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Thema: [Vollendet] Remator [Vorgeschichte zu Sarfenon]  (Gelesen 27781 mal)

  • Skelett-Magier
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Ach wie süß, die Rosarote Brille! ;)

Ansonsten ein wundervolles zurschaustellen, von langsamen Schritten, die alle in nur die eine Richtung verlaufen.

Bis sie dann schließlich zu dem uns ja bekannten Ziel führen werden ;)

Ach ja, es ist auf jeden Fall ratsam, das ganze auf Rechtschreibung zu korrigieren.
Bei dir fallen einzelne Fehler schon richtig auf, da sie ziehmlich selten sind.

Auch könntest du du den Kampf, seine Schuldgefühle, seinen Hass in der Stadt ausführlicher länger beschreiben.
Dann könnte sich die Erkenntnis dem Leser so richtig schön ins Fleisch brennen.

Das gleiche gilt auch für die Familie in der Hauptstadt.

Genauso gut könntest du, während des Verhörs nochmehr, auch später wenn Ezkash über ihn nachdenkt, noch einmal auf die "perfekte" Welt eingehen.
Dieses Paradoxon der perfekten Welt ist, mit unterdrückter Liebe, usw. sollte wesentlich besser zum Vorschein kommen.

insgesamt kann man sagen, das der ganze Text einfach etwas zu schnell ist, von der Rechtschreibung, vom Inhalt, vlt. sogar vom Stil her.

Soll nicht heißen, das diese Teile schlecht waren, du hast aber auch schon bessere gesschrieben, wenn du verstehst was ich meine. :|
Meine Signatur war 17 Pixel  :ugly: zu hoch, nach einer so langen Zeit...  oO :censored:
Aber was soll man machen :| nun bleibt mir nur noch eins, ich brauch ne neue ;), wer Vorschläge hat, PN an mich oder den Papst  :er-wars:.
Solange :wayne: :frieden:
  27.05.2006, 00:30
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  • Skelett-Krieger
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Jo, ich verstehe durchaus was du meinst, ich neige immer dazu die Erstfassungen etwas zu hudlig anzufertigen.

Ich bin nun aus dem Urlaub zurück und habe einige Ideen entwickelt.

-Remator wird ausgedehnt auf drei Abschnitte á 13 Kapitel und soll(te) etwa die selbe Länge wie Sarfenon erreichen

-In den nächsten zwei Titeln wird der Verlauf des großen Krieges, Alduns Weg ins eisige Exil und die Schöpfung der dreizehn wahren Klingen näher erklärt werden.

-Es wird eine Fortsetzung von Sarfenon geben

Mal sehen wie ich lustig bin, vielleicht schreibe ich heute noch was...
  05.06.2006, 16:58
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  • Reisender
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Juhu du bist wieder da! Endlich macht das Forum wieder Sinn  :ugly:.
Hoffentlich schreibste gleich bei der Geschichte weiter ^^
  06.06.2006, 00:27
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  • Knochenfürst
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Hm, wenn du dein Ziel mal nicht zu hoch gesteckt hast, Exterminas, Auslöscher... ;)
In tiefen kalten hohlen Räumen,
Wo Schatten sich mit Schatten paaren,
Wo alte Bücher Träume träumen,
Von Zeiten als sie Bäume waren,

Wo Kohle Diamant gebiert,
Man weder Licht noch Gnade kennt,
Dort ist's wo jener Geist regiert,
Den man den Schattenkönig nennt.
  06.06.2006, 00:28
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  • Skelett-Krieger
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Zitat
11. Von Liebe und Vergebung

Gelangweilt blickte Aldun hinab in seinen Weinkelch, dass Gefäß bestand aus feinstem Silber und war reich verziert mit einigen Jagdszenen. Sein Spiegelbild im dunkelroten Wein hatte sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Obwohl er erst neunundzwanzig Jahre alt war begann sein goldenes Haar die ersten grauen Strähnen aufzuweisen.
Ein Seufzen entwich der Kehle des Remators während er sich in dem mit Adeligen und Bürokraten gefüllten Ballsaal umsah.
Dies sollte sein Festtag sein, dennoch konnte er dieser Tage keine Freude finden, schon gar nicht im Kreise dieser Speichellecker.
In zwei Wochen war es dreizehn Jahre her dass er das Amt des Remators erlangt hatte.
Dreizehn, die heilige Zahl…
Oder die der Verdammten…
Zornig verkrampfte sich seine Hand um den Pokal, Wein tropfte zu Boden.
Woher kamen nur diese Stimmen? Seit einigen Wochen suchten sie ihn auch jenseits seiner Träume heim.
Nervös nahm einer einen tiefen Schluck von dem schweren Wein und ließ sich mit einer schlichten Geste von einem Diener nachfüllen.
Zu allem Überfluss hatte Ilemira ihm erst vor kurzem gestanden dass sie diesem impertinenten Narren Al’Noctis ein Kind, einen Sohn, geboren hatte und diesen nun zusammen mit ihrer Tochter von Aldun im fernen Osten aufziehen ließ.
Es war alles so unendlich schwer…
Warum war es all den Menschen, die Ilemira beschützte erlaubt ein normales Leben zu führen nur ihr selbst nicht?
Es war so ungerecht…
Wer herrscht entscheidet was gerecht ist…
Aldun schluckte und bemühte sich die Worte der Stimmen zu verdrängen, er musste unbedingt fort von diesen Wichtigtuern, wollte zurück in sein Gemach um seine Forschung fortzusetzen.
Gerade als der in seine Paraderüstung gekleidete Remator das Tor zum Festsaal passieren wollte hörte er wie sein Name hinter ihm gerufen wurde und fuhr überrascht herum.
Lethanion Jekal, ein Mann, jünger als Aldun, jedoch mit vollem, braunem Haar, eilte auf ihn zu.
Innerlich stöhnte Ar’Aramesh auf, dieser Kerl begann ihm auf die Nerven zu gehen, sein heuchlerisches Verhalten stellte das der anderen Rematoren bei weitem in den Schatten.
Sollten sie nicht Hüter der Weisheit und Verteidiger des Lebens sein? Dennoch war ein grossteil der Anwärter aus den letzten Jahren einzig aus dem Streben nach Macht und Einfluss, wie er sie erlangt hatte, in den Orden eingetreten, so auch Lethanion.
„Vergebt mir Bruder aber ich kam nicht umhin zu sehen dass euch etwas betrübt an diesem glorreichen Tag für euch, was ist es?“
Überrascht zog Aldun eine Braue hoch, es war erstaunlich dass dieser Wurm so Unverholen lügen konnte!
„Nun, all dieser Prunk ist mir schlicht zu viel, Lethanion, ich bin nur ein Diener der Götter und verdiene es nicht selbst wie ein Gott gefeiert zu werden. Zwei Wochen der Feierlichkeiten erscheinen mir überzogen.“
Nun, er selbst war wohl nicht schlechter im Lügen, wie es schien. Er war doch längst mehr als nur ein Diener, war aufgestiegen zum Höchsten der Menschen!
Ja, du bist besser als sie alle…
Vernichte sie!
Lethanions Antwort ging an den Ohren des jungen Remators vorbei während dieser offen entsetzt ins Leere starrte.
Dies war das erste Mal dass die Stimmen so direkt gewesen waren!
Hektisch sah Aldun auf und unterbrach den jungen Remator mit einer harschen Geste.
„Vergebt mir, Lethanion, aber ich muss los… Göttin Ilemira erwartet mich bereits, ich soll die Göttin doch nicht warten lassen, oder?“
Ein offen heimtückisches Lächeln trat auf die schmalen Lippen des jungen Remators als er antwortete.
„Natürlich nicht, besonders ihr solltet Göttin Ilemira besser nicht verärgern.“

Während er so durch die marmornen Gänge des Palastes der Rematoren schritt sann Aldun über die letzten Worte Lethanions nach.
Konnte dieser junge Narr wissen wovon er da sprach?
Nein, eher nicht, es war offen bekannt dass er hoch in der Gunst seiner Göttin stand, dass er schon lange ihr Liebhaber war stellte ein gut gehütetes Geheimnis dar.
Obwohl der Boden des prächtigen Ganges aus feinstem Marmor mit goldenen Einlegearbeiten bestand verursachten Alduns gepanzerte Füße keinen Laut während er überrascht stehen blieb.
„Du weißt dass Mord völlig inakzeptabel ist, egal zu welchem Preis! Nicht nur dass du diesen Besudelten nicht zur Rechenschaft ziehst, du teilst auch noch das Bett mit ihm!“
Verwirrt blickte der Remator sich im leeren Gang um, es war niemand in Sicht und dies klang nicht nach den Stimmen in seinem Kopf. Zu seiner Linken befand sich nur ein etwa bis zum Boden reichender Spiegel, zu seiner Rechten schlichter Marmor.
„Natürlich weiß ich das, Vater… Aber ich liebe ihn und er liebt mich, es darf doch nicht sein dass wir Götter nach all dem Ärger, der uns die Unterdrückung des Hasses in der Welt auch noch unsere Liebe unterdrücken sollen!“
Ja, die Stimmen kamen aus dem Spiegel, er erkannte sie, es waren Ilemira und Gott Zemoth.
Suchend trat Aldun an den Spiegel und fuhr mit den Fingern über den goldenen Rahmen, dies musste ein geheimer Durchgang sein.
Nein, kein Durchgang… Sie sind im Turm der Sieben, wir wollen nur dass du dies siehst und hörst…
Wie gestochen sprang der hoch gewachsene Remator von dem Spiegel zurück und presste sich gegen die glatte Marmorwand als der Spiegel sich verfinsterte. Die makellose Dunkelheit hielt seinen Blick gefangen, kurz bevor Aldun glaubte schreien zu müssen wich der Schatten und offenbarte ein neues Bild.
Ilemira stand in ihrem Thronsaal vor einer transparenten Gestalt, die Aldun als Zemoth erkannte. Er hatte Ilemiras Vater noch nie gemocht, Zemoth war viel zu stolz und zu überlegen für einen Gott, er glaubte immer alles zu kontrollieren…
Ja… Dabei kontrolliert er nichts, du hast Recht… Aber jetzt höre was deine Liebste sagen wird
Die schöne Göttin ging unruhig unter dem Blick ihres Vaters hin und her bis sie schließlich stehen blieb und jene Worte sprach, die sich wie Lanzen in Alduns Herz bohrten.
„Ich weiß dass das was Aldun tat falsch war, dass es seinen Geist beschädigt hat. Aber es war nötig, wie hätten wir die Welt anders retten sollen? Durch seine Gabe war er resistent gegen die Verderbnis, aber wenn ich in seine Augen blicke sehe ich dass er nicht resistent gegen den Wahnsinn war. Zweifellos wird der Schöpfer nach seinem Tod über Aldun Ar’Aramesh richten und ein strenges Urteil fällen. Bis es jedoch soweit ist möchte ich dass er ein schönes Leben führt, ein Leben voll Liebe, dass schuldet diese Welt ihm.“
Das dumpfe Dröhnen des Blutes in Alduns Ohren verschlang alle weiteren Worte, die aus dem Spiegel sickerten. Wie in Trance wankte der einst so stolze Mann durch den Gang und umklammerte den goldenen Rand des Spiegels.
„Nein… Das ist nicht wahr… Ich… Ich bin unschuldig, ich… ich habe doch nur getan was richtig war…“
Ein markerschütterndes Krachen erklang als das vergoldete Holz unter Alduns Griff splitterte und der Siegel aus seiner Position rutschte um lautstark auf dem Boden zu zerschellen.
Unzählige eisblaue Augen starrten voller Schmerz und Zorn zu ihm herauf als Aldun wie betäubt auf die Splitter starrte.
Sie liebt dich gar nicht wirklich, sie ist nur mit dir zusammen um ihr Gewissen zu beruhigen. Sie hat dich benutzt, Aldun…Benutzt für all die Menschen dort draußen, die dich verspottet und gefürchtet haben ehe du nicht bereit warst deinen eigenen Vater für sie zu opfern!
Eiskalter Schweiß trat auf die blasse Stirn des Remators,
wie konnten die Stimmen so wahre Worte sprechen?
Wie hatte er so blind sein können?
Du könntest ewig leben… Übertrumpfe die Götter, Aldun! Werde selbst ein Gott!
Lautlos fiel ein Schweißtropfen von Alduns Nasenspitze zu Boden als er sich über die Lippen leckte und ein einzelnes Wort hauchte.
„Wie?“
  06.06.2006, 12:21
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  • Skelett-Magier
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Stein um Stein...!

Ja, auch zerschmetterte Träume der Liebe sind ein starkes Motiv ;)

Der Teil hier gefällt mir besser als die bisherigen, der Urlaub hat dir wohl gut getan.

Obwohl, an der Stelle aus der Aldun schlussfolgert, dass sie ihn nicht wirklich liebt, noch ein bischen mehr gefeilt werden könnte, ist ja nicht ganz unwichtig ;), von daher könnte es ruhig noch ein wenig länger.
Vlieeicht noch ein Satz mehr von Ilemira :| ka.
Meine Signatur war 17 Pixel  :ugly: zu hoch, nach einer so langen Zeit...  oO :censored:
Aber was soll man machen :| nun bleibt mir nur noch eins, ich brauch ne neue ;), wer Vorschläge hat, PN an mich oder den Papst  :er-wars:.
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  06.06.2006, 21:58
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  • Skelett-Krieger
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Der Ilemira-Part kommt jetzt, man sollte nun auch die Ironie des Ganzen und die Rolle der "Stimmen", auch bekannt als die dreizehn Dämonenfürsten erkennen. Immerhin war es allein ihr verdienst dass Aldun zu dem wurde was er ist, Ilemira hat daran relativ wenig Schuld, aber seht selbst...

Zitat
12. Schein und Sein

Unter lautem Knacken brachen einige der brennenden Holzscheite im Kamin zusammen. Die blutroten Flammen des Nadelholzes erfüllten den prächtigen Raum mit einem leichten Harzgeruch und diffusem Zwielicht. Obwohl der Raum im obersten Stockwerk des Palastes lag war das Mobiliar eher schlicht, wo in den anderen Gemächern der erfahrenen Rematoren prächtige Schnitzereien das Holz schmückten bevorzugte Aldun Ar’Aramesh schlichtes, dunkles Holz. Einzig der wuchtige Lehnstuhl in dem er nun saß und dunkelroten Brandwein aus einem kantigen Glas trank war reich mit Rankenmotiven beschnitzt.
Aldun war ungewöhnlich blass, kalter Schweiß stand auf seiner Stirn während er immer und immer wieder die Worte für Ilemira im Kopf durchging.
Sie müsste jeden Moment hier eintreffen.
Fürchte dich nicht, Aldun, sie wird bemüht sein die Illusion der Liebe aufrecht zu erhalten und dir nichts abschlagen.
Wortlos nickte Aldun den prasselnden Flammen zu, die Stimmen hatten Recht, wie Immer.

