Mordserie der NSU - Und nun? – Weltgeschehen & Politik – Off Topic – Nirn.de Forum

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Thema: Mordserie der NSU - Und nun?  (Gelesen 2069 mal)

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Gerade einen sehr schönen Kommentar von Heribert Prantl (http://www.sueddeutsche.de/politik/jahre-nach-rostock-lichtenhagen-wenn-die-politik-in-deckung-geht-1.1446003) zur politischen wie gesellschaftlichen und medialen "Aufarbeitung" der NSU-Morde gelesen, indem Prantl auch auf die Angriffe auf Ayslbewerber in Rostock im August '92 und deren Nachwirkungen eingeht.

Das Thema Ausländerfeindlichkeit ist nach wie vor - nicht nur wegen der "Dönermorde" (der Begriff ist übrigens schon ein Paradebeispiel^^) - brandaktuell ist und wohl eines der größten Probleme unserer Gesellschaft darstellt.

Deshalb möchte ich gern von euch wissen, wie ihr die Anschlagserie der NSU bzw. vielmehr deren Aufarbeitung durch Behörden und Politik, aber auch durch die Medien und die Gesellschaft wahrgenommen habt, wie ihr die Situation um Ausländerfeindlichkeit und rechte Gewalt in Deutschland allgemein bewertet  und was im Sinne unserer (freiheitlich demokratischen) Gesellschaft nun getan bzw. geändert werden muss.

Ich bin sehr gespannt!

"Wer immer nur das tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist."
Dr. Reinhard K. Sprenger (*1953)
  21.08.2012, 15:58
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Ein Problem das wir mit Rassismus und Ausländerfeindlichkeit haben, ist der inflationäre Gebrauch der Begriffe. Du bringst da ein Paradebeispiel, indem du den Begriff "Dönermorde" (zumindest vom Kontext her) als Paradebeispiel für Ausländerfeindlichkeit nennst. Der Begriff ist zugegebenermaßen ziemlich schlecht gewählt. Aber um von Rassismus sprechen zu können, ist Hass vorausgesetzt. Haben die Medien den Begriff aus Hass etabliert? Wohl kaum.
Und wo wir dabei sind, was ist mit "Nach Frankreich fahre ich nur auf Ketten."? Ist jemand der diesen abgedroschenen Witz macht automatisch ein Rassist? Ist es notwendig Franzosen zu hassen um den Witz machen zu können, oder ist Franzosenhass die Folge davon, den Witz zu erzählen?

Das die Politik nicht das nötige tut, um Rassismus einzudämmen ist kein Geheimnis. Das ist aber nicht nur in Deutschland so, Ausländerpolitik ist in vielen Ländern ein unbequemes Thema, mit dem man sich als Politiker leicht unmöglich machen kann, wenn man das Thema nur anschneidet. Dann folgen Rücktrittsforderungen aus der Opposition, Nazivergleiche von der Linken und schon ist man raus aus der Politik. Dabei ist das Thema sehr wichtig. Sowohl Asylrecht, als auch Einwanderungs- und Integrationspolitik. Die EU wird sich mit der Zeit immer mehr nach Osteuropa erweitern und von dort werden mit dem Recht, überall in der EU zu arbeiten gewiss Zuwanderer kommen, die hier ihr Glück versuchen wollen. Da müssen vernünftige Grundlagen geschaffen werden. Dafür muss die Politik sich zusammenraufen und endlich die Dinge anpacken, sonst gibt es womöglich Zustände wie in Malmö (?) wo schwedische Juden regelmäßig von muslimischen Einwanderern tätlich angegriffen werden und die Politik nichts, aber auch garnichts unternimmt, außer wegzuschauen. Die tun so wenig, man könnte ihnen fast unterstellen, die Gewalt gegen Juden durch nichtstun zu unterstützen.

Aber nicht nur in der Politik sind Änderungen nötig. Auch die Gesellschaft muss sich verändern. Ich für meinen Teil finde es völlig absurd und unverständlich, wie man jemanden aufgrund seiner Herkunft, Nationalität, Etnie, Religion oder was auch immer pauschal hassen kann. Ich würde das gerne mal erklärt bekommen.
Und es muss nicht mal Hass sein. Latener Rassismus, die pauschale Abneigung gegen alle oder bestimmte Ausländer und Ausländergruppen ist das eigentliche Problem in unserer Gesellschaft. Aber nicht nur das. Fehlender Integrationswillen ist ein weiteres Problem. Bei Politikern ist es populär geworden, nicht mehr von integration zu reden, sondern die fremde Kultur aufzunehmen. Dabei ist das völliger Quatsch. Wie und wieso soll sich eine überragende Mehrheit an den klitzekleinen Teil einen Minderheit anpassen, die sich weigert unsere Sprache zu lernen und sich uns anzupassen? Die meisten Immigranten sind so weit integriert, das ein friedliches und freundschaftliches Zusammenleben kein Problem ist. Nur weil jene ihre Kultur bewahren und bei uns ausleben, heißt das nicht das wir sie als Fremdkörper ansehen müssen.
Es ist also ein Problem, an dem alle arbeiten müssen. Politik, deutsche Gesellschaft und Immigranten.

