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Thema: Zaubernacht  (Gelesen 2046 mal)

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Da es eine Weile her ist, seit ich eine TES-Fanficiton geschrieben habe, und noch länger her, dass ich in Ich-Perspektive geschrieben habe, habt etwas Nachsicht, wenn die ersten Posts der Geschichte vielleicht etwas hinken.

Die Geschichte basiert auf den Erlebnissen meines neuen Skyrim-Charakters, einem Bretonen namens Martin Icare, der als Magier angelegt ist. Es ist auch einige Zeit her, dass ich als Magier gespielt habe  :lachen:
Beste Vorraussetzungen also.
Der Grund, warum ich das hier nicht als Dead-is-Dead angelegt habe, ist zum einen, dass ich viele Mods verwende, vorallen Hauserweiterungen und neue Gebäude, und außerdem die übrigens zu empfehlende Workshop-Mod Live another Life drauf habe, die ein umgehen der Hauptquest und einen vollkommen selbst festgelegten, den RPG-Teil verstärkenden Anfang erlaubt, und zum andern, dass der Charakter mir durch einen Bug sowieos schon in den ersten fünf Minuten weggestorben ist, was natürlich in der Geschichte übergangen wird.

Die Geschichte ist in Bücher aufgeteilt, die Martins verschiedene Lebensabschnitte wiedergeben.

Selbstverständlich ist es keine 1-zu-1-Wiedergabe der Spielerlebnisse. Sie dienen mehr als Leitfaden.
Da ich auf Englisch spiele, habe ich den Kompromiss geschlossen, einige Namen, die Städte und die Stormcloaks mit ihren englischen Originalnamen zu belassen, dafür jedoch Items, einige Namen und Zauber auf Deutsch zu bennenen, was leider für mich viel Sucharbeit erfordert, um im Netz die Übersetzungen zu finden. Nicht, dass mich das aufhält ;) Genug geheulsust, viel Spaß mit der Geschichte.

Feedback ist wie immer erwünscht. :horse:
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  18.06.2012, 21:10
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Zaubernacht




Sundas, 17. letzte Saat, 4E 201.

Was mich weckte, war nicht der Geruch neuen Landes, das Herumtollen von kleinen Kindern auf den Bootsstegen Solitudes und dem mürrischen Geschrei des Kapitäns, wenn die Verladung der Güter nicht schnell genug ging. Auch das Geschrei der Möwen und das Rascheln der Ankerkette, die erwarteten Klänge des Anlegens, das Wasser leise gegen die Planken des Schiffes plätschernd und die bestiefelten Füße der Passagiere auf den Decksplanten krachend. Was mich aufweckte, war das nasse Gefühl an meinen Füßen. Das eiskalte nasse Gefühl und der grollende, donnernde Krach, den ich in den ersten Sekunden meines Erwachsens als von Achtern kommend zu vernehmen meinte. Zehn Sekunden später, ich schlug gerade die Augen auf, wurde mir mein Irrtum plötzlich bewusst - als ich mehrfach um die eigene Achse gedreht, durch die Luft geschleudert und von meinem im freien Flug wirbelnden Bett mit einem schmerzhaften Schlag direkt ins Geistermeer befördert wurde. Das kalte Wasser weckte mich schlagartig. Mir war nicht bewusst, was gerade passiert war, doch meine Lungen brüllten nach Luft und mein Körper nach Wärme. Ich riss meinen Kopf zum Himmel - oder zumindest dem, was ich für den Himmel hielt und stieß mich mit meinen Beinen von irgendeinem festen Grund ab. Pfeilschnell schoss ich an die Wasseroberfläche und schnappte gierig nach Luft. Ich drehte mich um, überprüfte meine Umwelt und stellte erschrocken fest, dass über mir genau der Nagel aus den Planken ragte, an dem ich mir am Vortag beim zubedgehen den Fuß verletzt hatte. Oben war unten! Ich schlussfolgerte, dass unser Schiff sich um 180 Grad gedreht hatte. Meine Kabine füllte sich rasch mit Wasser, welches mich langsam an die Decke drängte und mir die Luft zu stehlen drohte.
