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Umfrage

Wie sollte der Westen auf Russlands Vorstöße zur Ukraine reafieren

Der Konflikt ist nur diplomatisch zu lösen, die G8-Treffen sind dafür wichtig.
Die Kritik des Westens ist heuchlerisch, Russland verteidigt nur legitime Interessen.
Bei einer weiteren Eskalation sollte ein militärisches Eingreifen der NATO nicht ausgeschlossen werden.
Es sollte eine Rückkehr vom G8-Format zu G7-Gipfeltreffen ohne Russland erwogen werden

Thema: Krimkrise - Umfrage  (Gelesen 4102 mal)

  • Lehrling
    • Diebesgilde
Anlässlich der Krimkrise habe ich hier eine Umfrage, die vor kurzem in der Tagesschau erschien, jetzt aber irgendwie nicht mehr zu finden ist, so gut, wie es mir möglich war, kopiert, weil es mich interessiert, wie ihr zu diesem Thema denkt.
Diskussionen sind erwünscht und ich möchte euch bitten, jede Meinung zu akzeptieren und eine sachliche Diskussion zu führen.

PS: Den Schreibfehler in der Frage bitte ignorieren
« Letzte Änderung: 09.03.2014, 14:28 von Elderlord »
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Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, nur bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher - Einstein
  09.03.2014, 11:03
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Irgendwie spiegelt keine dieser Möglichkeiten meine Meinung wieder. Ja, Russland hat durchaus legitime Interessen an der Krim/Ostukraine. Historisch begründete. Das heißt aber keinesfalls, dass ich die Art wie es jetzt gerade abläuft auch nur im mindesten gutheißen könnte. Und da meine ich noch nicht einmal die Anwesenheit russischer Soldaten. Die ist ja sogar noch durch Verträge legitimiert. Aber die Besetzung der Krim durch bewaffnete Kräfte, die ja offiziell gar nicht zu Russland gehören. Also streng genommen Terroristen sind. Das Nicht-rein-lassen von unabhängigen Beobachtern. Die Abschaltung von Russland-kritischen Medien und die Verbreitung von offensichtlichen Lügen über die anderen. Da mögen die Gründe noch so legitim sein, der Zweck heiligt nicht die Mittel. Noch dazu wenn der Zweck wirklich der Zerfall der Ukraine sein sollte. Das finde ich dann auch wieder kein legitimes Interesse.
Ein Eingreifen der Nato sollte ausgeschlossen werden. Denn was kann den schlimmstenfalls passieren? Russland verleibt sich die Krim und die Russland-freundlichen Teile der Ukraine ein. Nicht schön, aber wenn die Nato sich einmischt, fürchte ich der Konflikt wird noch größer ausfallen. Mal abgesehen davon, das spätestens dann sämtliche Handelsbeziehungen erst einmal abreißen dürften.
Und auch in Syrien und im Iran wird es ohne Russland wohl schwierig bis unmöglich etwas voranzubringen. Was insbesondere im Fall Iran unseren „Freunden“ in Israel nicht gefallen dürfte. Und was die so alles für Pläne in der Schublade haben kann ich mir vermutlich noch nicht mal vorstellen.
G8 würde bedeuten, dass man mit Russland so verfährt, als sein nix gewesen. Also hätten sie nicht so einfach ein anderes Land überfallen, weil ihnen die dortigen Ereignisse nicht passen. Das wäre ja ein Freibrief für Russland und alle anderen die das gern wollen so weiter zu machen. Nein, man sollte auf diplomatischen Wege schon sein Missfallen zum Ausdruck bringen. Dazu gehört auch Russland bei den G8 erst einmal außen vor zu lassen. Andererseits die Tür ganz zu zu machen und zur G7 zurückzukehren hilft wohl auch niemandem. Erstens brauchen wir Russland. Vor allem dessen Gas. Und zweitens wer weiß wie sich Russland verhält, wenn man gar nicht mehr miteinander redet? Das gab es lang genug.

