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Thema: Deutschland in der Eurokrise - Fortsetzung aus dem CDT  (Gelesen 1423 mal)

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Fortsetzung der Diskussion aus dem CDT

Das viele deutsche Politiker besser beraten wären, kein Wort zu sagen, ohne ihren Beraterstab zu konsultieren ist in der Tat richtig.

Die Griechen hätten die U-Boote auch anderswo kaufen können. Oder selber bauen. Sie hätten so oder so U-Boote gekauft, weil sie welche haben wollten. Nicht weil die deutsche Rüstungsindustrie sie dazu gezwungen hat.
Sicherlich spielen viele Faktoren eine Rolle beim Schulden machen. Auch schlechte Beratung und Ahnungslose Verantwortliche. Aber letzten Endes macht jeder Staat seine Schulden in aller Regel selbst.

Wenn Deutschland weniger exportieren würde, ginge es unserem Haushalt noch schlechter. Vielleicht würde Deutschland auch eines der Krisenländer, denn Deutschland spielt in Sachen Staatsschulden ganz oben mit. Und obendrein stiege die Arbeitslosigkeit. Und da muss ich sagen, lieber die als ich. Deutschland pumpt von allen europäischen Staaten am Meisten Geld in die EU. Als bevölkerungsreichstes und wirtschaftsstärkstes Land ist das auch legitim, aber das darf man in der ganzen Debatte auch nicht vergessen. Und wenn ich mir anschaue, wie hierzulande die Straßen vergammeln und Hauptschüler nur noch vier Schulstunden am Tag haben, frage ich mich ob das viele Geld, das in Prestigeprojekte und das Unvermögen anderer Länder gesteckt wird, hier nicht besser aufgehoben wäre.

Ich finde allerdings, das ein knallharter Sparkurs, wie ihn die Merkel diktiert, einem Staat, der von Korruption zerfressen und durch Steuerhinterziehung trotz guter Wirtschaftslage arm gemacht wurde, nicht hilft, wieder auf die Beine zu kommen. Reformen des Steuerwesens und Bekämpfung der Korruption sollten genügen. Denn die Praxis zeigt, das der Sparkurs nicht nur keine Kosten deckt, sondern sogar neue verursacht, und die Wirtschaft völlig zerstört. Warum das niemand merkt ist mir ein völliges Rätsel.
  27.02.2013, 09:09
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Ich habe jetzt leider nicht mehr viel Zeit, aber zumindest noch ein zwei Worte.

Nach meinem Wissenstand war es zumindest so, dass sie den U-Boot_deal vor der Krise angeleiert hatte, und nach Ausbruch dieser gern abgesprungen wären. Und da hat auch die deutsche Regierung gesagt, so einfach ist das nicht. Jetzt müsst ihr die schon nehmen.
Aber darum geht es ja nicht. Warum wollten sie die denn hier kaufen? Warum kaufen so viele Länder/Privatpersonen im Ausland deutsche Produkte? Weil sie gut sind. Besser als das meißte andere. Wenn auch teuerer. Und genau DAS sie gut sind ist das Problem. Es werden in Deutschland überdurchschnittlich viele High-End-Produkte hergestellt. Mit denen sich ordentlich Geld verdienen lässt. Die anderen Länder in Europa stellen weniger High-End-Produkte her, dafür aber mehr minderwertigere Produkte. Um aber damit das selbe Geld zu erwirtschaften, wie in Deutschland fehlt die Kapazität. Sieh dir China an. Die haben den Platz und vor allem die Leute, den Weltmart mit "Ramsch" zu fluten. Die erwirtschaften ihre Exportüberschüsse auf diese Weise. Griechenland kann das nicht. Mal abgesehen davon, dass die Stückkosten immer noch höher wären als in China.

Ich meine ja auch nicht, wir sollten weniger exportieren. Ich arbeite ja selber in einem Exportbetrieb. Es geht mir nur darum zu sagen, dass es zu kurz gergriffen ist zu sagen, warum macht ihr alle Schulden, seht euch Deutschland an, wir machen doch auch Uberschuss. Das beides inst nicht so gegenlaufig, wie es auf den ersten Blick scheint, sondern zwei Seiten einer Medallie.

Ob der knallhatre Sparkurs das richtige ist, kann ich nicht sagen. Das weiß wohl niemand. Allerdings kenne ich halt auch keine wirkliche Alternative. Frankreich probiert es ja mit einem weniger harten Kurs. Das klappt wohl allerdings auch nicht so wirklich.