Instinktiv suchte ich den Raum nach der schnellsten Fluchtmöglichkeit ab - und fand sie in der zersplitterten Tür zu meiner Koje, fast drei Meter unter mir. Das Wasser stieg weiter an und ich spürte meine Beine kaum noch, was mir erneut klar werden ließ, dass ich mich in Wasser mit Minustemperatur befand. Ich tauchte nach meiner Seekiste und brach das Schloss mit einem kräftigen Tritt auf. Meine blaue Robe, zwei Brote und ein Törtchen, mein persönlicher Proviant, kamen herausgeschwommen und suchten ihren Weg nach oben. Ich band mir die Robe wie eine Tasche um die Schulter und ließ das Essen in den Taschen verschwinden. Ich eilte noch einmal an die Luft, nahm einen tiefen Zug, und suchte mir meinen Ausweg. Der Weg wurde von durcheinanderwirbelnden zertrümmerten Planken und Süßwasserfässer erschwert. Ich sah über mir eine Treppe, die einst ein Deck tiefer geführt hatte, und schwamm an ihr entlang, in der Hoffnung, eine Stelle mit Luft zu finden. Tatsächlich hatte ich noch viel mehr Glück - das unterste Deck schien verschont zu sein, oder war zumindest noch nicht vollgelaufen. Auch wenn sich in den Ecken das einstige Bilgenwasser sammelte und schlimmer stank als die Überreste eines Argoniers, war es im Deck relativ trocken. Ich nahm eine Verschnaufspause ein.
Nachdem ich eine Minute lang ruhig durchgeatmet hatte, bemerkte ich den Körper in der Mitte des Decks, an einen Mastbaum gelehnt. Langsam kroch ich näher und erkannte meinen Mitreisenden Pemeni, der aus Hammerfell stammte. "Hey, seid Ihr in Ordnung? Pemeni, hört Ihr mich?", fragte ich und griff nach seinem Kopf, der sich ungewöhnlich biegsam anfühlte - bis ich bemerkte, dass eine Spante sein Genick gebrochen hatte. "Jeder für sich selbst", grummelte ich, griff ihm in die Taschen und förderte einen kleinen Dolch und 30 Septime hervor. Ich schloss seine Augen und sprach ein schnelles Gebet zu Kynareth, bevor ich mich nach einem möglichen Loch im Rumpf umsah, durch welches ich hätte entfliehen können. Einige Planken waren herausgebrochen, wo der Kiel die letzten Spanten traf, und ich ging mit dem Dolch an die Arbeit, das Loch zu vergrößern. Da fiel mir ein, dass meine Bücher noch in der Kantine gelegen hatten!
Ich steckte das Messer mit Wucht in den Kiel, legte die Robe mit den Fressalien zu Boden und machte einen Hechtsprung ins Wasser. Mein Leinenhemd, das in der Zwischenzeit etwas getrocknet war, sog sich sofort wieder mit dem Eiswasser voll.
Als ich mich der einstigen Kantine näherte, sah ich bereits zwei durchnässte Wälzer - Die Biographie Barenziahs, Teil I, und Das Firmament. Nur eine kurze Suche später schwamm mir meine aus Morrowind importierte Fassung von Der Spiegel entgegen. Ich griff ihn und entschied widerwillig, aber mit dem Drang zu überleben, den Rest meiner Sammlung zurücklassen zu müssen.
Zurück am aufgebrochenen Rumpf stellte ich voller Entsetzen fest, dass Peminis Dolch verschwunden war! Anscheinend hatte eine Welle ihn mitgerissen. Ohne das Messer hatte ich keine Chance, das Leck ausreichend zu vergrößern, um freizukommen! Gluckernd machte sich hinter mir der Aufgang zum Unterdeck bemerkbar, der nun vollkommen mit Wasser gefüllt war und mit jedem weiteren Liter überzeugter schien, das Schiff entgültig zu verschlingen. Ich nahm meine schwindenden Kräfte zusammen und ließ Feuer aus meiner Hand auf den Schiffsrumpf prallen, doch das Holz war zu nass, um zu verbrennen. Ich packte die nassen Bücher in die Taschen meiner Robe und band sie mir wieder um, entschlossen, wenigstens beim Versuch, durch das viel zu kleine Loch zu springen, zu sterben. Ich wollte gerade Anlauf nehmen, da durchschüttelte ein erneuter Ruck das Schiff. Ein Eisberg bohrte sich vor mir durch die hölzerne Wand und öffnete mir einen Weg in die Freiheit, den ich nicht zu verschenken plante. Mit meiner letzten von der Kälte des Wassers und den vielen Prellungen geminderten Kraft nahm ich Anlauf und machte einen großen Schritt, der mich aus dem Wrack und auf eine Eisscholle beförderte. Meine Schulter knackte, als ich sie mir beim Aufschlag verstauchte.
Vor meinen Augen verschwand die einst stolze Olafs Tochter in den aufwühlenden Wellen des Geistermeers. Ich erlaubte mir, meinen Kopf zurückzulegen, und ohnmächtig zu werden.
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Sundas, 17. letzte Saat, 4E 201