Wäre das getan, würde den Neonazis nach und nach der Nährboden ausgehen. Und da sind wir auch beim eigentlichen Thema. Die meisten Neonazis sind nur Mitläufer, die sich als Teil einer Gruppe fühlen, und darum deren Gruppendynamik mitmachen. Wenn Parolen gebrüllt werden, wird fleißig mitgebrüllt, wenn zu Demos gefahren wird, dann fährt man mit, man will ja in der Gruppe gut dastehen. Aber so richtige Nazis? Sind die nicht. Meist nichtmal richtige Rassisten. Sie sind nur im Geist schwach und brauchen eine starke Gruppe, um sich als Teil dessen stark zu fühlen.
Und das ist der Punkt, wo die Politik und Gesellschaft zugreifen müssten. Mitläufer laufen mit, egal ob rechts, links, grün oder Infrarot geblümt. Die meisten mit dem Mainstream. Die die zu schwach für den Mainstream sind, werden Nazi, Autonom oder dergleichen.

Da die Politik und die Gesellschaft aber viel zu sehr mit angenehmeren Problemen beschäftigt sind, können die richtigen Neonazis fleißig ködern. Und die sind nicht blöd. Geben sich modern und im Trend, und das szeneübergreifend, um die, die es in den Mainstream oder andere Szenen geschaft haben abzugreifen. Demos werden unter dem Motto des Friedens abgehalten, Teilnehmer werden dazu angehalten, friedlich zu bleiben, damit man nachher auf die Autonomen zeigen kann, wenn die sich mal wieder mit der Polizei angelegt haben.


Es gibt da noch etwas, was mich bei diesem Artikel stört. An mehreren Stellen bekommt man den Eindruck, das der Autor sich beschwert, das Verbrechen von Nazis wie ganz normale Verbrechen behandelt werden. Und diese Idee ist nicht neu, in den USA gibt oder gab es eine besondere Behandlung von "Verbrechen aus Hass", was sich auf pauschalen Hass aufgrund Herkunft, Hautfarbe, Etnie usw. bezieht.
Geschieht ein Mord aus Eifersucht nicht auch eigentlich aus Hass? Ist ein Raubmord aus Gier weniger schlimm als ein Mord wegen der Hautfarbe? Ist ein Mord aus Spaß (z.B. einen Obdachlosen in der U-Bahn zu Tode treten) weniger niederträchtig als ein Mord wegen Religion?
Und wo kämen wir hin, wenn wir das Prinzip der Gleichheit vor dem Gesetz aushebeln, weil wir keine Nazis mögen?
Grundsätzlich hat jeder das Recht zu lieben und zu hassen wen er will. Nazis haben das Recht, Nazis zu sein. Und sie haben das Recht, ihre Meinung öffentlich kundzutun, auch wenn das vielen nicht passt. Latenter Faschismus ist ein weiteres Problem in Deutschland.

Das die Ermittlungen und die Reaktionen der Behörden in den erwähnten Fällen eine Schande für die deutsche Exekutive sind, zeigt nur, das weder Politik, noch Gesellschaft, noch die Behörden sich mit dem Thema Rechtsextremismus befassen wollen.
« Letzte Änderung: 21.08.2012, 18:38 von MorpheuZ »
  21.08.2012, 18:28
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Ein Problem das wir mit Rassismus und Ausländerfeindlichkeit haben, ist der inflationäre Gebrauch der Begriffe. Du bringst da ein Paradebeispiel, indem du den Begriff "Dönermorde" (zumindest vom Kontext her) als Paradebeispiel für Ausländerfeindlichkeit nennst. Der Begriff ist zugegebenermaßen ziemlich schlecht gewählt. Aber um von Rassismus sprechen zu können, ist Hass vorausgesetzt. Haben die Medien den Begriff aus Hass etabliert? Wohl kaum.
Und wo wir dabei sind, was ist mit "Nach Frankreich fahre ich nur auf Ketten."? Ist jemand der diesen abgedroschenen Witz macht automatisch ein Rassist? Ist es notwendig Franzosen zu hassen um den Witz machen zu können, oder ist Franzosenhass die Folge davon, den Witz zu erzählen?
Nach der Meinung von "Event-Antifaschisten": Ja! Traurig, aber wahr. Das Problem ist,wie du schon sagt, der inflationäre und die teilweise Flasche interpretation von Begriffen wie Rassimus, Faschismus, Nationalismus etc.pp. Und das zieht sich durch die gesamte gesellschaft.