So, mehr zeit ist leider nicht, auch nicht zum Korrekturlesen. Also wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.
We were -- waist deep in the Big Muddy
And the big fool said to push on.
  27.02.2013, 12:35
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Deutschland erwirtschaftet, wenn man die EU Maastrichtrilinien berücksichtigt - woran sich ein Portugal, Spanien und Griechenland in aller balde halten sollen, selbst keinen Überschuss. Das 3% Defizit überschreitet Deutschland regelmäßig (seit 2002), die einzigen Länder die Maastricht gut einhalten konnten sind die skandinavischen Länder und die skandinavischen Länder machen vieles ein bisschen anders.
Da gibt es sehr hohe Steuern aber auch viele staatl. Investitionen und eine starke Binnenwirtschaft.

In Deutschland gibt es zwar noch viel produzierendes Gewerbe als z.B. in den USA aber die Gesamte Produktprozess findet auch nicht mehr in Deutschland statt. So lassen Deutschlands Unternehmen natürlich auch in China oder woanders produzieren. China ist eine Werkbank für den Westen. Der rießige Energieverbrauchs Chinas müsste teilweise den USA, Deutschland & co angerechnet werden.
Das China für Billigware steht lässt sich schon jetzt nicht mehr halten, schon jetzt ist China nahezu die Nummer 1 mit den meisten Patentanmeldungen, zum Leidwesen mancher Deutscher Unternehmen die über diese Patentanmeldungen klagen (gab einen Artikel bei Technology Review dazu). China hat auch die meisten Studenten und in den Fachzeitschriften kommen die meisten Beiträge auch schon aus China.

Deutschland ist gut darin aus Einzelteile etwas stimmig Ganzes zu machen, strich Mehrwert zu erzeugen.
Das Vermögen Deutschlands ist gewaltig, die Arbeitnehmer sind nur die Letzten die davon was sehen denn dies bleibt bei den Unternehmen. Sebst das Deutsche Statistikamt verzeichnete dass das Jahrzehnt ein verlorenes Jahrzehnt bei der Lohnsteigerung war, man darf da nicht vergessen das der Export für Deutschland ungebrochen boomte und selbst 2008 sorgte nicht für so einen gewaltigen Einbruch wie man es durch die Finanzkrise erwartet haben könnte. Die Gewerkschaften übten sich an Sparen und selbst das was diese erreichten macht nicht den Großteil der Deutscher Arbeitnehmer aus.
Die Umsätze des Deutschen Einzelhandels dümpeln in Deutschland auf dem Niveau der 90er, durchweg durch das 21. Jahrhundert.
Ich bin der Meinung das Modell Deutschlands ist zu einseitig und schadet andere Länder.
Sogar einer der Deutschlands Wirtschaftsweisen sagt in Deutschland müssen die Löhne steigen und der Binnenkonsum zunehmen. Konsumiert Deutschland mehr steigen die Importe, der Handelsbilanzüberschuss könnte dadurch ausgeglichener werden.

Was den Löhnen am meisten geschadet hat war Hartz IV, durch die Pflicht jedwede Arbeit annehmen zu müssen, egal hoch der Lohn ausfällt, entledigte unsere Politik den Unternehmen das Soll gute Löhne zu bieten.
Gleichzeitig entledigte man sich der Steuereinahmen denn Niedriglohnjobs bringen dem Deutschen Staat nicht viele Steuereinnahmen.
Zeitarbeit, Werksverträge sind seit dem wie Pilze hochgeschossen und dast 1. Million Erwerbstätge beziehen weiterhin ALG II da die Arbeitgeber zu wenig Gehalt zahlen. Das heißt der Staat subventioniert dadurch gleich noch die Wirtschaft.
Das freut jedoch dem Deutschen Export, man ist flexibler, man hat billige Arbeitskraft - selbst unsere hochgelobte Autoindustrie hat eine hohe Quote an Zeitarbeitskräften, man könnte es wohl schon unfairer Wettbewerb geg. anderen Nationen nennen.


Der Sparkurs den Deutschland vorantreibt, aber auch die EZB und der IWF, bringt den strauchelnden Ländern nichts. Das Griechenland, Spanien, Portugal ect. durch Korruption zerfressen sind mag ich zu bezweifeln. Es sind andere Länder, andere Mentalitäten und das darf man da nie vergessen. Deusch (Ordnung, Verlässlichkeit, struktuiertes Planen ect.) zu denken passt da nicht ganz.
Übrigens, Portugal, Spanien und auch Griechenland hatten vor 2008 nicht so eine hohe Staatsverschuldung und so kranke Haushalte wie heute.
Ich finde es begeisternswert das die politische Akteure vergessen haben was die Staatsverschuldungen anheizte, nämlich die Finanzkrise 2008, die strauchelnden Banken und die abstürzende Wirtschaft. Alle Länder pumpten zig Milliarden in das verzahnte Bankwesen und legten Konjunkturpakete auf damit der Wirtschaftseinbruch abgefedert wird und das belastete manch Staatshaushalte enorm.
Nicht nur die Staaten machten dies denn unsere EZB pumpte in das Bankwesen über eine Billion Euro.