Als kleines Kind hatte ich häufig mit meinem Bruder ein Spiel gespielt - aus den Möbeln unseres daggerfall'schen Elternhauses wurden sichere Flecken aus Gestein, der Fußboden des Wohnzimmers wurde zur kochenden Lava, die drohte, uns zu verschlingen, berührte auch nur ein Zeh ihre glühend rote Oberfläche. Wir hatten dieses Spiel jahrelang Tag für Tag wiederholt, ehe der große Ebenholztisch in der Mitte des Raumes eingebrochen war und unsere Eltern dem Treiben ein jehes Ende setzten, ganz zu schweigen von dem Knochen, der aus dem Bein meines Bruders ragte.
Von Eisscholle zu Eisscholle zu springen, ohne ins eiskalte Wasser zu stürzen, zeigte da einige Parallelen auf.
Wie die Nords es geschafft hatten, im Eismeer des Nordens eine beachtliche Schiffsflotte aufzubauen, ging mir vollkommen ab. So weit ich auch sah, hinter mir gab es nichts als das offene Geistermeer und vor mir nichts als Eisberge und Schollen wie die, die unser Schiff in Stücke gerissen hatten. Auch sah ich kein Anzeichen menschlichen oder merischen Lebens. Die einzige Erinnerung an die Zivilisation, die ich wiederzufinden erhoffte, war die Spur aus Wrackstücken, der ich folgte. Die Olafs Tochter war nicht alleine gereist - wir waren eine Reisegruppe aus fünf Schiffen gewesen. Doch nirgendwo erschienen die Masten eines Schiffes nordischer Bauart aus dem Schneeregen. Nur die Spur aus Planken, Fässern und Mobiliar, das leicht genug war, um zu schwimmen. Und die rutschigen Eisschollen, deren Abstände zu groß waren, als dass ich sie hätte ohne gefährlichen Anlauf hätte meistern können. Ich schlidderte mehr denn ich rannte und sprang, zudem kam ein unangenehmes Pochen aus meiner verletzten Schulter und mein rechter Arm hing schlapp an meinem Körper. Ein gewirkter Heilzauber hatte keine Abhilfe verschafft, um eine so komplizierte Verletzung zu heilen, brauchte ich Ruhe und Kräuter, wie man sie am ehesten in einer Magiergilde erstehen konnte.
Als die Spur aus hölzernen Überresten endete, sah ich nicht weit entfernt endlich ein weiteres Bootswrack, zwischen zwei großen Eisbergen eingeklemmt und an eine winzige Insel grenzend. Es war, wenn ich mich nicht irrte, das größte der Schiffe - die Helas Narretei - und zu meinem Erstaunen erkannte ich in der Ferne auch einen Menschen, der wild hüpfend und winktend auf sich aufmerksam machte. Ich schätzte die Entfernung auf knapp 300 Meter ein und entschied, dass ich diese Entfernung schwimmen konnte, ohne zu erfrieren. Ohne einen weiteren Gedanken darüber zu verschwenden, damit ich nicht kniff, machte ich einen Satz ins Wasser und, durch kleine gegen mich stoßende Eisstückchen belebt, war innerhalb einer Minute an der Küste der Insel angekommen. Ich erhob mich aus dem Wasser und rieb mich etwas warm, ehe ich meine Augen der Figur zuwandte. Es war ein mir nur zu gut bekannter Kaiserlicher.
"Captain Angius. Ihr Vollidiot!", brüllte ich über den Lärm eines im Hintergrund einbrechenden Eisberges hinweg, "Ihr verdammter Mistkerl! Ihr habt unser Schiff gegen einen Eisberg gefahren? Was für eine Art von Captain seid Ihr eigentlich?" "Beruhigt Euch, Icare, bitte! Es war ein Schneesturm, der uns auf offener See erwischt hat, das gibt es hier auf dem Geistermeer häufig!", verteidigte der mit provisorischen Verbänden umschlungene Mann sich, "Wie Ihr seht, war ich nicht der einzige, der es nicht geschafft hat, sein Schiff durch die Eisschluchten zu bringen. Captain Sturmmarsch und seine gesammte Crew sind tot. Die Helas Narretei ist hier havariert."
Wut stieg in mir auf. "Die Olafs Tochter, Euer Schiff, hat eben gluckernd der Welt auf Nimmerwiedersehen gesagt. Mit ihr ging meine Buchsammlung unter, fünfzig Bücher mit unschätzbaren Wert! Pemeni und sicherlich auch das argonische Ehepaar und der Waldläufer aus Summerset, sie alle sind tot, wegen Eurer Unfähigkeit!" Ich redete mich in Rage.
Der Captain zog plötzlich ein Schwert und zeigte damit auf mich. "Wagt es noch einmal, mich so zu beleidigen, ihr nichtsnütziger Bretone! Mein Schiff ist untergegangen, dass weiß ich nur zu gut. Ich habe dieses Schiff selbst gebaut! Eure Buchsammlung geht mir ganz schön am Arsch vorbei. Ihr werdet jetzt Ruhe geben, ehe aus Solitude ein Hilfsschiff kommt und uns aufnimmt. Beruhigt Euch!" Ich lachte bitter. "Einmal umgesehen? Wir sind hunderte Kilometer von Solitude entfernt. Wir haben durch Eure Art der Navigation das Ziel vollkommen verfehlt. Fraglich, ob wir überhaupt noch in der Nähe einer Stadt sind!"
Ich hatte es wohl etwas zu weit getrieben. Der Kaiserliche hob sein Schwert und ging wütend brüllend auf mich los. Im letzten Moment gelang es mir, mich unter der Klinge wegzuducken. Angius bohrte seine Klinge direkt in das Holz der Helas Narretei. Ich ließ Feuer aus meinem Arm direkt auf seine Kleidung springen. Er begann zu schreien, als sein trockener Mantel in Flammen aufging. Er warf sich ins Meer, streifte mit einer fließenden Bewegung das Kleidungsstück ab und ging erneut zum Angriff über. Ich sprang beiseite und griff nach einem Dolch an seinem Gürtel. Als er ein drittes Mal auf mich anstürmte, wich ich gerade genug aus, um nicht in zwei Hälften geteilt zu werden, um ihn herumwirbeln zu können und seinen Kopf zu packen. Ehe ich überhaupt wusste, was ich tat, durchschnitt ich die Kehle des Captains. Warmes Blut floß über meine Finger und gefror innerhalb von Sekunden. Der Körper war augenblicklich steif. Ich ließ ihn in den Schnee fallen und ging auf die Knie. Verwirrt betrachtete ich die blutigen Hände, einen genauso beschmutzten Dolch haltend, und fragte mich, ob das wirklich meine waren.
Ich hatte zum ersten Mal gemordet.
Ich packte die Leiche des Captains, drehte sie auf den Rücken und stahl ihm einige Septime. Dort, wo er hinging, würde er sie nicht brauchen. Dann drehte ich mich in die Richtung, die ich für Süden hielt und begann, über einen nur wenige Fußbreit dicken natürlichen Damm, der das Eiland mit dem Festland verband, zu marschieren. Bald würde die Nacht hereinbrechen und bis dahin sollte ich zumindest einen sicheren Unterschlupf gefunden haben. Meine Hoffnung, der obskuren Eiswelt zu entkommen, ging jedoch in Rauch auf, als ich erkannte, dass die Schluchten des Festlandes aus Wänden gefrorenen Wassers bestanden. Desto tiefer ich in die weiße Ewigkeit hineinwanderte, desto verrückter wurden die Dinge, die mich umgaben. Ein zur Hälfte in Eis eingeschlossenes Mammut beispielweise, dessen Haut vor langer Zeit ledrig geworden war, und das von scheinbar uralten Steinpfeilen und Speeren durchbohrt worden war, brachte mich fast zum Anzweifeln meines Verstands. Wie arg setzte mir die Schulterverletzung zu? Hatte ich mich bereits erkältet oder waren das Anzeichen des Erfrierens? Ich stolperte weiter. Bald fand ich mich auf einem eingeschneiten Bergpass wieder. Ich traute mich, über die steilen Klippen zu sehen, und sah zu meiner großen Verwunderung unter mir eine Ansammlung von Hütten und Häusern und sogar einem Drachenboot in einem kleinen Hafen. War das etwa doch das große Solitude, von dem ich so viel in der Heimat gehört hatte? Während ich im Geiste eine Landkarte Skyrims aufzurufen versuchte, hörte ich ein Knacken, dann ein Krachen, und ehe ich mich versah, befand ich mich im freien Fall den Berg hinunter.
« Letzte Änderung: 19.06.2012, 12:44 von Aaron »
  19.06.2012, 12:21
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Morndas, 18. letzte Saat, 4E 201