Nachdenklich schritt Ilemira durch die mit dem für Imethael üblichen Prunk voll gestopften Gänge im Palast der Rematoren ohne sich ihrer Umgebung wirklich bewusst zu sein.
Warum hatte Aldun sie zu dieser ungewöhnlichen Tageszeit zu sich bestellt?
Es war eigentlich nicht seine Art bei Nacht und Nebel zu agieren.
Als es unter ihren Füssen knirschte blieb sie überrascht stehen und blickte auf den mit Spiegelscherben bedeckten Boden. Die unzähligen Spiegelbilder ihres überraschten Gesichtes verliehen der ganzen Szene etwas Bizarres. An der Wand hingen noch die Überreste eines kaputten Holzrahmens, der offenbar einst den Spiegel beherbergte.
Was war hier geschehen?
Ein Räuspern ließ Ilemira aus ihren Gedanken aufschrecken, ein junger Mann stand im Gang und musterte sie mit wissendem Blick.
„Göttin Ilemira.“
Nachdem der junge Remator sich verbeugt hatte begann er sich vorzustellen.
„Mein Name ist Lethanion Jekal, oh Göttin, ich bin ein Remator und treuer Diener der Sieben.“
Überrascht hob Ilemira eine Braue, Aldun hatte ihr von diesem Mann erzählt und seine Hintersinnigkeit betont.
„Nun, junger Remator, wisst ihr zufällig wer diesen Spiegel demoliert hat? Er wird sich zur Verantwortung ziehen müssen.“
Das heimtückische Grinsen auf dem Gesicht des jungen Mannes bestätigt Ilemiras Verdacht dass er genau dies hatte hören wollen.
„Ich habe in der Tat gesehen wer dies war. Aldun Ar’Aramesh kam hier auf dem Weg zu seinen Gemächern vorbei und starrte in den Spiegel, er schien etwas Besonderes darin zu sehen. Dann murmelte er etwas und zerfetzte den Rahmen bevor er schließlich ging. Ganz im Vertrauen, Göttin Ilemira, ich fürchte um die geistige Gesundheit von Remator Ar’Aramesh.“
Zornig verkrampfte sich die rechte Hand der Göttin in ihrer schneeweißen Robe.
Wie konnte dieser Emporkömmling es nur wagen!
„Nun, ich danke euch, Lethanion, bitte verlasst nun diesen Ort, ich werde den Fall untersuchen…“
Erst als der junge Mann hinter einer Biegung des Ganges verschwunden war gestattete Ilemira sich ein zorniges Schnauben.
Manche Tage übertrafen wirklich alles!
Erst ihr Vater, der noch immer krampfhaft versuchte Aldun in einem schlechten Licht darzustellen und gleichzeitig seine Tochter dazu nötigte zu lügen!
Es fröstelte sie noch immer wenn sie daran dachte dass sie ihren eigenen Vater belogen hatte, nur um die Stärke ihrer Liebe zu Aldun zu verbergen! Wenn er wüsste wie stark sie für ihn empfand würde er ganz gewiss versuchen ihn beseitigen zu lassen, Gott Zemoth bevorzugte es der einzige bedeutende Mann im Leben seiner Tochter zu sein.
Dann noch dieser Speichellecker, wie es sie in letzter Zeit viel zu viele gab!
Mit einem leisen Seufzen stieg die Göttin über die Splitter hinweg und machte sich wieder auf den Weg zu Alduns Gemächern, wie sie sich nach ihm sehnte…

„Wenn wir all die Energie, die ihr aus der Welt gedrängt habt kontrolliert anzapfen, sie nutzen können gäbe es nichts mehr das wir nicht tun könnten!“
Ilemira beobachtete Aldun während er gedankenverloren vor dem brennenden Kamin auf und ab schritt, seine Idee hatte ihn vollkommen ergriffen.
„Der Tod, hinfällig! Die Krankheiten, nicht mehr von Bedeutung! Wir könnten sogar das Antlitz der Welt selbst verändern!“
Plötzlich hielt der Remator in seinem ergreifenden Vortrag inne und ging vor Ilemira in die Knie um sie eindringlich anzusehen.
„Aber um dies zu erreichen, einen Riss, Ilemira, benötige ich viel Macht. Göttliche Macht. Du musst die anderen sechs überzeugen mein Vorhaben zu unterstützen!“
Der Blick jungen Göttin glitt für einen Moment nachdenklich in die Ferne bevor sie schließlich Alduns Hände drückte.
„Ist das auch ungefährlich? Denkst du wir sieben können diesen Strom an Macht kontrollieren?“
Die eisblauen Augen Aldun Ar’Arameshs funkelten begierig als er nickte.
„Natürlich, ihr seid Götter. Ich werde dir Unterlagen zukommen lassen, die alles genau beschreiben und dann die nötigen Vorkehrungen treffen.“
Ilemira betrachtete ihren Geliebten einen Augenblick lang.
„Gut, Aldun, ich vertraue dir. Wenn du sagst dass wir die Energien kontrollieren können werde ich dir glauben und die Anderen für dein Vorhaben begeistern.“

Morgen Abend gibts das große Finale des ersten Aktes.
  06.06.2006, 22:11
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  • Skelett-Krieger
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War etwas schneller ^^°

Zitat
13. Götterdämmerung


Aldun Ar’Aramesh stand an einem Podest aus dem vielfarbige Kristalle ragten, vor ihm in einer Höhe von gut zwanzig Schritt schwebte ein rotierendes Hexagon, zwei Ringe drehten sich darum. Am Boden des siebeneckigen Raumes standen die sieben Götter, sie bildeten einen Kreis um das schwebende Gebildet und starrten es konzentriert an.
Zur Rechten Alduns stand Ilemira, der Aldun noch einen letzten, fast flehentlichen Blick zuwarf.
Warum musste sie ihn auch so verraten?
Jetzt, Aldun, bring es zu Ende und lass es neu beginnen!
„Ich werde nun die Energien durch den Fokus bündeln, haltet euch bereit!“ rief Ar’Aramesh und begann einige der Kristalle zu drehen und zu verschieben, sie summten dabei leise.
Ein tiefer Brummton stieg in der Kammer auf, die Ringe rotierten schneller und schneller um das violette Hexagon.
„Es funktioniert!“ Aldun freudig aus wobei der Funken des Wahnsinns in seinen Augen an Kraft gewann.
Die Götter jedoch blickten noch immer konzentriert auf die schwebenden Körper.
Aus dem Hexagon sickerte ein Rinnsal silberner Flüssigkeit hervor, floss zu Boden und gerann dort zu einem Kristall, er leuchtete leicht orange.
„Es funktioniert!“, rief Ar’Aramesh erneut voller Inbrunst.
Ein durch Mark und Bein dringendes Klirren, als zerbrächen tausend Spiegel zugleich schnitt dem Remator das Wort ab. Gewaltige Risse zogen sich über die Ringe, blutrotes Licht strömte aus ihnen hervor und tanzte in bizarren Formen über die schneeweißen Wände der Kammer.
„Aldun… Was hast du nur getan?“
Ilemiras Stimme war nur ein Flüstern während sie mit tränengefüllten Augen den eiskalten Blick ihres Liebsten erwiderte.
Die Stimme, die aus Alduns Kehle erklang war kalt wie Eis, hart wie Stahl und doch beißend wie Gift.
„Ich nehme mir die Erlösung, die der Schöpfer mir nicht geben wird.“
Donnernd detonierten die Ringe in einem gewaltigen Feuersturm, ihre Trümmer rissen klaffende Löcher in die weißen Wände des Raumes, donnernd stürzte das Hexagon zu Boden.
Rauch hüllte den ganzen Raum ein.
Aldun stand wie gelähmt hinter seinem Podest und wurde vom wogenden Rauch verschlungen.

Kommandant Ezkash stürmte Befehle brüllend durch die Straßen Imethaels, in der Stadt herrschte Anarchie. Vor knapp einer Stunde hatte sich der Himmel urplötzlich mit schwarzen Wolken verfinstert, überall in der Stadt waren Brände ausgebrochen und ein Minarett des Turms der sieben stand in Flammen.
„Kommandant, die Männer berichten von schrecklichen Kreaturen, die überall in der Stadt auftauchen und töten!“
Überrascht fuhr der Befehlshaber der Wächter der weißen Stadt herum und betrachtete den jungen Soldaten, der mitten im Chaos der fliehenden Bevölkerung auf ihn zukam. Er kannte den Mann nicht erkannte jedoch an seinen Augen dass er die Wahrheit sprach.
Bevor er jedoch zu einer Antwort ansetzen konnte wurde ein Haus zu seiner Rechten förmlich gesprengt, ein Schwall aus Steinsplittern, Flammen und Schuppen ergoss sich in die Straße.
Hunderte armdicker Schlangen mit dunkelroter Zeichnung schlängelten sich durch die Straßen und nahmen Bürger in ihren stählernen Griff.
Von der Angst betäubt beobachtete der Kommandant wie der Soldat mit dem er eben noch gesprochen hatte unter unzähligen schwarzen Leibern begraben wurde. In seiner Angst riss der Truppenführer der Verteidiger von Imethael zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt das schwere Bronzehorn, das er um seinen Gürtel trug hervor und stieß hinein.
Der lange, gequälte Ton hallte durch die blutdurchtränkte Dunkelheit und wurde in der Ferne von anderen Offizieren aufgegriffen.
Das Signal zum Rückzug auf den Platz vor dem Turm der Sieben.

Hitze.
Flammen.
Tod.
Fühlst du den Schmerz?
„Ja…“ antwortete Er, die Stimmen, die sprachen klang wie altes Pergament, wie ein Todesröcheln und doch eindringlicher als je zuvor.
Ergreife den Schmerz, konzentriere dich auf ihn, bis er zu Hass wird.
Fühlst du den Hass?
„Ja…“
Öffne dich dem Hass, lass ihn dich erfüllen, deinen Geist fluten.
Er schlug die Augen auf, Schwärze umgab ihn, unzählige fahle, gelbe Augen blickten auf ihn herab.
Erhebe dich, du bist nun Aldun Dunkelhand, dieser Name ist deine Bestimmung! Nutze die Macht, die wir dir gaben um all jene zu unterwerfen, die sich dir nicht beugen wollen!
Aldun fühlte wie er lächelte.
„Ja, das werde ich, aber nicht ganz so wie ihr es euch vorstellt…“
Ohne nachzudenken wob er Magie…
Die Flammen wurden stärker, heißer, heller, drängender….

Weiße Punkte raubten ihm die Sicht, er rang nach Luft, Staub machte das Atmen unmöglich. Schließlich wichen die Punkte, seine Sicht wurde klarer, er lag auf dem Boden.
Risse durchzogen die Decke, Steinbrocken fielen herab, Staub füllte den Raub, bedeckte alles. Er hob seine Hände vor seine Augen und betrachtete sie, fahle Flecken hatten sich dort gebildet und breiteten sich rasch aus.
Ein trockenes Lachen kroch aus seiner geschundenen Kehle, eine Stimme, die nicht wie seine alte war murmelte leise:
„Endlich…“
Mühsam stemmte er sich hoch, seine Prachtrüstung, dass Symbol seiner Amtswürde als Remator, begann sich aufzulösen und fiel in Fetzen von seinem Körper, sein Haar war in Unordnung und hing wirr und wild in sein Gesicht, es war weiß wie Schnee jedoch mit einem leichten Gelbstich.
Lachend riss Aldun Dunkelhand sich die letzten Rüstungsfetzen vom Körper und blickte ins Zentrum des Raumes, eine flammende Kugel, heller als tausend Sonnen, umspannt von sieben dunklen Ringen hatte sich dort in den Marmor eingebrannt. Lichtblitze, dunkler als die Nacht gingen von ihr aus und fraßen sich in den brüchigen Stein des Turmes.
Schwankend musterte das Schauspiel einige Minuten bevor er sich schließlich abwandte und aus dem Raum schlürfte.
Sein Körper war geschwächt, während die Transformation vollzogen wurde würde er vorsichtig sein müssen…
Im Gang vor der Kammer war die Hölle los, Blut bedeckte die rissigen Steinplatten, einige pelzige Gestalten beugten sich über die Kadaver zweier Wächter und labten sich an ihnen. Lachend schritt Aldun an den grausigen Szenen vorbei.
So hatte der Einmarsch der Finsternis also begonnen, die Stunde seiner Vergeltung war gekommen.
Vergeltung für all den Spott, den Hohn, dass Misstrauen!
Ein irrsinniges Lächeln trat auf die blassten Lippen des einstigen Remators.
Plötzlich trat eine wankende Gestalt in den Gang, sie hielt sich die Seite, wo Blut hervortrat und ihre schneeweiße Robe besudelte.
„Aldun, was tust du? Was ist in dich gefahren?“
Presste Ekalion Ar’Aramesh mühsam hervor und spie dabei etwas Blut hervor.
Aldun grunzte nur verächtlich.
„Törichter Narr, wahre Macht bietet nur die Dunkelheit, ich habe nun endlich Erkenntnis darüber gewonnen was es heißt wahrhaft mächtig zu sein!“
Er fühlte wie Hass ihn durchflutete, in ihm brannte wie ein Feuersturm.
Er musste ihn von sich weglenken oder diese Flammen würden ihn vernichten!
So lenkte er diesen chaotischen Feuersturm auf den Mann, den er einst Vater nannte.
„Aldun, Nein!“ rief der und schleuderte seinerseits etwas, das aussah wie flüssiges Gold, es traf die schwarze Lanze des Hasses und rang mit ihr.
„Du bist schwach, Alter Mann!“ rief Aldun gepresst,
der Hass wuchs ins unendliche und mit ihm seine Macht.
Mit einem Donnerschlag riss es den Mann von den Füssen, noch bevor er auf der goldenen Tür hinter ihm aufschlug ging er in strahlendgelbe Flammen auf und verbrannte zu bloßer Asche.
„Niemand kann mich aufhalten…“ sagte Aldun verächtlich.
Schatten erhoben sich aus allen Ecken und Winkeln des Ganges, strömten auf Aldun zu und legten sich als pechschwarze Robe um seinen vernarbten Körper während er unablässig weiter schritt.
 
