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Thema: [Vollendet] Remator [Vorgeschichte zu Sarfenon]  (Gelesen 27782 mal)

  • Skelett-Krieger
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Die gelben Augen sind übrigens nicht gleichbedeutend mit Untod, viel mehr kennzeichnen sie den Kontakt mit den verderbten Energien aus der Welt der Dämonen (=Zwischenwelt).

Dunkelhand ist auch kein Untoter, Elmidra auch nciht dennoch haben beide auch diese gelbe Färbung.
  16.05.2006, 13:13
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  • Skelett-Krieger
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Seufzend schloss sie die Tür zum Büro Ekalions hinter sich, sie bedauerte es den armen Jungen wie ein Packet abgegeben zu haben. Aber das Leben als Göttin brachte Verpflichtungen mit sich, wenn sie ein Waisenkind aufnahm musste sie alle aufnehmen.
„Na, bist du den vorlauten Bengel losgeworden?“
Überrascht wandte sie sich um und unterdrückte ein Aufstöhnen. Imanal lehnte einige Meter neben der Tür an der Wand.
Wie sehr ihr die Annäherungen des Gottes auf die Nerven gingen…
Die Blumen, die Gedichte, die Briefe…
Ein Wunder das dieser Kerl nicht auf seiner eigenen Schleimspur ausrutschte.
„Imanal. Ja, ich habe Aldun in die Obhut von Meister Ekalion gegeben bis seine Ausbildung beginnt.“
Der blond gelockte Gott grinste amüsiert.
„Ich sagte doch, du bist ihn losgeworden. So ein dreistes Kind habe ich selten erlebt.“
Während Ilemira so den Gang entlang schritt und Imanal ihr folgte konnte sie nur mühsam ein Grinsen unterdrücken.
Die Begegnung des kleinen Aldun mit Imanal war bereits jetzt Stadtgespräch.
Kaum waren sie vor zwei Tagen in Imethael angekommen hatte Imanal ihnen auch schon aufgelauert um Ilemira mit Gefälligkeiten zu überhäufen.
Aldun hatte in seiner kindlichen Unschuld gefragt ob Imanal der Kammerdiener Ilemiras wäre, wo er sie doch so mit Komplimenten überschüttete.
Imanal war daraufhin wutschnaubend aus der Halle gestürmt und hatte seine Liebste bis zu dieser Stunde mit seiner Aufmerksamkeit verschont.
„Er ist nicht dreist… Er ist beeindruckend klug. Ich denke wir können großes von ihm erwarten.“
Ja, in der Tat. Nach Alduns Äußerung hatte sie auf den Kleinen herabgeblickt und wieder dieses wissende Lächeln auf seinen Lippen entdeckt. Sie war sich nicht sicher ob es kindliche Unschuld oder Scharfsinn gewesen war…
Hinter ihr schnaubte Imanal verächtlich und strich sich sein übermäßig mit Gold besticktes Gewand glatt.
Noch etwas was ihr an Imanal missfiel, er konnte nicht maß halten, umgab sich mit überflüssigem Prunk und Reichtum.
„Großes? Der Kleine hat Glück wenn er die Prüfung der Vier Schwerter besteht. Sieh ihn dir doch an! Er hat vielleicht die geistigen, nicht aber die körperlichen Fähigkeiten Remator zu werden!“
Zornig blieb Ilemira stehen und drehte sich um.
„Was weißt du, lieber Imanal denn schon von den Rematoren? Für sie sind Körper und Geist eine Einheit, ist das eine stark so ist es auch das Andere! Urteile ab sofort nicht mehr über Aldun Ar’Aramesh wenn du es nicht darauf anlegst mich zu verstimmen! Was machst du überhaupt noch hier? Dein Platz ist in Amon-Xar!“
Der jung wirkende Gott zuckte zusammen wie geschlagen.
„Ja…Wie du wünschst… Ilemira…“
Peinlich berührt eilte Imanal durch einen Seitengang davon.
Ilemira schnaubte erschöpft.
Jetzt tat es ihr leid, auch wenn es nötig gewesen war. Sie hätte Imanal schon lange eine Abfuhr erteilt wenn ihr Vater diesen Kerl nicht so protegieren würde. Ja, es schien fast als wäre Imanal der perfekte Schweigersohn für Gott Zemoth…

„Und du sagst seine Augen waren gelb? Gelb wie Schwefel?“
Die Stimme war blechern und ähnelte der ihres Vaters dennoch, ein verschwommener Umriss erhob sich aus einer goldenen Schale und musterte sie beim auf und ab gehen.
In dieser Kammer gab es sechs goldene Schalen gefüllt mit einer bläulichen Flüssigkeit. Diese Gegenstände dienten der Kommunikation mit den einzelnen Göttern aus Amon-Xar. Jeder der Sieben von Imethael besaß einen eigenen Schalenraum, Diskretion wurde unter den Göttern groß geschrieben.
„Ja, ich konnte seinen Hass förmlich fühlen… Die Reiter haben ihn nicht erwischt, ich habe Kommandant Ezkash bereits befohlen die Insel abzuriegeln, soll er so viel Böses in die Welt tragen wie er will, es wird diese Insel nicht verlassen!“
Der Schemen nickte seiner Tochter stumm zu.
„Sehr gut, Ilemira, dies verschafft uns Zeit. Was wurde aus der Familie dieses Lord Mevidar?“
Zögernd hielt die Göttin inne und betrachtete die goldenen Verzierungen auf dem Boden.
„Er ist nicht verdorben, ich selbst habe ich überprüft. Seine Seele ist rein wie es nur die eines Kindes sein kann. Sein Vater wollte dass er zum Remator ausgebildet wird, ich habe diesem Wunsch entsprochen und ihn bei Remator Ar’Aramesh untergebracht.“
Zemoths Schemen grunzte verächtlich.
„Ar’Aramesh? Der und Kinder? Seit gut zweihundert Jahren habe ich keinen strengeren Remator mehr kennen gelernt. Warum ausgerechnet er?“
Ilemira schmunzelte vergnügt und verschränkte die Arme.
„Nun, Ar’Aramesh ist nicht nur der Strengste sondern auch der Beste. Ich wollte dass Aldun den Besten Lehrmeister bekommt, in diesem Jungen steckt viel Potenzial.“
Der göttliche Schemen nickte stumm.
„Na gut, tu was immer du meinst. Wir sollten aber dennoch unser Möglichstes versuchen um die Verderbnis zu beseitigen. Erfahrungsgemäß wird es bis zum Ausbruch noch gut dreizehn Jahre dauern, uns bleibt also Zeit. Sorge mir nur dafür dass dieser Irre Imethael nicht verlässt!“
Der Schemen verblasste und sie nickte stumm.
Es gab nur einen Hafen am Fuße des Gebirges und von dort fuhr auch nur eine Schiffsverbindung, sie würde einfach ein paar Rematoren zur Überwachung abstellen.
  16.05.2006, 14:38
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Bin schon sehr gespannt was mit Alduns Vater passiert.
Ansonsten muss ich jetzt einfach sagen dass du Fantasy Autor werden solltest :). Du schreibst einfach grandios Exterminas ;)
  16.05.2006, 14:48
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Hui, vielen Dank,wenn ich es schaffe mein Abi in den Sand zu setzen weiß ich ja was ich zu tun habe ^^
  16.05.2006, 14:53
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4. Prüfung der Vier Schwerter

Manche sagen die Zeit wäre ein Fluss, der träge dahin fließt.
Andere behaupten sie sei wie ein Erdrutsch, der alle mit sich reißt.
Nun, in den Augen der Götter war Zeit in erster Linie eines…
Flüchtig

