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Thema: Asiatische Gruselfilme  (Gelesen 802 mal)

  • Skelett-Krieger
    • Untot
Ich schreibe im Titel Grusel- statt Horrorfilme, obwohl ich der Meinung bin, dass das zumindest bei den Asiaten ein- und dasselbe ist. Ich wollte aber bewusst eine Abgrenzung zu den Splatter-Filmen schaffen, darum "Grusel".

Japanische Horrorfilme zeichnen sich ja dadurch aus, dass sie viel mehr auf psychologische Phänomene setzen und viel weniger auf die im Westen üblichen Schock-Effekte. Darum sind diese Filme für uns "Westler" wahrscheinlich auch oft so schwer zu verstehen und selten so erfolgreich wie in der asiatischen Kultur.

Allerdings gibt es wohl kaum ein Land, dass so schnell so viele westliche Vorstellungen und Werte übernimmt, wie Japan. Ob das nun gut ist, lasse ich mal außen vor. Jedenfalls nähert sich die Erzählkultur asiatischer Filme (wie auch die deutscher Filme) immer mehr amerikanischen "Standards" an. Moderne japanische Filme sind deswegen nicht mehr ganz so schwer zu verstehen, wie z.B. aus den 80ern, setzen aber nach wie vor mehr auf psychologische Aspekte und weniger auf Schreckmomente, Blut und Gedärme.

Hier sind ein paar Beispiele, die ich euch empfehlen würde. Falls ihr auch empfehlenswerte japanische / asiatische Horrorfilme kennt, wäre ich für jeden Hinweis dankbar. Natürlich kennt man "The Grudge" und "Ring", aber das ist sicher bei Weitem noch nicht alles.

Kairo (2001)

Das Wort Kairo bezieht sich nicht auf die ägyptische Hauptstadt, sondern bedeutet in japanisch soviel wie "Schaltkreis".

Inhalt: Japanische Studenten untersuchen eine rätselhafte Selbstmordserie, die scheinbar von einer Webcam - Webseite ausgeht, die Besuchern anbietet, mit Geistern zu interagieren.

Mein Fazit: Was den Film für mich so unglaublich gruselig gemacht hat, sind weder Tricktechnik noch Schockeffekte, sondern die beinahe schon greifbare Leere, Stille und Einsamkeit, die zurückbleibt, während um die Hauptfiguren herum immer mehr Menschen verschwinden. Dass es den Machern überhaupt gelungen ist, das Thema Einsamkeit in einem Horrorfilm zu verarbeiten, ist an sich schon eine Leistung. Schaut euch diesen Streifen am besten nachts allein vor dem Computer an.
Dark Water (2002)

Inhalt: Nach der Scheidung von ihrem Mann zieht Yoshimi mit ihrer kleinen Tochter Ikuko in eine neue Wohnung. An der Schlafzimmerdecke entdeckt sie einen stetig wachsenden Wasserfleck, für den sich aber weder der seltsame Hausmeister Kamiya, noch der Vermieter verantwortlich fühlen. Yoshimi konzentriert sich auf den Sorge-Rechtsstreit mit ihrem Ex-Mann und die Suche nach einem Job. Doch schon bald tropft Wasser von der Decke und unheimliche Vorfälle häufen sich. Yoshimi, die in der Vergangenheit psychische Probleme hatte, ist davon überzeugt, dass ihr Ex-Mann versucht, sie zu terrorisieren. Aus diesem Grund hört sie auch auf den Rat ihres Anwalts, nicht aus der Wohnung auszuziehen, weil dies ihren Sorge-Rechtsstreit gefährden könnte. Doch schon bald muss Yoshimi erkennen, dass Ikuko in großer Gefahr schwebt...

Mein Fazit: Dieser Film kommt ohne Blut und Leichen aus, kann einem aber trotzdem den Atem nehmen. Oberflächlich mag das Thema ein wenig an die "Ring" Filme erinnern, jedoch ist die Geschichte hier sehr viel persönlicher und tragischer. Tatsächlich ist dies mehr ein Drama mit übernatürlichem Einschlag, als ein Horrorfilm. Der Film wurde 2005 für das amerikanische Kino neuverfilmt. Das Remake wird dem Original zur Abwechslung mal durchaus gerecht und ist sehenswert. Wer also dem Original nichts abgewinnen kann, der mag vielleicht das Remake.
A Tale of Two Sisters (2003)

Inhalt: Nach einem Psychiatrie-Aufenthalt kommen die beiden Schwestern Su-Mi und Su-Yeon zurück in das Landhaus ihres Vaters und seiner neuen Frau. Die Stiefmutter verhält sich zunächst freundlich, aber streng. Doch schon bald wird sie gegenüber der schwächeren Su-Yeon immer grausamer, während Su-Mi alles daran setzt, ihre Schwester vor den Übergriffen zu schützen. Doch damit nicht genug. Neben der zunehmend irrational werdenden Stiefmutter ereignen sich noch andere seltsame Dinge in dem Haus, die Su-Mi sich nicht erklären kann. Su-Mi gerät in einen Strudel aus Erinnerung und Einbildung und es fällt ihr zunehmend schwer, Realität von Phantasie zu unterscheiden...

Mein Fazit: Dieser Film fordert wie kaum ein anderer des Genres die kleinen grauen Zellen. Es dauert ein Weilchen, bis man verstanden hat, was wirklich passiert ist. Nicht umsonst wird man mit Ergebnissen überhäuft, wenn man bei Google "A tale of two sisters explanation" eingibt. Mehrmals gucken kann auch helfen. Trotzdem - oder gerade deshalb - lohnt es, sich diesen Film anzuschauen. Fotografie und Regie sind wirklich eindrucksvoll. Die Geschichte, wenn man sie endlich verstanden hat, ist dramatisch und tragisch zugleich. Mir tat Su-Mi am Ende unheimlich Leid.
« Letzte Änderung: 18.11.2014, 02:35 von Hanrok »
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  16.11.2014, 01:36
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