Die Straßen Imethaels waren wie aus einem Albtraum geboren, dunkle Kreaturen zogen marodierend durch die Straßen, Ratten füllten die Gassen und Plätze, Schwärme von Krähen verbargen den Himmel und umkreisten die einstürzenden Türme der Stadt, violette Blitze zuckten über den Himmel und schlugen weit entfernt mit schwachem Donnern ein.
Kommandant Ezkash kniete in ein stummes Gebet versunken mitten auf dem Platz der Schöpfung und bat die Götter um Gnade für die Seelen all der Toten. Auf seinem Weg durch die Stadt hatte er unzählige von ihnen gesehen, Männer, Frauen und Kinder…
„Es scheint als wäre niemand dort draußen mehr am Leben, Kommandant. Meine Brüder und ich haben auf unserem Weg vom Palast hierher nur Tod und Verderben angetroffen.“
Überrascht sah er auf, neben ihm stand die stolze Gestalt eines Remators, gekleidet in deren nebelgraue Plattenrüstung. Hastig rappelte sich der Truppenführer auf die Beine und verbeugte sich tief vor dem Mann.
„Ich kann nicht sagen wie beruhig ich bin euch und eure Brüder an der Seite von mir und meinen Männern zu wissen. Wir können diesen Platz nur mit Mühe halten.“
Mit einer Geste erfasste der Kommandant all die notdürftig aus Trümmern errichteten Barrikaden, die alle Zugänge zum Platz abriegelten und von Gardisten bemannt wurden.
Seltsamerweise schienen all die Bestien dort draußen in der Stadt gar kein Interesse am Turm zu haben.
„Was ist hier los, Remator? Hat der Schöpfer uns verlassen?“
Der kräftig gebaute Mann legte den Kopf schief und betrachtete ihn eindringlich.
„Ich fürchte ja, Kommandant. Anders kann auch ich mir dies nicht erklären.“
Eine Stimme rollte über den Platz und ließ jedermann herumfahren, ihre Worte troffen förmlich vor Hass.
„Nun, vielleicht kann ich euch Antwort geben.“
Ein Mann wankte aus dem großen Portal des Turmes.
Er trug eine wallende schwarze Robe und war ungewöhnlich blass, dennoch konnte Ezkash Aldun Ar’Aramesh erkennen.
„Ich bin froh euch zu sehen, Bruder Ar’Aramesh. Was ist hier geschehen? Wie seht ihr denn aus?“
Der junge Remator war ohne zu zögern auf seinen älteren Ordensbruder zugetreten und erklomm nun im gespenstischen Licht der violetten Blitze die Stufen.
Irgendetwas stimmte nicht, warum lächelte Ar’Aramesh?
„Nun mein junger Freund, heute hat eine neue Ära begonnen. Eine Ära ohne Götter, sieben von ihnen sind tot. Ich werde nun eine wahrhaft vollkommene Gesellschaft erschaffen! Unglücklicherweise werdet ihr und all die anderen Rematoren sterben müssen, ihr wisst zu viel…“
Noch bevor der junge Remator eine Antwort hervor bekam packte Ar’Aramesh ihn brutal am Kopf und zerfetzte den armen Kerl förmlich.
Völlig fassungslos starrten Kommandant Ezkash, seine Männer und die anderen Rematoren auf die blutigen Fetzen, die langsam die Treppe herabrollten.
Einer der Rematoren gewann als erstes die Fassung wieder und riss sein zweihändiges Schwert aus der Scheide.
„Tötet ihn, Ar’Aramesh hat uns verraten!“
Ein Duzend Rematoren zogen ihre Schwerter und fegten wie ein tödlicher Sturm aus Stahl auf den noch immer entspannt wirkenden Aldun zu.
Noch bevor die Männer Ar’Aramesh erreichten war Ezkash bereits klar dass keiner von ihnen überleben würde. Da war etwas in den Augen des älteren Remators, das klar machte dass Widerstand aussichtslos war.
„Kinderkram…“
Alduns Stimme war nur ein leises Murren als er eine beiläufige Geste machte.
Eine schwarze Sichel löste sich von der fahlen Hand des Mannes und schnitt schnell wie ein Blitz durch die anstürmenden Männer. Mit einem widerlichen, klatschenden Geräusch fielen diese tot zu Boden.
Ohne der Toten zu seinen Füßen weiter Beachtung zu schenken ging Ar’Aramesh gemächlich auf den Kommandanten der Stadtwache zu und lächelte dabei grimmig.
„Nun, Kommandant, möchtet ihr gern weiter leben?“
Ezkash glaubte seine Beine würden unter ihm nachgeben als diese schwefelgelben Augen sich auf ihn richteten und bis auf den Grund seiner Seele blickten.
„Ja…ja… Natürlich…“
Ein amüsiertes Lächeln kroch auf Alduns blasse Lippen.
„Dann soll es so sein, ihr und eure Männer hier werdet mir helfen… Werdet dienen… Kniet nieder und schwört mir, Aldun Dunkelhand, ewige Treue wenn ihr weiterleben wollt!“
Als Ezkash auf die Knie sank konnte er aus den Augenwinkeln sehen wie all seine Männer das Selbe taten.
Ein Soldat wusste wann eine Schlacht nicht mehr zu gewinnen war.
„Ich schwöre euch die Treue, Meister Dunkelhand.“
Der Schwur stieg aus duzenden Kehlen zum verfinsterten Himmel auf um dort eins mit dem brodelnden Chaos zu werden, Aldun lächelte nur als er die Worte hörte.
„In eurer jetzigen Gestalt seid ihr für meine Zwecke… Nun sagen wir suboptimal. Ich werde ein paar Veränderungen vornehmen müssen… Schlaft meine Krieger, schlaft…“
Als Ezkash überrascht aufsah verfinsterte sich die Welt um ihn herum bereits…

Aldun Dunkelhand breitete die Arme aus und blickte lächelnd zum aufgewühlten Himmel.
„Alle, die mich verrieten sind nun verschwunden, wer soll uns jetzt noch aufhalten? Wer soll das schützen, was war? Soll jene schützen, die es wagten den Verrätern zu dienen?“
Und der Wind trug seine Stimme empor, hinauf über die verschneiten Gipfel, die die weiße Stadt umgaben, herab in die grünen Täler, wo man nicht wusste welch Übel an diesem Tag auf die Welt getreten war. An dem Tag an dem die Menschen den Einzug des Herbstes feierten sollte auch der Einzug der Dunkelheit beginnen…
  07.06.2006, 08:49
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  • Reisender
    • Neuling
Jetzt steht hier seit Tagen das Finale des ersten Abschnitts und ich merks nichma :crazy:
Also ich fand das Finale wirklich gut mir hat alles klasse gefallen. Freu mich schon auf den Anfang des nächste Abschnitts  :)
  11.06.2006, 23:20
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  • Skelett-Krieger
    • Untot
Freut mich dass es dir gefällt, hier mal der Anfang.

Zitat
„Schuld setzt die Möglichkeit voraus
 eine Wahl gesehen zu haben.“


1. Kriegsrat

Ein Schwarm schneeweißer Tauben stieg aufgeschreckt in die Lüfte auf als Gott Zemoth die Glastür zu einem der unzähligen Balkone von Amon-Xar öffnete. Viele, die den Turm von weitem sahen beschrieben ihn als einen Finger des Schöpfers. In der Tat bestand das schneeweiße Gebäude aus drei, sich nach oben hin verjüngenden, Gliedern. Nur aus der Nähe konnte man die unzähligen Erker, Balkone und Arkaden sehen, die sich über die Außenwand zogen.
Zemoth seufzte leise während er hinab auf den grünen Ozean blickte, der sich bis zum Horizont erstreckte.
Anders als in Imethael gab es keine Stadt zur Heimstatt der Götter, die Menschen des Südens lebten verteilt in vielen größeren Städten und Dörfern.
Der alte Gott rieb sich nachdenklich seine buschigen, weißen Brauen und blickte nach Norden.
Wie es nur so weit kommen können?
Als der Gott mit seinem Geist hinaus in die Welt blickte sah er hunderte von leuchtenden Punkten und goldenen Strängen, dies waren die Seelen der Menschen und jene elementaren Magien, die Ebbe und Flut, Wind und Regen steuerten. Im Nordosten jedoch wo einst Imethael gestanden hatte gab es nur noch ein pechschwarzes Loch.
Sie alle hatten es gespürt, wie ein Stich mitten ins Herz, sieben Götter waren gestorben, verschlungen von einer unsagbar bösartigen Macht.
Aber was genau war geschehen? Wenn die Barriere zwischen den Welten gerissen wäre müsste sich die ganze Welt verändert haben, nicht nur Imethael…
„Denkst du es bringt sie dir zurück wenn du hier stehst und starrst?“
Überrascht fuhr Zemoth herum wobei seine wallende, weiße Robe flatterte.
Kimara stand in der Balkontür und blickte ihn mit verschränkten Armen an. Mit ihrer dunklen Haut und ihrem rabenschwarzen Haar bot sie einen durchaus ansehnlichen Anblick, allerdings hatte Zemoth sie immer schon für zu verschlagen und hartherzig gehalten.
„Nein… Natürlich nicht. Aber ich möchte wissen was passiert ist.“
Die Göttin nickte wortlos und trat neben ihn an die marmorne Brüstung und trommelte nervös mit den Fingernägeln darauf herum.
„Denkst du es könnte ein Mar’Ithael sein?“
In einer Mischung aus Überraschung, Angst und Zorn sog Zemoth lautstark Luft ein.
„Bist du nicht mehr ganz bei Sinnen, Kimara? Ein Schattengott!? Es ist noch viel zu früh, die Prophezeiungen haben sich noch nicht erfüllt, es kann gar nicht sein!“
Nachdenklich drehte die Göttin sich zu ihm herum und betrachtete ihn eindringlich aus ihren leicht schräg stehenden Augen.
„Nun, woher sollen wir dass wissen? Wir kennen nur zwei Prophezeiungssteine, den unter Imal’thar und den hier unter Amon-Xar.“
Zemoth begann in Gedanken versunken auf und ab zu gehen während er versuchte sich den Text der Steine in Erinnerung zu rufen.
„Auf seinem Weg wird Mar’Ithael alles verlieren was ihm wichtig ist. Er wird alle um sich herum verraten und betrügen, sogar sich selbst. Bis er schließlich über alles Leben herrschen wird und so wahre Erkenntnis erlangt.“
Überrascht hob der alte Gott eine seiner schneeweißen Brauen und kraulte sich den Stoppelbart während Kimara die Prophezeiung scheinbar auswendig vortrug.
„Nun, die Sieben des Nordens wurden völlig unvermittelt getötet… Es könnte sich durchaus um Verrat handeln, jedoch werde ich aus dem Mittelteil nicht schlau.“
Kimara nickte stumm und wickelte sich gedankenverloren eine Locke um den Finger.
„Dennoch kann es wohl kein Mar’Ithael sein, es ist laut meinen Berechnungen noch etwa achthundert Jahre zu früh. Noch dazu würde er nie so offen auftauchen, die Schattengötter arbeiteten stehts lange Zeit im Verborgenen.“
Während Zemoth langsam zurück ins Innere des Gebäudes ging nickte er.
„Das haben sie in der Tat, der Eine an dessen Vernichtung wir beteiligt waren ging auch sehr verstohlen zu Werke, er stand kurz davor die letzte Prophezeiung zu erfüllen als wir ihn stellten. Allerdings wissen wir nicht in welcher Abfolge der die Prophezeiungen erfüllen wird, nur die letzte ist als Solche festgelegt.“
Mit einem leisen Klacken fiel die Balkontür hinter Kimara ins Schloss, der Raum dahinter war kreisrund und sein Boden mit unzähligen konzentrischen Goldkreisen verziert. An einem wuchtigen Steintisch, nebst passenden Thronen, saßen die anderen vier Götter. Imanal, der ganz rechts saß, wirkte außerordentlich übermüdet und erschöpft. In der Mitte des runden Tisches stand eine flache Goldschale mit etwa einem Schritt Durchmesser.
„Na, sind wir also alle aufgestanden? Hoffe ihr habt auch alle ausreichend gefrühstückt.“ Zemoths Stimme troff förmlich vor Zynismus als er sich auf seinen Marmorthron fallen ließ und die Anderen mit boshaftem Blick erfasste.
Äußerst peinlich berührt sahen die Vier zu Boden oder auf die mit Gold verzierten Wände.
„Wie dem auch sei, ich denke allen sollte klar sein warum wir heute hier sind.“
Erleichtert über den Themenwechsel bejahten die versammelten Götter.
„Sieben von uns sind tot, darunter auch meine geliebte Tochter. Fakt ist dass wir nicht wissen wer hinter diesem Verbrechen gegen die Schöpfung steckt. Und Fakt ist dass das Netz des Lebens im Norden einen Riss erlitten hat. Und…“
Ein metallisches Surren schnitt dem alten Gott das Wort ab, die Schale im Zentrum des Tisches vibrierte laut und erzeugte kreisförmige Wellen auf dem klaren Wasser darin.
Wie ein Mann starrten die Götter auf die schwingende Schale.
„Wie im Namen des Schöpfers ist dies möglich?“ schnaubte der muskulöse Gott Barash, der braune Vollbart und die schlichte Wollkleidung ließen ihn mehr wie einen Schmied als einen Gott wirken, dieser Eindruck wurde durch seinen Hang zum Jähzorn noch verstärkt.
Niemand antwortete ihm, dennoch quälte sie alle die Selbe Frage.
Wenn die Sieben des Nordens tot waren, wer bediente dann die Schale in Imethael?
Das Summen des Gefäßes schwoll an bis es schließlich abrupt abbrach, eine nebelhafte Gestalt wuchs aus dem Wasser empor bis sie Mannsgröße erreicht hatte.
Gott Selath, der neben Zemoth Platz genommen hatte, stieß ein überraschtes Keuchen aus, die Gestalt war ganz in eine pechschwarze Robe gehüllt und hielt die Hände im Ärmel der jeweils anderen Hand verborgen. Die Kapuze war so tief herab gezogen dass kein Gesicht auszumachen war, nur einige schneeweiße Haare hingen daraus herab.
Zemoth wusste nur zu gut warum die Anderen so entsetzt waren, zu real war die Erinnerung an den letzten Schattengott, doch war er tot, er konnte nicht hier vor ihnen stehen!
„Fakt ist, verehrter Gott Zemoth“ begann die geisterhafte Gestalt ohne Federlesen. „Dass ihr im Begriff seid zu verlieren, sieben von euch fielen durch ihre eigene Torheit, die Macht der Dämonen ruht hier in meiner Hand und mit ihr das Verhängnis dieser Welt.“
Bei den letzten Worten zog der Mann seine rechte Hand aus dem Ärmel und ballt sie zur Faust, seine Finger waren außerordentlich dürr und übertrieben lang.
„Wer bist du, was hast du mit Ilemira gemacht?“
Imanal war aufgesprungen, wirkte nun hellwach und zorniger als Zemoth ihn je zuvor gesehen hatte.
Lautlos drehte sich der Dunkle zu dem blonden Gott herum und warf in einer fast lässig anmutenden Geste seine Kapuze zurück.
„Na wer schon, Imanal? Wer sonst sollte über die nötigen Fähigkeiten verfügen sieben Götter in den Tod zu schicken?“
Urplötzlich wich alle Farbe aus Imanals Gesicht und er ließ sich auf seinen Thron zurückfallen.
„Du? Aber warum… Sie hat dich doch geliebt?“
Der Mann in der Schale antwortete nicht sondern drehte sich zu Zemoth herum, diesem blieb fast das Herz stehen als er ihn wieder erkannte.
Ja, zweifellos, er hatte sich verändert, wirkte ausgezehrter, kälter. Aber dennoch war die markante Nase und die grimmig anmutende Augenpartie Aldun Ar’Arameshs deutlich zu erkennen.
„Ar’Aramesh!“
Kimara stieß diesen Namen wie einen äußerst derben Fluch aus und funkelte die transparente Gestalt des Mannes boshaft an.
„Nun, nicht ganz. Mein Neuer Namen ist Aldun Dunkelhand, ihr werdet ihn benutzen, denn ihr werdet ihn fürchten.“
Dunkelhand lächelte spöttisch und verschränkte die Arme.
„Außerdem haben die Menschen mir diesen Namen gegeben, sie liegen euch doch so sehr am Herzen, nicht wahr? Einerlei. Ich bin nicht hier um zu plaudern, ich erkläre euch und dem Werk des Schöpfers hiermit den Krieg.“
Stille senkte sich über die Ratskammer, alle starrten fassungslos auf Dunkelhands bleiches Gesicht.
Gott Zemoth brach das Schweigen so plötzlich wie es eingetreten war und begann schallend zu lachen.
„Du, Aldun? Du willst es mit uns sechs aufnehmen? Die Sieben hast du doch nur durch eine List, durch Manipulation besiegt! Jetzt sind wir vorgewarnt, was willst du schon tun? Nicht mal einen von uns könntest du besiegen!“
Das spöttische Lächeln auf dem Gesicht des einstigen Remators wurde zu einem ausgewachsenen Grinsen.
„Oh, du unterschätzt mich, mein lieber Zemoth… Immerhin habe ich eine gewisse Anzahl von Geiseln… Was denkst du wie viele Menschen hier oben in der Reichweite des Risses leben? Auf dem östlichen Kontinent? Wenn ihr auch nur einen falschen Schritt tut reiße ich das Siegel auf und ertränke sie alle in Dunkelheit. Ihr werdet ausharren und zusehen wie ich die nördliche Welt erobere, oder sie alle werden getötet und diese Welt verstümmelt werden. Guten Tag, meine geschätzten Götter, es gilt eine Welt zu unterjochen.“
Ebenso plötzlich wie sie erschienen war verschwand Dunkelhands Gestalt und ließ nur eine beklemmende Aura der Angst zurück.
  12.06.2006, 18:09
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Pff, seid ihr alle im Urlaub oder wie? ^^