Ach ja, wenn das Referendum auf der Krim zu Gunsten Russlands ausgeht, wovon ich ausgehe, hab ich Angst vor der Reaktion der Krim-Tataren. Zum Glück haben die keine wirklichen Waffen. Allerdings könnte wohl auch schon ein einziger Angriff auf einen Russen eine Kettenreaktion auslösen. Irgendwie sind die Krim-Tataren für mich der größte Unsicherheitsfaktor. Weil schwer einschätzbar und vermutlich überhaupt nicht kontrollierbar.
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  09.03.2014, 11:51
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Wie gesagt, ich habe die Umfrage fast 1zu1 aus der Tagesschau übernommen und da gab es nur diese Möglichkeiten. Wenn ich wüsste wie, dann könnte ich aber noch eine Möglichkeit in der Art "Andere Meinung" oder so hinzufügen.
Meiner Ansicht nach hat Russland durchaus ein Anrecht auf die Krim - es rechtfertigt in meinen Augen aber nicht den Einsatz von Soldaten und Panzern. Trotzdem sollte der Westen sich aus der Sache raushalten, schließlich waren wir diejenigen, die die Situation in der Ukraine so angestachelt haben, dass es zu einer blutigen Revolution kam. Es ist meines Erachtens nicht gerechtfertigt, Russland mit Sanktionen zu drohen, da die Krim für Russland von immenser Bedeutung ist und es verständlich ist, dass Russland sie unbedingt behalten will, damit es eine Pufferzone zur NATO gibt.
Meiner Meinung nach sollten wir das Geschehen in der Krim nicht gut heißen, aber auch nicht so weit gehen, dass wir Russland aus der G8 ausschließen, denn es ist immerhin eines der mächtigsten Länder der Erde.
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  09.03.2014, 12:34
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Ich sag ja auch nicht, dass es deine Schuld ist, dass die Antwortmöglichkeiten so sind. Ich sag nur, dass mir keine passt.

schließlich waren wir diejenigen, die die Situation in der Ukraine so angestachelt haben, dass es zu einer blutigen Revolution kam.

Das sehe ich nicht so. Meiner Meinung nach war es Putin, der das so gut wie abgeschlossene Assoziierungsabkommen mit der EU hat platzen lassen, als er damit um die Ecke kam dass die Ukraine sofort Geld bekommen kann, wenn sie sich von der EU löst. Das hat die Leute auf den Maidan getrieben. Und ab da hat sich die EU eigentlich recht passiv verhalten, hatte ich das Gefühl. Und letztendlich war es ja auch das Parlament der Ukraine, das Janukowitsch abgesetzt hat. Was ich auch nicht so ganz verstehe. Ich war davon ausgegange, dass er eine Mehrheit dort hatte.

Und Anrecht finde ich auch das falsche Wort, schließlich hat Chruschtschow die Krim der Ukraine geschenkt.
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  09.03.2014, 12:53
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Wieso hat Russland ein "Anrecht" auf die Krim? Bloß, weil sie es irgendwann mal erobert hatten? Dann würd ich mal sagen: dumm gelaufen für Polen. Sag "Hallo" zu neuem Lebensraum im Osten!
Das Argument historischen Anrechts auf ein Gebiet finde ich so dermaßen Hirnrissig. Egal ob bei Russland, Israel oder sonstwo. Staaten entstehen und gehen unter. Sie expandieren und verlieren Gebiete. Das heißt nicht, dass man ein "Anrecht" auf ein Gebiet hat. Starke Interessen, das durchaus. Dass Russland grad massiv Panik hat nach (möglicherweise) Syrien jetzt auch seinen zweiten großen Schwarzmeer-Mittelmeer-Atlantik-Hafen zu verlieren, das kann ich absolut nachvollziehen. Aber das bedeutet nicht, dass sie unter dem Vorwand, die auf der Krim lebeneden Russen "befreien" zu müssen, in ein souveränes Land einmarschieren dürfen. Oder muss ich mir wegen der deutsch-dänischen Grenze auch demnächst Sorgen machen? Ich fand Clintons Vergleich mit Hitler und dem Sudetenland absolut gerechtfertigt.
Ergo wäre ich auch auf die Gefahr hin, dass sich der Konflikt ausweitet, absolut dafür die Ukraine im Zweifel bei einer militärischen Verteidigung der Krim aktiv zu unterstützen. Sollte es dort irgendwann zu einem Volksentscheid kommen, hätte die Krim mMn das Recht demokratisch dafürzustimmen, sich Russland anzuschließen. Dann aber gibt es das Problem der nicht-Russen, allen voran der Tataren, denn die werden in dem Falle massiv zu leiden haben. Ergo lieber ein Bleiben der Krim in der Ukraine mit weitreichenden Autonomierechten erkaufen und Russland seinen Stützpunkt zusichern.
Der Gedanke an die Vergänglichkeit aller irdischen Dinge ist ein Quell unendlichen Leids - und ein Quell unendlichen Trostes. - Marie von Ebner-Eschenbach
  09.03.2014, 13:17
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  09.03.2014, 20:16
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Die Krim war russisch auch zu Zeiten der UdSSR, man hatte es damals nicht geahnt das der Satellitenstaat Ukraine sich abspalten wird. Russland hat sich den Halt danach gesichert, so ist das eine autonome Region - wo russisch Amtssprache ist und unter den kürzlich gestürzten Präsidenten der Ukraine wurde der Vertrag auch verlängert. Jetzt kamen die Rechten der Ukraine, streichen schon einmal russisch als Amtssprache auf der Krim - das man sich da unsicher fühlt kann ich sehr gut nachvollziehen.
Wenn die Abstimmung der Krim fair und ordentlich zugeht dann sehe ich es als legitim wenn man sich für Russland entscheidet und das sollte respektiert werden.
Gehen wir genau so entscheidend gegen die Basken oder Schottland vor die eine Trennung zur Wahl vorlegen? Oder vll. einem Norditalien? Nein - ist ja was anderes.  :rolleyes:
Der Westen ist es der Russland umzingelt und die Nato und EU bis an die Grenzen von Russland ausdehnt obwohl nach dem Kalten Krieg vereinbart das nicht zu tun. Wie würde die USA oder EU reagieren wenn Russland so agieren würde und einen Verbund an unsere Landesgrenzen ausdehnt? Natürlich mit Gegenmaßnahmen.