Die geretteten Finanzinstute wetten gegen ihre Retter und verüben jenen einen Dolchstoß nach dem Anderen, ohne natürlich den Blick dafür zu verlieren noch damit Gewinn zu machen. Pervers.
Seit 2008 gibt es einen neuen Trend in der Wirtschaft, Gewinne privatisieren, Schulden sozialisieren. 
« Letzte Änderung: 27.02.2013, 21:55 von Aruhn »
"Ihr lacht über mich, weil ich anders bin? Ich lache über euch, weil ihr alle gleich seid!"
"Einen Staat, der mit der Erklärung, er wolle Straftaten verhindern, seine Bürger ständig überwacht, kann man als Polizeistaat bezeichnen." Ernst Benda (ehem. Präsident Bverfg)
  27.02.2013, 21:50
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Mentalität oder nicht, ein Problem mit z.B. dem italienischen Maschinenbau ist, das sich dort nicht an per EU-Gesetz diktierte Normen und Vorschriften gehalten wird. Alleine Formalitäten wie Betriebsanleitungen und Konformitätserklärungen in der Sprache des Ziellandes, oder auch nur auf Englisch zur Verfügung zu stellen scheitert viel zu oft. Dazu kommt der Einsatz ungeeigneter Bauteile, die nach wenigen Wochen kaputt gehen. Insbesondere in der deutschen Automobilindustrie ist es aber so, das die erst drei Monate, nachdem die Anlage einen Monat lang fehlerfrei gelaufen ist bezahlen. Also bestenfalls vier Monate nach Lieferung. Das heißt, ein deutsches mittelständisches Unternehmen steht bisweilen ganz schön blöd da, wenn die italienische Anlage ganz oder teilweise in Vorkasse bezahlt ist, die Anlage aber nicht läuft und der Kunde nicht bezahlt. Da drehen die Banken ganz schnell den Hahn zu. Und weil es zu viele dieser schwarzen Schafe gibt, haben italienische Anlagen- und Maschinenbauer den schlechten Ruf den sie haben. Wenn das an einer mediterranen Mentalität liegt, wundert mich die Lage im mediterranen Raum kein Bisschen.

Auch das Berlusconi so viele Stimmen bekommen hat wundert mich garnicht. Und das schlimme ist, das er mit seinem Vorhaben sogar Erfolg haben könnte. Er könnte sämtliche Sparmaßnahmen rückgängig machen, die erhöhten Steuern zurückzahlen, Amnestie für Steuerhinterzieher durchsetzen, und die EU müsste trotzdem zahlen, wenn Italien den Bach runter geht. Denn als eine der größten Volkswirtschaften kann die EU Italien nicht fallen lassen, ohne den Euro komplett zu destabilisieren. Italien aus der Währungsunion hinauszuwerfen geht auch nicht, weil der Austritt gemäß Reglement nicht möglich ist. Und wenn Italien sich nicht an die Auflagen hält, werden andere Länder das auch nicht tun. So oder so kann Berlusconi, wenn er nicht unter Kontrolle gebracht wird, dem Euro derart destabilisieren, das wir in einigen Jahren wieder mit D-Mark bezahlen.


Letzten Endes sind es in der Tat die Finanzinstitute, die sowohl die Finanzkrise, als auch die Eurokrise zu verantworten haben. Das hat sicher auch viele komplexe Gründe, die ein normaler Mensch garnicht durchschauen kann. Ein großer Faktor ist aber gewiss die völlige Narrenfreiheit und Verantwortungslosigkeit, mit der so mancher Spekulant zu Werke geht. Dazu kommen horrende Boni, egal wie das Geschäft läuft. Und der aktuelle Fall US-Regierung gegen Ratingagentur zeigt, das Korruption und unmenschliche Gier ebenfalls mitspielen. Ich denke eine Transaktionssteuer, eine Beschränkung der Boni und eine Trennung der Spekulationsabteilungen der Banken ist da nur der Anfang.


Ich habe manchmal das Gefühl, das die deutsche Politik und Wirtschaft keine Mathematik beherrscht. Das höhere Löhne höhere Kaufkraft, damit höhere Steuereinnamen und damit höheres Subventionspotential bedeuten, scheint niemandem klar zu sein. Oder es interessiert niemanden, weil man damit als Firmenboss vielleicht keine drei Mercedes, sonder nur zwei BMW fahren kann.
  28.02.2013, 10:14
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Könnte den einen oder anderen vielleicht interessieren:

ARTE Doku "Staatsgeheimnis Bankenrettung"
  28.02.2013, 17:55
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Ich sag dazu nur Mathe [Hinweis: Werbelink entfernt, die Moderation] is halt nicht jedermanns Sache  :)
« Letzte Änderung: 11.04.2013, 13:52 von Silvan »
  11.04.2013, 11:53
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