Das die Politik nicht das nötige tut, um Rassismus einzudämmen ist kein Geheimnis. Das ist aber nicht nur in Deutschland so, Ausländerpolitik ist in vielen Ländern ein unbequemes Thema, mit dem man sich als Politiker leicht unmöglich machen kann, wenn man das Thema nur anschneidet. Dann folgen Rücktrittsforderungen aus der Opposition, Nazivergleiche von der Linken und schon ist man raus aus der Politik. Dabei ist das Thema sehr wichtig. Sowohl Asylrecht, als auch Einwanderungs- und Integrationspolitik. Die EU wird sich mit der Zeit immer mehr nach Osteuropa erweitern und von dort werden mit dem Recht, überall in der EU zu arbeiten gewiss Zuwanderer kommen, die hier ihr Glück versuchen wollen. Da müssen vernünftige Grundlagen geschaffen werden. Dafür muss die Politik sich zusammenraufen und endlich die Dinge anpacken, sonst gibt es womöglich Zustände wie in Malmö (?) wo schwedische Juden regelmäßig von muslimischen Einwanderern tätlich angegriffen werden und die Politik nichts, aber auch garnichts unternimmt, außer wegzuschauen. Die tun so wenig, man könnte ihnen fast unterstellen, die Gewalt gegen Juden durch nichtstun zu unterstützen.
Die deutsche Regierung ist sogar zum Teil am Rassismus in D schuld, wenn man sich die Zustände in sog "Abschiebe-Gefängnissen" anschaut.
Aber nicht nur in der Politik sind Änderungen nötig. Auch die Gesellschaft muss sich verändern. Ich für meinen Teil finde es völlig absurd und unverständlich, wie man jemanden aufgrund seiner Herkunft, Nationalität, Etnie, Religion oder was auch immer pauschal hassen kann. Ich würde das gerne mal erklärt bekommen.

Und es muss nicht mal Hass sein. Latener Rassismus, die pauschale Abneigung gegen alle oder bestimmte Ausländer und Ausländergruppen ist das eigentliche Problem in unserer Gesellschaft. Aber nicht nur das. Fehlender Integrationswillen ist ein weiteres Problem. Bei Politikern ist es populär geworden, nicht mehr von integration zu reden, sondern die fremde Kultur aufzunehmen. Dabei ist das völliger Quatsch. Wie und wieso soll sich eine überragende Mehrheit an den klitzekleinen Teil einen Minderheit anpassen, die sich weigert unsere Sprache zu lernen und sich uns anzupassen? Die meisten Immigranten sind so weit integriert, das ein friedliches und freundschaftliches Zusammenleben kein Problem ist. Nur weil jene ihre Kultur bewahren und bei uns ausleben, heißt das nicht das wir sie als Fremdkörper ansehen müssen.
Es ist also ein Problem, an dem alle arbeiten müssen. Politik, deutsche Gesellschaft und Immigranten.
Fehlender Integrationswillen von welcher Seite? Von "uns Deutschen" oder von "den Ausländern"?
Nun, was das Problem angeht, dass liegt großteils auch an den Massenmedien a la TV. Dort bekommen viele fremde  Kulturen(größtenteils osmanisch/arabisch) nur durch extreme negativ beispiele mit(Ausländergewalt unter jugendlichen, Ehrenmorde, etc pp.) Klar, die gibt es leider auch. Nur die gegenseite wird kaum bis gar nicht beleuchtet. Und da beginnt der Teufelskreis: Dadurch, dass sich die Gesellschaft nicht richtig informiert, interessierts die Regierung nicht, weswegen die Judikative da freie Hand hat, und die macht das so lange, wie es den geneigten TV interessiert. Und wenns keinen mehr interessiert, dann ist das Thema "vom Tisch"