Für Ilemira waren die letzten zwölf Jahre wie ein Wimpernschlag vergangen, als wäre es gestern gewesen erinnerte sie sich daran den kleinen Aldun nach Imethael gebracht zu haben. Heute, zwölf Jahre nachdem sie ihn zuletzt gesehen hatte war sein großer Tag.
Ilemira war die einzige in der Arena anwesende Göttin, rechts neben ihr saß Azrael Al’Noctis, einer von vielen Adligen, die sie in den letzten Jahren benutzt hatte um Imanal los zu werden. Bisher ohne großen Erfolg…
„Du sagtest vorhin du würdest den Prüfling kennen, Liebes?“
Sie nickte stumm und ließ ihren Blick über die gefüllten Ränge der marmornen Arena schweifen, es geschah nicht oft dass ein Novize dieser, der ersten Prüfung unterzogen wurde.
Somit war der Trubel um ein solches Ereignis verständlich, es gab nicht viele Festivitäten in Imethael, immerhin war es eine Stadt der Weisheit und kein Wanderzirkus.
„Woher?“
Ihr Geliebter gab offenbar nicht nach und leckte sich unruhig über die Lippen. Ilemira fand dass er nur mittelmäßig aussah, auch charakterlich war er sehr banal. Aber er war leicht zu manipulieren gewesen und erfüllte seinen Zweck. In der Öffentlichkeit durfte natürlich niemand von ihrer Liebelei erfahren, es galt als unsittlich für Menschen Götter zu lieben.
„Nun, ich war es, die ihn hierher brachte… Vor zwölf Jahren… Noch vor Beginn der Quarantäne.“
Ja, sie erinnerte sich wieder. Bald würde es soweit sein, die Verderbnis würde Gewalt hervorrufen, Anarchie…
Im dreizehnten Jahr, dreizehn, die heilige Zahl…
Welch Ironie…
„Ist er gut?“
Ilemira seufzte und warf Al’Noctis einen genervten Blick zu.
„Woher soll ich das wissen, zuletzt war er kaum groß genug um mit einem Dolch umzugehen, aber…“
Donnernde Fanfaren schnitten der schönen Göttin das Wort ab.
Rasselnd öffneten sich die beiden Gatter der Arena, auf der einen Seite traten vier Soldaten der Garde in die mit Sand ausgestreute Grube. Ihre Rangabzeichen wiesen sie als Elitekrieger, Leibwächter der Götter aus. Jeder von ihnen trug eine blank polierte Plattenrüstung, einen schneeweißen Umhang sowie Schild und Schwert.
Aus dem anderen Tor traten nur zwei Männer.
Ekalion Ar’Aramesh schritt als erster voran, die letzten Jahre hatten ihm seine Kraft geraubt und seinen Körper geschwächt, wo er früher die Rüstung der Rematoren getragen hatte trug er nun die schlichte, weiße Kleidung eines Weisen.
Die goldenen Augen der Göttin weiteten sich und ihr Mund klappte auf als Aldun Ar’Aramesh die Arena betrat.
Sein schulterlanges, goldenes Haar war zu einem Pferdeschwanz gebunden, trotz seiner Jugend strahlten seine eisblauen Augen die Härte und Weisheit eines erfahrenen Remators aus. Gekleidet war er nur in ein schlichtes, graues Gewand. Quer über dem Rücken trug er einen schweren Zweihänder dessen Klinge im Licht der Sonne glänzte.
„Es erfüllt mich mit Stolz meinen eigenen Sohn, Aldun Ar’Aramesh, der Prüfung der vier Klingen zu übergeben. Seit je her ist es Brauch dass wir, die Rematoren auf diese Weise unsere Stärke demonstrieren. Ein Überlegener Geist kann das Fleisch beherrschen, es beugen und zu mehr antreiben als Menschen sich vorstellen können. Um ein Remator zu werden muss Aldun nun beweisen dass er unsere Lehren beherrscht.“
Unter dem Jubel der Menge schritt Ekalion aus der Arena.
Als sich das Gitter hinter ihm schloss kehrte eine angespannte Stille ein.
Die vier Gardisten zogen ihre Schwerter und begannen einen Kreis um den in der Mitte, der kreisrunden Arena, Stehenden zu bilden.
Mit einem wortlosen und unglaublich berechnenden Blick erfasste Aldun die vier Männer, die langsam den Kreis um ihn enger zogen.
Ein leises Surren durchschnitt die Stille als Aldun seinen mächtigen Zweihänder aus der Scheide zog und mit nur einer Hand senkrecht vor sein Gesicht hielt, die andere Hand hatte er wagrecht auf den eigenen Rücken gepresst.
Es faszinierte Ilemira immer wieder wie die Rematoren kämpften, eigentlich schien es völlig unmöglich dass dieser drahtige, junge Mann ein solches Schwert führen konnte, dennoch tat er es mit erstaunlicher Leichtigkeit.
Schnell wie ein Rudel Wölfe stießen die Wächter nach vorne um den jungen Remator mit ihren Schwertern zu durchbohren.
Aldun jedoch ging blitzschnell in die Hocke und machte einen Hechtsprung nach vorne, auf einen der Wächter zu. Noch in der Luft drehte er sich um die eigene Achse und stieß die Klinge eines Schwertes mit brachialer Präzision in den Bauch des Soldaten.
Binnen weniger Sekunden setzten die übrigen drei ihm nach, seelenruhig riss Aldun sein Schwert aus dem Körper des am Boden Liegenden und hielt es mit beiden Händen senkrecht vor sich.
Stahl prallte auf Stahl als die Drei den Novizen der Rematoren erreicht hatten, schnell und präzise parierte Aldun ihre Hiebe, wich jedoch langsam zurück.
Ilemira schüttelte fassungslos den Kopf, dieser junge Mann kämpfte als würde er tanzen, er kämpfte schnell wie der Wind und präzise wie ein Uhrwerk.
Nicht eine einzige unsinnige Bewegung, kein Zögern, als führte der Schöpfer selbst seine Klinge.
Überrascht riss sie die Augen auf als Aldun einen Satz zurück machte und die drei Gardisten so aus dem Gleichgewicht brachte. Um den Schwung abzufedern musste er jedoch die Knie beugen, nutzte dies jedoch um die linke Hand um den Griff, die Rechte um den Knauf seiner Klinge zu legen. Wie ein Speerkämpfer nutzte er die Kraft des heranstolpernden Kriegers um seine Klinge in dessen Panzerung zu treiben.
Die zwei verbliebenen Krieger wichen überrascht zurück.
Seelenruhig riss Aldun das Schwert aus dem zweiten Gardisten und ließ es langsam vor sich kreisen.
Einer der verbliebenen Kämpfer warf seinen silbernen Schild, überrascht musste der junge Remator ausweichen, die Kämpfer nutzten diese Blöße um zum Angriff über zu gehen.
Ein Taumeln kam in Alduns Ausweichen, was Ilemira dazu veranlasste den Atem anzuhalten, eine der Klingen hatte den jungen Kämpfer an der Schulter getroffen, blut färbte grauen Stoff rot…
Das kalte Antlitz von Aldun Ar’Aramesh zeigte keine Regnung als er sein Schwert mit beiden Händen ergriff und einen brachialen Spalthieb führte.
Das Publikum stöhnte entsetzt auf als der Kopf eines Kämpfers samt Helm gespalten wurde, Blut bespritzte Arena und Remator.
Ohne zu zögern ging der verbliebene Gardist in den Angriff über, Aldun war sichtbar geschwächt, seine Hiebe waren langsamer, seine Bewegungen schleppender geworden.
Erneut riss Ilemira überrascht die Augen auf, Aldun hatte einen Schlag geführt den sie kaum gesehen hatte, jedenfalls steckte der Mächtige Zweihänder nun in der Halskrause des letzten, zu Boden sinkenden, Gardisten.
Vor Überraschung gelähmt saß das Publikum nur stumm dar und starrte auf das Blutbad.
Das Rattern der Gitter löste den Bann und Jubel brach aus während einige Heilkundige in azurblauen Roben in die Arena eilten um nach den Verlierern des Kampfes zu sehen.
Ilemira konnte sehen wie einer von ihnen ein paar Worte mit Aldun wechselte, konnte sie aber nicht hören…
  17.05.2006, 19:03
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Der Kampf war sehr gut geschrieben und war meiner Meinung nach auch sehr spannend. Aber eine Sache ist unklar für mich. Dass Aldun in Sarfenon ein Meister des Schwertkampfes ist ist ja eigentlich klar, aber findest du es nich unrealistisch dass er nach 12 Jahren Ausbildung so leicht 4 Elitekrieger besiegt?
  17.05.2006, 20:22
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Nunja, die "Elitekrieger" der Garde sind nunmal nur die Elite der Garde, soll heißen dass sind ganz normale Männer, die berufsmäßig Kämpfer sind.

Die Rematoren hingegen widmen ihr Leben dem Bestreben Geist und Körper zu einer einzigen Klinge zu einen, es ist ihr einziger Daseinszweck Wissen und Kampfkunst zu vervollkommnen.

