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Umfrage

Findest du, die Identität anonymer Samenspender sollte den Nachkommen offen gelegt werden?

Jein, nur wenn der Vater im Nachhinein zustimmt.
11 (61.1%)
Nein, die damals rechtmäßig Anonymität darf nicht angegriffen werden.
6 (33.3%)
Das ist mir voll egal.
1 (5.6%)
Ja, auf jeden Fall überwiegt das Recht seine Abstammung zu kennen.
0 (0%)
Ja, sofern Forderungen gegenüber dem Spender ausgeschlossen sind.
0 (0%)

Stimmen insgesamt: 18

Thema: Anonyme Samenspenden und das Recht die Abstammung zu kennen  (Gelesen 1684 mal)

  • Graf
    • Adel
Das Oberlandesgericht in Hamm hat entschieden, das die Tochter eines anonymen Samenspenders dessen Identität erfahren darf.

Ihr sind damit die Mittel der Zwangsvollstreckung wie Zwangsgeld und Beugehaft gegenüber dem Mediziner offen, der sich bislang weigerte, die Daten offenzulegen. Mittlerweile gibt er an, die Daten existierten nicht mehr. Bis 2007 mussten solche Daten 10 Jahre lang aufbewahrt werden, inzwischen 30 Jahre, wenn auch eigentlich zu einem anderen Zweck. Die Tochter ist inzwischen 22.

Kritiker befürchten, das die Offenlegung der Identität genutzt werden könnte, um nachträgliche Forderungen vorzubringen, wie Alimente, Unterhalt usw.

Was haltet ihr davon?
  06.02.2013, 12:54
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Das Oberlandesgericht in Hamm hat entschieden, das die Tochter eines anonymen Samenspenders dessen Identität erfahren darf.

Ihr sind damit die Mittel der Zwangsvollstreckung wie Zwangsgeld und Beugehaft gegenüber dem Mediziner offen, der sich bislang weigerte, die Daten offenzulegen. Mittlerweile gibt er an, die Daten existierten nicht mehr. Bis 2007 mussten solche Daten 10 Jahre lang aufbewahrt werden, inzwischen 30 Jahre, wenn auch eigentlich zu einem anderen Zweck. Die Tochter ist inzwischen 22.

Kritiker befürchten, das die Offenlegung der Identität genutzt werden könnte, um nachträgliche Forderungen vorzubringen, wie Alimente, Unterhalt usw.

Was haltet ihr davon?

Wer anonym bleiben will, sollte dies auch dürfen. Das blöde ist nur, wer spricht für die "anonymen Spender." Dieser Fall ist auch wieder ein schönes Beispiel für die Egozentrik unserer Gesellschaft.

Eine Frage: Würde der Arzt denn dann nicht gegen seinen Eid verstoßen?
Es gibt keine Leidenschaft. Es gibt nur Besessenheit.
Es gibt keine Erkenntnis. Es gibt nur Überzeugung.
Es gibt keine Absicht. Es gibt nur Willen.
Es gibt nichts. Nur mich.
  06.02.2013, 13:52
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Meinst du Eid oder Verschwiegenheitspflicht?

Zum Thema an sich: Schwierige Abwägung. Ich frage mich ja, warum die Frau wissen wollte, wer da gespendet hat...? Was erwartet sie jetzt von dieser Person? Dass er sie jetzt aufnimmt wie den verlorenen Sohn (Tochter)?

Die von den Kritikern angeführte Befürchtung, dass möglicherweise hieraus Leistungen wie Unterhalt etc. eingefordert werden, ist so abwägig nicht; ein solches (wenn auch vom Sachverhalt deutlich anders gelagertes) Verfahren läuft derzeit in den USA...

