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Thema: Chroniken von Licht und Dunkel  (Gelesen 2021 mal)

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Teil I: Der Krieger des Lichts

Prolog:

Ein trüber Tropfen lief die bemooste Wand der Zelle hinunter. Er lief über den schleimigen, grünen Belag, der den Ort zierte, an dem ich nun schon so lange gefangen war. Als er auf dem feuchten Boden, der nur mager mit rissigen Steinplatten bedeckt war, traf, klang ein seltsames Platschen durch den Raum und hallten von den dreckigen Wänden wieder, bis er schließlich verklang. Die Zelle war fast leer, von einer schwach leuchtenden Fackel, die unerreichbar knapp unter der hohen Decke hing und etwas Licht spendete, das die Dunkelheit der fensterlosen Kammer durchdrang und gespenstische Schatten warf. Diese war leer, von einem dreckigen Strohhaufen einmal abgesehen. Und bis auf den Spiegel. Den hatten sie wahrscheinlich aus Spott dort aufgehängt, damit ich mich selbst in dieser Gestalt sehen konnte. Ich vermied es, hinein zu sehen, aber er schien eine Art magische Anziehungskraft auf mich zu besitzen. Das war natürlich Quatsch und das wusste ich auch genau, denn an diesem Ort gab es keine Magie, sonst hätte ich mich schon längst gerettet. Ich trat vor den Spiegel, der (ganz unpassend zur restlichen Zelle) blank poliert war und glänzte. Ich sah mein Gesicht, das seltsam alt wirkte. Es war von etlichen feinen Narben zerstört, eine lief quer über mein linkes Auge, das trüb auf sein Abbild blickte. Ich war erst fünfundzwanzig Erdenjahre alt, aber ich sah aus, als hätte ich eine Ewigkeit voller Kämpfe hinter mir. Was ja auch stimmte. Eigentlich sah ich ja recht gut aus, den Verletzungen zum Trotz, ich war recht hochgewachsen und mein hartes Leben hatte mich stark gemacht. Doch normalerweise lag auch ein ganzes Netz aus Magie über meinem Antlitz, das die Narben verbarg und meinem Auge das Sehen ermöglichte.
Die Magie war alles in meinem Leben gewesen, sie schütze mich und sie vernichtete meine Feinde. Doch das war, bevor ich in dieser Zelle gelandet war. Jetzt war ich nicht mehr ein Lord der Edarin, nicht mehr ein Krieger des Lichts, ich war einfach nur noch ein Gefangener. Und eigentlich verdiente ich dieses Los sogar, nach dem, was ich getan hatte.
Auf einmal störten Schritte meine Ruhe, die immer näher kamen. Sie hallten unheimlich in dem unterirdischen Verlies. Einen Moment lang spielte ich mit dem Gedanken, mir die Fackel zu schnappen und ihnen einen letzten Kampf zu liefern. Ein Krieger des Lichts, gefallen im glorreichen Kampf für… - ja, für was eigentlich? Nicht für das Licht, ja nicht einmal für das Dunkel. Einfach nur so. Ich schluckte meine Beklemmung hinunter und  stellte mich in eine möglichst würdevolle Pose – wenn man in zerrissenen Lumpen und mit einem Narbengesicht überhaupt würdevoll aussehen kann.
Die Tür öffnete sich und der Luminat verkündete mit singender Stimme: „Folge mir Verräter, kein Fluchtversuch, oder ich lähme und trage dich!“
Sie waren nie besonders helle gewesen, die Luminaten. Mit ihren flammenden Flügeln und glühenden Augen sahen sie zwar recht eindrucksvoll aus, aber Denken war nicht ihre Sache. Mir lag die Erwiderung auf der Zunge, dass seine Magie hier nicht wirkte, verkniff sie mir aber und nickte ergeben. Dann folgte ich ihm durch das dunkle Verlies, bis in das Gericht, das mich erwartete.
« Letzte Änderung: 13.05.2017, 22:05 von Elderlord »
  14.10.2014, 18:11
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Kapitel I 

