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Thema: [TES: Oblivion] Eine Woche  (Gelesen 1117 mal)

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Eine Woche

Der Abend war kühl, aber nicht unangenehm kalt. Die Wellen rauschten und ein leiser Wind durchstreifte die Bäume. Die Sonne würde in wenigen Stunden aufgehen, doch Mequilus konnte nicht nach Hause gehen.
Er wohnte im Hafenviertel der Kaiserstadt, in einer kleinen Holzhütte. Er war niemals ein reicher Mann gewesen und froh, dass er wenigstens das Geld für diese Hütte zusammenbekommen hat.
Doch er konnte nie wieder zurückkehren. Er drehte sich um und sah den Weißgoldturm der Kaiserstadt im Mondlicht glänzen. Warum nur wusste man die schönen Dinge im Leben nur erst dann zu schätzen, wenn man weiß, dass man sie in Kürze verlieren wird?
Er setzte sich wieder in den Sand und schaute ins Wasser. Er saß am Rande der Stadtinsel, weit genug von der Stadtmauer entfernt, um nicht gesehen zu werden. In der Ferne, an der gegenüberliegenden Seite des Sees konnte er die Fackeln der kaiserlichen Reiter sehen, die über die Straßen patrouillierten und jemanden suchten.
Die Nacht war sternenklar, das Mondlicht spiegelte sich im Wasser. Etwas knisterte in einem Strauch in Mequilus’ Nähe. War es das nun? Er schaute hinüber zum Strauch, es hatte keinen Sinn davon zu laufen. Wieder knisterte es im Laub, dann sah Mequilus einen Hasen davonlaufen.
Beruhigt atmete er auf. Noch ein kleines bisschen Zeit ist ihm geblieben. Wieder schaute er hinaus auf’s Wasser. Das Licht der Fackeln auf der Straße am anderen Ufer ist nicht mehr zu sehen. So friedlich, so still …
„Ihr seid verhaftet, Mequilus!“ Sie haben ihn also gefunden. Er lauschte noch einmal dem Wind, dem Rauschen des Meeres und schaute ein letztes Mal in den klaren Sternenhimmel. Nur noch einen Moment, dachte er.
„Mequilus, es ist Zeit.“ Der Wachmann wurde ungeduldig. Der Klang einer Klinge, die gezogen wurde, durchschnitt die Stille der Nacht. Ein letztes Mal sah Mequilus das Leuchten der Sterne, dann zogen Wolken auf.
Er stand auf und ließ sich ohne Widerstand von den kaiserlichen Soldaten abführen. Das war es nun also.

Die schwere Eisentür hinter ihnen fiel zu. Die Wachen führten ihn die dunkle Treppe hinunter ins kaiserliche Gefängnis. Es war dunkel, feucht. Die wenigen Fackeln an den Wänden erzeugten mehr Ruß als Licht. Wie unendlich kam ihm der Weg nach unten vor, Schritt für Schritt ging es weiter in die Tiefe und jeder Schritt schien unendlich lange wiederzuhallen in den Tiefen, die noch vor ihm lagen.
Schließlich waren sie angekommen. Eine der Wachen steckte einen großen Schlüssel in das Eisengitter der Gefängniszelle und drehte ihn um. Zuerst schien der Schlüssel zu klemmen, das Schloss war wohl schon sehr alt. Wieder eine Verzögerung des Unvermeidlichen. Doch mehr als eine Verzögerung war es nicht, Hoffnung gab es keine mehr.
Widerstandslos ging Mequilus in die Zelle. Dann schlossen die Soldaten das schwere Eisengitter der Zelle und drehten sich um, um zu gehen. Einer der Soldaten blieb noch einen Moment stehen. „Eure Hinrichtung ist in einer Woche, Mequilus.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, ging auch dieser Soldat davon.
Eine halbe Ewigkeit, so schien es, hallten die Schritte der Soldaten durch die Gefängnisgänge. Dann war in großer Entfernung das Zufallen der schweren Eisentür am oberen Ende der Treppe zum kaiserlichen Gefängnis zu hören. Nachdem auch dieses Geräusch verhallt war, legte sich Stille über die Nacht.
Mequilus setzte sich auf die Holzbank in einer Ecke der Zelle und wartete. Es war kalt und feucht und vor allem leise. Aber gerade diese Stille schien mit jeder Sekunden, die verging, lauter zu werden. Das Brennen der Fackeln, undefinierbar verzerrte Echos aus anderen Zellen, keine Stimmen, kein Wind, kein Wasser und keine Vögel. Er schloss die Augen und Erinnerungen breiteten sich aus.


