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Thema: Was ist für euch ein richtiges Rollenspiel?  (Gelesen 2294 mal)

  • Graf
    • Adel
Dragon Age: Teenie-Splatter mit 100000mal durchgekauter Story ist plötzlich ein KOMPLETTES Rollenspiel??

Anstatt das dauernd in den falschen Threads auszugraben, mache ich dafür mal einen neuen Thread.

Laufend wird bei zig Spielen, die von Presse und Herstellern dem Rollenspielgenre zugeordnet werden, bemängelt, das wären garkeine echten Rollenspiele. Dragon Age nur mal als Beispiel. Für die einen ein Beispiel wie ein modernes RPG auszusehen habe, für andere ein Schandfleck des Genres.

Darum frage ich mich, was ist denn bitte ein Rollenspiel? Was meint ihr, das ein Rollenspiel haben muss um ein richtiges Rollenspiel zu sein? Was für Beispiele gibt es? Ihr könnt immer nur meckern, aber erklären tut ihr nichts.
Das richtet sich nicht an die, denen bereits ein Inventar zum Rollenspiel gereicht, sondern an eben jene, denen bei der Erwähnung von "Skyrim" und "Rollenspiel" Schaum aus dem Mund quillt.
  14.08.2012, 13:56
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  • SCP-Wiki-DE


  • Skelett-Krieger
    • Untot
Eins, das sich möglichst nah an ein klassisches PnP annähert.

Übrigens Gratulation, einem Minderbemittelten unnötige Aufmerksamkeit zuzuwenden - der Thread hätte doch auch ohne das Zitat funktioniert.
Also, um jetzt mal klarzustellen:
Die PC-Spieler raubkopieren alle und sind selbst Schuld, dass sie Konsolenports kriegen.
Die Konsolenspieler kaufen sich massenweise seichte Kost und abgeflachte RPGs, aber die Entwickler sind Schuld am Abflachen? Ok.
Ja klar sind die Spieler schuld am Abflachen von Spielen wie Skyrim, denn die Gamer entwickeln ja schließlich das Spiel. Logik fail.
  14.08.2012, 14:16
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255

  • Gelehrter
    • Magiergilde
Laufend wird bei zig Spielen, die von Presse und Herstellern dem Rollenspielgenre zugeordnet werden, bemängelt, das wären garkeine echten Rollenspiele. Dragon Age nur mal als Beispiel. Für die einen ein Beispiel wie ein modernes RPG auszusehen habe, für andere ein Schandfleck des Genres.
Wer bemängelt denn sowas? Und wer hat zu bestimmen was ein RPG ist? Wenn jemand behauptet "Skyrim ist kein Rollenspiel", dann wird er dafür wohl auch von Beispielen gestützte Argumente aufführen und damit die Frage "Was ist ein Rollenspiel?" indirekt beantworten. Diese Argumente würde ich gerne mal sehen. Generell hätte ich von dir, MorpheuZ, gerne mal ein paar Links zu den Kritiken über die "zig Spiele", die bemängelt werden.
Und wer behauptet bitte, "Dragon Age" sei ein Schandfleck des Genres? Du? Sprichst du von Dragon Age Origins, oder Dragon Age II?

Jede Aussage im Stil von "XY ist kein Rollenspiel" oder "XY ist ein schlechtes Spiel" ist überflüssig, ohne dazugehörige Argumente und Belege. Mit so etwas kann doch niemand etwas anfangen, geschweige denn eine sinnvolle Disskussion darüber führen, oder? :|


Um die Ausgangsfrage zu beantworten:
Für mich ist ein Rollenspiel ein Spiel, in dem ich in die Rolle eines anderen - eines Charakters - schlüpfe und in einer (fantasie-) Welt ein Abenteuer erlebe. Im Prinzip also sowas wie ein interaktives Buch.

