Morndas, 18. letzte Saat, 4E 201Ich hatte Glück im Unglück - der Berg fing meinen Fall auf. Selbstverständlich war der Aufprall auf den schnee- und eisbedeckten Felsen auch nach nur zwei Metern Fall trotzdem zureichend schmerzhaft, um mich fast zurück in Nocturnals Arme zu schicken. Doch zum Glück blieb mein Geist aufmerksam genug, um während des schnellen Herunterschlidderns den größeren hervorragenden Spitzen auszuweichen, obwohl mir Schnee ins Gesicht spritzte und Steine meine Leinenhose in Stücke rissen. Das Ende der Rutschpartie, eine beunruhigend steinig wirkende Straße, kam mit jeder Sekunde drohend näher. Da entdeckte ich einen am Berghang hinaufwachsenden Baum und schöpfte Hoffnung. Ich legte mich schief, um direkt in die nadelige Baumkrone zu rauschen. Für eine Sekunde war unter mir nichts - eine kleine Schanze aus Eis hatte mich in die Luft befördert - und im anderen Moment durchbohrten grüne Tannennadeln meine Haut und unter mir war wie durch Zauberhand ein Ast gewachsen, der meinen Sturz in einen sicheren Tod vermieden hatte. Ob ich dem dankbar war, stand noch aus, denn mein Hintern, mein Rücken und meine Schulter brannten wie die Ebenen Oblivions. Rotes Blut triefte meine Beine entlang.
"In Ordnung. Zuviel für einen Tag. Du suchst dir jetzt eine Taverne und legst dich auf den Bauch, und morgen sieht die Welt schon ganz anders aus", sagte ich mir selbst, suchte das Dorf, dass ich von oben gesehen hatte, und sah, dass die Straße dorthin führte. Langsam und unter großen Schmerzen ließ ich mich den Baumstamm runtergleiten, spürte jetzt erst, dass ich mir wohl auch noch den Fuß verstaucht hatte, und hinkte langsam Richtung Dorf.
DAWNSTAR, prangte es auf einem vom stürmischen Wetter schlimm zugerichteten Schild, und endlich hatte ich eine Ahnung, wo ich in Kynareths Namen gelandet war. Erschöpft schleppte ich mich durch die nahezu entvölkerte Gasse. Die wenigen Einwohner, die mich sahen, schienen mehr mit sich selbst beschäftigt zu sein, als mit dem blutverschmierten Mann vor ihnen. Immerhin konnte man nun nicht mehr wissen, dass die roten Flecken auf meiner Kleidung nicht allein von mir, sondern zum Teil vom ermordeten Captain stammten. Ich versuchte mir einzureden, dass sein Tod nicht meine, sondern seine Schuld war, schließlich hatte er mich angegriffen, nicht ihn. Mein Gewissen beruhigte es trotzdem nicht.
Ich fand die Terme - Zum Windigen Gipfel, welch ein sarkastischer Name - und stieß die Tür auf.
"Kommt herein, Wanderer - oh, Ihr seht ganz schön mitgenommen aus. Kann ich Euch was zu essen anbieten, oder ein Bett?", rief der Gastwirt bereits, als er mich hineintaumeln sah. "Nur ein Bett... wieviel kostet die Nacht?", fragte ich. "10 Septime. Aber ich muss Euch warnen - Zur Zeit haben alle, die hier schlafen, merkwürdige Alpträume." Ich hatte es inzwischen zum Thresen geschafft und stützte mich darauf. Alpträume? Ich brauchte Ruhe. Alpträume waren das letzte, was ich brauchen würde. "Dann seid so freundlich, sagt mir, gibt einen Kutscher vor Ort?"
Der Wirt nickte. "Jaja, aber der schläft gerade. Er wird in ein oder zwei Stunden aufwachen, aber vorher würde ich ihn nicht wecken, er ist dann sehr mürrisch. Ich kann Euch ein Bad anbieten, und etwas, um zu Kräften kommen. Ihr seid ein Bretone, nicht wahr?" Ich nickte. Der Wirt lächelte, stolz darauf, meine Rasse beim ersten Versuch erraten zu haben, wurde ich doch oft für einen Kaiserlichen gehalten.
Ein Bad? Das klang nicht schlecht, also schlug ich ein. "Ach übrigens", stellte sich der Wirt vor, "Ich heiße Thoring. Was ist Euer Lieblingsgift, um den Schmerz zu mildern?" Ich murmelte: "Alto-Wein." Thoring lachte laut auf. "Ha!", brüllte er, viel zu laut für meinen Kopf, "Ein Weintrinker also. Na gut, Ihr seid ja auch kein Nord. Hier, ich habe leider nur Humpen, keine Gläser..."
Er führte mich, nachdem er mir den Humpen gereicht hatte, in einen Nebenraum, in dessen Mitte ein großer Zuber stand, gefüllt mit Wasser. "Wie wärmt Ihr es?", fragte ich verblüfft, und er zeigte mir einen Zinntopf, gefüllt mit glühenden Kohlen, den er dann mit einem Deckel verschloß und hineinlegte. Er nickte mir zu: "Ich gebe Euch jetzt Privatssphäre. Schlaft nicht ein. Ruht Euch aus."