Es war Frühling. Die Sonne schien und die Pflanzen blühten im ganzen Land. In den Bäumen sangen Vögel und aus dem Garten hinter dem Haus erklang Kinderlachen. Mequilus schaute aus dem Fenster. Merunes, seine kleine Tochter, rannte und spielte im Garten, lief lachend hinter Gofus, dem Hund her.
Mequilus legte das Buch, in der er gerade las, zur Seite und ging hinaus und schaute seiner Tochter beim spielen zu. Das Leben konnte schön sein, doch über all dem Licht lag stets ein Schatten …



Er öffnete die Augen. Irgendjemand schrie wie von Sinnen. Die Schritte der kaiserlichen Wachen näherten sich wieder. Eine Zellentür wurde geöffnet und schwere Schläge waren zu hören. „Ihr habt still zu sein!“ schrie eine der Wachen. Noch ein paar weitere Schläge hallten durch den Gang. Dann entfernten sich die Schritte der Wachen wieder. Leises Stöhnen war zu hören, bis auch dieses verstummte. Erneut herrschte Stille.
Mequilus schaute sich in seiner Zelle um. Es war schmutzig und es stank. Die Zellen wurden wohl nicht sehr oft gereinigt. Wieder setzte er sich hin und schloss die Augen.


Merunes weinte. Darija, Mequilus Frau saß bei ihr am Feuer und redete tröstend auf sie ein. Mequilus atmete tief durch. Jemand hatte den Hund getötet. Das arme Tier lag eines morgens tot im Garten, wurde ganz offensichtlich mit einer Klinge aufgeschlitzt. Er wollte etwas sagen, doch Darija fuhr ihm dazwischen: „Sei still, Mequilus!“ rief sie nur und wendete sich wieder ihrer Tochter zu.
Er stand auf und wollte sich zu ihnen setzen. Darija nahm Marunes’ an der Hand und verließ den Raum.



Es war dunkel. Mequilus rieb sich die Augen. Er war wohl eingeschlafen und die Fackel war ausgegangen. Mehrmals rief er nach dem Wachmann um sie wieder anzuzünden, doch er bekam keine Antwort. Er wusste nicht, wie lang er geschlafen hatte, doch er war hungrig. Blind tastete er umher um nachzuschauen, ob die Wachen ihm etwas zu Essen gebracht hatten, doch er fand nichts.
Es war so unerträglich still. Ein paar Minuten lief er ziellos in seiner Zelle umher; oder waren es Stunden? Er wusste es nicht. Schließlich legte er sich auf die alte, rostige Pritsche und schloss wieder die Augen.


„Du kannst sie mir nicht wegnehmen!“ rief er. Doch Darija hörte ihm nicht zu. Wut kochte in ihm auf. Was hatte er bloß falsch gemacht?
Am Nachmittag hatte Mequilus mit seiner Tochter im Garten gespielt, während Darija in der Stadt zum Einkaufen war. Aus sie zurückkam war ein Wachmann bei ihr. Darija hatte dem Wachmann erzählt, Mequilus würde seine Tochter und sie schlagen.
Mequilus wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Das war purer Unsinn. Niemals würde er auf die Idee kommen seine Frau oder seine Tochter zu schlagen.
„Marunes, sag dem Wachmann, dass es nicht stimmt“ sagte Mequilus, doch seine Tochter schwieg. Darija zog ihr die Ärmel hoch und zum Vorschein kamen mehrere Blutergüsse. Entsetzt schaute Mequilus seine Frau an. „Was hast du getan?“ sagte er hilflos. Doch seine Frau sah ihn nur voll Zorn an und schwieg.



Wie viel Zeit war vergangen? Immerhin brannte die Fackel wieder. Mequilus stand auf und sah, dass eine der kaiserlichen Wachen durch den Gefängnistrakt lief. „Bei den Neunen, ihr seht erbärmlich aus“ sagte der Wachmann, als er an Mequilus’ Zelle vorbei kam. Er fragte, wie lang er schon hier wäre. „Eure Hinrichtung ist in drei Tagen, das sollte eure Frage beantworten“ antwortete der Wachmann und ging weiter zu den anderen Zellen.
Zuerst verging die Zeit überhaupt nicht, doch nun schien der letzte Tag immer rascher näher zu kommen.


Es kam dazu, dass Mequilus von den kaiserlichen Wachen verboten wurde, seine Frau und seine Tochter zu besuchen. So lebte er einige Monate auf der Straße im Hafen der Kaiserstadt. Schließlich hatte er durch seine Arbeit genug Geld zusammen, um eine kleine Holzhütte zu mieten.
Eines Nachts klopfte jemand an die Tür. Schlaftrunken stand Mequilus auf und nahm das Kurzschwert, das er sich vor kurzem gekauft hatte, in die Hand. Hier im Hafenviertel konnte man nicht vorsichtig genug sein, seltsame Gestalten sind in der Nacht unterwegs.
Er öffnete vorsichtig die Tür und überschlug sich fast vor Freude. Da stand Marunes vor seiner Tür und schaute ihn mit großen Augen an. „Vater…“ sagte sie nur und brach schließlich in seinen Armen zusammen.
Schnell nahm er sie mit ins Haus hinein. Ihr Körper war von Wunden überdeckt. Er legte sie schnell auf sein Bett und suchte verzweifelt nach einem heilenden Mittel, eine Wundinfektion zu vermeiden. Er behandelte ihre schlimmsten Wunden und ließ sie schlafen. Schließlich schlief auch er ein.