So gesehen sind 12 Jahre Ausbildung sehr sehr viel, zumal Aldun in dem Kampf ja auch verletzt wird, etwas dass ihm in Sarfenon nie passiert ist.
  17.05.2006, 20:30
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5. Der Pfad der Weisheit

Unruhig trommelte Ilemira mit ihren makellosen Fingernägeln auf die Lehne ihres Marmorthrones. Ihr privater Empfangssaal lag in der Spitze eines der sieben Minarette, die den Turm der sieben Götter zierten. Der Raum war oval, die Seiten vom Boden bis zur Decke mir verglast. Einzig hinter dem Podest, auf dem die Göttin thronte, und hinter der massivgoldenen Eingangstür gab es Wände aus massivem Marmor. In den Boden der Kammer war ein Mosaik aus Gold und Silber eingelassen, es zeigte sieben Männer und Frauen vor denen Gestalten in weißen Roben knieten. Über den sieben in Licht gefüllten Personen war eine schneeweiße Hand mit einem azurblauen Auge in der Handfläche zu sehen.
Das leise Klingen eines Glöckchens hinter dem Thron kündigte ihren Besucher an.
Nahezu lautlos schwang das prunkvolle Portal auf und Aldun Ar’Aramesh trat herein, sein linker Arm war notdürftig bandagiert, seine graue Robe jedoch war noch immer verdreckt.
Wortlos schritt der junge Mann bis zur Mitte des Mosaiks und ging auf der Hand in die Knie.
„Meiner Göttin zu Diensten.“
Ein Lächeln huschte über Ilemiras volle Lippen, jetzt wo er vor ihr kniete konnte sie ihn erst richtig bestaunen, sein Körperbau zeugte von dem asketischen Leben, das die Rematoren führten. Sein blondes Haar war erstaunlich glatt und geordnet für einen Angehörigen des Ordens, in der Regel neigten die Rematoren dazu ihr Aussehen zu vernachlässigen.
Nicht so dieser…
„Erhebe dich, Aldun.“
Wie es ihm geheißen war erhob er sich und verschränkte die Arme hinter dem Rücken.
„Was ist deine frühste Erinnerung?“
Die glatte Stirn des jungen Remators runzelte sich während er offensichtlich angestrengt nachdachte.
„Das Wintersonnwendfest vor elf Jahren, ich habe Vater zum ersten mal im Schwertkampf geschlagen. Ich glaube allerdings er hat mich gewinnen lassen.“
Ein dünnes Lächeln trat auf das strenge Gesicht des jungen Mannes.
Ilemira nickte stumm.
„Was weißt du über deine Mutter?“
Alduns Gesicht zeigte kurz Verwirrung, dann Nachdenklichkeit.
„Nichts, Vater meinte er hätte mich aus einem brennenden Haus gerettet. Schätze meine Eltern kamen dabei um.“
Überrascht hob die Göttin eine Braue. Sie hatte Ekalion nicht zugetraut zu lügen.
Aber das war jetzt nicht wichtig…
„Siehst du das Mosaik auf dem du stehst, Aldun?“
Der junge Mann wich überrascht zurück und betrachtete das Bild mit noch immer verschränkten Armen.
„Die Hand symbolisiert den Schöpfer, sie stellt seinen Willen dar. Wir, die Götter sind die Hand des Schöpfers, unsere Aufgabe ist es dem unsichtbaren Willen des Schöpfers Gestalt zu verleihen. Aber wir Götter können nicht überall sein, können nicht alles überwachen. Darum wurde der Orden der Rematoren gegründet, ihr seid unser starker Arm wie wir der des Schöpfers sind. Damit ihr diese Aufgabe erfüllen könnt werdet ihr zwei Prüfungen unterzogen, einer Prüfung des Körpers, die hast du ja bereits hinter dir, und einer Prüfung der Weisheit.“
Aus Höflichkeit nickte Aldun, Ilemira war sich sicher dass er all dies bereits wusste sie aber nicht unterbrechen wollte.
„Ich selbst werde dir deine Prüfung der Weisheit stellen.“
Die schöne Göttin schmunzelte in sich hinein als Aldun überrascht beide Brauen hob, hatte sie es doch noch geschafft ihn zu überraschen…
„In unserer vollkommenen Gesellschaft ist das Verbrechen nahezu ausgerottet, jeder bekommt von uns was er zum leben braucht. Allerdings gibt es in letzter Zeit… Zwischenfälle… Ein Schmied aus der Stadt hat ein junges Mädchen vergewaltigt und auf bestialische Weise abgeschlachtet… Du wirst den Fall untersuchen, herausfinden warum er dies tat, dann wirst du ein Urteil über ihn fällen.“
Nachdenklich strich sich der junge Remator eine Strähne seines goldenen Haares aus dem Gesicht.
„Mehr nicht, oh Göttin?“
Fast hätte Ilemira laut losgelacht, in der Regel bestanden die Prüfungen der Weisheit aus mehr oder weniger einfachen Rätseln und dieser Junge fragte nach mehr!
Statt zu lachen schmunzelte sie nur.
„Nein, mehr gibt es nicht, mein Majordomus wird dir die nötigen Akten zukommen lassen. Du bist entlassen, Aldun Ar’Aramesh.“
  18.05.2006, 20:00
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  • Skelett-Magier
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habe die letzten Teile mal gelesen, Kritik und Anregungen (habe das was ich mache jetzt umbenannt, so nach art der Politik, das Gleiche unter anderem Namen neu verkaufen ;) ) werden hier demnächst, oder sagen wir mal, so bald wie möglich reineditiert ;)

edit: ist mir zu dumm, meine Notizen wieder rauszukramen, waren eh in den ganzen Teilen die hiervor waren nur 6 oder 7 Sachen.

Zu viel gaming und lesen von Büchern in der realen Welt hält einen halt vom kritisieren ab ;)
Meine Signatur war 17 Pixel  :ugly: zu hoch, nach einer so langen Zeit...  oO :censored:
Aber was soll man machen :| nun bleibt mir nur noch eins, ich brauch ne neue ;), wer Vorschläge hat, PN an mich oder den Papst  :er-wars:.
Solange :wayne: :frieden:
  19.05.2006, 15:32
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  • Skelett-Krieger
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Stöhnend fuhr der junge Remator sich durch sein blondes Haar und streckte sich. Im schwachen Licht von drei Kerzen lagen vor ihm auf dem schlichten Schreibtisch seines Gemaches die Akten. Bereits die ganze Nacht brütete er über diesen Dokumenten.
Seufzend ließ Aldun seinen Blick durch das schlichte Gemach schweifen, ein Bett, ein Schreibtisch, ein Fenster und ein Regal mit einigen Büchern.
Der Fall des Schmiedes Alonius war völlig paradox, ein ruhiger Mann, Vater dreier Kinder zerstörte das Leben der Tochter seines besten Freundes…
Urplötzlich… Grundlos… Bestialisch…
Überhaupt war diese ganze Geschichte sehr merkwürdig, warum bekam er seine Prüfung von der Göttin persönlich?
Sein Vater hatte gesagt dies wäre ein Zeichen für seine große Begabung und den Wirbel den er damit ausgelöst hatte.
Ein verächtliches Schmunzeln trat auf Alduns blasse Lippen während er von seinem harten Holzstuhl aufstand und auf und ab ging.
Sein ganzes Leben lang sagte ihm nun schon jeder wie begabt er sei, welch große Dinge er tun würde.
In Alduns Augen war Begabung nichts wert, nur der Wille zählte. Jeder konnte große Dinge erreichen wenn er über den Willen dazu verfügte, Begabung war nur die Ausrede von unfähigen Personen um ihr eigenes Unvermögen zu überspielen.
Er seufzte leise, nun hatte er wohl lang genug Pause gemacht, es war an der Zeit sich wieder den Akten zu widmen, morgen würde er den Kerker mit dem Schmied aufsuchen…