Ich hatte Glück im Unglück - der Berg fing meinen Fall auf. Selbstverständlich war der Aufprall auf den schnee- und eisbedeckten Felsen auch nach nur zwei Metern Fall trotzdem zureichend schmerzhaft, um mich fast zurück in Nocturnals Arme zu schicken. Doch zum Glück blieb mein Geist aufmerksam genug, um während des schnellen Herunterschlidderns den größeren hervorragenden Spitzen auszuweichen, obwohl mir Schnee ins Gesicht spritzte und Steine meine Leinenhose in Stücke rissen. Das Ende der Rutschpartie, eine beunruhigend steinig wirkende Straße, kam mit jeder Sekunde drohend näher. Da entdeckte ich einen am Berghang hinaufwachsenden Baum und schöpfte Hoffnung. Ich legte mich schief, um direkt in die nadelige Baumkrone zu rauschen. Für eine Sekunde war unter mir nichts - eine kleine Schanze aus Eis hatte mich in die Luft befördert - und im anderen Moment durchbohrten grüne Tannennadeln meine Haut und unter mir war wie durch Zauberhand ein Ast gewachsen, der meinen Sturz in einen sicheren Tod vermieden hatte. Ob ich dem dankbar war, stand noch aus, denn mein Hintern, mein Rücken und meine Schulter brannten wie die Ebenen Oblivions. Rotes Blut triefte meine Beine entlang.
"In Ordnung. Zuviel für einen Tag. Du suchst dir jetzt eine Taverne und legst dich auf den Bauch, und morgen sieht die Welt schon ganz anders aus", sagte ich mir selbst, suchte das Dorf, dass ich von oben gesehen hatte, und sah, dass die Straße dorthin führte. Langsam und unter großen Schmerzen ließ ich mich den Baumstamm runtergleiten, spürte jetzt erst, dass ich mir wohl auch noch den Fuß verstaucht hatte, und hinkte langsam Richtung Dorf.
DAWNSTAR, prangte es auf einem vom stürmischen Wetter schlimm zugerichteten Schild, und endlich hatte ich eine Ahnung, wo ich in Kynareths Namen gelandet war. Erschöpft schleppte ich mich durch die nahezu entvölkerte Gasse. Die wenigen Einwohner, die mich sahen, schienen mehr mit sich selbst beschäftigt zu sein, als mit dem blutverschmierten Mann vor ihnen. Immerhin konnte man nun nicht mehr wissen, dass die roten Flecken auf meiner Kleidung nicht allein von mir, sondern zum Teil vom ermordeten Captain stammten. Ich versuchte mir einzureden, dass sein Tod nicht meine, sondern seine Schuld war, schließlich hatte er mich angegriffen, nicht ihn. Mein Gewissen beruhigte es trotzdem nicht.
Ich fand die Terme - Zum Windigen Gipfel, welch ein sarkastischer Name - und stieß die Tür auf.
"Kommt herein, Wanderer - oh, Ihr seht ganz schön mitgenommen aus. Kann ich Euch was zu essen anbieten, oder ein Bett?", rief der Gastwirt bereits, als er mich hineintaumeln sah. "Nur ein Bett... wieviel kostet die Nacht?", fragte ich. "10 Septime. Aber ich muss Euch warnen - Zur Zeit haben alle, die hier schlafen, merkwürdige Alpträume." Ich hatte es inzwischen zum Thresen geschafft und stützte mich darauf. Alpträume? Ich brauchte Ruhe. Alpträume waren das letzte, was ich brauchen würde. "Dann seid so freundlich, sagt mir, gibt einen Kutscher vor Ort?"
Der Wirt nickte. "Jaja, aber der schläft gerade. Er wird in ein oder zwei Stunden aufwachen, aber vorher würde ich ihn nicht wecken, er ist dann sehr mürrisch. Ich kann Euch ein Bad anbieten, und etwas, um zu Kräften kommen. Ihr seid ein Bretone, nicht wahr?" Ich nickte. Der Wirt lächelte, stolz darauf, meine Rasse beim ersten Versuch erraten zu haben, wurde ich doch oft für einen Kaiserlichen gehalten.
Ein Bad? Das klang nicht schlecht, also schlug ich ein. "Ach übrigens", stellte sich der Wirt vor, "Ich heiße Thoring. Was ist Euer Lieblingsgift, um den Schmerz zu mildern?" Ich murmelte: "Alto-Wein." Thoring lachte laut auf. "Ha!", brüllte er, viel zu laut für meinen Kopf, "Ein Weintrinker also. Na gut, Ihr seid ja auch kein Nord. Hier, ich habe leider nur Humpen, keine Gläser..."
Er führte mich, nachdem er mir den Humpen gereicht hatte, in einen Nebenraum, in dessen Mitte ein großer Zuber stand, gefüllt mit Wasser. "Wie wärmt Ihr es?", fragte ich verblüfft, und er zeigte mir einen Zinntopf, gefüllt mit glühenden Kohlen, den er dann mit einem Deckel verschloß und hineinlegte. Er nickte mir zu: "Ich gebe Euch jetzt Privatssphäre. Schlaft nicht ein. Ruht Euch aus."
Ich dankte ihm vielmals, nahm einen Schluck Wein und fühlte sofort, wie der Alkohol die Schmerzen linderte, die Welt jedoch nur mehr verschwimmen ließ und entkleidete mich. Langsam stieg ich in das lauwarme Bad ein und lehnte mich zurück. Das Wasser färbte sich leicht rötlich, und endlich konnte ich in Ruhe meine Wunden besehen. Mein Fuß war, wie vermutet, verknackst. Meine Schulter fühlte sich tatsächlich gar nicht so schlimm an, war aber aufgeschürft. Ganz zu schweigen von meinem Gesäß und den Beinen, die nur noch aus aufgerissener Haut zu bestehen schienen.
Ich griff nach meiner Robe, die neben dem Zuber lag, und fingerte eins der Brote heraus. Verschimmelt. Das zweite war nicht besser erhalten, und von dem Törtchen war selbstverständlich nach all den Rutschpartien und der kalten Nässe nur ein verwaschener weißer Fleck in meiner Tasche geblieben. Ich seufzte und schloß die Augen.
Als ich sie wieder öffnete, befand ich mich nicht mehr in dem Zuber, sondern auf einem kleinen Flecken aus kochendheißem Gestein, umgeben von Lavaflüssen. Ich vermeinte, hinter mir laute Schreie von Kindern wahrzunehmen. Ich versuchte, mich umzudrehen, doch schien ein jeder Muskel meines Körpers gelähmt. Nicht einmal blinzeln konnte ich, als die Lava begann, mich zu blenden. Wo war ich? War das nicht das Oblivion, wie es in den Büchern des Anonymus aus Cyrodiil im Buche Ära 4 - die Oblivionkrise beschrieben worden war? War ich an der Blutung oder an einem Fieber verendet? Weiterhin versuchte ich, mich von dem unsichtbaren Band, den unsichtbaren Fesseln, die mich festhielten, zu befreien. Ich kam keinen Centimeter frei. Ich schien lediglich die Aufmerksamkeit eines Wesens zu erwecken, denn mir entgegengesetzt schien sich Ektoplasma zu sammeln und eine feste Form zu kreieren. "Ihr Narr..."
Erschrocken erkannte ich die Züge des Captains. Nein, das war unmöglich. Was geschah hier? Die Züge des Wesens wurden immer genauer. "Nein. Nein!", brüllte ich, "Nein!" Die Geisterform des Kaiserlichen stand nun direkt vor mir, in der Luft levitierend, und zog ein sehr real wirkendes Eisenschwert. "Ich werde Euch töten!", brüllte das durchsichtige Wesen. Und stieß zu.