An meine Eltern erinnere ich mich nicht mehr sehr gut, ich weiß nur noch, dass sie mich geliebt hatten. Ich erinnere mich noch, wie sie sich manchmal, wenn ich nachts nicht schlafen konnte (oder wollte) über mein kleines Bettchen beugten und mir leise ein Schlaflied sangen. Doch mehr ist da nicht mehr, egal, wie stark ich mich daran zu erinnern versuche.  Denn ich war damals erst fünf Jahre alt, als es geschah. Ich war alleine in Wald und Wiesen unterwegs und schlug mit kleinen Stöckchen ungestüm auf die Blumen am Wegesrand ein, die dort unschuldigen blühten und sich ihres Lebens erfreuten. Doch ich sah sie nicht als Blumen, denn ich war ein edler Ritter und zog aus, die Prinzessin zu retten. Hätte ich damals in meinem kindlichen Wesen geahnt, was werden würde, dann hätte ich wohl nicht so unbeschwert gespielt. Doch ich ahnte es nicht und ich wusste auch nicht, dass dieser Tag mein Leben für immer verändern sollte.
Während ich so unbeschwert durch die Gegend tollte, näherte ich mich immer mehr einem kleinen Wäldchen, wie es sie fast überall gibt, mit Bäumen, etwas Gesträuch und ein paar fiesen Spinnen, die den arglosen Wanderer mit ihren Netzen verkleben.
Als ich zwischen die Bäume trat erschien mir zuerst alles ganz gewöhnlich: Bäume, Blätter, ein niedliches kleines Eichhörnchen. Ein ganz normaler Wald. Bis ich das Leuchten sah. Es war ein seltsames Licht, ein seltsame Mischung aus blau und weiß, die ich noch nie in meinem (bis dahin sehr kurzem) Leben gesehen hatte. Ich ertappte mich dabei, wie ich zwischen die Bäume sah, wo dieses mysteriöse Licht wohl seinen Ursprung haben könnte.
Da! Zwischen zwei mächtigen Buchen, die an diesem Ort den Jahrhunderten getrotzt hatten, sah ich den Ursprung des blauen Schimmers. Es war eine Art Tür, denn sie hatte einen steinernen Rahmen, in den seltsame Symbole eingeprägt waren, die wie Schnecken oder Schlangen aussahen. In diesem Rahmen schimmerte eine Art blaue Scheibe, die eindeutig Quelle des Leuchtens war.
Ein vernünftiges Kind hätte vielleicht jetzt kehrtgemacht und wäre verängstigt aus dem Wald gerannt, aber ich war leider Lichtes kein normales Kind. Also näherte ich mich der Tür, zwar langsam, aber ich tat es.  Als ich die Scheibe erreichte, ergriff mich ein seltsames Gefühl, eine Art Kribbeln, das direkt unter meiner Kopfhaut war, wie eine sanfte Brise, nur unterhalb der Haut. Ganz, ganz langsam streckte ich meine schmutzigen Finger aus und ließ sie ehrfürchtig knapp vor der mysteriösen Scheibe schweben. So verharrte ich einige Sekunden, die mir wie eine Ewigkeit erschienen. Dann berührte ich die Scheibe.

Ein schreckliches Kribbeln ergriff meinen Körper und ich sah, wie meine Finger direkt durch die Scheibe glitten. Ich schrie laut und schrill und wollte meine Hand zurückziehen, doch etwas schien meine Finger zu ergreifen. Ein starker Ruck erfolgte und ich wurde schreiend durch die Scheibe gezogen.
« Letzte Änderung: 20.08.2015, 08:10 von Elderlord »
  30.10.2014, 17:39
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Kapitel II