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2. Die wahren Verratenen

Kaskaden wogender Dunkelheit brachen aus dem zersplitterten Felsboden empor in die Luft um dort durch die eisige Kälte zu scharfen Splittern zu gefrieren. Als todbringender Hagel gingen die gewaltigen Eistrümmer auf den kargen Grund nieder und zersplitterten krachend. Der Himmel war verhüllt mit einem tosenden Ozean pechschwarzer Wolken, keine Sonne und kein Mond hatten es je vermocht ihre Dunkelheit zu durchdringen, einzig die Blitze, die fast sekündlich donnernd aus ihnen herab fuhren die Erde zu peinigen erhellten diese von aller Schönheit verlassene Welt.
In Mitten all der Anarchie stand still und starr eine Gestalt.
Die Menschen hätten sie als groß und unheimlich beschrieben, somit war es gut dass es in dieser Welt keine Menschen gab, denn sie wären beim Anblick Sarfenons dem Wahnsinn anheim gefallen.
Über drei Schritte groß und gekleidet in eine schier endlose Bahn schwarzen Stoffes blickte der Fürst des Frostes aus seinen knöchernen Augenhöhlen hinaus in die karge Welt. Nur seine Augen waren zu sehen, der Rest seines Schädels war mit einem pechschwarzen Schal und einer Kapuze verborgen. Ströme von dunklem Blut sickerten aus den leeren Höhlen und traten an den Ärmeln wieder aus um über die knöchernen Finger des Erzdämons zu Boden zu tropfen.
Unruhig trommelte Sarfenon mit den Fingerspitzen einer seiner knöchernen Hände auf einem Felszacken neben ihm herum. Die anderen drei Arme hatte er vor seiner verhüllten Brust verschränkt.
Wo blieben die Anderen nur?
Noch ehe der den Gedanken zu Ende gedacht hatte fuhren zwölf gewaltige Blitze vor ihm den Erboden und sprengen haushohe Trümmer heraus.
Die zwölf anderen Erzdämonen boten ein ähnliches Bild wie der Herr des Frostes, ihre Körper wurden von den gleichen Stoffmassen verhüllt, dennoch konnte man hier und da Merkmale ausmachen. So ragten zum Beispiel aus dem Rücken von Fentonar, dem Seelenspalter, zwei knöcherne Schwingen.
Rasselnd holte Sarfenon Luft und breitete all seine Arme begrüßend aus.
Der knöcherne Fürst deutete eine Verbeugung an und begann das Protokoll für solche Verhandlungen abzuarbeiten, sie waren alle böse, ja, aber nicht weniger eitel als es je ein Gott sein könnte.
„Ich, Sarfenon, Herr des Winters, begrüße euch, Fürsten der dieser dunklen Gestade.“
Alle die anderen verhüllten Gestalten verbeugten sich ebenfalls, manche tiefer als andere, und murmelten ihrerseits.
„Ich grüße euch, Fürsten dieser dunklen Gestade.“
Nachdem alle sich wieder aufgerichtete hatten legte Sarfenon bedeutungsschwanger seine knöchernen Fingerspitzen auf einander.
„Der Mensch hat uns verraten. Aldun Dunkelhand hat den Riss versiegelt nachdem er aus den dunklen Fluten dieser Welt trinken konnte und noch bevor die Barriere vollends brach. Nun ist der Verräter dabei die Welt der Sterblichen zu erobern und Chaos zu verbreiten.“
Melkura, eine hoch gewachsene Gestalt mit leicht gekrümmten Rücken, nickte und begann mit zischender Stimme zu sprechen.
„Es war abzusehen dass Ar’Aramesh sich als zu stark für unsere Manipulationen erweisen würde, er war immerhin der Stärkste unter den Menschen. Aber ich bin der Meinung dass die ganze Sache schlechter für uns hätte ausgehen können, immerhin tut dieser Mensch nun genau das was wir tun wollten, nicht wahr?“
Ein kehliges Kichern erklang vom Erzdämonen Fentonar, einer drahtigen und über vier Schritte hohen Gestalt, er erinnere etwas an eine Vogelscheuche.
„Dass tut er in der Tat, doch frage ich mich ob er Erfolg haben wird mit dem was er tut.“
Sarfenon nickte und schnitt Melkura mit einer beiläufigen Geste das Wort ab.
„Bruder Fentonar spricht da einen interessanten Punkt an. Ich denke Dunkelhand könnte diese Welt effizienter erobern als wir es je gekonnt hätten, seine Schwäche ist seine Stärke, er wird diese Welt mit einem Minimum an Schäden für uns erobern, die Kontinente werden weitestgehend unbeschädigt bleiben. Was die Frage seines Erfolges angeht so hege ich keine Zweifel, immerhin hat er es doch sogar geschafft uns zu überlisten, oder?“
Die anderen Zwölf nickten stumm, sie waren nicht dumm und lernten schnell, eine Eigenschaft, die es ihnen allen erlaubt hatte zu Herrschern über die Niederen Dämonen dieser Welt aufzusteigen, eine natürliche Ordnung im Chaos zu schaffen.
„Zweifellos wird er eines Tages einen Fehler machen, der es uns erlaubt in die Welt zu treten, ein Riss ist ein Riss, egal wie gut er ihn flickt, die Barriere ist nicht mehr so stark wie einst. Und wenn nicht Aldun Dunkelhand einen Fehler macht so wird ihn ein Anderer tun, er ist nur ein Mensch, er wird sterben und Platz machen für neue, unerfahrene. Menschen wie Aldun Ar’Aramesh wird es immer geben, ihre Emotionen machen sie unsicher, wankelmütig, sie werden uns jede Lüge, jede List glauben allein weil sie fürchten sie könnte wahr sein.“
Melkura nickte nachdenklich und strich sich mit seiner klauenbewehrten Hand über das verborgene Kinn.
„Dann warten wir also einfach auf die nächste Chance?“
Die Anderen Erzdämonen bekundeten nickend ihr Einverständnis.
Schließlich nickte auch Sarfenon und besiegelte damit ihren Beschluss.

  17.06.2006, 15:35
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1.Ich bin nich im Urlaub habe mir aber den Arm gebrochen und werde die nächsten 3 Wochen nich viel schreiben können  :ugly: (schonmal an den computer gegangen wenn dein rechter Arm gebrochen is? Ist ziemlich nervtötend -_- )
2. Ich finde man hätte alle benennen können ansonsten hats mir gut gefallen.
  19.06.2006, 12:36
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Das hab ich anfangs versucht, nach dem ich 30 Minuten über meiner Dämonisch-Wörterliste saß um möglichst passende Namen und Titel zu entwickeln und gerade mal 6 hatte wars mir dann zu blöd  :ugly:

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3. Der Weg zur Macht

Aldun summte leise als er mit hinter dem Rücken verschränkten Armen durch die völlig zerstörten Gänge des Turmes der Sieben schritt. Ein Stück hinter ihm schwebte ein wahrer Berg aus Büchern und Folianten scheinbar von Geisterhand über den verkohlten Boden. Der Stein, aus dem die Wände bestanden, war unter der Hitze des‚ Risses geschmolzen und wie nun bunte Muster in allen Regenbogenfarben auf.
Ein kehliges Kichern kroch aus Dunkelhands Kehle als er seinen Blick über all die geschmolzenen Goldmosaike gleiten ließ, sogar hier brachte der Schatten unermessliche Schönheit hervor. Seit er die Sieben in den Untergang getrieben hatte durchsuchte er ihre privaten Gemächer und Bibliotheken nach Wissen, und er war bereits mehr als fündig geworden. Es war schlicht unfassbar welche Mengen an Gedankengut man den Rematoren und den Menschen vorenthalten hatte!
Diese verblendeten Narren hatten letztlich ihre Strafe von seiner Hand erhalten.
Ein diebisches Grinsen stahl sich auf Alduns blasse Lippen, er würde tun was die Götter immer angestrebt hatten: Eine vollkommene Gesellschaft erschaffen, eine Welt in der es keinen Widerstand gegen die natürlich Ordnung, seine Ordnung, gab.
Sein Weg führte den einstigen Remator schließlich zurück zu Ilemiras Thronsaal.
Er hatte hier einige Veränderungen vorgenommen, der einst schneeweiße Marmor war nun schwarz wie die Nacht, wo früher der grazile Sessel der Göttin gestanden hatte dominierte nun ein wuchtiger Stahlthron den Raum.
Er selbst hatte das Möbelstück mit Magie geformt, es erinnerte stark an unzählige sich in Schmerzen windende Gestalten, die zwei Steinplatten als Lehne und Sitzfläche auf ihren gekrümmten Schultern trugen.
Zwei gewundene Ochsenhörner ragten aus der Lehne und dienten als Haken für zwei schwere Weihrauchpfannen aus feinem Silber. Das Räucherwerk erfüllte den Raum mit einem schweren, faulig-süßem Duft. Das goldene Mosaik zu seinen Füßen hatte er ebenfalls geändert. Wo früher die Hand des Schöpfers mit den sieben Göttern und ihren knienden Untertanen zu sehen gewesen war konnte man nun ein anderes Bild erkennen. Die Hand des Schöpfers hatte sich nur wenig verändert, ihre Finger waren dürrer geworden und sechs Blitze gingen nun von ihr aus. Das Auge im Zentrum der Handfläche wirkte schmaler, bösartiger, dies wurde von der veränderten Iris unterstrichen, die nun nur noch ein senkrechter Schlitz war. Wo früher die sieben Götter Imethaels gestanden hatte stand nun eine einzelne Person, gekleidet in eine weite Robe, die Arme zu Himmel erhoben. Von den Füßen der Gestalt gingen Risse im Erdreich aus, die die sich vor Schmerzen windenden Menschen verschlangen.
Mit einer beiläufigen Handbewegung ließ Dunkelhand den Bücherstapel hinter dem Thron zu Boden fallen, dort lagen bereits unzählige andere Bücher aufgetürmt.
Seufzend schritt Aldun die pechschwarzen Stufen zum Thron hinauf und ließ sich dort nieder.
Was war nun zu tun?
Es war eine Sache einen Krieg zu erklären, eine ganz Anderen ihn tatsächlich zu führen,
Nachdenklich beugte er sich vor und stützte sich mit den Ellenbogen auf die Knie während er seine Fingerspitzen aneinander presste.
All das Wissen, all die Teile des Mosaiks waren hier, er musste sie nur noch zusammenfügen…

Kaltes Wasser sammelte sich an der Decke der winzigen Höhle zu einem Tropfen. Mit einem leisen, ungehört verhallenden Laut fiel der Tropfen durch die vollkommene Finsternis und landete auf der Oberseite eines Steinprismas.
Unendlich langsam begann der schwebende Steinblock um die eigenen Achse zu rotieren, schwaches Licht ging von ihm aus und erhellte diesen von allem Licht verlassenen Ort. Auf einer der drei Seiten brannten sich drei blutrote Runen ihren Weg aus dem Stein und erhellten die Felskammer mit ihrer Macht.

Wie geschlagen fuhr Aldun hoch und riss die schwefelgelben Augen auf, sein Puls raste.
Schwarze Wogen umhüllten ihn, raunten ihm Worte zu, gerade als er glaubte in diesem Ozean aus Finsternis ertrinken zu müssen spaltete ein roter Blitz die Dunkelheit.
Vor ihm, im Zentrum einer schmalen Felskammer rotierte ein Stein, drei Runen glühten auf seiner Oberfläche und sandten Lichtstrahlen hinaus in die Schwärze der Kammer um diese zu durchschneiden.
Als hätte der Anblick der seltsamen Zeichen ihn bezaubert wankte Dunkelhand auf den Stein zu und strich mit seinen knöchrigen Fingern über eine der Runen.
Worte erschienen in seinem Verstand, wie von einer kreischenden Stimme hinein gebrannt.
Hüter in hohem Saal zerschmettert Macht der Herren, steigt empor zur Macht und triumphiert
Berauscht von der Kraft dieser Worte legte Aldun seine Hand auf das zweite Zeichen.
Und aus Feuer und Tod erhebt sich eine neue, ewige Ordnung, der Mar’Ithael wird über die geknechteten Herrschen, mit Feuer und Schwert, Blut und Tod.
Überrascht taumelte der ehemalige Remator zurück und hielt sich die Hand, als hätte er sie sich verbrannt.
„Mar’Ithael…“
Dieses einzelne Wort wurde von den Wänden der Felskammer zurückgeworfen bis es schließlich die ganze Kammer zu erfüllen schien.
Die Gedanken des Götterschlächters rasten, er kannte dieses Wort…
Woher nur?
Aldun schloss die Augen und zwang sich ruhig zu atmen, beschwor die Bücher herauf…

Er stand allein in der völligen Leere seiner Gedanken, dass Knistern von tausenden Pergamentseiten erklang. Aus dem Nichts erhob sich ein knisternder Wirbelsturm aus Büchern, Schriftrollen und Dokumenten.
Sie alle hatte er gelesen, sie alle waren auf ewig in seinem schier allmächtigen Verstand verewigt.
Namen, Titel, Wörter und Zahlen flogen vor seinen Augen vorbei wie Laub im Sturmwind.
Blitzschnell griff Aldun mit seinem Verstand zu, als er fündig wurde, und zog einen Folianten aus dem Wirbelsturm, der daraufhin sofort verschwand.