Ich dankte ihm vielmals, nahm einen Schluck Wein und fühlte sofort, wie der Alkohol die Schmerzen linderte, die Welt jedoch nur mehr verschwimmen ließ und entkleidete mich. Langsam stieg ich in das lauwarme Bad ein und lehnte mich zurück. Das Wasser färbte sich leicht rötlich, und endlich konnte ich in Ruhe meine Wunden besehen. Mein Fuß war, wie vermutet, verknackst. Meine Schulter fühlte sich tatsächlich gar nicht so schlimm an, war aber aufgeschürft. Ganz zu schweigen von meinem Gesäß und den Beinen, die nur noch aus aufgerissener Haut zu bestehen schienen.
Ich griff nach meiner Robe, die neben dem Zuber lag, und fingerte eins der Brote heraus. Verschimmelt. Das zweite war nicht besser erhalten, und von dem Törtchen war selbstverständlich nach all den Rutschpartien und der kalten Nässe nur ein verwaschener weißer Fleck in meiner Tasche geblieben. Ich seufzte und schloß die Augen.
Als ich sie wieder öffnete, befand ich mich nicht mehr in dem Zuber, sondern auf einem kleinen Flecken aus kochendheißem Gestein, umgeben von Lavaflüssen. Ich vermeinte, hinter mir laute Schreie von Kindern wahrzunehmen. Ich versuchte, mich umzudrehen, doch schien ein jeder Muskel meines Körpers gelähmt. Nicht einmal blinzeln konnte ich, als die Lava begann, mich zu blenden. Wo war ich? War das nicht das Oblivion, wie es in den Büchern des Anonymus aus Cyrodiil im Buche
Ära 4 - die Oblivionkrise beschrieben worden war? War ich an der Blutung oder an einem Fieber verendet? Weiterhin versuchte ich, mich von dem unsichtbaren Band, den unsichtbaren Fesseln, die mich festhielten, zu befreien. Ich kam keinen Centimeter frei. Ich schien lediglich die Aufmerksamkeit eines Wesens zu erwecken, denn mir entgegengesetzt schien sich Ektoplasma zu sammeln und eine feste Form zu kreieren. "Ihr Narr..."
Erschrocken erkannte ich die Züge des Captains. Nein, das war unmöglich. Was geschah hier? Die Züge des Wesens wurden immer genauer. "Nein. Nein!", brüllte ich, "Nein!" Die Geisterform des Kaiserlichen stand nun direkt vor mir, in der Luft levitierend, und zog ein sehr real wirkendes Eisenschwert. "Ich werde Euch töten!", brüllte das durchsichtige Wesen. Und stieß zu.
Ich fand mich japsend und nach Luft schnappend auf dem Boden des Tavernennebenraums wieder. Minuten vergingen, scheinbar Stunden, ehe ich mich traute, zu meiner Brust zu greifen und beruhigt festzustellen, dass sich dort kein Loch vom Durchmesser meines Kopfes erstreckte. Ich hatte ledigich geträumt, wie ich mir einredete, ich war im Zuber eingeschlafen. Doch auch, als der Wirt wenig später an die Tür klopfte und mich informierte, dass der Kutscher wach sei und die Pferde gerade vor den Wagen spannen würde, hatte ich mich immer noch nicht von dieser perfekten Illusion, die erst nach dem Aufwachen wie ein Traum wirkte, erholt.
Ich hustete und fühlte, wie meine Stirn scheinbar lichterloh glühte. Ich stellte mir die Frage, ob der Albtraum den gleichen unbekannten Ursachen der komischen Träume Dawnstars Bewohner oder meinem Fieber zuzuschreiben war, ich wusste bloß, dass ich hier nicht verweilen konnte.
Während ich mich vom Wirt verabschiedete und ihm als Dank fünf Septime, die auszuschlagen ich ihm ausreden musste, zusteckte, entschied ich, das meine Fähigkeiten absofort einer guten Sache zu Dienste sein mussten. Denn auch wenn der Captain mich angegriffen hatte, so hatte ich ihn doch getötet, statt ihn nur zu entwaffen. Ich hustete erneut und mir wurde klar, dass ich schnell die ärztliche Hilfe eines Magiers brauchte.
"Kutscher... nach Winterhold", wies ich ihn an und gab ihm einen Beutel mit den dreißig Septimen von Pemeni. Ich fragte mich, ob dem frommen Rothwardonen der Gedanke gefallen hätte, dass ich mit seinem Geld mir eine Reise zu dem Ort, wo ich mich von meinen Taten reinwaschen würde, kaufte.
Während ich mich in meine nicht zu stark beschädigte blaue Robe und eine Decke, die hinten in der Kutsche lag, hüllte, malte ich mir aus, wie es sei, der Akademie von Winterhold beizutreten und ein Heiler zu werden.