Ich fand mich japsend und nach Luft schnappend auf dem Boden des Tavernennebenraums wieder. Minuten vergingen, scheinbar Stunden, ehe ich mich traute, zu meiner Brust zu greifen und beruhigt festzustellen, dass sich dort kein Loch vom Durchmesser meines Kopfes erstreckte. Ich hatte ledigich geträumt, wie ich mir einredete, ich war im Zuber eingeschlafen. Doch auch, als der Wirt wenig später an die Tür klopfte und mich informierte, dass der Kutscher wach sei und die Pferde gerade vor den Wagen spannen würde, hatte ich mich immer noch nicht von dieser perfekten Illusion, die erst nach dem Aufwachen wie ein Traum wirkte, erholt.
Ich hustete und fühlte, wie meine Stirn scheinbar lichterloh glühte. Ich stellte mir die Frage, ob der Albtraum den gleichen unbekannten Ursachen der komischen Träume Dawnstars Bewohner oder meinem Fieber zuzuschreiben war, ich wusste bloß, dass ich hier nicht verweilen konnte.
Während ich mich vom Wirt verabschiedete und ihm als Dank fünf Septime, die auszuschlagen ich ihm ausreden musste, zusteckte, entschied ich, das meine Fähigkeiten absofort einer guten Sache zu Dienste sein mussten. Denn auch wenn der Captain mich angegriffen hatte, so hatte ich ihn doch getötet, statt ihn nur zu entwaffen. Ich hustete erneut und mir wurde klar, dass ich schnell die ärztliche Hilfe eines Magiers brauchte.
"Kutscher... nach Winterhold", wies ich ihn an und gab ihm einen Beutel mit den dreißig Septimen von Pemeni. Ich fragte mich, ob dem frommen Rothwardonen der Gedanke gefallen hätte, dass ich mit seinem Geld mir eine Reise zu dem Ort, wo ich mich von meinen Taten reinwaschen würde, kaufte.
Während ich mich in meine nicht zu stark beschädigte blaue Robe und eine Decke, die hinten in der Kutsche lag, hüllte, malte ich mir aus, wie es sei, der Akademie von Winterhold beizutreten und ein Heiler zu werden.
  19.06.2012, 16:24
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Vorwort: Ab hier trennt sich die Story deutlich von den Geschehnissen im Spiel selbst und werden nur noch durch diese inspiriert. Dies dient vorallen dazu, eine klare Abtrennung zwischen Martin und dem Dovahkiin darzustellen, der in dieser Geschichte durch eine andere Figur verkörpert wird. Martin ist tatsächlich nicht der Dovahkiin, er ist nicht einmal eine besonders wichtige Figur - zurzeit.
Der biblisch anmutende Titel wurde gewählt, um Martins Verlangen, sich von der Schuld am Tod des Kapitän Angius reinzuwaschen, wiederzuspiegeln. Dies bedeutet nicht, dass er zum übermächtigen epischen Helden anwächst, wie es leider mit der Figur des Borean in meiner älteren Fanfiction Obligatea Magica geschah - das möchte ich bewusst vermeiden, deswegen auch die Abtrennung zwischen Martin und der Mainquest von Skyrim. Die Titel werden auch wieder gemäßigter. Auch werden in Zukunft nicht alle drei Beiträge neue Bücher begonnen - doch wie im ersten Post erklärt, stellen die Bücher einzelne Lebensabschnitte Martins dar, und der Prolog, seine 'Vorgeschichte', ist mit der Entscheidung, nach Winterhold zu gehen, abgeschlossen.
Und nun - viel Spaß.