Mittlerweile seelenruhig öffnete Aldun die Augen und starrte auf den Stein.
Es war ein Prophezeiungsstein, ganz zweifellos.
Die Worte, die er vor Jahren in einer Chronik gelesen hatte schwebten nun klar vor seinem geistigen Auge.

1000 Jahre nach dem Bau der weißen Türme wurden die zwei Prophezeiungssteine aktiv, die Götter sind auf der Hut, warnen vor der Bedrohung durch den Schattengott.

1022 Jahre nach dem Bau der weißen Türme erhob sich das schwarze Land vom Grund des Meeres und veränderte das Klima. Die Götter schlugen sofort zu und vernichteten den Mar’Ithael.

„Mar’Ithael…“ murmelte Aldun erneut, diesmal jedoch voller Ehrerbietung.
Er wusste nur wenig über die Prophezeiungen, angeblich waren die Worte der vier Prophezeiungssteine Wegweiser. Zeichen auf einem Weg, den ein Schattengott gehen musste um die Welt zu unterwerfen.
Aldun grunzte verächtlich und begann nachdenklich um den Stein herum zu spazieren.
Schattengott… Er hatte nie so recht an die Existenz eines Mar’Ithael geglaubt… Ein einzelnes Wesen, so mächtig, so bösartig dass selbst die Götter es fürchten…
Überrascht blieb der Schwarzgekleidete wie angewurzelt stehen und fuhr sich durch sein fahles Haar.
Wenn der Stein jetzt aktiv wurde…
Der kalte Blick des einstigen Remators glitt zu den Runen.
Hüter in hohem Saal zerschmettert Macht der Herren, steigt empor zur Macht und triumphiert…
Das war er! Er hatte dies getan!
Leise fluchend trat Aldun näher an den Stein heran.
Soweit er wusste konnte man die Verse auf den Steinen in einer beliebigen Reihenfolge erfüllen, Zeit und Ort spielen keine Rolle für Mar’Ithael…
Nachdenklich fuhr Dunkelhand sich übers Kinn und berührte die dritte Rune.
Aus den Scherben des Mondes geborgen, Rache zu nehmen, Tod zu sähen und Seelen zu ernten ward eine Klinge geborgen. Klinge aus Tod, Klinge aus Hass, Klinge geschmiedet um jene zu töten, die nicht sterben können.
Nein, daraus wurde er nicht schlau…
Noch immer angestrengt nachdenkend blickte Aldun sich in der Kammer um.
Was hatte ihn hierher geführt? Schicksal?
Erneut stieg ein verächtliches Grunzen aus der dürren Brust Dunkelhands auf,
nun glaubte er schon an Vorhersehung…
Aber was wenn doch?
Was wenn er dazu bestimmt war Mar’Ithael zu sein?
Ein bösartiges Grinsen stahl sich auf seine Lippen, ja, so musste es sein…
  19.06.2006, 13:11
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  • Skelett-Magier
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Werde wohl noch mehr schreiben, aber eines kann ich dir jetzt schon ans Herz legen, überprüfe auf Rechtschreibung (sowas habe ich bei dir ja noch nie erlebt) und verlängere den letzten Abschnitt!
Meine Signatur war 17 Pixel  :ugly: zu hoch, nach einer so langen Zeit...  oO :censored:
Aber was soll man machen :| nun bleibt mir nur noch eins, ich brauch ne neue ;), wer Vorschläge hat, PN an mich oder den Papst  :er-wars:.
Solange :wayne: :frieden:
  20.06.2006, 18:29
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  • Skelett-Krieger
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Mhm, also ich hab den Abschnitt mal durchgesehen, finde eigentlich keien Rechtschreibfehler, kannst du mal ein paar quoten?
  20.06.2006, 19:06
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  • Skelett-Magier
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Also, sind auch Ungereimtheiten: (manches erkenne ich als Fehler weil ich es nicht besser weiß, aber hier)

Der Weg zur Macht:

- Zeile: 1 ich würde vor als ein Komma setzen

- Zeile: 2 das Komma nach dem des entfernen

- Zeile: 3 wie durch wies ersetzen

in Zeile 4 würde ich schlicht durch schier ersetzen, des Stils wegen.

- Zeile 9 natürlich durch natürliche ersetzen

- Zeile 16 bin mir nicht sicher, aber muss nicht statt süßem: süßeN ?

usw.

zieht sich da so, mal mehr, mal weniger stark durch
Meine Signatur war 17 Pixel  :ugly: zu hoch, nach einer so langen Zeit...  oO :censored:
Aber was soll man machen :| nun bleibt mir nur noch eins, ich brauch ne neue ;), wer Vorschläge hat, PN an mich oder den Papst  :er-wars:.
Solange :wayne: :frieden:
  20.06.2006, 19:35
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  • Skelett-Krieger
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Joa, gut, danke, habs korrigiert soweit es mir falsch erschien, für mich sind das mehr Flüchtigkeitsfehler, die beim Überarbieten (meistens) ausgelöscht werden, derzeit hab ich einfach zu viel damit zu tun die Storyfäden zusammen zu halten, ich denke und schreibe ja immerhin gleichzeitig ;)

So, zu den heutigen zwei Kapiteln ein paar Worte. Hier versuchei ch den Volanur, die bisher ja "nur" Soldaten waren, so etwas wie eine Kultur zu verpassen, bin auf euer inhaltliches Feedback gespannt und bitte (nicht storyrelevante) Fehleraufzuschieben, die kämme ich beim zweiten Durcharbeiten noch aus ;)

Zitat
4. Ein Leben im Schatten

Tausende, glühende Nadeln brannten in seinem Fleisch, alle Erinnerungen waren nur noch blasse Schemen am Rande seines Verstandes.
Eine Stimme schnitt sich durch den Ozean der Qualen direkt in seine Seele, ihre Worte waren kalt und hart wie Eis, dennoch schärfer als Stahl.
„Erwache nun, mein Kommandant, diese Welt wartet auf dich.“
Verwirrung stieg in ihm auf.
Kommandant, er?
Ja, er erinnerte sich…
Es schien so lange her…
So unendlich lange…
Als die Stimme zurückkehrte war sie donnernder, dröhnender.
„Erwache!“
Die Schmerzen verschwanden urplötzlich und hinterließen ein tumbes Kribbeln in seinen Gliedern. Er öffnete die Augen.
Unstetes Licht erfüllte die Kammer, es fiel durch eine kreisrunde Öffnung in der schneeweißen Decke, alles, Wände und Boden bestanden aus schneeweißem Stein.
Überrascht richtete er sich auf dem marmornen Altar, auf dem er bis eben gelegen hatte, auf.
Das Licht blendete ihn, der Stein erschien weißer als möglich, also hielt er sich die Hände schützend vor die Augen.
Wo war er?
„Du bist hier in meiner schwarzen Zitadelle, Kommandant. Das Schicksal hat uns auserkoren ein großes Werk zu beginnen, und du wirst Teil dieses Werkes sein.“
Wie in Panik fuhr er auf dem Altar herum und erblickte den Ursprung der Stimme, zusammen mit dem Anblick dieses Mannes brachen all die Erinnerungen wieder über ihn herein.
Aldun Ar’Aramesh hatte sich wahrlich verändert, seine einst kräftige und muskulöse Gestalt wirkte nun ausgezehrt, wie nach langer Krankheit, seine glatten, blonden Haare waren matten, grauen Strähnen gewichen. Am auffälligsten war die Veränderung im Gesicht, waren die Augen des Remators vorher wie Eis gewesen waren sie jetzt glühender Stahl, dies wurde von ihrer schwefelartigen Farbe noch unterstrichen.
Langsam, wie eine Viper, die sich einer Maus näherte, schritt Ar’Aramesh in seiner pechschwarzen Robe durch den Raum auf ihn zu.
„Was geht hier vor, Ar’Aramesh, wo sind wir hier? Warum ist es so grell?“
Noch immer schmerzen Ezkashs Augen und er war gezwungen sie mit seinen Fingern abzuschirmen, dennoch konnte er erkennen wie Ar’Aramesh lächelnd vor ihm stehen blieb.
„Du wirst mich nicht mehr Ar’Aramesh nennen, hörst du? Ab nun bin ich Lord Dunkelhand für dich, Kommandant Ezkash.“
Ezkash konnte nur verwirrt nicken, er erinnerte sich nur zu gut daran wie Dunkelhand allein all die Rematoren getötet hatte.
„Nun, Lord Dunkelhand, wie ihr es befehlt…“
Zufrieden nickte der blasse Mann und gebot Ezkash mit einer Geste die Hände vom Gesicht zu nehmen.
„Dann will ich mir eure Augen ansehen, Kommandant.“
Kaum hatte Ezkash seine Augen entblößt, da fuhr auch schon ein sengender Schmerz in sie hinein, der nach einigen Sekunden ebenso plötzlich wieder verschwand.
Nun war es nicht mehr so grell im Raum.
„Was war das… Lord Dunkelhand?“
Ein grimmiges Lächeln trat auf die fahlen Lippen des Schwarzgekleideten.
„Ich habe euch verbessert, so wie ich es tat während ihr schlieft. Seht nun eure Hände an.“
Verwirrt über die Worte des einstigen Remators blickte der Kommandant auf seine Hände, seine Haut war weiß wie Schnee, hellblaue Adern zeichneten sich darunter ab.
„Kommt nun, Kommandant Ezkash, ich werde euch eure Armee zeigen.“
Wogenden Schrittes eilte Dunkelhand aus dem Raum, als der noch immer perplexe Kommandant sich anschickte ihm zu folgen stellte er fest dass er ebenfalls eine Robe aus pechschwarzem Stoff am Leib trug.
Was ging hier vor?
Noch eben hätte er schwören können nackt gewesen zu sein…

Aldun schritt lautlos durch die verbrannten Gänge des Turmes, hinter ihm taumelte Kommandant Ezkash. Der einstige Remator lächelte flüchtig.
Ja, dieses Werk war größer als es je ein Gott hätte vollbringen können, sein neues Volk würde die Speerspitze der neuen Ordnung darstellen.
Als er den Gedanken zu Ende gedacht hatte erreichten sie die Halle.
Er hatte mehrere Stockwerke aus dem Turm gebrannt um Platz für dieses Gewölbe zu schaffen, tausende von schwarzem Dornenranken wanden sich über Wände, Boden und Decke. An einigen hingen gigantische, blutrote Blüten, die einen fauligen Duft verströmten. Andere wiederum trugen bereits mannshohe Schoten.
Dunkelhand blieb auf dem letzten freien Stück Boden in der Halle stehen und breitete die Arme aus.
„Siehe den Geburtsort der Volanur, den Klingen des Schattens!“
Beeindruckt reckte Ezkash den Hals und betrachtete die Pflanzen.
„Ich… ich sehe keine Armee… Lord Dunkelhand.“
Mit Alduns Grinsen hätte man Felsen schneiden können.
„Geduld, mein Kommandant.“
Nach diesen Worten begannen einige der Ranken zu zucken und sich zu winden, mit einem widerlichen Schmatzen rissen einige der Schoten auf. Blasse, sich windende Leiber von Männern und Frauen mit schneeweißer Haut fielen heraus und glitten über die Ranken zu Boden.
„Das ist… Widerlich… Lord Dunkelhand.“
Ezkash hatte Mühe sich nicht zu übergeben und wandte sich von dem schauerlichen Bild ab.
Blitzschnell eilte Dunkelhand um ihn herum und packte ihn an den Schultern.
„Widerlich? Ich habe die Unvollkommenheit der Menschen Imethaels genommen und sie vollendet, nicht indem ich alles Unvollkommene entfernt habe sondern indem ich es durch Besseres ersetzt habe! Die Volanur sind resistent gegen Krankheiten, ausdauernder, stärker und schneller als jeder Mensch. Ihre Intelligenz liegt fern von dem was Menschen erreichen könnten! Dies ist die wahre Schöpfung! Seid dankbar dass ihr daran teilhaben könnt, Kommandant, ich habe euch eure Erinnerungen gelassen weil ich einen Heerführer brauche, jemanden, der mein Volk in den Krieg führt!“
Ein kalter Schauer ergriff Ezkash und ließ seinen Körper erzittern.
Der Wahnsinn loderte wie ein Scheiterhaufen in den gelben Augen Dunkelhands, dennoch war dort noch immer die Macht und Weisheit der Rematoren zu sehen, eine Mischung, die reine Grausamkeit hervorbrachte.
„Krieg? Gegen wen?“
Aldun Dunkelhand lächelte viel sagend.
„Gegen alle, die sich mir und damit dem Schicksal in den Weg stellen.“