Dann ist noch der Deal den die EU mit Russland und Janukowitsch vereinbart hatten einen geregelten Abgang von Janukowitsch zu führen - ein Tag später wurde Janukowitsch vom Volk enthoben und die EU hatte keine mahnenden Worte an die neue Übergangsregierung, nicht an die Rechten, nicht an die neuen Vorhaben - das belegt einen Bruch der Vereinbarung und zeigt deutlich das die EU daran große Interesse und ihre Finger im Spiel hat.
Größte zur Schaustellung dessen war wohl das ein Vertreter dieser Übergangsregierung  auf dem EU-Gipfel auftritt, ein Land das noch nicht einmal Anwärterstatus wie die Türkei hat!!
Da können einem schon Worte fehlen.

Russland handelt auch nicht sauber, bei weitem nicht aber hier sehe ich das sich beide - sowohl der Westen als auch der Osten es schon eine Zeit lang auf ein übles Spiel ankommen lassen haben - ohne wirklich konstruktiv diplomatisch zu verhandeln und die Ukraine heizt die Stimmung selbst künstlich auf (z.B. Russisch als Amtssprache aufheben).
« Letzte Änderung: 09.03.2014, 20:46 von Aruhn »
"Ihr lacht über mich, weil ich anders bin? Ich lache über euch, weil ihr alle gleich seid!"
"Einen Staat, der mit der Erklärung, er wolle Straftaten verhindern, seine Bürger ständig überwacht, kann man als Polizeistaat bezeichnen." Ernst Benda (ehem. Präsident Bverfg)
  09.03.2014, 20:44
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Mit dem Anrecht habe ich mich wohl etwas ungünstig ausgedrückt. Ich meinte eher, dass die Bevölkerung zu Russland will...warum sie also nicht einfach lassen?
Ich bin gegen einen Einmarsch der NATO, weil das einen offenen Krieg mit Russland bedeuten würde...der dann schnell zum Weltkrieg werden würde. Und bei tausenden von Atomwaffen wäre das dann wohl das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Der erste WK hat auch mit einer Nichtigkeit angefangen und mit einem Gemetzel geendet. Wir sollten aus der Geschichte lernen und nicht in der Krim einmarschieren.
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Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, nur bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher - Einstein
  09.03.2014, 21:24
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Putin hat das Budapester Memorandum gebrochen, indem er die Souveränität des ukrainischen Territoriums verletzt hat. Wurscht, ob die Krim früher mal russisch war, sie war auch mal römisch. Das Memorandum bestand und wurde durch russische Truppen mit Füßen getreten. Es ist Sache der Ukraine, wie nun aufgrund des Regierungswechsels mit einzelnen Territorien umgegangen wird; aber anscheinend wird ihre Unabhängigkeit nicht ernst genug genommen. Die NATO und die EU sollten daraus ihre Schlüsse ziehen, die Krim den Moskauer Hunden zum Fraß vorwerfen und einsehen, dass Europa vielleicht doch nicht bis zum Don reicht.

edit: Achja, die ganzen Weltkriegsuntergangsphantasien führen drei Schritte zu weit und helfen einer sachlichen Diskussion nur bedingt.
« Letzte Änderung: 09.03.2014, 21:38 von Suite »
  09.03.2014, 21:37
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Achja, die ganzen Weltkriegsuntergangsphantasien führen drei Schritte zu weit und helfen einer sachlichen Diskussion nur bedingt.