Middas, 20. letzte Saat, 4E 201

Ich erinnerte mich nur sehr verschwommen an die Erlebnisse der letzten Nacht, vom Sturz den Hang hinab bis hin zur holprigen Kutschfahrt durch die engen Bergpässe Nordskyrims, als ich mit einem Gefühl, als ob sich ein cyrodilischer Oger auf meinen Kopf gesetzt hätte, auch wenn diese natürlich schon seit fast einem Jahrhundert am Rande der Auslöschung standen und mich vor Hunger eher aufgefressen hätten - bei lebendigen Leibe! -, statt sich an meinen Kopfschmerzen zu ergötzen.
Erstaunt und so begeistert, wie es mein Zustand zuließ, bemerkte ich das wunderbar weiche Bett unter meinem geschundenen Rücken und die wärmende grüne Decke auf meinem von blauen Flecken und Blutergüssen übersäten Brustkorb. Langsam kamen die Erinnerungen zurück. Wie nach einer durchzechten Nacht mit viel zu viel Glühwein involviert setzte sich wie ein Puzzle zusammen, doch fehlten mir die Randteile als leitendes Gerüst für die sicherlich wichtige, aber in bunten Farben und Formen nicht erkennbare Mitte. Anscheinend war ich - nicht sehr überraschend, angesichts meines hohen Fiebers - während der Fahrt ohnmächtig geworden. Der Kutschfahrer hatte, was man ihm hoch anrechnen musste, mich nicht ausgeraubt, sondern mich stattdessen in die örtliche Taverne gebracht. Man hatte, wenn ich mich dem Argwohn gegenüber Zauberern in Skyrim richtig erinnerte, sicherlich nur unfreiwillig einen Heiler herbeigerufen, der mein Leben gerettet hatte. Wie weit ich ins Dunkle abgerutscht war, wusste ich nicht, doch mich traf fast der Schlag, als ich neben mir auf einem dunklen Nachttisch einen wohl von einem Astronomen angelegten Kalender sah, dessen zinnerner Zeiger deutlich auf dem 20. stand. Ich hatte zwei Tage verschlafen.
"Ihr seht erholt aus", exklamierte eine Frauenstimme, vielleicht einige Meter weg von meiner Bettstatt. Mein Kopf tat zu sehr weh, als dass ich hätte ihn der Quelle zudrehen können. Ich hörte Schritte, die sich rasch näherten, das Bett umrundeten und sich langsam meinem Blickfeld näherten. Jetzt trat eine Menschenfrau, der Körpergröße nach so bretonisch wie ich, an meine Seite, zog einen Stuhl heran und setzte sich neben mich.
"Colette Marence, Meistermagierin in der Schule der Wiederherstellung. Meine Kollegen standen ziemlich doof da, als sie gestern mich rufen mussten, um Euch zusammenzuflicken. Ihre ganzen Witze sind ihnen im Halse stecken geblieben. Danke dafür!" Sie lächelte mich warm, aber mit einem nicht genau zu bestimmenden Flickern von Verwirrung und Angst in ihren Augen.
Ich griff ungeschickt nach ihrer Hand und stellte mich vor: "Martin Icare. Aus Daggerfall. Wie Ihr auch, wie ich sehe. Danke, dass Ihr mich gerettet habt. Ist... ist das hier die Akademie von Winterhold?" "Selbstverständlich. Wo bei den Acht würdet Ihr sonst noch begabte Zauberer innerhalb Skyrims finden? Zumindest keine, die Eure Wunden hätten schließen können. Ihr seid einen Berg hinuntergerutscht, nicht wahr?"
Ich runzelte die Stirn, was sofort mit einem heftigen Stechen hinter meinen Augen bedacht wurde, und fragte: "Woher wisst Ihr das?" Die Frau lachte laut. "Ist mir in meiner ersten Nacht im Norden auch passiert. Ich komme übrigens nicht aus Daggerfall, ich bin hier geboren. Vor dem großen Kollaps der Stadt gab es hier recht viele Bretonen. Nun ruht Euch ein wenig aus. Morgen sieht die Welt schon besser aus!" Sie legte mir ein nasses Tuch auf die Stirn und flößte mir einen bitter schmeckenden Heiltrank ein. Bereitwillig schloß ich die Augen und schlief einen traumlosen Schlaf.

Turdas, 22. letzte Saat, E4 201

Meine Anmeldung an der Akademie wurde begeistert angenommen. Scheinbar hatten sich in letzter Zeit nur wenige neue Schüler eingetragen und ich war gerade rechtzeitig gekommen, um eine Klasse zu komplettieren.
Einmal die Woche sollten wir von einem anderen Lehrer unterichtet werden. Die erste Woche übernahm ein alter Nord namens Tolfdir. Wie ich aus einem Gespräch zwischen meiner Retterin Colette und der stellvertretenden Erzmagierin Mirabelle Ervine heraushörte, als ich den zugefrorenen Campus überquerte, war er am längsten hier und sehr weise.
Meine neue Robe, die Mirabelle mir zur Verfügung gestellt hatte, kratzte an unangenehmen Stellen, doch spürte ich, dass in ihr das Wirken eines Zaubers sehr viel leichter fiel. Sie musste verzaubert sein. Ich durchblätterte im Kopf alle Bücher, die ich über die Magiergilde Cyrodiils gelesen hatte, und erinnerte mich daran, dass eigentlich das Fertigen eines eigenen Zauberstabs zum Initationsritus gehörte. Doch die Magiergilde war vor fast einhundert Jahren zerfallen, und ich nahm an, dass die Akademie bereits vorher nicht viel auf deren Richtlinien gegeben hatte.
Als ich in die Halle der Elemente eintrat und erfürchtig zur Decke des schier endlos erscheinenden Turms zu blicken versuchte, sah ich, wie Tolfdir die anderen Schüler um sich sammelte und mich anlächelnd mit einer Rede begann.