Ich denke, das Verfahren wird mit diesem Urteil sein Bewenden haben, da es dem Mediziner selbst nicht wesentlich schadet. Mich würde aber doch interessieren, ob die Richter am BGH oder BVerfG ein solches Urteil bestätigen würden. Denn wenn sich diese Rechtsprechung durchsetzt, prognostiziere ich, dass die Samenspenden deutlich nachlassen bis versiegen werden, denn wer will schon das Risiko eingehen, später ggfs. mit irgendwelchen Unterhaltsforderungen konfrontiert zu werden?
"Wer immer nur das tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist."
Dr. Reinhard K. Sprenger (*1953)
  06.02.2013, 20:19
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Unterhalt ist nur eine Seite. Erbberechtigt sind leibliche Kinder nämlich automatisch.
Meine Gipfelnebelherrenhausstatistik (mitgespielt ab Runde 4)

Runden mitgespielt: 10,  Runden gewonnen: 5,  Runden verloren: 5,  Runden überlebt: 3,  von den Assassinen ermordet worden: 6,  von der Mehrheit gelyncht worden: 2, als Bürger gewonnen: 3, als Bürger verloren: 4, als Assassine gewonnen: 2, als Assassine verloren: 1
  06.02.2013, 20:59
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Ich denke, das Verfahren wird mit diesem Urteil sein Bewenden haben, da es dem Mediziner selbst nicht wesentlich schadet. Mich würde aber doch interessieren, ob die Richter am BGH oder BVerfG ein solches Urteil bestätigen würden. Denn wenn sich diese Rechtsprechung durchsetzt, prognostiziere ich, dass die Samenspenden deutlich nachlassen bis versiegen werden, denn wer will schon das Risiko eingehen, später ggfs. mit irgendwelchen Unterhaltsforderungen konfrontiert zu werden?

Da, wie ich gelesen habe, keine Revision zugelassen ist, werden höhere Instanzen nicht allzu bald über diesen Fall urteilen. Dass es dem Mediziner nicht schadet, würde ich aber nicht so unterschreiben. Er hat 1. den Mehraufwand jetzt alle Anfragen zu Vaterschaften beantworten zu müssen oder hieb- und stichfest zu beweisen, dass er das nicht kann (sonst drohen Haft oder 25k € Strafe pro Fall!). Und 2., wie du schon sagtest, dadurch dass es durch dieses Urteil keine anonyme Samenspende mehr gibt, könnte ich mir schon vorstellen, dass ihm die Spender abhanden kommen. Wie die Richter selbst festgestellt haben, basiert sein Geschäftsmodell auf der Anonymität.
Der Gedanke an die Vergänglichkeit aller irdischen Dinge ist ein Quell unendlichen Leids - und ein Quell unendlichen Trostes. - Marie von Ebner-Eschenbach
  06.02.2013, 22:17
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Grundsätzlich sollte die Anonymität gewahrt werden!

Es kann aber die Möglichkeit geben das Vater und Kind sich kennen lernen (egal von wem die Initiative ausgeht), sofern zuvor beide unter Wahrung ihrer Anonymität eingewilligt haben. Ist das Kind nicht volljährig und die Initiative geht vom Vater aus müssen die Erziehungsberechtigten (in der Regel die Mutter) vorher zustimmen.

Das wäre die beste Lösung denke ich.
  06.02.2013, 23:17
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Es ist nichts dagegen einzuwenden wenn beide es wissen wollen.

Wenn nur eine Seite es wissen will ist das sehr bedenklich.
Was hätte man den von dem Namen eines Vaters der nichts von einem wissen will?
Umgekehrt genauso: Was hätte ein Spender davon den Namen eines Kindes das nichts mit ihm zu tun haben will zu erfahren?

Von solchem Schwachsinn wie Unterhalt und Erbschaft will ich garnicht erst anfangen.
Der Mann hat sein Sperma anderen zur Verfügung gestellt, er kann nicht dafür zur Verantwortung gezogen werden was andere damit machen!
Stromanbieter werden ja auch nicht zur Verantwortung gezogen wenn jemand während einem Bad einen Fön in die Wanne fallen lässt.

tl;dr: Wenn der Mann will, ja. Ansonsten Unsinn.