5. Vollkommenheit

Ezkashs stählerne Plattenstiefel erzeugten ein lautes Knirschen während er auf dem Exerzierplatz auf und ab ging. Einst war dies der Platz der Schöpfung, dass Herz Imethaels gewesen… Nun lag die einst so glorreiche Stadt in Trümmern, ebenso der Platz. Ein rauer Wind fuhr heulend durch die ausgestorbenen Gassen und ließ das schwarze Wolkenmeer am Himmel wirbeln.
Der Schatten lag über diesem Ort wie Nebel.
Eigentlich sollte der Wind, der Ezkashs Haar durcheinander wirbelte, ihm das Gefühl von Kälte geben, dennoch fror er nicht. Dunkelhand hatte also nicht gelogen…
Vor dem Kommandanten bewegten sich einhundert blasse Gestalten mit nacktem Oberkörper in absolutem Einklang, jeder von ihnen schwang zwei sichelförmige Schwerter.
Es erstaunte Ezkash von Tag zu Tag mehr wie viel dieses Volk, sein Volk, zu leisten vermochte.
In den letzten Monaten hatten die Volanur weite Gewölbe unter Imethael gegraben, Hochöfen, Schmieden, Behausungen und Werkstätten aller Art errichtet. Aus den Kammern der schwarzen Zitadelle strömten täglich neue Volanur, auch hatte das Volk begonnen sich unter einander zu vermehren.
Die schwarze Zitadelle… Ezkashs Blick glitt den ausgebrannten Turm der Sieben hinauf, ein wahrlich passender Name. Zwar war der Stein noch immer so weiß wie zuvor dennoch wirkte der prächtige Bau wie tot, die Fenster wie vor Qual aufgerissenen Augenhöhlen, die Tore wie Schlünde großer Bestien.
Die Volanur auf dem Platz hielten in ihren Bewegungen inne als sie ihn über den Platz kommen sahen, einer von ihnen trat vor und kreuzte seine Klingen vor der entblößten Brust.
„Willkommen, Nurdun, wie können wir dienen?“
Ezkash erwiederte den Gruß des Kriegers mit einem wortlosen Nicken, für diese Krieger war er Nurdun. Dieser Titel war ein Wort aus der ursprünglichen Sprache der Volanur, die wie Dunkelhand erzählt hatte von den Dämonen stammte. Allerdings hatte Dunkelhand die Volanur angewiesen die Sprache dieser Welt zu lernen, was sie auch sehr schnell getan hatten.
Kommandant Ezkash erschien dies immer fragwürdig, wozu mussten Krieger sprechen können?
Nurdun jedenfalls setzte sich zusammen aus den Wörtern Dun, Wille und Nur, Dunkelheit. Allerdings schien Nur auch der Name der volanur für Aldun Dunkelhand zu sein, die dunkle Sprache war sehr deutungsreich.
„Nein, vielen Dank, Volanur, ich bin nur auf Rundgang… Fahrt mit den Übungen fort.“
Der Volanur, was nicht nur der Name des Volkes sondern auch der der Krieger war, verbeugte sich und kehrte auf seinen Platz in der Formation zurück.
Als der Kommandant seinen Weg über den Platz fortsetzte hörte er wie hinter ihm Anweisungen gerufen wurden, die Volanur begannen wieder mit ihrem endlosen Tanz.
Ein schmales Lächeln stahl sich auf die Lippen des Kommandanten, noch etwas Bemerkenswertes an diesem Volk, sie waren vollkommene Krieger. Ihr ganzes Leben lang stählten die Krieger des Volkes ihre Kampfkunst, trainierten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, Woche um Woche, Monat um Monat. Wenn sie in die Schlacht zogen taten sie dies in Erwartung zu sterben, es war ihnen egal, alles was letztlich zählte war der Sieg.
Nun lag der Übungsplatz der Krieger hinter ihm, einige Meter vor ihm, einst hatte sich dort eine der Hauptstraßen Imethaels befunden, pragte eine gewaltige Erdspalte.
Das Land um Imethael hatte stark unter Dunkelhands Machenschaften gelitten, die Erdspalten waren nur ein Teil all der von ihm verursachten Wunden.
Dennoch war der Riss nun sehr nützlich, zum einen diente er als Belüftungsschacht für die unterirdische Stadt der Volanur, zum anderen hatten die Steinmetze hier eine Treppe angelegt, die in die Tiefe führte.
In perfekten Winkeln hatten sie die schmalen Stufen aus der Felswand geschnitten und mit Dornenranken graviert, alle fünf Schritte waren Nischen in die schroffe Felswand eingelassen in denen helle Flammen brannten. Nur einen Schritt neben dem Kommandant ging es hunderte Meter in die Tiefe, er konnte das rote Glühen des Flusses aus flüssigem Fels ausmachen, der tief unten entlang floss. Die heiße Flüssigkeit war reich an Eisen, Dunkelhand hatte einige bösartige Kreaturen, Dämonen nach seiner Aussage, beschworen um es abzuschöpfen und zu Barren zu gießen.
Nach duzenden Stufen erreichte Ezkash den oberen Ring, diese Ebene zog sich ringförmig unter dem ganzen Tal entlang. Hier oben lebten die Familien der Volanur, nun, Familie war ein unpassender Begriff. Die normale Volanurfamilie setzt sich zusammen aus einem Mann, in der Regel Krieger oder Handwerker, und einer Frau. Die Frauen hatten in der Gesellschaft der volanur eine seltsame Rolle, zwar konnten sie keine Krieger im herkömmlichen Sinne werden allerdings stand ihnen als Einzigen der Weg der Schattenpirscher offen. Schattenpirscher waren, soweit Ezkash dies verstanden hatte, eine Mischung aus Spioninnen und Meuchelmörderinnen, sie nutzten Magie und Gifte um an Informationen zu gelangen oder zu töten.
Der Kommandant der Volanurarmee hielt in seinen Gedanken inne als er den großen Tunnel betrat.
Dieser gigantische Tunnel bildete das Herzstück des Tunnelsystems, vom untersten Grund bist zur obersten Decke war er gut eine Meile hoch und reichte so über alle drei Hauptringe. Nun, in Wahrheit war er alles drei Hauptringe, vom großen Tunnel gingen kleinere Gänge ab zu äußeren Ringen der Selben Ebene. Um zwischen Ebenen wechseln zu können musste man den großen Tunnel aufsuchen und eine der unzähligen dünnen Treppen benutzen, die sich an den Wänden entlang zogen.
Unzählige zerbrechlich wirkende Bogenbrücken spannten sich in regelmäßigen Abständen von einer Seite des Tunnels zur Anderen. Allerdings war der Tunnel nicht durchgehend, auf jeder der vier Ebenen gab es an den Tunnelwänden breite Felsemporen auf denen Straßen, Plätze und Behausungen lagen.
Zu dieser Tageszeit waren all die Brücken und Straßen mit Volanur gefüllt, die dominierenden Farben waren Schwarz und Rot, allerdings nicht die Einzigen. Die Volanur waren von Natur aus sehr groß und hatten schwarzes Haar, ihre Augen hatten keine Pupillen und waren blutrot, sie wirkten mehr wie rote Glaskugeln als Augen.
Wohin Ezkash auch ging deuteten die Volanur Verbeugungen an wenn er an ihnen vorbei schritt, sie kannten ihren Kommandanten mittlerweile, Dunkelhand hatte seinen Lebenslauf und die Liste seiner Verdienste etwas ausschmücken lassen…
Nur mit Mühe konnte der Kommandant sich seinen Weg hinab zur vierten Ebene bahnen, unterwegs musste er die Ebenen von Kriegern, und Handwerkern passieren. Hier unten gab es nun spürbar weniger Volanur auf den Brücken und Straßen, die Tempelebene war für unbefugte Teile der Bevölkerung gesperrt, hier unten lebten und arbeiteten die Marshadar, die Hohepriester der Volanur.
Noch immer musste Ezkash die Lippen verziehen wenn er an diese schwarzen Vögel dachte, sie trugen immer eine Kapuze mit Mundtuch und hatten sich die Nasen in grausigen Ritualen abgeschnitten. Wozu auch immer dieser blutige Unfug diente, die Marshadar waren gut darin. Sie waren es, die mit ihrer Magie den großen Tunnel geformt hatten, einzig die kleineren Gänge waren Werk der Steinmetze.
Hier unten lag auch der Boden des großen Tunnels, er bestand aus poliertem Obsidian und war spiegelglatt. Ein Duzend gewaltiger, runenverzierter Säulen säumte hier unten den Weg auf die innere Wand des großen Tunnels zu, dort befand sich ein gewaltiges Portal aus massivem Eisen.
Als Ezkash näher kam konnte er das Motiv auf dem Tor erkennen, es war das Selbe wie er es schon auf dem Boden von Dunkelhands Thronsaal gesehen hatte.
Sollte er nicht Reue verspüren dafür dass er so anstandslos dem Feind diente?
Nachdenklich blieb Ezkash stehen und rieb sich die Brauen.
Aber dieses Volk, sein Volk, war nicht böse… nicht verdorben…
Das war Paradox, wie konnte ein Mann wie Dunkelhand etwas so ehrenvolles, so starkes erschaffen?
Dieser Mann hatte alles verraten was ihm einst heilig war.
Noch immer in Gedanken versunken lehnte er sich gegen eine der gewaltigen Obsidiansäulen.
Dunkelhands Worte begannen in seinem Kopf zu kreisen.
„Ich habe die Unvollkommenheit der Menschen Imethaels genommen und sie vollendet, nicht indem ich alles Unvollkommene entfernt habe sondern indem ich es durch Besseres ersetzt habe!“
Zu gut konnte er sich an ähnliche Worte von ihm erinnern, damals bei der Hinrichtung dieses Verderbten, der sich als Vater Aldun Ar’Arameshs ausgegeben hatte.
Vielleicht war es letztlich das Streben nach Vollkommenheit das Dunkelhand in den Wahn trieb, dass Streben Anforderungen gerecht zu werden, die er selbst sich immer höher steckte.
Ezkash zuckte mit den Schultern und machte sich wieder auf den Weg nach Oben, er war Stratege, kein Seelsorger, und es galt einen Krieg vorzubereiten.
  20.06.2006, 20:22
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  • Skelett-Magier
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Das ganze erinnert mich stark an das typische Klischee für Dunkelelfen, man erkennt einige Parallelen.
Es gibt aber natürlich auch deutliche Differenzen, die diesem Volk was eigenes geben.


Zu dem Text will mir gerade nix gescheites einfallen, das keine Standartpose wäre.
Meine Signatur war 17 Pixel  :ugly: zu hoch, nach einer so langen Zeit...  oO :censored:
Aber was soll man machen :| nun bleibt mir nur noch eins, ich brauch ne neue ;), wer Vorschläge hat, PN an mich oder den Papst  :er-wars:.
Solange :wayne: :frieden:
  20.06.2006, 20:59
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  • Skelett-Krieger
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Mhm, lustig dass du das ansprichst.
Eigentlich wollte ich eine neue Kultur schaffen, zu einem gewissen Teil Alduns Weltvorstellung in ein Volk umsetzen.
Als ich dann fertig war musste ich auch feststellen das das Ganze doch sehr an die klassischen Dunkelelfen erinnert ^^°

Hier mal die zwei nächsten Kapitel, im ersten erfahren wir näheres über den Riss und die Hohepriester der volanur. (Wer Sarfenon kennt wird sich daran erinnern dass sie es waren, die Aldun weckten)

Im zweiten Teil wird die Brücke geschlagen zwischen Xornas in Sarfenon und Alduns Weg. Damit möchte ich den Eindruck erzeugen dass Aldun zwar nicht Mar'Ithael ist, dennoch ein Kiesel im Teich des Schicksals, der weite Wellen schlägt und das Geschehen auf lange Zeit prägte.

Zitat
6. Um’Agal

Das Geräusch von klirrendem Stahl erfüllte die gewaltige Halle, es entstand als duzende Schmiede ihre Werkstücke mit enormer Präzision und Kunstfertigkeit bearbeiteten. Gewaltige Rauchsäulen krochen aus den Schlünden der Hochöfen, nur um dann in der gewaltigen Erdspalte an der Decke zu verschwinden.
Aldun schritt mit hinter dem Rücken verschränkten Armen zwischen den Schmieden, Wasserbecken und Hochöfen hindurch und inspizierte hier und da eine Waffe oder eine Rüstung.
Eigentlich war diese Art der Kontrolle nicht nötig, die Volanur waren so geschickt und gewissenhaft dass er selbst diese Dinge kaum besser hätte fertigen können.
„Entspricht alles euren Wünschen, Lord Dunkelhand?“
Einer der Schmiede, ein Mann mit genug Muskeln für drei Menschen deutete eine Verbeugung an und betrachtete ihn erwartungsvoll.
Nachdenklich betrachtete Aldun zunächst den Brustpanzer in seinen Händen, dann den Schmied.
„Die Gelenke dieser Panzer müssen absolut geschützt sein, Schmied. Im Osten, in Zerstenear können die Schützen auf hundert Schritte eine Fliege an einen Pfahl heften.“
Der Volanur strich sich nachdenklich über seinen kahl rasierten Schädel und nickte schließlich lächelnd.
„Vielen dank für diesen Hinweis, Lord Dunkelhand, ich werde mich mit den anderen Schmieden beraten was zu tun ist.“
Mit ernster Miene nickte der einstige Remator dem stämmigen Volanur zu und setzte seinen Weg fort, als er den Ausgang der Höhle mit den Schmieden erreichte erwartete ihn dort bereits jemand.
Der Marshadar war etwa so groß wie er selbst und war in die für die Volanurpriester üblich schwarze Robe mit Kapuze und Mundtuch gekleidet. Als Dunkelhand näher kam verbeugte sich der Priester tief.
„Verzeiht dass ich euch störe, Lord Dunkelhand, aber wir haben Fortschritte bei der Erforschung des Risses gemacht.“
Überrascht zog aldun eine seiner Brauen hoch und verschränkte die Arme.
„So? Erstaunlich, was habt ihr herausgefunden?“
Noch einmal verbeugte der Priester sich, diesmal hatte die Geste etwas Unterwürfiges.
„Verzeiht mir, großer Lord, aber ich weiß es nicht, die drei Hohepriester haben mich nur geschickt euch zu holen, worum es im Detail geht haben sie mir nicht gesagt.“
Entnervt seufzte Aldun und eilte wortlos an dem Priester vorbei, die drei Hohepriester waren ihm viel zu arrogant geraten, allein schon dass man von ihm erwartete zu ihnen zu kommen war eine bodenlose Frechheit.  
Der Weg hinab zur Tempelebene führte sie über unzählige schmale Brücken und Gänge in denen die Bevölkerung auf die Knie sank sobald Aldun und der Priester sie passierten, dass Volk der Volanur hatte keine Götter, die es verehrte, aber sie verehrten Aldun Dunkelhand als Ursprung ihrer Rasse.
Schließlich kamen sie auf dem Boden des großen Tunnels an und begaben sich zum Tempelportal, einem großen Tor aus schwerem Eisen, das mit lautem Donnern aufschwang als Aldun und sein Begleiter sich ihm näherten.
„Lord Dunkelhand, willkommen.“
Drei Marshadar, gekleidet wie der, der Aldun abgeholt hatte, standen knapp hinter dem Torbogen und erwarteten ihn. Augenscheinlich waren sie wie all die Anderen Priester, doch verriet ihre Haltung und der vertrauliche Klang ihrer Worte ihre Stellung als Hohepriester.
Der Tempel der Volanur war ein gewaltiger Raum, gekrönt von einer Kuppel. Alles bestand aus poliertem, nachschwarzen Obsidian. Im Zentrum des kreisrunden Raumes schoss eine giftgrüne Lichtsäule aus dem Boden und verschwand in einem runden Loch am höchsten Punkt des Kuppeldaches.
Dies war der Riss, der Strahl reichte, soweit Aldun wusste, vom Zentrum der Welt bis in die Siegelkammer in der schwarzen Zitadelle.
„Nun, Hohepriester, was habt ihr zu berichten? Seid versichert dass ich es nicht weiter billigen werde von Laufburschen durch die Gegend beordert zu werden.“
Die Drei zuckten zusammen wie geschlagen und befahlen dem Priester, der Aldun hergeführt hatte zischend den Raum zu verlassen.
Als das Tempeltor sich hinter dem Marshadar geschlossen hatte war Aldun allein mit den Hohepriestern und ging nachdenklich auf den grünen Lichtstrahl zu. In etwa fünfzig Schritt Höhe schwebte eine flimmernde Kugel im Zentrum des Strahles.
„Der Kristall ist stabil?“
Der Herrscher der Volanur wandte seinen Blick nicht von der Kugel ab und verschränkte die Arme hinter dem Rücken als er die Frage stellte.
Die Hohepriester wechselten einige Blicke und nickten schließlich gleichzeitig.
„Ja, Lord, Dunkelhand, alles verläuft zu unserer Zufriedenheit. Um’Agal ist stabil und ermöglicht es uns nun die Energien zu kanalisieren. Ein… Ausbruch… Wie in dem Moment als ihr in eurer Weitsicht den Spalt gerissen habt wird nicht wieder ohne unser Zutun vorkommen.“
Aldun nickte zufrieden, eigentlich war es nicht in seinem Interesse gewesen Imethael zu zerstören, doch der Druck aus der Welt der Dämonen war zu stark gewesen, hatte Imethael und seinen Körper zerstört… In seiner Not hatte er den Riss mit den Seelen der sieben Götter versiegelt, eine Barriere, die die Dämonen nicht überwinden konnten. Mit dem Kristall von Um’Agal jedoch war es ihm möglich gezielte Mengen an dämonischer Energie in diese Welt zu holen.
„Weswegen habt ihr mich also herbestellt, Hohepriester?“
Die drei schlossen langsam zu ihm auf und bezogen neben ihm, vor der Lichtsäule, Aufstellung.
„Wir haben die Wesen ausfindig gemacht nach denen ihr uns suchen ließet, Lord Dunkelhand.“
Nachdenklich drehte Aldun sich zu dem Marshadar, der gesprochen hatte herum und musterte ihn.
„So? Es sind dreizehn, nicht wahr? Dreizehn Erzdämonen als Gegenstück zu den dreizehn Göttern.“
Überrascht rissen die Marshadar ihre schwefelgelben Augen auf, die Augenfarbe war der einzige wirkliche Unterschied zwischen den Priestern und den Kriegern der Volanur.
„Ja, Lord Dunkelhand, woher wisst ihr das und wie sollen wir mit ihnen verfahren, sollen wir sie extrahieren?“
In Gedanken versunken blickte Aldun wieder in das wogende, grüne Licht.
Die Dämonen hatten versucht ihn zu benutzen um in diese Welt zu gelangen, wollten aus seinem Leid einen Vorteil ziehen. Sie würden ihrer Strafe ebenfalls nicht entgehen, aber noch war es nicht so weit, die Prophezeiungssteine hatten Vorrang.
„Hört mir nun genau zu, ich werde morgen nach Süden aufbrechen, in den Urwald von Amon-Xar. Dies wird eine geheime Reise sein, ich werde allein gehen. Ihr werdet Kommandant Ezkash in einer Woche den Marschbefehl nach Osten geben, es ist Zeit diese Welt mit Tod und Zerstörung zu überziehen.“


