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Thema: Kirgegaards Philosphie - Abstraktes Wissen und ethisches Existieren  (Gelesen 1289 mal)

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Wir beschäftigen uns derzeit mit dem Existenzialismus, größtenteils mit Sarte und Camus, und haben vorausgehend über Kirgegaard gesprochen. Zumindest über seine Theorie über abstraktes Wissen und ethisches Existieren. Ich glaube, ich habe die Philosophie Kirgegaards, bzw. seine Meinung noch nicht so richtig verstanden. Uns wurde die Frage gestellt, warum abstraktes Wissen nach Kirgegaard für die Lebensführung nicht gerade hilfreich sei. Kann mir jemand dazu etwas sagen?
  05.10.2014, 18:44
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Du meinst sicher Sören Kierkegaard. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich noch nie mit ihm bzw. seinen Werken beschäftigt habe, obwohl mich Philosophie sehr interessiert. Daher kann ich dir leider nicht helfen. :(
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  05.10.2014, 19:09
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  • Skelett-Magier
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Jo, den meine ich. Macht nichts. Wir haben uns auch nicht viel mit ihm beschäftig, unser Philosophielehrer ist wohl auch kein großer Fan von ihm. Wüsste aber irgendwie trotzdem gerne, was für eine Meinung er hatte :D
  05.10.2014, 19:53
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“Never apologize for being nerdy, because unnerdy people never apologize for being assholes.”
- John Barrowman -
  05.10.2014, 20:24
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  • Skelett-Magier
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Hm, leider nicht wirklich. Ich verstehe im Allgemeinen nicht, was seiner Auffassung nach abstraktes Wissen und ethisches Existieren ist...
  05.10.2014, 20:40
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  • Skelett-Krieger
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So, ich habe mich mal aufgeschlaut.

Uns wurde die Frage gestellt, warum abstraktes Wissen nach Kirgegaard für die Lebensführung nicht gerade hilfreich sei. Kann mir jemand dazu etwas sagen?

"Kierkegaard misstraute allem Allgemeinen, allem Abstrakten, das bisher das Wesen der Philosophie ausgemacht habe. Die wirklichen Probleme im Leben seien immer praktische Einzelfragen. Nicht soll man dieses oder jenes tun, sondern soll ich, dieser bestimmte Mensch in dieser bestimmten Situation dieses oder jenes tun. Solche Probleme seien existentielle Probleme. Solle Philosophie Sinn haben, müsse sie sich mit solchen beschäftigen."

Das klingt doch schon mal halbwegs wie eine passable Antwort. Er war der Ansicht, dass die Tendenz der Philosophie zur Abstraktion / Verallgemeinerung falsch sei, und dass man immer den Einzelfall und das Individuum berücksichtigen sollte, damit Aussagen Gültigkeit hätten. Aussagen der klassischen Philosophie hätten demnach kaum praktischen Nutzen für den Einzelnen, da das Individuum und dessen persönliche Situation unberücksichtigt blieben.

Unter "ethischem Existieren" kann ich mir gerade wenig vorstellen. Ist das ein Begriff den Kierkegaard geprägt haben soll? Laut Philolex unterteilte Kierkegaard den Lebensweg des Menschen in drei Stadien, von denen er eines das "ethische Stadium" nannte. Das könnte damit gemeint sein.

"Im ethische Stadium, ergreife der Mensch unter den Möglichkeiten, die er habe, die eine und verwerfe die anderen. Die Freiheit des Menschen vollziehe sich als Entscheidung. Nur wer den Mut habe, sich zu entscheiden, gelange zur Wirklichkeit und gewinne Dasein."

Das sagt eigentlich mit vielen schönen Worten etwas, das jedem auch so klar ist. Wir allen lernen irgendwann, dass man im Leben nur weiter kommt und etwas erreicht, wenn wir uns immer wieder zwischen zahllosen Möglichkeiten entscheiden. Damit verbunden ist allerdings die Überzeugung / Illusion des Individuums in dieser Phase, man könne sein Leben / Schicksal vollkommen selbst bestimmen, wenn man sich nur gut und richtig entscheide.

Dass dem nicht wirklich so ist, merkt man erst, wenn man ein bisschen reifer geworden ist, und / oder miterlebt hat, wie Menschen, die einem Nahe stehen, etwas zustößt, woran sie komplett unbeteiligt sind. Spätestens, wenn die eigenen Eltern sterben, begreift man, dass es Dinge gibt, gegen die der Mensch machtlos ist. Dies nannte Kierkegaard das religiöse Stadium, weil er der Ansicht war, dass der Mensch sich Aufgrund dieser Erkenntnis wieder vermehrt der Kirche zuwendet, um Trost und auch einen tieferen Sinn in allem zu finden.

Zu seiner Zeit war das sicher auch so. Auch heute kann man das beobachten, vor allem bei alten Menschen oder solchen, die eine schwere Krankheit haben. Es ist aber mMn. kein Phänomen, das auf Religion beschränkt ist, weswegen ich den Begriff "religiöses Stadium" heute eher unzutreffend finde. Andere Menschen finden andere Wege, sich mit diesem Konflikt (dass man sein eigenes Los nur bedingt selbst bestimmen kann) auseinander zu setzen. Nicht zuletzt deswegen entwickelt so mancher ein Interesse an der Philosophie. ;)
« Letzte Änderung: 06.10.2014, 14:19 von Hanrok »
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  06.10.2014, 14:01
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  • Drachengott
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Soweit ich weiß, war Kiekergaard Ontologe, d.h. hat sich mit den Möglichkeiten des Seins beschäftigt. Es könnte sein, aber da bin ich mir wirklich nicht sicher, dass er eine relativ radikale erkenntnistheoretische Linie vertreten hat, nach der allgemeine Erkenntnis überhaupt nicht möglich ist. Aber ich habe mich schon lange nicht mehr intensiv mit ihm beschäftigt. Ich weiß aber, dass er in Sophies Welt vorkommt (falls Du es wirklich noch nie gelesen hast: lies es! sofort!), etwas profunder wäre sicherlich irgendein philosophisches Lexikon.
  06.10.2014, 21:28
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Ja, für mich klingt das auch so, Jonny.

Und ... Sophies Welt ist ABSOLUT zu empfehlen!!!! Für jeden der sich bisschen für Philosophie interessiert :)


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- John Barrowman -
  07.10.2014, 17:17
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  • Skelett-Magier
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Da ich gerade in dem Bereich unterwegs bin, um mal wieder etwas neues zu erfragen:

Auch, wenn es reichlich spät ist, ich bedanke mich trotzdem noch für deine ausführliche Antwort. Das kommt mir jetzt vielleicht doch noch für meine mündliche Philosophie Prüfung zugute, für die ich noch einiges nacharbeiten muss...
  22.03.2015, 15:06
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