6. Der Ruf der Dreizehn

Die Wände des Kerkers glänzten feucht und stanken nach Moder. Hier unten gab es nur selten Gefangene, in einer perfekten Gesellschaft gab es sie offiziell nicht einmal.
Aldun schmunzelte im Licht seiner Öllampe.
Offiziell gab es auch keine Prüfung der vier Schwerter auf Leben und Tod.
Nachdenklich verglich er die von der Feuchtigkeit verwischte Nummer, die er auf einen Zettel geschrieben hatte, mit der auf der Eisentür vor ihm.
Ja, dies war die Zelle in der man den Schmied angekettet hatte.
Ohne weiteres Zögern drückte er die schwere Tür auf und hing seine Laterne an den dafür vorgesehenen Haken neben der Tür.
Überrascht zog Aldun die Brauen hoch als er den Mann im Zwielicht erblickte, Schmied Alonius saß in Ketten gelegt auf dem Boden und starrte ins Leere.
Seufzend sah der junge Remator sich in der Zelle um und nahm schließlich auf einem kleinen, hölzernen Schemel Platz. Er hatte sich Feder, Tinte und Pergament mitgebracht um sein Verhör aufzuzeichnen.
„Ihr seid der Schmied Alonius?“
Die Stimme des Remators war kühl und präzise, hatte jedoch nichts von ihrer Schärfe verloren.
Der Angekettete sah fast gelangweilt auf und hielt Alduns hartem Blick scheinbar mühelos stand.
„Das bin ich in der Tat. Mit wem habe ich das Vergnügen?“
Verwirrt lehnte Aldun sich gegen die kalte Kerkerwand und betrachtete den Mann.
„Nun, mein Name ist Aldun Ar’Aramesh, es ist meine Aufgabe euch zu verhören und heraus zu finden warum ihr die Tochter eures Freundes…“
Aldun blätterte kurz in den Unterlagen nach dem Namen der Ermordeten.
„Angelina… Vergewaltigt und getötet habt.“
Alonius’ Gesicht zeigte offene Verständnislosigkeit.
„Ihr trag eine graue Robe. Ihr seid also ein Remator, Aldun Ar’Aramesh?“
Der Angesprochene schlug die Beine übereinander und trommelte mit seinem Federkiel auf das noch blanke Pergament.
„So der Schöpfer es will werde ich dies bald sein, noch bin ich ein Anwärter. Die Prüfung der vier Schwerter habe ich hinter mir.“
Ruhig nickte der Schmied und rappelte sich auf bis er stand. Er war ein kleiner Mann und konnte dem sitzenden Aldun nun in die Augen blicken.
„Ihr habt sie getötet? Die Gardisten?“
Aldun nickte wortlos.
„Was habt ihr gefühlt als eure Klinge in ihr Fleisch eindrang und ihre Lebenslichter erloschen.“
Zischend sog Aldun Luft ein betrachtete den Mann erbost, in seinen Augen glühte die reine Gier.
„Ich habe nichts gedacht. Es war meine Aufgabe sie zu töten, sie wussten auf was sie sich einließen. Viele Bäume müssen gefällt werden um das Feuer für den Stahl der Klinge anzuheizen.“
Ein grimmiges Lächeln trat auf die Lippen des Schmieds.
„Ist es nicht heuchlerisch wenn die Götter von der Vollkommenheit des Lebens predigen aber gleichzeitig ihre Elite Menschen töten lassen?“
Zornig erhob Aldun sich von seinem Stuhl und trat auf den Mann zu bis sie nur noch einen Schritt von einander entfernt waren.
„Wenn ihr hier ketzerische Reden halten wollt werde ich gehen, den Kerkermeister anweisen und hungern zu lassen und dann wiederkommen. Antwortet auf meine Frage, sagt mir warum ihr dem Mädchen dies angetan habt!“
Das Lächeln auf den Lippen des Schmieds wurde schmierig, fast schon gönnerhaft.
„Aber natürlich werde ich euch das sagen, Remator Ar’Aramesh. Ich wollte es schon immer tun, ihr ihre Unschuld, ihre Würde und ihr Leben nehmen… Ja, ich wollte es schon immer… Aber bis vor kurzem wusste ich nicht was ich wollte.“
Ar’Arameshs eisblaue Augen verengten sich zu Schlitzen.
„Und woher kam diese… Einsicht?“
Der Schmied grinste nun offen bösartig.
„Das werde ich euch zeigen, Remator…“
Bevor Aldun reagieren konnte hatte der Mann ihn schon am Handgelenk gepackt. Irgendetwas hinderte den jungen Remator daran seinen Blick von diesen Augen abzuwenden… Im Licht der Laterne schien es als wären sie gelb wie Schwefel…
Nein…
Sie waren gelb wie Schwefel.

Bilder strömten durch Alduns Geist, Stimmen, Schreie…
Vor ihm ragte ein Berg aus Schädeln auf, der Himmel hinter dem Berg war pechschwarz, eine Sonnenfinsternis beherrschte den Himmel. Dreizehn Gestalten standen um Aldun herum, bizarre Wesen in schwarzen Roben, mit mehr Gliedmaßen als er je an einem lebenden Wesen gesehen hatte. Auf dem Gipfel des Berges stand eine Standarte, die Alduns Blick wie magisch anzog. Auf schwarzem Tuch war graue Hand mit langen Fingern abgebildet, sechs Blitze zeigten auf das Zentrum der Handfläche wo ein schwefelfarbenes Auge pragte.
Panisch sah Aldun sich um, was geschah hier?
Die dreizehn Gestalten musterten ihn aus verborgenen Augen, eine dröhnende Stimme erschütterte den jungen Remator bis in die Tiefen seiner Seele, so viel Hass, so viel Gier, so viel Verlangen nach Folgsamkeit lag darin.
„Unter diesem Banner sollst du ziehen!“
In einer gewaltigen Detonation explodierte die Spitze des Knochenberges und eine Fontaine von Blut schoss in den schwarzen Himmel.

Panisch stolperte Aldun rückwärts, er befand sich wieder in der Zelle, Schmied Alonius lag auf dem Boden des kleinen Raumes, Blut sickerte aus seiner Nase.
Er musste nicht weiter nachsehen um festzustellen dass der Schmied tot war…
Er wusste es einfach.
Was war dies gewesen?
Woher kamen diese Bilder?
Tausend Fragen strömten durch seinen Geist und zum ersten Mal in seinem Leben wusste Aldun Ar’Aramesh dass er die Antwort nicht in einem Buch finden würde…
  20.05.2006, 15:28
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Du hast wie immer klasse geschrieben und ich bin schon saumäßig gespannt was diese Vision zu bedeuten hat. Aber was mit Alduns Vater passier würde mich auch mal interessieren ^^.
  20.05.2006, 20:33
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So... Hier haben wir einen der beiden großen Wendepunkte in Alduns Leben.

In diesem Abschnitt erfahren wir den Ursprung des Namens "Dunkelhand"

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Regen trommelte gegen die gläsernen Wände von Ilemiras Thronsaal, draußen war es stockdunkel, nur ab und zu erhellte ein von Donner begleiteter Blitz die Nacht.
Es war nicht nach Plan verlaufen, Aldun hatte offenbar mehr gefunden als allen lieb sein konnte…
Nun kniete der junge Remator zitternd auf dem Mosaik und berichtete von seiner Vision.
Die junge Göttin wusste nur zu gut was dies bedeutete…
Und es war inakzeptabel.
„Nun, Aldun… Was ich dir nun erzähle ist das geheimste Wissen des Ordens, aber du bist nun ein Remator, denn deine Prüfung hast du erfüllt. Unsere Gesellschaft ist nur durch die Macht der dreizehn Götter so wundervoll… Seit Anbeginn der Zeit unterdrücken wir Gewalt, Neid und Zwietracht in den Seelen der Menschen mit Magie. Vor einigen Jahren haben wir festgestellt dass diese Emotionen Energien formen… Diese Energien wurden durch unser Eingreifen über Jahrhunderte hinweg aus den Fasern der Welt gedrückt. Sie bildeten eine Blase, eine Zyste, jenseits unserer Welt. Nun ist dieses Geschwür des Bösen dabei aufzubrechen, es lässt sein Gift in unsere Welt sickern… Das Gelb in den Augen des Schmiedes, von dem du erzählst, ist das Zeichen dieser Verderbnis. Wir müssen umgehend Maßnahmen ergreifen um dieser Bedrohung Herr zu werden. Soweit wir wissen gibt es einen Wirt dieser Plage, er war der Erste, der infiziert wurde. Und er muss vernichtet werden, zusammen mit allen anderen Infizierten!“
Eine Kaskade von Donner begleitete Ilemiras Worte, als sie geendet hatte erhob sie sich langsam von ihrem Thron und schritt hinab zum noch immer knienden Aldun.
„Es gibt einige wenige Menschen deren Seelen immun gegen die Verderbnis sind. Sie haben die heilige Gabe, einen Schild, der ihre Seele schützt. Dein Vater, Ekalion Ar’Aramesh gehört dazu… Du hast diese Gabe ebenfalls, Aldun… Die Macht deiner Seele ist wahrlich groß und sie wird stark genug sein diese Bedrohung auszulöschen. Ekalion Ar’Aramesh ist alt und bei weitem nicht stark genug um eine solche Treibjagd zu überstehen. Du, Aldun Ar’Aramesh erhältst ab jetzt eine Generalamnestie der Sieben um die Verderben ausfindig zu machen und zu töten. Alle. Töte auch ihre Familien und Freunde, sie könnten bereits infiziert sein. Ich weiß welch schwere Bürde dies für einen so jungen Mann wie dich ist, aber ich weiß niemanden, der besser dazu geeignet wäre.“
Wortlos sah Aldun auf und richtete seinen harten, kalten Blick auf Ilemira. Der Göttin war als würde er etwas sehen, dass allen anderen verborgen war, als wüsste er genau wie falsch, wie ketzerisch ihr Befehl gewesen war… Ein kalter Schauer kroch über den Rücken der Göttin.
Nein, dass war nicht möglich.
Noch einmal erzitterten die Fenster des Saales unter einem Donnerschlag.
„Wirst du diesen Befehl für deine Göttin ausführen? Imethael muss von dieser Plage gesäubert werden, die Heiligkeit dieser Welt darf nicht durch solch einen Makel besudelt werden!“
Aldun erhob sich langsam und sah Ilemira lange in die Augen.
„Was ihr von mir verlangt ist gegen jeden Eid, jedes Gebot, die ich einzuhalten geschworen habe. Ich werde dies nicht für die Welt, nicht für mich, nicht für die Menschen tun. Ich werde es für euch tun, meine Göttin.“
Ilemira war als hätte er sie geohrfeigt… Ein leichtes Taumeln durchlief sie.
Das durfte er nicht tun, warum sagte er so etwas?!
Den Menschen war es verboten Götter zu lieben!
Statt zu einer Tirade der Belehrung anzusetzen nickte sie nur stumm.
„Du bist entlassen… Aldun… Ab morgen wirst du Zugriff auf alles erhalten was du zur Verfolgung der Verderbten brauchst… “
  21.05.2006, 13:18
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Naja Ilemira muss ja nicht gleich schlussfolgern dass er sie liebt sondern dass er den Göttern treu ergeben ist aber ansonsten wirklich gut. Kann mir jetzt so ziemlich denken was mit Alduns Vater passiert.  :ugly:
  21.05.2006, 18:37
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Nunja, Ilemira schlussfolgert hauptsächlich so weil sie seit geraumer Zeit in Aldun verliebt ist ^^ Sie hat also in Alduns Worten ihre eigenen Emotionen gesehen, und lag damit zufällig richtig...