7. Der Garten des Schöpfers

Nachdenklich schritt Aldun in seinem Thronsaal auf und ab, das Licht der Flammen erhellte den Raum und ließ das Gesicht des einstigen Remators wie in Stein gehauen erscheinen.
Die Bücher brannten.
Er selbst hatte sie alle den Flammen übergeben nachdem er sie gelesen hatte, er allein hatte das Recht über dieses Wissen zu gebieten, dass war ihm nun klar.
Er war Mar’Ithael, es war seine Bestimmung diese Welt nach seinem Willen zu formen und zu verbessern.
Ein wehmütiges Lächeln trat auf Alduns Lippen als er stehen blieb und seine blassen, dürren Hände betrachtete.
Zum Wohle des großen Ganzen mussten eben Opfer gebracht werden.
Der Blick aus seinen gelben Augen glitt zu dem im Boden eingearbeiteten Relief.
Ja… Opfer… Der Schöpfer hatte nicht eingegriffen als man ihn verriet, auch nicht als er Rache nahm. Griff der Allmächtige denn überhaupt je ein? Oder war diese Welt für ihn nur wie ein Vogel im Käfig?
Ein Objekt der Unterhaltung…
Langsam löste Aldun seine im Saum seiner Robe verkrampften Hände und zwang sich ruhig zu werden, Hass musste gelenkt werden, er durfte nicht frei wüten.
Es war nun Zeit aufzubrechen… Soweit er die Bücher verstanden hatte lag der Ursprung der Prophezeiungssteine im Urwald, im Südosten der Welt. Die grüne Hölle von Amon-Xar beherbergte eine Vielzahl von Stämmen, die fernab der göttlichen Herrschaft lebten.
Er hatte nie ganz verstanden warum die Götter dies duldeten.
Ruhig schloss Aldun die Augen und stellte sich im Geiste diesen Wald vor, wie seine Bäume im Wind wogten, von längst vergangenen Tagen flüsterten.
Wie er die Bäume berührte, ihren Duft roch.
Die Feuchtigkeit war erdrückend und ließ Dunkelhand die Augen öffnen, es hatte funktioniert.
Er stand nun auf einer großen Lichtung, überwuchert von unzähligen kleinen Pflanzen und Ranken, vor ihm ragten Bäume auf, die so groß waren wie kleine Festungen, hunderte von Vögeln erfüllten die Luft mit ihrem Gesang.
Wie bezaubert von der Schönheit dieses Ortes nahm Aldun Dunkelhand auf einem Felsen in der Nähe Platz, legte den Kopf schief und lauschte.
Ja, diesen Ort nannte man völlig zu Recht den Garten des Schöpfers.
„Bewege dich, Schattenmann, und du bist tot.“
Die Stimme ließ Aldun überrascht die Brauen heben, sie sprach in einem brüchigen Dialekt und wirkte nicht übermäßig furchterfüllt. Seufzend blickte Dunkelhand sich im Wald um, er konnte niemanden sehen also hob er in gespielter Angst die Arme.
„Oh ich ergebe mich, tut mir nichts.“
Die Ironie dieser Situation hätte ihn fast laut loslachen lassen, hier saß er nun, Aldun Dunkelhand der Götterschlächter und ergab sich einem Wilden nur um Kontakt zu den Einheimischen zu finden. Während er noch so über seine Situation nachsann bemerkte Dunkelhand wie sich vor ihm eine Gestalt aus dem Pflanzenmeer erhob.
Der Mann hatte eine Hälfte seines Gesichtes mit mehreren konzentrischen Kreisen tatoowiert, auch seine Handrücken waren mit diesem Muster geschmückt, gekleidet war er nur in einen ledernen Lendenschurz, dennoch hielt er einen gespannten Bogen mit eingelegtem Pfeil direkt auf Alduns Gesicht gerichtet.
„Wer bist du Schattenmann, was machst du im Wald meines Stammes?“
Nachdenklich blickte der gefallenen Remator in die eisblauen Augen des schon älteren Mannes, er sah keine Furcht in ihnen.
„Bist du von dem Stamm, der das Geheimnis der vier Steine hütet?“
An der Regung im Gesicht des Schützen konnte Aldun ablesen, dass er richtig gelegen hatte, in allen Büchern über die Prophezeiung von Mar’Ithael wurde das alte Volk erwähnt, bei ihnen wurde der Ursprung der vier Steine vermutet.
„Wir hüten das Geheimnis der Steine nicht, Schattenmann, wir behüten die Welt vor dem Geheimnis.“
Diese Worte ließen Aldun schmunzeln, auf eine Ausstrahlung der Ruhe bedacht nahm er die erhobenen Hände runter und faltete sie in seinem Schoß.
„Hör mir zu, Mann, ich bin Aldun Dunkelhand, Herrscher über die ganze nördliche Welt, ich fordere zum Oberhaupt deines Stammes geführt zu werden.“
Ein fast schon gehässiges Lächeln stahl sich auf die braunen Lippen des Eingeborenen.
„Mein Name ist Verxas, ich bin der Häuptling meines Stammes, Schattenmann. Es ist mir außerdem egal woher du kommst und wie viel Land du beherrschst, in Amon-Xar sind andere Dinge wichtig.“
Mittlerweile vollends von dem primitiven Verhalten des Häuptlings gelangweilt gähnte Aldun herzhaft und erhob sich von dem mit grünem Moos bewachsenen Felsen.
„Weißt du, mein Lieber Verxas, du wärest überrascht als wie wichtig sich manche Dinge plötzlich entpuppen können.“
Blitzschnell schnitt der einstige Remator durch das hohe Gras und packte das linke Handgelenk des Schützen, nur um es dann wie einen Zweig abzubrechen. Der gellende Schmerzensschrei, den Verxas ausstieß, schreckte hunderte von Vögeln aus den Kronen der umliegenden Bäume auf.
Zu Alduns Überraschung lachte der am Boden liegende Mann, dessen Haar mit Baumharz an seinen Kopf angedrückt war, während er sich das gebrochene Handgelenk hielt.
„Und der große Wille des Schattens wird in den Wald des Volkes treten und den Häuptling mit seiner Macht niederwerfen. Von seiner Hand wird das Volk viel Tod und Leid erfahren bis er es schließlich gebrochen zurücklässt.“
Bei diesen, fast schon gestammelten Worten, des Kriegers stellten sich Alduns Nackenhärchen auf.
Diese Formulierung… Der Klang der Worte…
Hastig sank Dunkelhand auf die Knie und zog den Bogenschützen auf die Beine.
„Was waren das für Worte? Die vierte der Prophezeiungen? Sprich oder ich werde dich endlos leiden lassen!“
Verxas hörte auf zu lachen und erwiderte Alduns bohrenden Blick ernst.
„Es gibt mehr als nur die vier großen Prophezeiungen, oh großer Wille, unser ganzes Leben ist Gegenstand des Schicksals. Die Schamanen meines Stammes erfahren bei Zeiten Abschnitte davon in ihren Träumen und schreiben sie als Prophezeiungen nieder. Die Prophezeiung vom Schattenmann war es die mich heute hierher führte um dich zu finden. Komm, wir gehen ins Dorf meines Volkes, wie es uns bestimmt ist.“

Wie sich zeigte war das Dorf von Verxas’ Volk weit mehr als nur eine Ansammlung von Hütten, wie Aldun es sich vorgestellt hatte.
Etwa hundert Gebäude aus braunem Sandstein standen in konzentrischen Kreisen um ein Ziggurat, eine Stufenpyramide angeordnet. Bäume hatte man keine gefällt um die Stadt zu bauen, man hatte die steinernen Häuser einfach um die mächtigen Baumstämme herum gebaut.
Als Aldun nun so in seiner nachtschwarzen Robe durch die Straßen schritt zog er viele Blicke auf sich, wurde voller Furcht gemustert.
Er musste sich ein zufriedenes Lächeln verkneifen, wenigstens hier fürchteten sie ihn noch!
Schließlich kamen die Beiden auf einen runden Platz, gepflastert mit glatten Steinen, am Fuße der gewaltigen Pyramide. Im Zentrum des Areals ragte ein mit Runen verzierter Obelisk aus Obsidian auf.
Dunkelhand runzelte die Stirn als er den Ziergegenstand bemerkte, diese Art von Stein gab es nur im Norden… Hier sollte es ihn  nicht geben…
„Dies ist die Prophezeiung vom Schattenmann.“
Überrascht löste Aldun seinen Blick von den goldenen Schriftzeichen, sie schienen nach ihm zu rufen… Der Platz war plötzlich leer, nur er und der junge Häuptling waren noch zu sehen.
„Worum dreht sie sich?“
Nachdenklich schritt Dunkelhand auf den pechschwarzen Stein zu, streckte gierig seine blassen Finger aus diese makellose Oberfläche zu berühren, ihre Geheimnisse zu erfahren…
„Halt!“
Wie geschlagen blieb Aldun stehen und riss die Augen auf, diese Worte waren mehr gewesen, in ihnen lag Magie! Panisch fuhr er herum, Verxas war verschwunden, an seiner Stelle standen nun duzende muskulöse Männer in den Straßen, die auf den Platz führten.
„Wir werden nicht zulassen dass du die Prophezeiung wahr machst, Schattenmann! Xornas, tötet ihn!“
Der Häuptling hatte die Treppen zur Pyramide erklommen und stand nun auf halber Höhe, von wo er ihn zornig musterte.
Ein verächtliches Lächeln kroch auf Alduns Lippen, wollten diese Narren, diese Heiden, es wirklich mit seiner göttergleichen Macht aufnehmen?
Die Männer traten nun auf den Platz, jeder von ihnen trug einen Langbogen, Lendenschurz und geglättetes Haar, wie Verxas. An vorderster Front schritt ein junger Mann, der etwas großer war als die Anderen, dies musste ihr Anführer, Xornas, sein.
„Anlegen!“ bellte der Befehlshaber der Schützen mit schnarrender Stimme und zog selbst einen der bunt gefiederten Pfeile aus dem Lederköcher an seinem Gürtel und legte ihn ein.
„Feuer!“ Zweihundert Pfeile wurden gleichzeitig von ihren Sehnen gelassen und erfüllten die Luft mit einem Sirren wie von einem Heuschreckenschwarm.
Mit einem prasselnden Geräusch zersplitterten zweihundert Pfeile auf dem braunen Kopfsteinpflaster des runden Platzes.
Von Aldun Dunkelhand fehlte jede Spur.
„Wo ist er? Sucht ihn! Der Schattenmann darf nicht“
Die Stimme des greisen Häuptlings war zu einem erbosten Kreischen geworden und riss abrupt ab als Aldun hinter ihm aus einem wogenden Schemen trat und ihm seine blasse Hand auf die Schulter legte.
„Ich bin hier.“
Die Stimme des Remators verkündete diese schlichte und doch entscheidende Wahrheit mit der Schärfe glühenden Stahles.
„Lass sie ihre Waffen niederlegen und meine Strafe wird milde sein.“
Verxas nickte nur während ihm Angstschweiß übers Gesicht lief, sofort warfen die Schützen auf dem Platz ihre Waffen zu Boden.
„Was ist dies für eine Prophezeiung, sprich, alter Mann.“
Wortlos nickte der Häuptling, er war nun sehr blass geworden und hielt sich sein gebrochenes Handgelenk.
„Dies ist die Prophezeiung vom Schattenmann, sie erzählt von einem, der kommen wird um alles was recht ist zu zerstören. Er wird die Ordnung des Schöpfers den Flammen übergeben. Auf diesem Stein wird beschrieben wie er den Sieg erlangen kann.“
Nachdenklich nickte Aldun und nahm die Hand von der Schulter des Alten, der sich dadurch nicht im Mindesten entspannte.
„Also eine Prophezeiung des Mar’Ithael… Sehr gut… Was steht dort?“
Der Häuptling schwankte nun vor Angst und Erschöpfung, schien kurz vor dem Zusammenbruch zu stehen und zwang sich dennoch weiter zu sprechen. Unten auf dem Platz blickten seine Krieger beschämt zu Boden.
„Einen Teil kennst du schon… „Und der große Wille des Schattens wird in den Wald des Volkes treten und den Häuptling mit seiner Macht niederwerfen. Von seiner Hand wird das Volk viel Tod und Leid erfahren bis er es schließlich gebrochen zurücklässt.“ Aber es gibt noch mehr. „Damit er sein Schicksal erfüllen kann muss der Schattenmann die Seelen der dreizehn großen Geister in Stahl binden.““
Überrascht riss Aldun die Augen auf.
Es war so offensichtlich gewesen!
„Sehr gut…“
Er hatte Mühe seine Stimme kalt und tonlos klingen zu lassen und seine Aufregung zu verbergen.
„Nun… Kommen wir zu deiner Strafe… Hast du einen Sohn?“
Verxas schüttelte standhaft den Kopf und deutete hinunter zum Platz.
„Xornas ist mein einziger Verwandter, er ist mein Enkel.“
Ein bösartiges Lächeln trat auf Alduns blasse Lippen.
„Möchtest du nicht ewig leben, Häuptling? Zusammen mit deinem Sohn und deinen Prophezeiungen?“
Alduns eiskalter Blick glitt hinauf zur Spitze der Pyramide.
„Los, alter Mann, hinauf, hol deinen Enkel!“
Panisch vor Angst flog der junge Xornas die Treppenstufen hinauf und schritt hinter seinem Großvater und Aldun in die quadratische Kammer in der Spitze der Pyramide.
„Ihr Beide… Werdet hier bleiben und warten bis sich die Prophezeiungen erfüllt haben! Ihr werdet meinen Triumph miterleben! Und den Untergang eures Volkes! Ich werde euch einfach nicht gestatten zu sterben oder diese Kammer zu verlassen bis die Stunde von Mar’Ithael gekommen ist!“
Bei diesen Worten trat ein irrsinniges Funkeln in Alduns schwefelfarbene Augen, wehender Robe stürmte er hinaus und die Stufen zum Platz hinab.