Als ich die Augen wieder aufschlug, war ich allein. Ich lag auf einer grasgepolsterten Liege und sah über mir, noch leicht verschwommen, ein grob gezimmertes, hölzernes Dach. Mühsam richtete ich mich auf und sah mich um: Ich befand mich in einer kleinen Holzhütte. Die Wand, welche mir gegenüber lag, besaß ein kleines Fenster, durch das ein seltsam grünliches Licht schien. Des Weiteren befand sich ein kleiner, steinerner Kamin an der Wand, über dem ein schrecklich verrostetes Schwert und die Köpfe mehrerer riesiger Wildschweine hingen, die selbst ohne Körper größer waren, als ich. Einem lebendem Exemplar wollte ich lieber nicht begegnen! An der Wand zu meiner Linken befand sich eine schlichte Tür aus einem hellen Holz, das sich sehr von der dunklen Tönung der restlichen Hütte unterschied. Zu meiner Rechten standen ein schlichter, runder Tisch und ein dreibeiniger Schemel.
Ganz in meine Betrachtung versunken hätte ich fast die schweren Schritte überhört, die sich der Tür näherten. Erst als schon die Tür knarrte, bemerkte ich sie. Ein Schock fuhr durch meine Glieder und sofort suchte ich einen Ort zum Verstecken. Meine Augen irrten von links nach rechts nach links, doch ich konnte keine Nische entdecken, in der ich mich hätte verstecken können. Also stellte ich mich einfach tot: Ich hielt die Luft an und schloss die Augen, sodass ich nur durch einen kleinen Spalt lunchen konnte. Die Tür öffnete sich und eine riesige, unheimliche Gestalt betrat den Raum. Es war ein Mann, doch sein Gesicht war von einem dichten, ungepflegten Bart bedeckt, in dem kleine Knochen und geschnitzte Holzstückchen hingen. Der Mann trug einen dunklen Mantel aus Tierfellen, die grob zusammengenäht waren. Auf seinem Rücken befand sich ein Bogen, welcher aus dem gleichen hellen Holz gemacht schien, aus dem die Tür bestand, befestigt und an seiner Hüfte baumelte ein grob genähter Beutel mit mehreren Pfeilen darin. Doch am unheimlichsten war der blutige Klumpen, den er in seinen Armen trug. Ich konnte es aus meiner Perspektive schlecht erkennen, doch es schien mir, als könnte ich einen schlaffen Arm und blutverschmierte Haare erkennen. Ich presste meine Lippen zusammen, krampfhaft bemüht, die Luft nicht aus zu stoßen und krallte meine kleinen Finger in das Gras der Liege. Mein Herzschlag erschien mir auf einmal schrecklich laut und ich wünschte, ich könnte mein Herz irgendwie zum Schweigen bringen.
Der unheimliche Fremde legte den widerlichen Haufen Elend ab und wandte sich dann meiner Liege zu. Mir stockte der Atem und mein Herz begann zu rasen. Krampfhaft presste ich die Augen zu und hoffte, dass er nur ja nicht genau hinguckte. Ich roch seinen fauligen Atem direkt vor mir, so nah, dass mir fast übel wurde.
Dann war es vorbei. Ich hörte schwere Schritte, die zur Tür stapften und dann wieder das holzige Knarzen der Angeln. Erleichtert atmete ich die Luft aus, die ich die ganze Zeit angehalten hatte. Dann stand ich von der Liege auf, wobei meine kurzen Beine über dem Boden schwebten. Nur ein Gedanke beherrschte meinen Kopf: Ich musste hier heraus!
Ich näherte mich der Tür, dann bemerkte ich den Haufen, den der unheimliche Mann zurückgelassen hatte. Es war tatsächlich ein Mensch! Doch er schien seltsam behaart zu sein, mit einem dichten, braunen Pelz, der mit dunkelrotem, fast schwarzem Blut besudelt war. Ich spürte meinen leeren Magen rebellieren und wandte mich wieder der Tür zu, die zum Glück einen Spalt offen stand.
Ich schob sie mit aller Kraft auf und trat hinaus.
« Letzte Änderung: 13.05.2017, 22:18 von Elderlord »
  25.01.2015, 17:12
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Kapitel III

Ein Schwall warmer Luft empfing mich, als ich die Hütte verließ. Ich stand auf einer kleinen Lichtung inmitten eines gewaltigen Waldes. Die Bäume, die die simple Behausung umgaben, schienen bis in die Wolken zu reichen. Mich hätte es nicht gewundert, würden diese Giganten der Natur schon seit Jahrtausenden wachsen. Die Luft war dick und voller Gerüche. Es roch nach Moos und Blättern, vermischt mit einem leichten Hauch von Moder. Doch noch beeindruckender waren die Geräusche. Der gesamte Wald schien zu brummen und zu zwitschern. Fliegen surrten und am Rande der Lichtung meinte ich, einige kleine Vögel erkennen zu können, welche durch die Bäume flogen.
Durch das dichte Unterholz schienen beständig kleine Tiere zu huschen, überall raschelte und knackste es. Die Hütte erschien mir auf einmal klein und unbedeutend, verloren in einem Wald, der für Riesen gemacht zu sein schien.
Behutsam machte ich den ersten Schritt, dann den nächsten und ehe ich mich versah, lief ich durch den Wald. Das Unterholz peitschte meine Beine und zerkratzte sie, kleine Insekten flogen mir in den Mund und ich spuckte sie angeekelt aus. Doch trotzdem lief ich weiter, immer mit dem Gefühl, dass der schreckliche Mann auf einmal hinter einem Baum auftauchen und mich schnappen könnte.