"Magier, Schüler... junge Freunde. Ich bin Tolfdir, in dieser Woche euer Lehrer in defensiver Magie, magischer Theorie und, zusammen mit Meister Gane auch für Archeologie und Geschichte der Magie. Bevor wir beginnen, wer von euch hat den bereits einmal Magie angewandt? Ihr alle, das dachte ich mir. Ihr seid sicherlich alle hier, um die Magie zu meistern, sie zu beherrschen.
Begrabt diesen Traum. Man kann die Magie weder beherrschen, noch meistern, denn sie gehört uns nicht. Sie ist eine gnädige Gabe der Göttlichen an uns, und es ist eine Kunst, sie anzuwenden. Doch wird ihr Missbrauch nur unschöne Folgen haben. Magie, wenn nicht richtig angewandt, wird euch in Gefahr bringen. Euch verletzen, oder gar töten. Deshalb ist es wichtig, sich gegen missbrauchte Magie oder fehlgeschlagene Zauber zu schützen. Ihr da, stellt Euch bitte auf die Plattform mir gegenüber."
Ein Nord, vielleicht 30 Jahre alt, mit schwarzem schulterlangen Haar und leuchtend grünen Augen, trat aus unserer fünf Mann und Frau starken Gruppe hervor. "Kennt Ihr einen Schutzzauber?", fragte Tolfdir und ließ eine kleine Feuerkugel über seiner Handfläche schwebend erscheinen. Der Nord nickte, faltete seine Hände und ließ eine transparente leuchtende Barriere vor sich entstehen. Tolfdir lächelte und warf den Feuerball auf den Nord. Ich zuckte zusammen, als der Schüler nicht fritiert umkippte, sondern aus einer Rauchwolke breit grinsend erschien. Der Feuerball hatte den Schild in Bewegung versetzt, ähnlich wie ein Stein, der eine glatte Wasseroberfläche durchbrach. Tolfdir wendete sich wieder uns zu, während der Schüler seine Starre löste und die Barriere wie ein brechender Spiegel in glitzernde Splitter zersprang, die sich noch im Fall zu kleinen, schnell verendenden blauen Funken auflösten.
"Wir werden heute einen archeologischen Ausflug machen, zur Ruine von Saarthal. Wir haben dort beeindruckende altnordische Runen entdeckt, die wir nur zu gerne untersuchen wollen. Doch da einige dieser Runen gefährliche magische Siegel sein könnten, möchte ich, dass ihr vorher allesamt Schutzzauber übt und diesem Musterbeispiel hier folgt. Wir treffen uns heute Abend gegen sechs Uhr an der Ausgrabungsstelle."
  23.06.2012, 02:10
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Turdas, 22. letzte Saat, 4E 201

Ich kam als letzter bei Saarthal an. Anders als die anderen Schüler war ich noch nie zuvor hier gewesen. Hätte Meistermagierin Mirabelle mir nicht den Weg gezeigt, hätte ich es vielleicht nie gefunden. Noch dazu waren einige der Wunden an meinem Rücken wieder aufgegangen und schmerzten stark. Doch die Möglichkeit, eine der sagenumwobenen Grabstätten aus der ersten Ära zu besuchen, wollte ich mir um keinen Preis entgehen lassen.
So stand ich also, zusammen mit meinen Mitschülern und einem trotz der schneidenden Kälte deutlich gut gelaunten Tolfdir, vor dem mit hölzernen Gerüsten überdachten Eingang zur Saarthal-Grabungsstelle. "Bevor wir eintreten, möchte ich euch in Gruppen einteilen. Ihr da, der Nord, ihr kommt mit mir. J'Zargo, Ihr geht mit unserem bretonischen Patienten, neben Euch, und Brelyna. Ihr untersucht alte magische Runen. Onmund, Ihr helft Meister Gane bei der Kategorisierung alter Artefakte. Gut, dann mal los!" Tolfdir stieß mit einer Kraft, die ich nicht in ihm vermutet hatte, die großen Torflügel auf. Er ließ ein Magisches Licht von den Wänden der Höhle scheinen, J'Zargo und ich hatten an Fackeln gedacht und Brelyna zündete sie für uns mit einem einfachen Feuerzauber an. Nicht lange, nachdem wir in die Grabungsstätte eingetreten waren, überquerten wir einen engen Pfad, eine kleine Brücke, die zu einer auf einer Säule ruhenden Plattform führte. Von hier aus ging es in drei Richtungen. Tolfdir wies uns an, nach links zu gehen, also taten wir dies.
Desto weiter wir gingen, desto tiefer wurde es. "J'Zargo hofft, dass es hier unten Dinge von Wert gibt. Vielleicht Dinge, die klein sind, und die niemand vermisst", zischelte der Khajiit vor mir. Er schien sehr von sich überzeugt. "Du machst dir keine Sorgen?", fragte Brelyna, eine junge Dunkelelfin, ängstlich. "Was kann uns schon hier unten erwarten?", versuchte ich, sie zu beruhigen, und fing an, aus einem Buch über Runenmagie zu zitieren, dass ich vor einiger Zeit gelesen hatte: "In der ersten Ära, in der Hügelgräber und Gruften wie Saarthal gebaut wurden, war Magie noch etwas viel mystischeres. Der Begriff Magicka ist tatsächlich erst rund tausend Jahre alt. Bevor Magier begannen, dieser fremdartigen Macht auf die Spur zu gehen und Zaubersprüche in Schulen einzuteilen und auf Rollen oder in Büchern aufzuschreiben, war Runenmagie die am weitesten verbreitete Form des Zauberns, neben der Elementarmagie natürlich, die heutzutage fast vollkommen verloren ist. Damals basierten alle Zaubersprüche der Zerstörung auf lange vorbereiteten Runen... wie dieser da!" Gerade noch rechtzeitig packte ich J'Zargo und Brelyna, die ein paar Schritte vor mir gelaufen waren, und zog sie zurück. In der Dunkelheit hatten die beiden direkt vor ihren Füßen einige rot schimmernde Linien und Kreise übersehen. Ich beugte mich nach vorne und versuchte, die alten Worte zu entziffern, die an den Rändern standen. Ich zog das Dekodierungsbüchlein, dass ich in der Bücherei vom miesgelaunten Orkbibliothekar ausgeliehen hatte, aus meiner Seitentasche und schlug es unter 'Alte Nordrunen' auf. J'Zargo hüstelte, in seiner Ehre gekränkt. Brelyna setzte sich neben mich und förderte einen Stift und ein Stück Papier zu Tage und begann, die Rune abzuzeichnen.
Von weiter hinten, ich schätzte, nicht weit vom Ausgang, drang ein lautes Krachen. Rufe hallten durch die Gänge. Ich fragte die anderen: "Sollten wir da nicht nachgucken?", doch die beiden schüttelten nur den Kopf. "Wenn es wichtig war, wird uns Tolfdir schon abholen", meinte der Khajiit und trat ein paar Schritte zurück, "Nun entschuldigt, während J'Zargo die Rune auslöst. Huzza!" Er richtete seinen Schutzzauber genau so aus, dass er die Rune am Rand berührte und auslöste. Flammen schossen in die Höhe und brachten seinen magischen Schild zum Glänzen.
"Gut gemacht, weitersuchen...", wollte ich ansetzen, als ein kratzendes Geräusch laut wurde. "Warst du das, J'Zargo?", flüsterte die Dunkelelfin verängstigt. Ich hatte kein gutes Gefühl, und durch das Kopfschütteln des Khajiiten ließ sich mein Magen auch nicht beruhigen. Ich griff auf einen Frostzauber zurück und ließ das Magicka meine Venen durchströmen. Auf meinen Handballen formten sich Eiskristalle.