Was meiner Meinung nach für ein Rollenspiel unter anderem wichtig ist:
Glaubwürdigkeit - Und zwar nicht im Sinne von "Zauberei ist unrealistisch!!!1!", sondern im Sinne einer inneren, logischen Schlüssigkeit der Spielwelt und Hintergrundgeschichte.
Story - Desto interessanter, spannender, origineller, unlinearer und komplexer, desto besser. Außerdem sollte es möglichst viele, verschiedene Lösungswege geben.
Charakterentwicklung - Sollte ebenfalls möglichst komplex sein, so dass es viele Möglichkeiten gibt, sich im Spiel selbst zu verwirklichen.
interessante Nebencharaktere Die sich ebenfalls im Laufe der Zeit entwickeln und vielseitig sind. In einer Welt voller langweiliger Statisten zu leben, macht keinen Spaß.
Außerdem sollte es möglichst einfach sein, sich in die Spielwelt und den eigenen Charakter hineinzuversetzen. Dies hängt jedoch hauptsächlich von den eben genannten Punkten ab, vor allem von den möglichkeiten der Charakter- und Storyentwicklung sowie von der Glaubwürdigkeit.

Weitere wichtige Punkte sind zum Beispiel das Balancing, der Umfang, Dialogoptionen und mögliche Handlungen, die eine Spürbare Auswirkung auf den weiteren Verlauf der Geschichte haben. Auch die "Athmosphäre", also die Stimmung des Spiels ist von großer Bedeutung, jedoch schwer zu erfassen, da sie von einem Zusammenspiel vieler anderer Dinge abhängt. Für ein Action-Rollenspiel oder ein Strategie-Rollenspiel kommen noch andere Punkte hinzu, wie zum Beispiel das Kampfsystem, die strategischen Möglichkeiten oder der Schwierigkeitsgrad.

Wie wichtig die einzelnen Punkte für das Gesamtbild sind, und welche Eigenschaften des Spiels überhaupt von Interesse sind, muss jeder individuell für sich selbst entscheiden. Genau so muss jeder für sich entscheiden, welchem Genre er ein Spiel zuordnet, muss es dann aber auch an den charakterisierenden Eigenschaften des Genres Messen.


Ein Beispiel:

Wenn ich nun beispielsweise Skyrim als Action-Rollenspiel sehe und es bewerten möchte, analysiere ich es in jedem Punkt, der mir für ein Rollenspiel wichtig erscheint. Danach setze ich meine Ergebnisse in Relation zu den besten Vertretern dieses Punktes. Nicht um Skyrim schlecht dastehen zu lassen, sondern um einen Vergleich zu allen anderen Rollenspielen zu haben, die ich bisher gespielt habe.

Glaubwürdigkeit: Ist für mich in Skyrim extrem gering. Nach einer Stunde Spielzeit werde ich von der gesamten Spielwelt als einzig wahrer Auserwählter gefeiert, nur weil ich 10 weißläufer Wachen dabei zugesehen habe, wie sie einen Drachen vom Himmel geschossen haben, den ich mit meinem Schwert kaum erreichen konnte, weil er drei Viertel der Zeit in der Luft war.
Alle Gilden machen micht gleichzeitig zum Oberhaupt, weil ich... ja was hab ich nochmal für die gemacht? Meistens irgendwelche belanglosen Gegenstände aus Dungeons gekratzt...
 Ein weiteres Beispiel für Skyrims grausame Blödsinnigkeit hat Oberscht erst gepostet:
http://www.shamusyoung.com/twentysidedtale/?p=14422

Story: Skyrims Hauptstory ist flach und langweilig. Das muss ich hoffentlich nicht nochmal weiter ausführen. Bei weitem schlechter als Morrowind, Dragon Age, Chrono Trigger oder sogar Vampires Dawn.

Nebencharaktere: Sind allesamt Statisten. Es ist vielleicht zwei Monate her, dass ich Skyrim gespielt habe, kann mich aber nichtmal an Namen erinnern. Der Drache, der einfach nur böse ist hieß Alduin, dann geb es noch einen, der nicht die Welt zerstören wollte und mit P anfing... Hintergrund, Entwicklung und Tiefgang der Charaktere sind praktisch nicht vorhanden. Wieder kein Vergleich zu den Charakteren aus Dragon Age, mit denen ich stundenlang über sie und die Welt reden konnte, ohne dass es langweilig wurde, die auf mich reagiert haben und die Spielwelt mit Leben gefüllt haben. Selbst Jauffre und Baurus aus Oblivion sind da interessanter.