Ich halte einen Weltkrieg für gar nicht so unwahrscheinlich, wenn die NATO militärisch eingreifen sollte. Dann würden europäische gegen russische Truppen kämpfen und wenn der Konflikt sich von der Krim au fandere Länder ausbreitet, dann wird wahrscheinlich die USA eingreifen. Also gar nicht mal so abwegig, oder?  ;)
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Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, nur bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher - Einstein
  10.03.2014, 06:56
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Die NATO wird (hoffentlich) nicht so blöd sein, sich militärisch einzubringen. Wozu auch, in der Ukraine gibt es nichts zu holen, und ein Krieg gegen die russische Armee wäre auch mit konventionellen Waffen zu teuer und verlustreich. Das ließe sich insbesondere in Europa gegenüber der eher friedliebenden Bevölkerung nicht rechtfertigen.
Es wird aber ohnehin nicht viel passieren. Obama zeigt sich zimperlich, und die EU weiß, das ihre Bevölkerung nicht bereit ist, Machtspiele mit Putin durch höhere Rohstoffpreise zu bezahlen.

Russland tut das, was es immer tut. Es versucht den Status quo zu erhalten. Und der bedeutet, abhängige Staaten als Puffer zur EU zu haben, nämlich Weißrussland und die Ukraine. Das sich die baltischen Staaten und Finnland der EU angeschlossen haben, dürfte dem Bären reitenden Zaren schon sauer aufgestoßen haben, ist aber angesichts der geographischen Abgelegenheit, vermutlich für ihn nicht so bedeutsam. Es geht Putin nicht um die Unabhängigkeit der Krim, oder eine Spaltung der Ukraine, auch nicht um die Industrie in der Ost-Ukraine. Er will ein Land, das gerade eben stabil genug ist, um nicht zu zerfallen, aber nicht so stabil, das es von Russland wirklich unabhängig werden könnte. Und das schafft er, indem er durch das heraufbeschwören der Krim-Krise den Westen zur Tatenlosigkeit zwingt, denn durch die russische Intervention auf der Krim wird das ganze Land destabilisiert, und der Einfluss der neuen Regierung geschwächt. Ein riskanter Schachzug, aber für Russland sicherer, als Abzuwarten, und die Ukraine dem Einfluss des Westens zu überlassen.

Was wird passieren? Die Bevölkerung der Krim wird in Kürze über ihre Zukunft entscheiden. Sie wird sich, angesichts des großen Anteils ethnischer Russen, von der Ukraine lossagen, und sich der russischen Föderation anschließen. Das hat zur Folge, das sie mit einem Schlag von der schlechten Wirtschaftslage und auch den Schulden der Ukraine befreit wird. Ob das zu einem Aufstand oder Vertreibung der Krimtartaren führt, bleibt abzuwarten. Russland hat viele Volksgruppen, die seit dem Zerfall der Sowjetunion nicht mehr willkürlich umgesiedelt werden.
Und Putin hat Recht, wenn er sagt, er tut all das um der Menschenrechte der Krimeaner willen, denn der Westen will eine Abspaltung der Krim verhindern, ohne den Willen der Bevölkerung zu beachten. Das der Westen Menschen- und Völkerrecht stets zu seinen eigenen Gunsten auslegt, ist aber nichts Neues. Dadurch das USA, EU und die neue rechte Regierung der Ukraine den Krimeanern das Recht verweigern wollen, über die Zukunft ihrer Republik zu entscheiden, rechtfertigen Sie eine Intervention Russlands.

