“ genannt, in seinem Gefängnis. Teekeus dankte ihm für die Information und empfahl sich. Er wollte jetzt dem mysteriösen Angreifer Weylin auf die Spur kommen. Dazu begab er sich in die Wohnkaserne. Hier wohnten die ärmsten der armen in Markarth. Der Gestank von Krankheit hing in der Luft, und alle Anwesenden sahen echt schlimm aus. Teekeus beschloss, sich hier nicht länger als nötig aufzuhalten. Er fragte, wo Weylins Zimmer war, und rüttelte an der passenden Tür. Verschlossen. Teekeus konnte es nicht fassen. Die Leute hier hatten doch gar nichts, was man hätte stehlen können, warum zum Daedra brachten sie dann überhaupt Schlösser an den Türen an??? Aber egal, Teekeus beschwatzte flink Weylins Nachbarn, und schon kurz darauf besaß er den richtigen Schlüssel. Er öffnete die Tür und sah sich aufmerksam im Zimmer um. Die Einrichtung war …. spärlich. Aber das erleichterte Teekeus das Suchen. Wenn es etwas in diesem Raum zu finden gab, konnte es nur in dieser maroden Holzkiste an der gegenüberliegenden Seite des Raums zu finden sein. Teekeus durchsuchte also diese Truhe und fand eine verdächtige Notiz. Es war der Auftrag für den Angriff. Die Person, die ihn befohlen hatte, hatte mit „N“ unterschreiben. Teekeus ging im Kopf alle seine Kontakte zur Unterwelt durch, aber jemand, der sich N nannte, war nicht dabei. Über sein weiteres Vorgehen grübelnd ging Teekeus aus der Wohnkaserne hinaus und wäre beinahe mit einem Nord zusammengestoßen. Dieser sagte: „He, euch habe ich gesucht. Ich soll euch eine kleine Lektion erteilen! In dieser Stadt wird nicht herumgeschnüffelt!“. Teekeus war verblüfft. Schon wieder ein Schläger, der ihm auf den Hals gehetzt wurde. Bestimmt war N, der mysteriöse Unbekannte, dafür verantwortlich. Teekeus lieferte sich eine ordentliche Prügelei mit dem Nord, die er am Ende gewann. Er packte seinen Gegner am Kragen und rief: „Wer ist N? Spuck es aus, du Wurm!“. Der Nord keuchte und röchelte: „Nepos die Nase, ein alter und wohlhabender Nord, wohnhaft hier in der Stadt! Und jetzt lass mich gehen!“. Teekeus ließ ihn los und rannte davon. Falls Nepos so gut informiert war, wie er dachte, hatte er bestimmt schon von den aktuellen Ereignissen gehörten und wollte sich jetzt verpfeifen, bevor ihn irgendjemand zur Rechenschaft ziehen konnte. Teekeus hatte vor, ihm einen dicken Strich durch die Rechnung zu machen. Die Tür zu Nepos Haus war offen, aber Teekeus trat sie trotzdem ein, so aufgebracht, wie er jetzt war. Was er dann sah, erstaunte ihn. Er hatte erwartet, Aufbruchsvorbereitungen zu sehen oder ein leeres Haus, aber er sah einen normalen Haushalt mit der Hausfrau und ihren zwei Helfern. Nepos war nirgendwo zu entdecken. Die Frau sagte ruhig: „Tretet ihr immer die Türen von Häusern ein, die ihr besucht? Was führt euch hierher?“. Teekeus sagte: „Ich will Nepos sprechen! Ich weiß, dass er sich hier irgendwo verkriecht!“. „Ja, Nepos ist hier, “, war die Antwort, „aber er kann jetzt nicht mit euch sprechen. Er muss sich erholen.“. Da schaltete sich eine weitere Stimme in das Gespräch ein: „Ich höre einen Besucher. Er soll herkommen und sich anhören, was ich ihm zu sagen habe.“ Teekeus ging der Stimme nach, die vom Kamin her gekommen war. Und tatsächlich saß im Lehnstuhl vor der Feuerstelle Nepos, der gerade ein Buch las und nicht im Geringsten beunruhigt aussah. Teekeus setzte sich neben ihn und begann das Verhör. Zuerst fragte er, warum Nepos denn diese Greueltaten organisiert hatte. Nepos antwortete stolz: „Es geschah auf Befehl meines Königs, den ich auszuführen habe, egal ob es mir Leid tut oder nicht!“. „Und wer ist euer König, Nepos?“, fragte Teekeus interessiert, obwohl er die Antwort im Grunde genommen schon lange wusste, aber er wollte es von Nepos selbst hören. Nepos Antwort lautete natürlich Madanach. „Also steckt der Lumpenkönig hinter den Anschlägen!“, rief Teekeus aufgeregt. „So könnte man es formulieren, “, meinte Nepos, der inzwischen aufgestanden war, „aber mehr müsst ihr nicht erfahren. Wisst ihr, all das haben vor euch auch andere herausgefunden, aber für alle war hier Endstation. Schade um euch, doch ihr müsst jetzt sterben zum Wohle der Abgeschworenen. Zum Angriff!“. Und schon griffen Nepos, seine Frau und die beiden Gehilfen Teekeus an. Es kam zu einer blutigen Schlacht in den Straßen von Markarth, doch am Ende lagen alle vier Angreifer tot in einem der Kanäle, die die Stadt durchzogen. Teekeus nahm sich aus ihren Taschen, was er gebrauchen konnte, und ging dann weiter, als wäre nichts geschehen. Sein Ziel war der Schrein von Talos. Er musste Eltrys von allem erzählen. Teekeus machte am Schrein jedoch eine schreckliche Entdeckung. Eltrys war da, aber er war tot. Und Teekeus war nicht alleine. Sofort wurde er von vier Stadtwachen mit gezückten Schwertern umzingelt. Sie hängen ihm den Mord an, wahrscheinlich hatte Thonar sie dazu angestiftet. Teekeus wurde abgeführt, er konnte nichts dagegen unternehmen. Sie würden ihn in die Cidhna-Mine bringen, und von dort war angeblich noch nie jemand entkommen.