Charakterentwicklung:  Es gibt nurnoch 3 "Attribute" die sich, egal wie man spielt, gleich schnell nach belieben erhöhen lassen. Die Fähigkeiten wurden weiter zusammengestrichen. Perks sind zu 80% entweder overpowered oder nutzlos. Eine Gesinnung habe ich garnicht erst, Dialogoptionen sind alle sinnfrei, wenn ich der Meister der Diebesgilde bin interessiert das niemanden, schon gar nicht die anderen Gilden... Ich sage nur: Morrowind, Neverwinter Nights 2.

Kampfsystem: Für ein Action-RPG bei weitem zu schwach. Warum? Sowohl Nahkampf und Fernkampf als auch Magie sind simpel und eintönig. Ausdauer hat keine Auswirkungen auf irgendwas, Strategie: Hau Drauf! Vergleiche Dark Souls oder Dragon's Dogma. Vielleicht ist Skyrim auch garkein Action RPG...

Umfang: Groß im Vergleich zu vielen anderen Spielen. Das bedeutet aber nur, dass man sich in Skyrim lange langweilen kann.

So leid es mir tut (=nicht), Skyrim versagt in jedem - IN JEDEM - Punkt den ich als wichtig für ein Rollenspiel ansehe.
Skyrim ist OBJEKTIV betrachtet ein schlechtes Rollenspiel. Ein sehr schlechtes sogar. Tatsächlich hat Skyrim kaum mehr Wert als Rollenspiel als Call of Duty.
Und genau an dieser Stelle stellt sich mir die Frage: Habe ich einfach nur die falsche Messlatte angelegt? Ist Skyrim, genau wie CoD, eigentlich garkein Rollenspiel?



Gruß,
255.
« Letzte Änderung: 14.08.2012, 17:40 von 255 »
  14.08.2012, 17:33
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Cyclops

Eigentlich ist das Zwei-Wörter-Wort "Rollenspiel" ein ziemlich dummer Begriff.
Zerlegt man das Wort in seine 2 ursprünglichen Wörter nämlich die "Rolle" und das "Spiel" sollte es klar sein.
Erstens handelt es sich um ein Spiel, was jedem bewusst sein sollte. Ganz gleich ob Pen & Paper oder Videospiel es ist und bleibt ein Spiel und dient zur Unterhaltung.

Das Wort "Rolle" was diesen Zwei-Wörter-Begriff ausmacht, sagt allerdings nur aus, dass der Spieler in irgendeine bestimmte Rolle schlüpfen kann.
Es wird dabei nicht von Charaktergestaltung oder freiem Spielfluss geredet.

Denn selbst Schauspieler nehmen "Rollen" an und dabei wird ihnen meistens ein Manuskript vorgelegt, nach dem sie arbeiten sollen.
Der Hauptaugenmerk bei einem guten Film liegt auf der Handlung und der schauspielerischen Leistung.
Tolle Effekte, gute Musik hinterlegen das Ganze nur, können jedoch auch ordentlich aufgebauscht werden, um die Illusion von einem guten Film hervorzurufen.
Letztendlich ist es egal auf welche Art und Weise ein Film gut war (geglaubt oder tatsächlich gut), solange nur der Zweck der Unterhaltung erfüllt wurde.

Bei einem Videospiel kommt neben der Story natürlich viel viel mehr dazu: Gameplay, Animationen, Grafik, Synchronisation, ...
Und auch hier können viele Illusionen dafür sorgen, dass ein Spiel als gut erscheint.
Und genauso wie beim Film ist es nur wichtig, ob der Zweck der Unterhaltung erfüllt wurde.

Was den Begriff eben angeht, ist er dumm weil eigentlich jedes Spiel irgendwo eine Rolle hat. Selbst bei Super Mario hüpft man als italienischer Handwerker durch die Gegend nur um rauszufinden, dass seine Prinzessin in einem anderem Schloss ist.

Wenn man das Wort Rolle aber eben mit dem Wort Spiel verbindet blitzen bei vielen Spielern hunderttausend Hintergedanken auf, die mit dem eigentlichem Zwei-Wörter-Begriff und den zwei Wörtern dieses Begriffs jedoch nichts zu tun haben, sondern nur eigene Meinungen aufgrund von gespielten Spielen sind.
Wenn man aber einfach nur das Wort betrachtet und das was es auszusagen hat, ist es nichts anderes als ein Spiel, in dem man in eine Rolle schlüpft.