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7. Auf der Suche

Die Menschenmenge teilte sich um Aldun auf seinem weißen Schlachtross. Das Tier war ebenso wie er in eine rauchgraue Plattenrüstung gekleidet, die Rüstung der Rematoren. Doch wo all die anderen Rematoren einen Umhang weiß wie Schnee trugen hing um seine breiten Schultern ein pechschwarzer.
Es erschien ihm passend in Anbetracht seiner Mission. Er hatte alles erreicht was er immer wollte… War ein Remator geworden, hatte es weit gebracht in den letzten Jahren… Vier Jahre waren nun vergangen seit er das Schwert ergriffen hatte…
Den Kampf aufgenommen hatte…
Das Volk nannte ihn hinter seinem Rücken die dunkle Hand des weißen Turmes…
Wie ironisch…
Alle hassten sie ihn, alle fürchteten sie ihn weil er ihnen ihre Liebsten nahm im Dienste einer höheren Sache.
Seufzend fuhr Aldun sich mit seinen Fingern durchs Haar.
Eine höhere Sache…
Wie ein Narr führte er sich auf…
Ein blinder, verliebter Narr…
Ilemira wusste um seine Gefühle, schon lange, da war er sich sicher… Aber sie mied ihn seit Jahren schon, ließ ihm Befehle über Dritte zukommen und umgab sich mit immer neuen Höflingen. Wenn sie sich dann doch gegenüberstanden war sie stehts übertrieben hart und abweisend…
Nun ritt er wieder hier, unterwegs eine Seele zu erlösen.
Er konnte fühlen wie sich die Mensche nach ihm umdrehten… Über ihn flüsterten…
Zornig verkrampften sich seine Hände um die Zügel.
Es war lange zu spät um schwach zu werden, sie würden den Sinn seiner Taten begreifen...
Irgendwann…
Sein Ziel ließ ihn aus seinen Gedanken aufschrecken, dass weiße Anwesen eines Händlers, an der Ecke des Tramis-Platzes.
Aldun stieg von seinem Pferd und band es an einer der öffentlichen Tränken auf dem Platz an bevor er zügigen Schrittes zur prächtigen Vordertür des Anwesens schritt.
Die Menschen auf dem Platz wichen ihm nun fast schon panisch aus, jeder kannte ihn und seinen harten Blick, den schwarzen Umhang. Und nicht zuletzt das Schwert.
Mit dieser Waffe hatte er seine Prüfung der Vier Schwerter bestanden,
Mit dieser Waffe hatte er die ersten Familien in Imethael ausgelöscht…
Und in die Klinge dieses mächtigen Zweihänders hatte er für jeden Toten eine Kerbe Geschliffen, es waren zweihundertachtunddreißig.
Und durch die gleiche Klinge hatte er sich für jeden von ihnen Wunden auf dem eigenen Körper zugefügt, sein ganzer, nicht sichtbarer Leib wurde von ihnen entstellt.
Er empfand dies als den mindesten Akt der Buße…
Mittlerweile war er vor dem gewaltigen Portal angekommen. Hierher hatte ihn die Sandschale im Turm der Rematoren geführt…
Hier gab es ein schwarzes Sandkorn.
Energisch zerrte Aldun seine Panzerhandschuhe aus dem Gürtel und zog sie sich über.
Es war Zeit…
Donnernd klopfte Aldun gegen die reich verzierte Tür.
Heute würde er ihnen den Tod bringen…
Eine leise zeternde Stimme war von jenseits der Türe zu hören, Riegel wurden beiseite geschoben.
Alle mussten sie gereinigt werden…
Die alte Frau kniff die Augen zusammen, als sie ihn musterte.
„Mhm, ich kenne euch… Ich weiß nur nicht woher…“
Aldun nickte stumm, griff in seine Gürteltasche und zog einen weißen Klumpen aus geschmeidigem Wachs hervor. In einer routinierten Geste drückte er den Klumpen auf den noch geschlossenen Flügel der Tür. Aus einer anderen Tasche seines Gürtels zog er ein gusseisernes Siegel und drückte es ins Wachs.
Misstrauisch trat die offensichtlich schlecht sehende alte näher und musterte das Siegel.
Zunächst war in ihren Augen nur Unverständnis und Ärger zu lesen, doch dann weiteten sie sich vor Schreck.
Das Siegel zeigte eine Hand mit langen, klauenartigen Nägeln. Sechs, um die Hand herum verteilte, Blitze zeigten auf die Handfläche wo ein Auge pragte.
Es war das Symbol aus seiner Vision… Die Vision mit der er seinen heiligen Weg begonnen hatte.
„Mhm… Meister Ar’Aramesh! Ich bitte euch! Verschont unser Haus!“
Der Blick des jungen Remators hätte Steine zersplittern lassen können. So viel Leid und Härte stand in ihnen.
„Es tut mir leid, aber ich kann nicht… Wie viele Personen leben hier?“
Sein erster Schritt nach Annahme der Mission war es gewesen nicht nur den Hafen von Imethael abzuriegeln sondern auch die Stadt selbst. Seit nun mehr vier Jahren säuberte er die gigantische Stadt von der Verderbnis…
Dies war das letzte schwarze Korn in der Sandschale.
Der zahnlose Mund der alten Frau klappte hilflos auf und zu. Dann resignierte sie unter Alduns stechendem Blick.
„Vier… Mein Sohn, meine Schwiegertochter, meine Enkelin und ich.“
Wortlos nickte Aldun.
„Lasst mich nun hinein und schließt die Tür… Ihr wisst dass Widerstand zwecklos ist.“
Die Alte fügte sich mit Tränen in den Augen.
Seit er vor zwei Jahren einen Verderbten erbarmungslos zu Tode gehetzt hatte wusste jeder dass man der dunklen Hand nicht entkommen konnte…
Die Eingangshalle des Anwesens war ein hoher Raum mit einer opulenten Treppe aus dunklem Holz, Bilder von Ahnen der Familie zierten die Wände während der Boden mit erlesenen Teppichen bedeckt war.
Das Sirren von Alduns Zweihänder, der aus der Scheide gezogen wurde durchbrach die angespannte Stille. Die Alte hatte damit begonnen leise zu weinen und zu schluchzen, sie hielt sich ihren Schal vor die Augen gepresst.
„Im Namen der Dreizehn Götter vergebe ich dir all deine Verfehlungen und bitte den Schöpfer um Gnade für deine Seele, die dem großen Ganzen geopfert werden muss.“
Wie ihn diese Worte jedes Mal schmerzten…
Es war als wäre diese Litanei für immer in sein Herz, in sein Fleisch, seine Seele gebrannt.
Ohne weitere Worte riss er die schwere Klinge seines Schwertes herum und enthauptete die alte Frau mit einem einzigen Hieb.
Ein schneller, schmerzloser Tod…
Alle Familienmitglieder waren im Haus… Er konnte sie spüren…
Alduns Bewegungen glitten denen eines Raubtieres, als er die Treppe hinauf schritt.
Unter den zornigen Blicken der Ahnen um ihn herum öffnete der junge Remator die Tür zum Speisesaal.
Die Familie saß versammelt an einer reich gedeckten Tafel…
Frau und Tochter des Hauses blicken ihn überrascht an während ihm aus den Augen des Hausherrn blanker, gelber Hass entgegenloderte.
Die Litanei der Erlösung auf den Lippen machte Aldun einen gewaltigen Satz über den Tisch hinweg und teilte den Körper des sich erhebenden Verderbten an der Taille in zwei Teile.