Als die Schreie der Menschen verklungen waren blickte Xornas mit tränenverschmiertem Gesicht auf, sein Großvater saß in einer Ecke und lachte.
„Was ist in dich gefahren? Hat der Wahnsinn des Schattenmannes dich angesteckt?“
Häuptling Verxas sah auf und lächelte zynisch.
„Verzweifle nicht, Xornas… Der Schattenmann hat sich selbst getäuscht. Er glaubt er wäre der Schattengeborene, den die vier großen Steine Mar’Ithael nennen! Aber der Schattenmann liegt falsch, er hat einen der Steine gelesen und ist blind vor Machtgier! Jetzt glaubt er die Prophezeiung vom Schattenmann wäre Teil der großen Vier, ist sie aber nicht!“
Verwirrt legte Xornas den Kopf schief.
„Und jetzt hat der Schattenmann uns hier eingesperrt, bis die Prophezeiung vom Schattengeborenen sich erfüllt…“
Murmelte Xornas leise bevor er schließlich zu grinsen begann.
„Genau, Xornas, ich sehe du verstehst. Der Schattenmann wird diesen Zeitpunkt wahrscheinlich nicht einmal selbst erleben, da er völlig verblendet ist. Wir hingegen werden dank seiner Magie bereit sein wenn es soweit ist.“
  21.06.2006, 17:46
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  • Skelett-Krieger
    • Untot
Im heutigen Teil sieht man eine der kleinen Änderungen gegenüber Sarfenon. Dort hieß es nämlich dass die Marshadar die dreizehn Klingen schufen, etwas das mir im Nachhinein unsinnig erschien, da sie dazu wohl nicht die Macht hätten. Hier die neue Version.

Zitat
8. Die dreizehn Klingen

Das leise Knistern der gebündelten Energien erfüllte die Risskammer, kein Laut war sonst zu hören als die Dunkelheit an einer Stelle dichter wurde und die Gestalt von Aldun Dunkelhand annahm.
Ein sardonisches Lächeln zierte seine schmalen Lippen.
Heute würde er Geschichte schreiben, würde tun was die Götter nie vermocht hatten!
In stille Bewunderung versunken schritt der einstige Remator um die grüne Lichtsäule herum, musterte die strahlende Kugel in seinem Herzen.
Für dieses Wunder hatte er alles aufgegeben, hatte sein Leben voller Lügen gegen eines voll von Offenbarung eingetauscht.
Das Lächeln auf Alduns Lippen bekam einen wehmütigen Stich.
Und dennoch… Wenn er an ihr Lächeln, ihre Augen dachte war da diese Erinnerung… Die blasse Erinnerung an ein Gefühl…
Mit ausdruckslosem Blick betrachtete Dunkelhand seine dürren, entstellten Hände.
Es gab keine Vergebung mehr, keine Hoffnung, er war schon zu weit gegangen…
Mit einem grimmigen Funkeln in seinen gelben Augen wanderte Alduns Blick langsam wieder zur Lichtsäule.
Er hatte schon Götter getötet, warum dann nicht Erzdämonen versklaven?
Ärgerlich legte er den Kopf schief und verschränkte die Arme.
Weil dies nun mal etwas anderes war, die Götter hatte nicht er getötet, die Energie aus dem Riss hatte es getan… War er überhaupt stark genug mit allen dreizehn fertig zu werden? Er würde einen mächtigen Katalysator brauchen um so viel Magie bündeln zu können…
Ein Kichern, wie ein Todesröcheln, erhob sich aus Alduns dürrer Brust als er sich schnellen Schrittes von der Lichtsäule entfernte.
Worüber machte er sich Sorgen?
Ihm stand genug vom besten aller Katalysatoren zur Verfügung!

Das Kreischen der Äxte, die über massive Schleifsteine gezogen wurden, erfüllte die Halle. In regelmäßigen Abständen erklang ein anderes Geräusch: Unzählige Füße, die einen Schritt nach vorn taten.
Aldun saß grimmig lächelnd auf seinem gigantischen Stahlthron, das Kinn auf eine Hand gestützt. Eine lange Schlange von Volanur, größtenteils Frauen und Handwerker, da die Krieger derzeit im Osten waren, stand von außen bis in den Thronsaal. Am Fuße des Thronpodestes standen zwei Scharfrichter und schliffen ihre Äxte. Diese muskulösen Volanur hatten ihre drahtigen Körper mit duzenden blutroter Lederriemen bandagiert.
Die Arme verschränkend lehnte Dunkelhand sich schließlich zurück und musterte das Treiben. Das Blut der Enthaupteten floss in ein kreisrundes Loch im Boden und verschwand in Leitungen, die er eigens dafür angelegt hatte. Die Leichen und Köpfe wurden von Dienern aus dem Raum getragen.
Er hatte die ganze letzte Nacht kalkuliert und nachgedacht… Das Blut von eintausend müsste für seine Zwecke ausreichen. Es war nur gerecht wenn das Volk der Volanur diesen Tribut leisteten, es war ein Werkzeug für seinen Krieg, warum sollten nur die Krieger ihr Blut in diesem lassen?
Überrascht sah Aldun auf, ein Marshadar war an den restlichen Volanur vorbei geeilt und kniete nun vor seinem Thron, wartete offenbar darauf Gehör zu finden.
„Was ist?“
Der Herrscher über das Volk der Volanur konnte das Unheil förmlich riechen, als der Priester aufsah, ihn mit seinen gelben Augen musterte und zu sprechen begann.
„Mein Lord Dunkelhand, unser Heer wurde im Osten vernichtend geschlagen. Die gesamten Truppen starben bevor sie die Mauern von Zerstenear erreichen konnten.“
Stille brach wie eine Lawine über den Raum herein als der Marshadar, den Zorn seines Herrn fürchtend, ängstlich zu Boden blickte.
Alduns Mund stand ein Stück weit offen.
Wie konnte das nur sein? Menschen waren den Volanur nicht ebenbürtig… Sie hatten doch auch noch die Überraschung auf ihrer Seite gehabt…
Erschrocken riss Dunkelhand seine schwefelfarbenen Augen weit auf und formte einen stummen Laut des Entsetzens.
Er hatte die Götter selbst gewarnt… Er hatte sich selbst überraschen lassen indem er nicht mit ihrem Eingreifen gerechnet hatte…
Mit einem verächtlichen Grunzen erhob Aldun sich von seinem Thron und blickte in die angsterfüllten Volanuraugen um ihn herum.
„Diese Tat wird nicht ungesühnt bleiben, sobald ich mit diesem Ritual fertig bin, ihr euer Opfer gebracht habt, werden die dreizehn besten Krieger der Volanur über eine wahrhaft göttergleiche Macht verfügen und hinausgehen Vergeltung zu üben! Ich selbst werde einer von ihnen sein!“
Ein stilles Lächeln trat auf Alduns blasse Lippen als die Volanur im Saal zu jubeln begannen, noch während man sie zur Schlachtbank führte.

Das flammend grüne Licht des Risses wurde auf unheimliche Weise von den roten Fluten, die den Boden des Raumes bedeckten, reflektiert. Noch immer strömte frisches Blut aus Öffnungen in der Decke des Kuppeldaches. Um den Riss selbst hatte man in regelmäßigen Abständen dreizehn Stapel aus Stahlbarren aufgestellt.
Aldun Dunkelhand stand bis zu den Knien im Blut und betrachtete den Riss lächelnd, dass grüne Licht ließ sein Gesicht noch abstrakter wirken.
Als der Blutstrom mit einem lauten Gurgeln endende und sich Stille über den, in der Kälte der Kammer, dampfenden Fluten ausbreitete legte Aldun den Kopf in den Nacken, schloss die Augen und sog zischend Luft durch die Nase ein.
Der Duft des frischen Blutes, gepaart mit den knisternden Energien des Risses, hatte etwas Berauschendes.
Voller Kraft streckte der Schwarzmagier seine Arme aus und öffnete seinen Geist für die Macht des Risses.
Mit einem dröhnenden Brummen wurde der Lichtstrahl greller, er schien die Gegenwart seines Meisters zu spüren, sein Vorhaben zu erahnen.
Fast zärtlich streckte Aldun seine Finger nach dem Siegel aus, übte sanften Druck darauf aus und brachte ihm Risse bei.
KOMMT!
Obwohl Alduns Worte lautlos waren dröhnten sie dennoch als magische Druckwelle durch die Kammer und ließen die rote Oberfläche des Blutes erzittern. Ein Heulen, wie es kein sterbliches Wesen je hätte hervorbringen können, stieg aus dem mittlerweile grellen Lichtstrahl auf ließ feinen Staub von der Gewölbedecke rieseln.
„DUUUUUNKELHAND!“
Der angesprochene lächelte nur, warf die Arme in einer ausdrucksstarken Geste nach Oben und schrie aus vollem Halse.
„Kommt, kommt zu mir, labt euch an meiner Seele! Das ist es doch was ihr wollt, oder?!“
Unter lautem Tosen gewann der Lichtstrahl immer mehr an Energie und Intensität, riss Steintrümmer aus Boden und Decke, nur um sie wie Blätter im Wind umher zu wirbeln. Langsam wurden dreizehn pechschwarze Punkte sichtbar, die in dem gewaltigen Phänomen kreisten.
„DUUUNKELHAND!“
Diesmal war das Heulen geradezu ohrenbetäubend, es schien nicht nur aus einer Kehle zu erklingen sondern aus duzenden.
Als der schreckliche Laut verklungen war brachen die dreizehn Schatten aus dem Riss hervor und stürzten sich wie Raubvögel auf Dunkelhand, nur um lautlos in seinem Körper zu verschwinden.
So schlagartig das Chaos in die dunkle Kammer Einzug gehalten hatte, so schlagartig kehrte nun die Stille zurück. Das grüne Tosen des Risses wurde wieder zu einem sanften Wogen, Steintrümmer fielen zu Boden und blieben regungslos liegen.
Aldun stand starr da und blickte scheinbar ins Leere, seine nachtschwarze Robe wogte leicht um seine dürre Gestalt.
„Und so…“
Dunkelhands Stimme war wahrhaft gewaltig, wie das donnernde Geräusch eines Erdrutsches, der ganze Wälder unter sich begrub.
„Hat der Verräter letztlich seine gerechte Strafe erhalten.“
 Die dürre Gestalt des Schwarzmagiers wollte sich gerade mit ungelenken Schritten in Bewegung setzen als ein giftgrüner Blitz über die blutige Oberfläche raste und in einen der Stahlstapel einschlug.
„Was geht hier vor? Welcher Trick ist dies?“
Panik lag in Alduns leeren Augen als immer mehr Blitz durch das Blut huschen und den Stahl aufluden.
„Dieser Mistkerl! Es ist eine Falle!“
Nun waren die Stimmen, die im Gleichklang aus Dunkelhands Körper ertönten, nicht mehr mächtig oder gewaltig, sie waren mehr ein Wehklagen.
Alduns Körper versuchte an Tempo zu gewinnen, aus der Kammer zu flüchten, doch das Blut machte ein schnelles Vorrankommen unmöglich.
Gerade als er die Hälfte der Strecke zur Tür hinter sich gebracht hatte blieb Dunkelhand wie angewurzelt stehen.
Eine Woge schwarzen Dunstes stieg um seinen Körper auf, wurde zurück in Richtung des Risses gezogen. Als die Schatten den Riss erreicht hatte wurde er dort von unsichtbaren Kräften zu den Stahlblöcken gezogen.

Zemoth schlug panisch die Augen auf, es war tiefste Nacht in Amon-Xar, dennoch war er hellwach.
Er hatte den Atem angehalten, einzig sein Herzschlag war zu hören.
„Nein.“
Blitzschnell hatte der alte Gott sich aufgerichtet und starrte mit ungläubig aufgerissenen Augen nach Nordwesten.

Mit taumelnden Schritten wankte Aldun schweren Atems über den nun trockenen Boden zum Riss. Dort steckten nun, wo vorher die Stahlbarren gestanden hatten, dreizehn dampfende Schwerter, von verschiedener Form und Farbe, im Obsidianboden.
In einer triumphierenden Geste riss Aldun das erstbeste Schwert, einen gewundenen Säbel, aus dem Stein und hielt ihn hoch.
Es war vollbracht! Vollkommene Waffen für seine vollkommene Sache!
  24.06.2006, 20:34
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