Er öffnete die Augen, Tränen liefen ihm über das Gesicht. „Weint wie ein Mädchen!“ rief der Gefangene, der vor kurzem in die gegenüberliegende Zelle kam und lachte laut.
Nach kurzer Zeit kamen zwei Wachen und brachten etwas zu Essen. Altes Brot, einen Krug Wasser und einen Apfel, wie jeden Tag.
Mit Tränen in den Augen begann Mequilus zu essen. Das Brot war trocken und der Apfel war auch nicht mehr frisch, aber man konnte es noch essen.


Marunes überlebte die Nacht nicht. Ihre Verletzungen waren wohl schlimmer gewesen, als es zuerst den Anschein machte. Weinend saß Mequilus vor seinem Bett, in dem die Leiche seiner kleinen Tochter lag. Er versuchte klar zu denken, doch es gelang ihm nicht. Immer mehr Wut und Hass ergriffen Macht von seinem Herzen.
So kam es dazu, dass er in der folgenden Nacht sein Schwert nahm und sich auf den Weg zum Haus seiner Frau machte. Nicht weniger als zwölf Stiche stellten die Soldaten fest, die nur wenige Minuten nach Mequilus das Haus von Darija erreichten.
Mit blutigem Schwert und leerem Blick saß Mequilus auf einem Stuhl im Wohlzimmer, auf dem Teppich lag die Leiche seiner Frau.
„Bewegt euch nicht!“ sagte einer der Soldaten und zog sein Schwert. Langsam bewegte er sich auf Mequilus zu, der noch immer unbewegt auf dem Stuhl saß und das blutige Kurzschwert betrachtete. Dann ließ er das Schwert fallen und rannte los. Die Soldaten konnten nicht schnell genug reagieren und sahen nur noch, wie er durch ein Fenster in der Nacht verschwand.



Ketten rasselten durch den Kerker. Es war soweit. Mehrere Wachen kamen um ihn zu holen. Widerstandslos ließ er sich mitnehmen. Sie legten ihn in Ketten führten ihn in einen großen Raum mit einer schweren Holzbank in der Mitte. An beiden Enden der Holzbank waren jeweils zwei Eisenhalterungen befestigt. Mequilus wusste, wofür sie waren.
Die Wachen legten ihn auf die Bank und schlossen die Eisenhalterungen um seine Fuß- und Handgelenke.
Es vergingen weitere qualvolle Minuten, dann betraten zwei weitere Personen den Raum. Ein Priester und ein verhüllter Mann mit einer schweren Axt; der Henker.
Der Priester sprach ein paar leise Gebete und schließlich erhob der Henker die Axt. Eine Träne lief Mequilus über das Gesicht. Vielleicht war es besser so.
Vi doede ikke... vi har aldri levd
  17.04.2006, 17:09
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  • Skelett-Magier
    • Untot
Die Idee ist sehr gut, und passt natürlich hier ins forum, aber du hättest es länger ziehen sollen finde ich.

Mir war es einfach zu kurz.

Der Stil ist ganz gut.
Meine Signatur war 17 Pixel  :ugly: zu hoch, nach einer so langen Zeit...  oO :censored:
Aber was soll man machen :| nun bleibt mir nur noch eins, ich brauch ne neue ;), wer Vorschläge hat, PN an mich oder den Papst  :er-wars:.
Solange :wayne: :frieden:
  17.04.2006, 22:56
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  • Hoher Drachengott
    • Nirn.de Team
Die Geschichte ist meiner Meinung nach in einen sehr traurigem Stil erzählt.

Diese Vater - Mutter - Tochter-Konstellation gibt es scheinbar in unserer Gesellschaft allzugut.

Ich hätte mir gewünscht das der Wechsel zwischen Wach und Traum deutlicher würde und sei es nur durch eine kursive Schrift.
  20.04.2006, 14:02
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  • Bettler
    • Neuling
Hallo zusammen,

die Sache mit der kursiven Schrift bei den Erinnerungs-Szenen klingt gut, hab ich gleich mal so umgesetzt :)

@The little big ?????
Ich hab überlegt, ob ich die Geschichte länger machen soll, z. B. einen Grund erfinden sollte, warum Mequilus' Frau all das getan hat. Ich hab mich aber dagegen entschieden, da ich dem Leser immer gern ein paar Fragen offen lasse bzw. Raum für Interpretationen lasse.

Die Geschichte war traurig geplant, eigentlich als Geschichte eines Mannes, der im Gefängnis auf seine Hinrichtung wartet und währenddessen noch einmal sein ganzes Leben als Erinnerung/Traum erlebt. Hab mich dann allerdings doch für die kürzere Variante entschieden.

Die nächste Geschichte wird vermutlich lustiger. Vielleicht etwas mit nem nackten Nord und ner Hexe ...

Gruß
Thurgan
Vi doede ikke... vi har aldri levd
  20.04.2006, 15:16
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