Und um das Beispiel Call of Duty aufzugreifen: Da schlüpft man auch nur in die Rolle eines Soldaten :/

Deshalb empfinde ich dieses Genre-Wort und überhaupt Spiel, Film und Musik in Genres einzuteilen als Eierschaukelei, von Leuten denen eben so langweilig war irgendwas zu katalogisieren.
Wohl gemerkt sei, dass diese Katalogisierung sowieso von jedem individuell angenommen, abgelehnt oder überarbeitet werden kann, sofern er sich seinen freien Willen zu Nutze macht.

Kurz gesagt es gibt keine übereinstimmende Meinungen bei etwas, das keine Naturgesetz ist (und selbst bei denen sind sich viele Menschen nicht einig ^^).
Warum sollte ich dann etwas anderes tun als Dinge in 2 banale und einfach Sachen einzuteilen: "Gefällt mir" und "gefällt mir nicht".

Es gibt zwar mehr Rechenarten als + und - und auch mehr als eine positive und eine negative Emotion, aber das Zusammenspiel aller dieser Dinge sollte ein klares Bild auf das geben was einem gefällt und was nicht.
Und solange man immer eine persönliche und einschlägige Begründung zu gefällt mir und gefällt mir nicht liefern kann ist es das gute Recht diese Meinung zu vertreten.

Aber natürlich... Wer möchte kann sich ein vorgefertigtes Bild oder sein eigenes Bild eines Genres aneignen und dann ruhig enttäuscht sein, wenn etwas von der bösen Allgemeinheit als "Rollenspiel" betitelt wird aber seine eigenen Vorstellung so überhaupt nicht erfüllt ^^

Ich hingegen bleib lieber bei den einfachen Meinungen "Ich fands kacke, weil..." und "Mir gefiel es, weil...", anstatt mir eine vorgefertigte Meinung in Form einer Katalogisierung / Klassifizierung anzueignen, weil ich nicht so auf Indoktrination stehe, sondern lieber aus eigener Kraft und Erfahrung lerne. :)
  17.08.2012, 14:11
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  • Späher
    • Klingen
Meine Kriterien für ein Rollenspiel:

- Der Spieler verkörpert einen Charrakter und entscheidet, wie dieser Handelt

- Es gibt die Möglichkeit den Charrakter, wie auch immer, an die eigenen Vorlieben anzupassen

- im Spiel kann der Spieler Entscheidungen fällen, die sich dann, mehr oder minder, auf den Spielverlauf auswirken

Meine Kriterien für ein gutes Rollenspiel:

- Es gibt einen Charrakter, mit dem man sich identifiezieren kann oder den man so anpassen kann, dass man sich mit ihm identifizieren kann

- Die Story ist packen erzählt und ergibt logisch und spieltechnisch einen Sinn

- Die NPCs haben Hintergründe und sind echte Protagonisten, nicht nur Stereotypen

- Die Entscheidungen die ich fälle, haben spührbare Auswirkungen

- Die Atmosphäre ist dicht und passt zur Story

- Dem Spieler sind Freiheiten bei der Entwicklung der Persöhnlichkeit und bei der entwicklung der Werte seines Chars gegeben

- Das spiel ist in sich schlüssig

- Die Welt ist einfallsreich und mit Liebe zum Detail gestaltet

Meine Beispiele, für RPGs, die ich gut finde:

- Gothic 2
- Two Worlds
- Jade Empire
- Oblivion
- (Mount and Blade) ist hier eingeklammert, da es nicht wirklich mit den Anderen vergleichbar ist und kaum die oben gennaten Kriterien erfüllt. Trotzdem mag ich das Spiel.
Ich rufe in diesen Kreis, um sich dem Streit zu stellen:
Den, der zwischen Licht und Dunkelheit wandert.
Den, der Gerechtigkeit von Recht scheidet.
Den, der immer Schlichter und Richter ist.
Ich rufe den Goldenen Avatar!
  17.08.2012, 18:54
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