Ich war schon eine Weile gerannt, als ich plötzlich ein Knacken hinter mir hörte, ganz so, als wäre dort etwas Schweres. Das musste der Mann sein! Meine Gedanken rasten und ich lief schneller, immer weg von dem Knacken und dem lauten Atem hinter mir. Ein kalter Schauer überlief mich und ließ meine Kopfhaut kribbeln, als liefen tausend wütende Feuerameisen über sie hinweg. Meine Lungen begannen zu brennen und meine Beine schienen aus Feuer zu bestehen. Und das Keuchen in meinem Rücken wurde immer lauter und lauter.

Schließlich blieb ich, vollkommen außer Atem, unter einem der Baumgiganten stehen und wandte mich langsam zu meinem Verfolger um. Vielleicht verriet er mir wenigstens, was hier passierte, bevor ich mich tötete. Doch erstaunt musste ich feststellen, dass es gar nicht der Mann aus der Hütte war, sondern ein Mensch, der mehr einem Tier ähnelte, mit bepelzten Armen und Beinen, gekleidet mit einem Tierfell, dass er sich lose um die Hüfte geschlungen hatte. Aus seinen gelben Augen blitzte pure Mordlust und Geifer troff über seine Lippen, die zu einem bestialischen Grinsen verzogen waren. Instinktiv wusste ich, dass es zu Ende war.
Die Bestie näherte sich mir langsam, bis ich ihren fauligen Atem riechen konnte, der mich würgen ließ. Sie hob ihre Hand, die mit kurzen Krallen besetzt war und…
…wurde zur Seite geschleudert, als sich der Hüttenmann auf einmal von hinten auf sie stürzte. Sein Gesicht war wutverzerrt und er hatte einen Dolch gezogen, den er der Bestie in die Seite rammte, wobei er seinen Schwung nutzte um sich geschickt abzurollen, wieder auf die Beine zu kommen und dem Monstrum aus nächster Nähe einen Pfeil ins Auge zu schießen. Mit einem Ausdruck der Genugtuung beobachtete er den Todeskampf des Tiermenschen. „Verdammte Pelzträger, ständig müssen sie Ärger machen.“
Er spuckte auf die Leiche. Dann wandte er sich mir zu: „Komm Kleiner, gib mir deine Hand, wir gehen zurück.“
Verängstigt starrte ich ihn an. Dann wurde es dunkel um mich herum.
  31.05.2015, 12:52
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Kapitel IV

Als ich erneut erwachte, realisierte ich die Welt um mich herum wesentlich schneller, als es das letzte Mal der Fall war. Ich lag auf derselben Liege, wie zuvor, in derselben Hütte, wie zuvor, doch etwas war anders. Ich schnüffelte und roch es: Rauch! Vor dem Fenster sah ich hellrote und orange Flammen, verstrickt in einen Tanz aus Funken und Licht. Erschreckt und neugierig sah ich dem Feuer beim Tanzen zu. Ich wusste, dass es gefährlich war, immerhin hatte ich bereits einmal die Torheit begangen mit der Hand in eine Kerze zu fassen. Doch ich war wie gebannt von dem Schauspiel. Die Kerzenflamme war bläulich gewesen, doch dieses Feuer hatte eine vollkommen andere Farbkulisse und erwärmte irgendwie mein Herz. 
Ich hatte nicht gemerkt, dass sich die Tür geöffnet hatte und so erschrak ich fürchterlich, als ich mit einem Mal eine Hand auf meiner Schulter fühlte.
"Komm Kleiner, es gibt Essen!", sagte der Mann mit einer dunklen, aber irgendwie beruhigenden Stimme. "Du kannst ihnen auch draußen beim Tanzen zusehen", meinte er und wie er es sagte, wusste ich, dass auch ihn das Spiel des Feuers faszinierte.