Was hätte eine Abspaltung der Krim für Folgen? Die direkten Folgen dürften eher gering, und zu verkraften sein. Die indirekten Folgen sind es, die die neue rechte Regierung und der Westen fürchten. Andere prorussische Teile der Ukraine könnten sich ebenfalls abspalten. Die Position der neuen Regierung wird geschwächt, man würde die Abspaltung der Krim als Versagen deuten, und sie würde bei den nächsten Wahlen schlechter dastehen. Die EU wird sich einen neuen Klotz ans Bein binden, und jede Menge Geld ausgeben, um die Ukrainer zu beeinflussen. Es gilt, sich mit Russland im Kampf gegen ein Menetekel des Staatsbankrotts durch Zuschüsse zu messen.

Vielleicht nutzt die EU aber auch die aus dieser Krise entstehende Chance, sich endlich andere Rohstoffquellen als die Russischen zu suchen. Denn Rohstoffe sind das einzige, was Russlands Wirtschaft, die kaum weniger von Korruption gebeutelt ist, als die der Ukraine, noch am Leben erhält. Was hat Russland denn? Welche Produkte aus Russland stehen bei uns in den Läden? Russische Panzer und Gewehre werden im Ausland oft in Lizenz gefertigt, und selbst wenn nicht, ein paar hundert Panzer im Jahr können die Wirtschaft eines Landes wie Russland nicht aufrecht erhalten. Wenn die EU eine Alternative für russische Rohstoffe findet, säße sie am längeren Hebel. Denn so viele Rohstoffe wie Russland exportiert, so viele Gebrauchs- und Verbrauchsgüter importiert es aus der EU. Wenn letztere beides kontrollieren könnte, hätte sie Russland in der Hand.

Und so sehr man mit der russischen Politik unzufrieden sein mag, ist sie weitaus ehrlicher, als die westliche Politik. Der Westen, insbesondere die USA, schüren Aufstände und Umstürze, die Länder für Jahrzehnte ins Chaos stürzen, und weit mehr Menschen das Leben, Wohlstand, Obdach, Nahrung und eine Zukunft kosten, als die russischen Bestrebungen, das bestehende Regime im Amt zu lassen. Unter Gaddafi ging es den meisten Leuten gut. Es gab Arbeit, ein Sozialsystem, Altersvorsorge, Frieden und eine Zukunft für die Mehrheit der Menschen. Es wurde zwar eine Minderheit unterdrückt, aber der Mehrheit ging es gut. Jetzt geht es allen gleich schlecht, und obendrein können die erklärten Feinde des Westens - islamistische Faschisten - Fuß fassen. Das Prinzip, Ungerechtigkeit durch noch größeres Unrecht auszugleichen, gilt aber nur dort, wo es den westlichen Interessen, welche auch immer das sein mögen, dienlich ist. Im mit dem Westen assoziierten Israel gilt das plötzlich nicht.
Also rennt der Westen entweder völlig irrational und kopflos irgendwelchen Idealen hinterher, oder es steckt ein Kalkül dahinter, das neu Maßstäbe der Menschenverachtung festlegt.
  10.03.2014, 10:51
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D'accord mit Grom bis auf den letzten Absatz. Und ja, ich halte einen "Weltkrieg" für undenkbar in naher bis mittlerer Zukunft. Zwei Gründe: Militärtechnik lässt keine konventionellen großen Kriege mehr zu (und Staatsfinanzen erst recht nicht) sowie das Fehlen von festgefügten Machtblöcken auf der Welt (die NATO ist ein Hühnerhaufen und ständig uneins). Außerdem kämpfen keine "regulären" Truppen in Uniform gegen andere Truppen, wie noch vor 70 Jahren. Also, es ist vollkommen abwegig. Bald wird die Computertechnologie so weit sein, dass "Kriege" entweder durch Roboter und Drohnen geführt werden oder durch Hacks und Sabotagen entschieden sind, bevor es zu Schlachten kommen kann.
  10.03.2014, 11:59
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Kann aber auch gut sein, dass die Antwort auf einen Cyberkrieg-Anschlag mit Waffengewalt erfolgt.
  10.03.2014, 13:24
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    • Kriegergilde
Ich habe für "Der Konflikt ist nur diplomatisch zu lösen" gestimmt. Ob es dazu nun zwingend das G8-Kränzchen braucht, sei mal dahingestellt. Es ist in jedem Fall erstaunlich, dass bis heute wesentlich mehr ÜBER die Russen gesprochen wird, als MIT ihnen. Von der "Ost-Erweiterung" der EU über den maßgeblich von EU-Spitzenpolitikern vermittleten "Kompromissvertrag" zwischen der einstigen Regierung und der Opposition - der letztlich auch zur Flucht Janukowitschs geführt hat -, bis hin zu den derzeitigen Vorfällen auf der Krim und der Umgang mit denselben.