Die Schreie der beiden Frauen klangen noch in den gepeinigten Ohren des jungen Remators wieder während er die Klinge seines Schwertes am Tischtuch säuberte.
Ein Seufzer der Erleichterung entfuhr Alduns Brust.
Dies waren die Letzen in der Stadt gewesen…
Sie war nun gesäubert…
Im Umland gab es sicher nicht so viele Verderbte…
Seine eigene Erlösung stand bevor.
  21.05.2006, 18:47
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Hilfe, meine beiden Leser sind verschollen... :D

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8. Der Lohn für die gerechte Tat

„Es ist völlig inakzeptabel was dieser Mensch da tut!“
Gott Imanal schritt zornig vor der mit verschränkten Armen dastehenden Ilemira auf und ab.
„Er tötet sie! Er tötet sie im Namen des Schöpfers, Ilemira! Er besudelt uns und den Schöpfer damit!“
Betont langsam schritt die schöne Göttin auf Imanal zu und funkelte ihn zornig an.
„Aldun Ar’Aramesh hat sein Leben, seine Loyalität, die Unversehrtheit seiner Seele für die Sache des Schöpfers geopfert! Er handelt entgegen seiner eigenen Überzeugung, nur um uns zu dienen! Dass nennst du Besudeln!? Wage es nicht noch einmal in meiner Gegenwart über Aldun Ar’Aramesh zu urteilen, Imanal, auch meine Freundlichkeit kennt ihre Grenzen! Du bist doch blind vor Eifersucht, verrennst dich in sinnlose Hoffnungen! Wir werden nie ein Paar sein, hörst du! Nie!“
Fast hätte Ilemira sich auf die Zunge gebissen.
Zum ersten Mal hatte sie die Dinge Imanal gegenüber so auf den Punkt gebracht.
Die blauen Augen des blonden Gottes wirkten stumpf und leer als er sie musterte.
„Ich denke es ist besser ich gehe nun. Deinen Standpunkt hast du ja nun klar gemacht.“
Ohne weitere Worte verließ der Gott den verglasten Thronsaal.
Ilemira seufzte leise und schlang die Arme um sich.
Sie hätte nicht so direkt zu Imanal sein dürfen… Im Grunde hatte er ja Recht, Alduns Handlungen waren bedenklich geworden.
Allein schon sein selbst gewähltes Siegel…
Es war auch auf dem Banner in seiner Vision zu sehen gewesen.
Er selbst behauptete immer es handle sich um die Hand des Schöpfers wie sie auch auf dem Mosaik im Thronsaal zu sehen war.
Zornig über ihre eigenen Gedanken schüttelte sie den Kopf.
Aldun Ar’Aramesh war der treuste Diener, den sich eine Göttin nur wünschen konnte…
Und mehr…
Erneut seufzte die Göttin leise und begann auf und ab zu gehen.
Stehts fühlte sie ein penetrantes Stechen in der Gegend ihres Herzens wenn sie an diese, starken, überzeugenden Augen dachte…
Es war so ungerecht…
Es gab keinen Menschen, der göttlicher war als Aldun Ar’Aramesh…
Warum war es dann nicht rechtens?
Überrascht fuhr Ilemira aus ihrem Selbstmitleid auf als sich die Türe zum Thronsaal öffnete.
Ihr Herz machte einen Hüpfer als Aldun Ar’Aramesh in seiner rauchgrauen Rüstung herein schritt.
Auf seinem Rücken trug er dieses gekerbte Schwert…
Sie kannte die Gerüchte darüber…
Ein scheußliches Ding.
Der Remator sank einige Schritt vor ihr auf die Knie und schlug seine rechte, gepanzerte Hand aufs Herz.
„Meine Göttin. Ich melde hiermit dass die Säuberung der Stadt beendet ist. Imethael ist nun so unbefleckt wie es der Schöpfer vorgesehen hat.“
Die Trauer in ihrem Herzen wich Freude, dies waren gute Nachrichten.
„Exzellent, Aldun. Nun da die Stadt sicher ist können wir uns dem Umland zuwenden. Wie du weißt leben dort nicht so viele Menschen wie in der Stadt.“
Zornig biss sich die schöne Göttin auf die Lippen, sie hatte ihm noch nicht von ihren Plänen erzählt.
„Es gibt allerdings ein Problem.“
Aldun sah überrascht auf, in seinen Augen stand ehrliche Sorge.
„Ein Problem, oh Göttin?“
Sie nickte stumm und begann wieder auf und ab zu gehen.
„Ich habe die Schale zu Rate gezogen. Das Umland ist seltsam unberührt… Bis auf eine Stadt. Almovar. Dort befindet sich der Wirt, nun, er muss dort sein, denn die Welt ist bis auf Almovar rein. Du wirst sie alle erlösen müssen, Aldun.“
Die Augen des jungen Mannes weiteten sich vor Schreck.
„Die ganze Stadt?! Eine ganze Stadt!? Frauen, Kinder, Greise!? Was verlangt ihr da von mir! Wisst ihr was dies für mich bedeutet?!“
In seinem Zorn erhob Aldun sich von den Knien und schritt zu Ilemira heran, sie blickte niedergeschlagen zu Boden.
„Ich… Ich weiß, Aldun. Ich weiß wie schwer es für dich ist… Ich weiß was die Menschen über dich sagen… Aber ich weiß dass sie Unrecht haben.“
Zögerlich sah sie auf und blickte ihn aus ihren tränenerfüllten Augen an.
„Ich weiß wie es dich quält… Und dass du all dies nur meinetwegen tust. Und warum…“
Aldun starrte nun seinerseits zu Boden.
„Ihr wisst es…?“
Sie nickte stumm und schloss zögerlich ihre Arme um seine gepanzerten Schultern.
„Egal was unsere Wünsche sind, Aldun. Das Gesetz bindet uns beide. Ich bin eine Göttin, dass Wohl des Volkes muss für mich allzeit über dem eines Einzelnen stehen. Egal wer es ist…“
Ihre Stimme war leise und brüchig.
„… Und was ich für ihn empfinde.“
Zornig nickte Aldun und schloss die, im Vergleich zu ihm zierlich wirkende, Göttin in die Arme.
„Und wenn ich meinen Auftrag erfüllt habe? Wenn ich sie alle geläutert habe? Wenn der Wirt tot ist?“
Überrascht löste sie sich von ihm und blickte ihn aus ihren tränenfeuchten Augen an.
„Aber… Du willst das doch nicht… Wir müssten unser… Verhältnis… geheim halten. Mehr könnten wir auch nie haben… Die Gesetze…“
Aldun tat einen energischen Schritt rückwärts und schlug sich zornig mit der rechten Hand auf die Brust.
„Ich musste über Jahre hinweg Richter, Henker und Priester für diese armen Menschen sein! Ich tat dies nur um deinen Willen zu erfüllen, dem Volk zu dienen wie du es tust. Und es hat mich erfüllt deine Wünsche auszuführen. Ich werde jetzt nicht vor diesen paar Morden zurückschrecken wenn ich dich danach so lieben kann wie ich es möchte. Gleich ob die Menschen es wissen dürfen oder nicht.“
Ein mattes Schmunzeln trat auf ihre Lippen.
„Pass auf dich auf, Liebster…“
  23.05.2006, 15:20
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Also als erstes....Ich bin nich verschwunden  :ugly:
Auserdem glaube ich dass noch mehr den Text hier lesen aber nichts posten.
Zum Text muss ich sagen dass die Gewissensbisse bei Aldun sehr gut rausgekommen sind(in beiden Texten). Und es freut mich dass endlich beide wissen dass sie sich lieben.
  23.05.2006, 20:29
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Mhm, hier ein weiter Trittstein auf Alduns Weg in den Wahnsinn.

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9. Die große Säuberung

Das Schlachtross von Kommandant Ezkash trampelte unruhig hin und her, dass Tier schien zu fühlen was bevorstand.
In all den Jahren in denen er nun schon die Wachen von Imethael kommandierte war er nie gezwungen worden bei einer so schrecklichen Tat zu helfen.
Es war ehrlos…
Aber die Zeiten hatten sich geändert, jetzt führte die dunkle Hand das Kommando.
Verächtlich musterte der Soldat den Remator beim Inspizieren der Formation. Die mitgebrachte Kavallerie sollte die im Tal vor ihnen liegende Stadt Almovar umstellen während Ar’Aramesh die „Säuberung“, wie er es nannte, vollzog.
Für Ezkash und seine Männer war dies schlicht Mord.
Es konnte nie heilig und rechtens sein Frauen und Kinder abzuschlachten.
Aber die Götter sahen das mittlerweile wohl anders.
Wortlos gab der blonde Ramator dessen nachtschwarzer Umhang im Wind peitschte das Zeichen.
Die Reiter schwärmten aus und begannen um die Stadt zu kreisen während er selbst sein Pferd herum riss und in die verlassen wirkende Siedlung ritt.