Wir traten gemeinsam aus der Hütte. Im Wald war es indes dunkel geworden, die Hütte und die Bäume warfen seltsame Schatten im flackernden Licht der Flammen. Als wir die kleine Behausung umrundet hatten, sah ich das Feuer zum ersten Mal in voller Größe. Es war ein riesiger Haufen aus großen Ästen und kleineren Zweigen, den der Mann entzündet hatte. Am Rande des Feuers loderten kleinere Lagerfeuer, auf denen er Fleisch briet und in einem zerdellten Topf irgendetwas kochte. Er setzte sich an den Topf und streute eine handvoll getrockneter Kräuter aus einem kleinen Beutel, den er an der Hüfte trug. Dabei murmelte er vor sich hin und schien mich bereits wieder vergessen zu haben. Zögernd setzte ich mich neben ihn und schwieg. Und wartete. Tausende Fragen brannten mir auf der Zunge. Wo waren Mama und Papa? Wann würde ich sie wiedersehen? Wo war ich? Wer war der Mann?
Nach ein paar Minuten, die mir wie eine Ewigkeit schienen, da jede Sekunde sich zähflüssig voranschleppte, wie Sirup, nahm der Mann den Topf vom Feuer und goss den Inhalt in zwei knöcherne Becher, wobei der eine sehr zerkratzt und gebraucht wirkte, als habe der Mann schon unzählige Male den Becher benutzt. Er griff sich auch zugleich das ältere Gefäß und reichte mir den neuen und ungebraucht aussehenden Becher.
"Trink Kleiner, du hast schon viel zu lange nichts getrunken."
Ich merkte, dass er Recht hatte, meine Zunge war schon regelrecht ausgedörrt, was ich in der ganzen Aufregung nicht mitbekommen hatte. Ich nahm den Becher entgegen und setzte ihn an die Lippen. Das Getränk war kochend heiß und ich verbrannte mir die Zunge. Mit einem Aufschrei ließ ich den Becher fallen und wedelte meiner Zunge mit der Hand frische Luft zu. Der Mann gab ein glucksendes Geräusch von sich, welches immer lauter wurde, bis ich schließlich begriff, dass er lachte.
Gekränkt sah ich ihn an, was eine weitere Lachsalve auslöste.
 
Irgendwann beruhigte er sich wieder und blinzelte sich die Tränen aus den Augen. Er füllte den Becher erneut und reichte ihn mir. Dieses Mal wartete ich eine Weile, bis ich ihn trank. Es war eine Art Tee, der nach fremdartigen Kräutern und Wald schmeckte. Sehr seltsam aber auch in gewisser Weise innerlich wärmend. Nachdem ich die Tasse abgesetzt hatte, reichte mir der Mann seine Hand.
"Ich bin Jakob, Kleiner."
Ich reichte im meine Hand, die in seiner riesigen Pranke regelrecht verschwand.
"M-m-artin", brachte ich stotternd heraus.
Der Mann drückte meine Hand kurz und zog seine dann wieder zurück. Er lehnte sich vor und sah mir in die Augen. Seine Augen waren von einem hellen Braun und ich sah etwas in ihnen, was mich mich auf einmal noch kleiner und unbedeutender fühlen ließ, als ich es war.
"Diesen Namen musst du vergessen, Martin, er hat zu viel Macht über dich. Ab sofort heißt du Simon, verstanden? Wenn dich jemand fragt, dann bist du Simon. Beachte das, sonst..", er machte eine kleine Kunstpause, dann senkte er die Höhe seiner Stimme in den tiefsten Keller, "...wirst du sterben."
Ich schluckte laut hörbar. Der Mann lehnte sich zurück und reichte mir die Hand:"Ich bin Jakob und wer bist du?"
Ich sah ihn verdattert an, dann begriff ich.
"Ich bin Simon.", sagte ich, stolz darauf, mir alles gemerkt zu haben.
"Braver Junge", sagte der Mann und tätschelte mir den Kopf,"Morgen beginne ich mit deinem Unterricht."
Wir saßen noch eine Zeit am Feuer, tranken Tee und aßen Braten, bis er mich schließlich ins Bett brachte.
Er deckte mich zu und machte Anstalten zu gehen, als ich ihn zurückhielt:„Wo sind Mama und Papa?"
Er sah mich an und seufzte tief. "Tut mir Leid, Kl...Simon, aber du wirst sie nie wieder sehen."
Dann ging er und ließ mich mit meinen Tränen alleine in der Dunkelheit zurück.
« Letzte Änderung: 25.09.2015, 13:04 von Elderlord »
  20.08.2015, 08:04
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