Dann ein Krachen und Knacksen. Mit einem Knall sprang ein schwarzes Steinsiegel, dass ich zuvor gar nicht gesehen hatte, aus der Wand. Die Wand, die über den gesamten Zeitraum im Halbdunkel unserer Fackeln gelegen hatte, offenbarte sich als Sarg! Aus dem steinernen Gefäß stolperte ein Untoter hervor, und aus den Zeichnungen meiner Bücher erkannte ich ihn als einen Draugr, den Körper eines Nordkriegers aus der ersten Ära.
Seine blauen Augen sahen uns an, betrachteten jeden Einzelnen von uns von oben bis unten. Dann, nach einem langen Augenblick der Stille, zog er in einem Streich sein altes Schwert und verpasste Brelyna einen Kinnhaken, der sie zusammensacken lies. Ich schubste meinen Mitschüler zurück und packte sie unter den Armen. "Wir müssen hier raus!", brüllte ich. J'Zargo, nun nicht mehr so vorlaut, ließ seine Fackel fallen. Das Feuer erlichte, ließ aber den Draugr genau so erblinden wie uns. Ich nutzte die Verwirrung unseres Gegners, um Brelyna über meine Schulter zu werfen und meinen Eiszauber in dessen ungefähre Richtung zu wirken. Ein Schrei aus uralter Zeit ließ mich wissen, dass ich getroffen hatte.
Den Tunnel zu verlassen, war um einiges einfacher, als ihn zu betreten, mussten wir nun doch nicht mehr auf Fallen achten. Auf halben Weg zum Ausgang, meine Beine machten langsam schlapp, murmelte Brelyna, nun wieder bei halben Bewusstsein, mir ins Ohr: "Die Rune... meine Aufzeichnung..." Sie hielt mir mit zitternden Händen ihre Skizze vor die Augen und ich hatte ein Idee. "J'Zargo, bleib stehen! Nimm sie mal für mich!", rief ich, und legte die Dunmer ab. Ich drehte mich um und packte eine alte Eisenklinge, die in einer Wandöffnung neben mir lang und zu verrostet war, um irgendeinen Schaden anzurichten. Den wenigen Vorsprung, den wir hatten, ausnutzend, zeichnete ich hastig die Rune in Dreck und Staub der Ruine nach. Ich spürte, wie das Schwert zu einem Leiter für meine Magie wurde. Mit jedem weiteren Kreis, den ich zeichnete, begann die Rune mehr zu leuchten. Ein kehliger Schrei machte mich auf des Draugrs Näherkommen aufmerksan und ich vollendete die Rune. "J'Zargo, Schutzzauber! Jetzt!", rief ich und wir stellten uns schützend vor die am Boden liegende Brelyna. Gemeinsam erhielten hier ein Schutzschild aufrecht, dass von der Decke bis zum Boden reichte. Der Draugr kam näher. Als er so nahe war, dass er bereits seine Klinge hob, um uns in Stücke zu zerschneiden, trat er auf die Rune - und der Korridor verwandelte sich in das Innere eines Schmiedeofens.

Als die verbrannten Reste des Untoten vor uns zusammenbrachen, wurde uns klar, dass wir uns gerade als Gruppe bewiesen hatten. J'Zargo sagte so etwas wie: "War ja klar - Ich bin halt der Beste", während Brelyna mir nur lachend, wenn auch geschwächt, um den Hals fiel.

Nachdem wir zu den anderen zurückgekehrt waren, hatten diese jedoch eine spannendere Geschichte - der Nord hatte anscheinend in einer Vision Besuch von einem lange verloren geglaubten Orden erhalten. Der Psijic-Orden, wie er sich nannte. Und in den Hallen tief unter Morthal hatte die andere Gruppe ein riesiges, fliegendes Artefakt gefunden. Ich hatte für den Tag genug Abenteuer, und ich erklärte mich bereit, die verletzte Brelyna zur Akademie zurück zu begleiten.
  17.07.2012, 05:48
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