Zu dem Video, das Phynaster gepostet hat:
Einige gut, sinnige Argumente und Ansichtsweisen dabei, allerdings tendiert der Kommentator dabei ebenso zur Polarisierung, wie er andererseits (m.E. völlig zu Recht) der deutschen Presse vorwirft (Beispiel: Putin schickt zusätzliches Militär auf die Krim, damit die dort liegenden Atom-U-Boote nicht in die Hände rechter Fanatiker fallen... (hat er so nicht gesagt, ich weiß, impliziert er aber)
"Wer immer nur das tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist."
Dr. Reinhard K. Sprenger (*1953)
  10.03.2014, 13:37
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Chevron und Shell haben einen Milliarden Deal mit der alten Regierung der Ukraine gemacht um Schiefergas zu fördern, in der Ostukraine soll es davon nämlich eine ganze Menge geben und wenn man das Gefühl hat das die Politik den Konzernen dient und Menschenrechte nur noch eine leere Worthülse sei, dann ist das natürlich ein gefundenes Fressen.
Der Westen will das Schiefergas plündern um vom russischen Erdgas unabhängiger zu werden worauf die EU schmerzlich angewiesen ist und Russland arbeitet dagegen.
Das würde weiter bekräftigen weshalb ein vereintes Ukraine für den Westen so wichtig ist und eine Abspaltung von Regionen nicht akzeptiert wird denn dann steigt die Wahrscheinlichkeit das sich auch weitere Regionen, vor allem Teile der Ost-Ukraine mit diesem kostbaren Schiefergas abspalten könnten.

Außerdem soll Ukraine viel fruchtbaren Boden haben.
« Letzte Änderung: 10.03.2014, 14:34 von Aruhn »
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  10.03.2014, 14:29
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  10.03.2014, 19:13
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Der Postillion heute :D
Der Artikel ist der Knüller!  :D  Obwohl jetzt bestimmt bald wieder irgendwelche Leute in den Kommis vom Postillon auftauchen werden, die den Begriff "Satire" nicht verstehen :rolleyes: ^^
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Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, nur bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher - Einstein
  14.03.2014, 18:27
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  • Gräfin
    • Adel
Mal ne Frage:

Ich habe die letzten Wochen durch Seminararbeiten, Krankheit und Umzugsstress nicht soviel mitbekommen.

Aber ist es nicht so, dass die Bewohner der Krim abgestimmt haben, ob sie zu Russland wollen oder nicht?
Warum lese ich jetzt überall den Begriff "Annexion durch Russland"?


“Never apologize for being nerdy, because unnerdy people never apologize for being assholes.”
- John Barrowman -
  01.04.2014, 20:43
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Weil es doch nicht sein kann, dass Leute FREIWILLIG in so einen pösen, pösen Staat, wie Russland, wollen  :rolleyes:
Es wird überall so dargestellt, dass Russland die Krim regelrecht erobert hat. Man muss halt manchmal zwischen den Zeilen lesen.
Achja, btw., was interessant ist: Nachdem die Krim ihren Beitritt zu Russland beschlossen hatte, wurde ihr in der Tagesschau in den Kommis mehrheitlich zu der Entscheidung gratuliert. Seltsam, dass der Artikel samt Kommis sehr schnell verschwand... Man könnte fast meinen, dass Meinungen, die nicht in das Bild "Putin=böser Diktator, der die Weltherrschaft übernehmen will" passen einfach gelöscht werden, als wäre man noch in der DDR...
« Letzte Änderung: 01.04.2014, 20:54 von Elderlord »
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  01.04.2014, 20:49
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  • Gräfin
    • Adel
Eben, genau das verstehe ich ja nicht.

Das ist doch alles demokratisch gelaufen, bei Serbien / Montenegro hat doch auch keiner gemeckert, im Gegenteil wurde Serbien direkt anerkannt und gratuliert etc.
Aber wenn es um Russland geht überrollt gleich die alte "Kalter Krieg"-Sicht die ganze westliche Welt, ist doch irgendwie bekloppt.

Wenn Russland auf der Krim einmarschiert und mit Waffengewalt die Übernahme gefordert hätte o.ä. - dann kann man von Annexion sprechen. Aber so doch nicht ...


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- John Barrowman -
  01.04.2014, 20:59
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