Nach 391 Stunden, 30 Minuten, 6 Sekunden, 45 Levelaufstiegen, 101 Obliviontoren (Karte), 238 Quests, 5113 Kills, 672 Witzen,
15 Beitritten, 53 Beförderungen, einer Degradierung, 2 Rauswürfen und 5 Krankheiten
bekam Sinderion den 100.Nirnwurz überreicht
  06.02.2013, 23:33
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Nun, zur Rechtsgrundlage hat das BVerfG im Vorfeld festgestellt, das jeder das Grundrecht auf Kenntnis seiner Abstammung hat. Allerdings nicht, welche Konsequenz daraus zu ziehen ist.
Die Anonymität ist in diesem Fall eine Vertragsklausel. Und die ärztliche Schweigepflicht kann aufgehoben werden.
Das ein Grundrecht schwerer wiegt, als eine Vertragsklausel, ist eine Grundlage unseres Rechtssystems.

Die Gründe, warum die Tochter die Identität ihres Vaters kennen will, kann glaube ich niemand hier wirklich nachvollziehen. Ich kann mir aber vorstellen, das es reine Neugier ist. Natürlich kann sie auch finanzielle Interessen haben, das zu unterstellen geht aber zu weit. Und wie der Vater reagieren würde, kann niemand sagen. Das er sich nicht dafür interessiert, ist nichts als wilde Spekulation. Vielleicht würde er sie abweisen, vielleicht auch mit offenen Armen empfangen. Den Versuch wäre es sicher wert.

Das Problem ist, das das Recht der Tochter hier mit den Rechten des Vaters kollidiert. Denn der hat seinen Samen freiwillig zur zufälligen Verwendung gespendet (oder verkauft, wir wissen nicht, ob er nicht einen Obolus erhalten hat). Ihm muss zwar klar gewesen sein, das mit großer Wahrscheinlichkeit Nachwuchs daraus hervor gehen würde. Durch die Anonymität hat er aber automatisch die Anerkennung der Vaterschaft abgelehnt und sein Desinteresse bekundet. Er hat seinen Samen gespendet, unter der Prämisse, niemals wieder damit zu tun zu haben.
Auch die Mutter hat, dadurch, das sie eine anonyme Spende angenommen hat, das Bedürfnis des Vaters auf Anonymität anerkannt.

Darüber hinaus sind die möglichen Auswirkungen auf das Leben des Vaters, wenn plötzlich eine erwachsene Tochter auftaucht, unvorhersehbar. Er kann selber Frau und Kinder haben. Wie würde seine Familie wohl darauf reagieren? Vermutlich nicht sonderlich begeistert. Die Folgen für das Leben des Vaters können verheerend sein. Wenn dann noch irgendwelche finanziellen Forderungen kommen, kann das das Leben des Vaters komplett ruinieren.

Andererseits wird auf das Leben des Vaters bei finanziellen Forderungen nie Rücksicht genommen. Einmal zu Karneval nicht aufgepasst und schon darf er Alimente zahlen. Ob das sein Leben zerstört oder nicht, dafür interessiert sich keine Sau.


Ich bin da sehr unschlüssig, was ich davon halten soll. Auf der einen Seite hat die Tochter selbstverständlich das Recht, ihren Vater zu kennen, auf der anderen Seite hat der der Recht, sein eigenes Leben in Ruhe zu leben. Aber wiederum haben alle Elternteile die Pflicht, sich um das Kind zu kümmern, egal wie es zu dem Kind kam. Allerdings hat die Mutter diese Pflicht rein gedanklich auf sich alleine genommen, als sie eine anonyme Samenspende annahm.
Daher sehe ich es als unumgänglich, entweder eine Rechtsgrundlage für den Schutz des anonymen Spenders zu schaffen, und ggf. anonyme Samenspenden ganz zu verbieten. Bis dahin finde ich, das der Vater vorher gefragt werden sollte.
  07.02.2013, 09:15
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  • Skelett-Magier
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Für mich gilt der Grundsatz der Freiheit, immer solange wie niemand anders in seiner Freiheit beeinträchtigt wird.

Das ist sehr allgemein aber meine Wunschvorstellung von Gesellschaft.
  07.02.2013, 09:34
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