Beißender Gestank trieb Aldun die Tränen in die Augen während er im Schritttempo durch die Straßen ritt. Almovar war leer und ruhig, alle Tiere in der Stadt waren tot, Vögel, Kühe, Hunde und Katzen lagen faulend auf der Straße.
Was war hier geschehen?
Hatte die Verderbnis bereits von diesen guten Menschen Besitz ergriffen und sie zu wahnsinnigen Bestien gemacht?
Plötzlich blieb sein Schlachtross wie angewurzelt stehen, auf Schenkeldruck reagierte das Tier nicht.
Mit gerunzelter Stirn stieg der Remator aus dem mit Silber beschlagenen Sattel und ging vor das Pferd.
Die Augen des Tieres glühten Gelb, Schaum stand ihm vor den Nüstern.
Überraschend schnell bäumte sich das gepanzerte Tier auf und drohte Alduns Kopf mit seinen Hufen zu zertrümmern.
Aldun schmunzelte.
Keine Kreatur der Verderbnis konnte je schneller oder stärker sein als ein Remator im Dienste der gerechten Sache!
Blitzschnell riss Aldun seinen mächtigen Zweihänder heraus und trieb ihn in durch die Panzerung in den Hals des rasenden Tieres.
Ebenso schnell wie es zum Angriff übergegangen war sackte das Schlachtross nun tot zusammen.
Leise fluchend machte Aldun sich zu Fuß wieder auf den Weg, dass Schwert behielt er in der Hand.
Ohne zu wissen wohin er zu gehen hatte fand er seinen Weg ins Zentrum der Stadt, der große Platz an dem ein marmorner Tempel der Dreizehn stand war ebenso verlassen wie die Stadt selbst.
„Willkommen Aldun, willkommen in dieser großen Stunde. Ich wusste dass du im Moment des Triumphes bei mir sein würdest.“
Panisch fuhr der junge Remator herum und hielt sein Schwert mit beiden Händen senkrecht vor sich.
Woher kam diese Stimme?
„Zeigt euch! Sofort!“
Ein kehliges Lachen erklang auf dem Platz und wurde von den Häuserfassaden zurückgeworfen.
„Hier oben.“
Verwirrt richtete Aldun seinen Blick auf das Kuppeldach des Tempels. Dort oben stand der Mann, der gesprochen hatte. Er trug eine weite, wallende Robe aus schwarzem Stoff, sie umflatterte seinen dürren Körper im aufkommenden Wind. Das Haar des Mannes war ebenso schwarz wie die Robe und wirkte lang und fadenscheinig.
„Wer seid ihr! Wo sind die Bewohner der Stadt!“
Voller Zorn eilte der junge Remator über den Platz vor das mächtige Portal des Tempels wobei sein pechschwarzer Umhang wild im Wind flatterte.
„Sie sind hier… Bei uns…“
Ein dumpfes Murmeln ließ den Platz erzittern, überrascht sah Aldun zurück.
Nein, kein Murmeln… Ein Stampfen…
In mehr oder weniger geordnetem Gleichschritt marschierten schmutzige Gestalten durch die zum Platz führenden Gassen. Ihre Gesichter waren hohlwangig, ihre Augen gelb wie Schwefel und voller Bösartigkeit.
„Ihr seid der Wirt, nicht wahr!“
Alduns Stimme war zu einem zornigen Fauchen geworden.
Beim kehligen Lachen des Mannes richteten sich die Nackenhaare des jungen Remators auf und er verstärkte den Griff um sein Schwert.
„Ich bin weit mehr, junger Remator… Ich bin der Bote des Schattens, die Hand einer höheren Macht!“
Bei diesen Worten riss der Meister der Verderbten seine klauenartigen Hände in die Luft, quellende Gewitterwolken hatten sich am Himmel gebildet.
„Nun, Aldun Ar’Aramesh, werden du und ich prüfen wie loyal du zu deinen Göttern und deinem Schöpfer stehst… Wie weit du für sie gehst…“
Donnernd schlugen sechs Blitze in der Stadt ein, setzten die Häuser an den Straßen in Brand und ließen sie einsperren.
Wie ein eingesperrtes Tier sah Aldun sich um, die Verderbten waren alle auf dem Platz, hatten einen Kreis um ihn gebildet.
Alle Straßen waren durch brennende Trümmer versperrt, es gab kein Entkommen für sie!
Ein hämisches Grinsen trat auf Alduns Lippen.
„Führst du deine Soldaten zur Schlachtbank, Puppenspieler? Ich bin ein Remator, nichts was du ins Feld führst kann mich zu Fall bringen!“
Das Grinsen auf den blassen Lippen des Mannes drohte Alduns Blut gefrieren zu lassen, so berechnend und kalt war es.
„Ist das so, oh großer Remator? Was ist wenn ich diese Menschen von der Verderbnis befreie? Und was ist wenn ich dir sage dass ich die Seele von allen überlebenden in fünf Minuten vernichten werde. Dein Schöpfer wird sie nicht schützen können, auch deine Götter nicht.“
Aldun schluckte.
Der Verlust der eigenen Seele…
War dies möglich? Die Seele war ein Stück des Schöpfers, das jedem Menschen innewohnte… Konnte es zerstört werden?
Wie zur Antwort schlugen weitere Blitze in der Stadt ein.
„Dann tue, wozu du gekommen bist, Remator…“
Das letzte Wort des dunklen Fremden bohrte sich in Alduns Verstand wie ein glühender Speer.
Remator, Hüter des Wissens und Beschützer der Welt.
Zu jedem Preis.
Ungewissheit führte zu Vernichtung.
Unsicherheit zum Tod.
Zornig verstärkte er seinen gepanzerten Griff um den gekerbten Zweihänder.
Er wusste was zu tun war.
Während um ihn herum gelbe Lichter erloschen und Platz machten für verwirrte Blicke murmelte Aldun leise vor sich hin.
„Möge der Schöpfer mir diese blutige Tat verzeihen, Möge meine Seele Gnade erfahren für das Anrecht dass ich diesen Menschen zu teil werden lasse. Mögen ihre Seelen Ruhe finden in der sanften Umarmung des Todes anstatt der Zerstörung anheim zu fallen.“
Prasselnde Regen setzte ein während Aldun, schnell wie die herabzuckenden Blitze, durch die schreiende Menschenmenge pflügte, Leben um Leben erlöschen ließ.
Blut bedeckte den Platz, vermischte sich mit dem Regen und den bittren Tränen des Remators.
Nach wenigen Minuten war alles still, mit einem leisen Seufzen sankt Aldun auf die Knie und stützte sich auf sein Schwert. Seine rauchgraue Rüstung war von Kopf bis Fuß mit Blut bespritzt, sein sonst so geordnetes, blondes Haar hing ihm nun wild ins Gesicht.
Das schnarrende Geräusch des Lachenden Fremden ließ ihn aufblicken.
Wie konnte dieser Wurm es wagen!
„Beeindruckend. Sehr beeindruckend. Du nimmst deine Pflicht sehr ernst, eine gute Eigenschaft für einen Remator. Du hast absolut logisch gehandelt, du konntest nicht wissen ob ich ihre Seelen zerstören kann oder nicht, sie vorher zu töten war die rationalste Lösung.“
Die Spitze des blutigen Zweihänders kratzte über den Boden als Aldun sich erhob und langsam damit begann seinen Umhang zu lösen.
„Aber du hättest glauben können, Remator.“
Aldun erstarrte mitten in der Bewegung.
Ein Stück des Schöpfers in jedem Menschen…
„Was bist du denn für ein Remator, der du bereit bist zu glauben dass ein Stück des Schöpfers selbst gewaltsam von einem Diener der Schatten zerstört werden könnte? Du glaubst nicht, Aldun Ar’Aramesh, und dies ist dein Fehler.“
Wie vom Blitz getroffen starrte der blutbesudelte Remator ins Leere.
Sie waren gestorben, von seiner Hand und durch seine Torheit.
„Dafür wirst du bezahlen, Bastard…“
Die Stimme des jungen Remators troff vor Hass als er die Hand ohne Schwert auf den Mann richtete.
Magie anzuwenden war den Rematoren zwar gestattet, galt aber als unehrenhaft.
Als hätte Ehre jetzt noch eine Bedeutung für ihn, alles was er wollte war Vergeltung zu üben…
Die lachende Gestalt des Schwarzmagiers erstarrte als wäre sie zu Stein erstarrt.
Nur mit der Kraft seines Willens hielt Aldun den Mann in unsichtbaren Fesseln und hob ihn vom Tempeldach.
Dieser Mann sollte nicht durch seine Hand sterben…
  23.05.2006, 20:52
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Nach all den Jahren sind Vater und Sohn wieder glücklich vereint(  :ironie: )
Freue mich schon auf den Kampf zwischen den beiden :ugly:
  23.05.2006, 21:08
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So, da ich ab morgen mehr oder weniger abwesend (Zwei Wochen Urlaub) bin hier mal das vorerst letzte Kapitel.

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10. Das Auge des Schöpfers

Das flackernde Licht der schneeweißen Kerzen, die in dem ganzen kargen Raum verteilt standen warf ein blässliches Licht auf Alduns blasse Haut.
Weihrauch schwängerte die Luft.
Bis auf eine Hose aus grobem Leinen war der Remator nackt und kniete auf dem steinernen Boden und hatte die Hände zum Gebet vor der Brust verschränkt.
Vierhundertfünfundzwanzig.
Die Kerzen begannen heftiger zu flackern und ließen die blassen Narben auf dem kräftigen Körper der Remators tanzen.
Vierhundertfünfundzwanzig Unschuldige Seelen.
Ruhig öffnete Aldun die Augen und ergriff das vor ihm auf dem Tisch liegende Schwert.
Langsam und gemächlich ging er zu Werke, schnitt sich in die Arme, die Brust, den Rücken.
Vierhundertfünfundzwanzig blutende Schnitte.
Ohne zu schwanken begann er wieder zu beten, bat den Schöpfer um Vergebung für seine Taten.
Er wird dir nicht vergeben!
Überrascht schlug Aldun die Augen auf, die Kerzen im Raum flackerten unruhig.
„Wer ist da?“
Seine Stimme glich einem Fauchen, wer wagte diese Ketzerischen Reden in seinem Gemach zu schwingen?
Suchen blickte er sich im Raum um.
Aber da war niemand…

Ilemira schritt gedankenverloren zwischen ihren Gardisten über den großen Platz im Herzen von Imethael. Neben ihr schritt Aldun Ar’Aramesh,
jener Mann dem die Mengen an diesem Tag zujubelten hatten sie ihn gestern noch verflucht,
jener Mann der es als erster geschafft hatte ihr Herz zu erobern,
jener Mann der als größter Remator aller Zeiten galt.
Und dennoch war sie nicht fröhlich und musste sich zu einer feierlichen Miene zwingen.
Aldun hatte ihr unter Tränen von den Ereignissen in Almovar erzählt, sie wusste nur zu gut wie verletzlich die Seele dieses starken Mannes im Laufe der Zeit geworden war… Sie hatte die Narben gesehen und gewusst woher sie stammten, denn ein Remator trug keine Wunden im Kampf davon.
Dies waren die sichtbar gemachten Narben in der Seele Aldun Ar’Arameshs.
Den Anführer der Verderbten, den Aldun in Almovar gefangen genommen hatte brachte man in diesem Moment zum Auge des Schöpfers, jenem heiligen Ort zu dem sie nun auch unterwegs war.
Seufzend musterte sie Aldun, er trug heute die schlichte, weiße Robe eines Weisen, nach seiner Rückkehr hatte ihm der Orden der Rematoren diesen Titel verliehen obwohl er eigentlich viel zu jung dafür war.
„Bist du glücklich, Liebster?“
Sie musste ihm die Frage zuflüstern, niemand durfte von ihrer Liebe erfahren, die Gesellschaft würde dies nicht billigen.
Er nickte kaum merklich.
„In deiner Nähe zu sein ist mir das höchste Glück.“
Sie musste unweigerlich lächeln, diese Selbstaufopferung war typisch für ihn.
Vor ihnen ragte nun das Auge des Schöpfers auf.
Es handelte sich hierbei um eine Art Pavillon aus Marmor, gestützt von dreizehn prächtigen Säulen. Doch statt eines Daches verfügte das Bauwerk über eine gewaltige Glaskuppel, die im Licht der Mittagssonne funkelte.
Da konnte sie auch schon die schwarze Gestalt erkennen, die man an den Marmorpfahl im Zentrum der Säulen gekettet hatte.
Die Ketten waren aus heiligem Silber, einem Material aus dem sich kein Schattengünstling würde befreien können. Noch dazu wäre es töricht hier in einer Hochburg des Lichtes Gegenwehr zu leisten.
Zwischen den Säulen konnte sie weitere Gestalten in Weiß ausmachen, die anderen Götter waren also schon eingetroffen…
Alle dreizehn waren sie bekommen um diesem denkwürdigen Tag beizuwohnen, dies war der Tag an dem das Licht über die Verderbnis des Schattens siegen würde.
Die Jubelrufe der Menge verstummten als sie den Pavillon erreichten und Aldun ins Zentrum schritt, begann um den Angeketteten zu kreisen wie ein Raubtier um seine Beute.
„Oh hohe Götter, oh Fürsten und Gelehrte von Imethael, oh ihr frommen Bürger unseres heiligen Reiches.“
Die überraschend emotionalen Worte des Remators hallten auf magische Weise verstärkt über den ganzen Platz, dies war eine weitere nützliche Eigenschaft des Auges.
„Lang und schwer war der Weg, den ich gehen musste. Viele von euch haben Freunde oder Verwandte durch meine Hand verloren, haben unter diesem Verlust gelitten. Ich weiß dass mir letztlich nur der Schöpfer selbst vergeben kann, dennoch bitte ich euch um Gnade und darum euch den Mann anzusehen dessen Schuld all dies ist. Hier in unserer heiligen Stadt im Mittelpunkt unseres vom Schöpfer gesegneten Reiches liegt er in Ketten und wird in wenigen Minuten unter dem Blick des allmächtigen in Flammen aufgehen!“
Bei den letzten Worten riss er die Arme in die Höhe und ein Jubelsturm brandete über den prächtigen Platz.
Ein kaltes Kribbeln kroch Ilemiras Rücken herab, die Menschen liebten ihn, ihren tragischen Helden der ihnen heute die Macht des Schöpfers vor Augen hielt, die sie sonst nur aus Texten kannten. Unweigerlich musste sie lächeln, dass die Rasse der Menschen im Stande war Wesen wie Aldun Ar’Aramesh hervorzubringen zeugte wahrlich von der Allmacht des Schöpfers.
Ein hässlicher Laut trübte ihre Euphorie, suchend blickte sie sich um.
Der Ankettete hatte sich aufgerichtet und stand Aldun nun gegenüber.
Obwohl es sich um seine Hinrichtung handelte stand er aufrecht als wäre es seine Siegesfeier.
„Oh ihr Narren, oh ihr Schwächlinge… Ihr glaubt gewonnen zu haben? Tut dies, aber ich weiß es besser… Mein Tod ist erst der Anfang, meine Herren kennen euch besser als ihr selbst es tut, sie kennen eure Gier, eure unterdrückten Wünsche und Triebe! Im Herzen sind wir alle gleich, nicht wahr mein Sohn?“
Panisch riss Ilemira die Augen auf, erst jetzt erkannte sie den Mann wieder, Zeit und Gefangenschaft hatten sein Aussehen deformiert.
Das durfte nicht sein!
Erregtes Murmeln ging durch die Menschenmenge.
Alduns musterte seinen Vater kalt und abschätzend bevor er erneut die Stimme erhob.
„Es ist gleich wer dieser Mann war… Ich habe lang genug Familien zerstört um zu wissen dass es für die Verderbten keine Hoffnung mehr gibt, besonders nicht für diesen. Um eine vollkommene Gesellschaft zu erschaffen müssen wir alles Unvollkommene entfernen. Dies schließt auch meine Familie mit ein.“
Erst schwiegen die Massen, dann brachen sie in Jubel aus, lauter als je zuvor, schrieen Alduns Namen.
Ilemira stand als eine der Wenigen nah genug um die leisen Worte zu hören, die der Verderbte seinem Sohn zuflüsterte.
„Du machst mich stolz, mein Sohn.“
Bevor der Remator etwas erwidern konnte schob sich die Sonne über den Rand des Auges und fiel durch die Linse, der Verderbte ging schlagartig in einer schwefelfarbenen Feuersäule auf.
Was sollten diese Worte bedeuten? Nur das letzte Aufbäumen eines Wahnsinnigen oder mehr?
Sie wusste es nicht und in dem Moment als Aldun lächelnd auf sie zukam war es ihr auch gleichgültig…

  24.05.2006, 23:06
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