Wäre das getan, würde den Neonazis nach und nach der Nährboden ausgehen. Und da sind wir auch beim eigentlichen Thema. Die meisten Neonazis sind nur Mitläufer, die sich als Teil einer Gruppe fühlen, und darum deren Gruppendynamik mitmachen. Wenn Parolen gebrüllt werden, wird fleißig mitgebrüllt, wenn zu Demos gefahren wird, dann fährt man mit, man will ja in der Gruppe gut dastehen. Aber so richtige Nazis? Sind die nicht. Meist nichtmal richtige Rassisten. Sie sind nur im Geist schwach und brauchen eine starke Gruppe, um sich als Teil dessen stark zu fühlen.
Und das ist der Punkt, wo die Politik und Gesellschaft zugreifen müssten. Mitläufer laufen mit, egal ob rechts, links, grün oder Infrarot geblümt. Die meisten mit dem Mainstream. Die die zu schwach für den Mainstream sind, werden Nazi, Autonom oder dergleichen.
Da die Politik und die Gesellschaft aber viel zu sehr mit angenehmeren Problemen beschäftigt sind, können die richtigen Neonazis fleißig ködern. Und die sind nicht blöd. Geben sich modern und im Trend, und das szeneübergreifend, um die, die es in den Mainstream oder andere Szenen geschaft haben abzugreifen. Demos werden unter dem Motto des Friedens abgehalten, Teilnehmer werden dazu angehalten, friedlich zu bleiben, damit man nachher auf die Autonomen zeigen kann, wenn die sich mal wieder mit der Polizei angelegt haben.

Und woran liegts? In erster Linie an konsequent falscher Erziehung. Die hört nämlich bei vielen Eltern in Grundschule auf. Traurig, aber wahr
Es gibt da noch etwas, was mich bei diesem Artikel stört. An mehreren Stellen bekommt man den Eindruck, das der Autor sich beschwert, das Verbrechen von Nazis wie ganz normale Verbrechen behandelt werden. Und diese Idee ist nicht neu, in den USA gibt oder gab es eine besondere Behandlung von "Verbrechen aus Hass", was sich auf pauschalen Hass aufgrund Herkunft, Hautfarbe, Etnie usw. bezieht.
Geschieht ein Mord aus Eifersucht nicht auch eigentlich aus Hass? Ist ein Raubmord aus Gier weniger schlimm als ein Mord wegen der Hautfarbe? Ist ein Mord aus Spaß (z.B. einen Obdachlosen in der U-Bahn zu Tode treten) weniger niederträchtig als ein Mord wegen Religion?
Und wo kämen wir hin, wenn wir das Prinzip der Gleichheit vor dem Gesetz aushebeln, weil wir keine Nazis mögen?
Grundsätzlich hat jeder das Recht zu lieben und zu hassen wen er will. Nazis haben das Recht, Nazis zu sein. Und sie haben das Recht, ihre Meinung öffentlich kundzutun, auch wenn das vielen nicht passt. Latenter Faschismus ist ein weiteres Problem in Deutschland.
Das ist die populistische Meinung von vielen Linken, gerade von denen, die von der Materie keine Ahnung haben. Das viele von denen aber immernoch Menschen sind(in meinen Augen fehlgeleitete Menschen) wird gerne außeracht gelassen.

Das die Ermittlungen und die Reaktionen der Behörden in den erwähnten Fällen eine Schande für die deutsche Exekutive sind, zeigt nur, das weder Politik, noch Gesellschaft, noch die Behörden sich mit dem Thema Rechtsextremismus befassen wollen.
Gleiche wie weiter oben: So lange die "Mitte der Gesellschaft" nicht das Maul aufreißt, passiert weiterhin nix. Als Beispiel nehm ich jetzt mal Fussball-Ultras: Jedes Wochenende überall zu sehen, baut einer mal bissl Mist, gibts gleich von Executive, Judikative und Medien aufs Maul. Wenn aber, wie jetzt gerade aktuell, ein pädophiler sich selbst anzeigt, nix unternommen wird und es Monate später zu einem Verbrechen kommt, hinkt man hinterher und tritt dabei noch mit anlauf in wirklich jedes Fettnäpfchen.

In kurz: Diese ganze "Problematik" ist Nährstoff und Spielplatz für Populisten und Profilneurotiker jeder Art, die die Gesellschaft mit ihren Parolen beschießt, ohne sich über die Konsequenzen im klaren zu sein.
Es gibt keine Leidenschaft. Es gibt nur Besessenheit.
Es gibt keine Erkenntnis. Es gibt nur Überzeugung.
Es gibt keine Absicht. Es gibt nur Willen.
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  21.08.2012, 19:26
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Bezüglich Integration. Du hast in der Tat recht, die mangelnde Aufnahmebereitschaft von Fremden habe ich dreist unterschlagen. Ebenso den Einfluss der Medien.
Es ist aber nicht unnatürlich, das nur die negativen Beispiele auffallen, und in der Regel auch nur von denen berichtet wird. Sei es kriminelle ausländische Jugendliche, türkische Politiker die sich erdreisten, sich in die deutsche Politik auf beleidigende Art und Weise einzumischen, oder mal wieder eine Farce von einer Diskussion über Kopftücher und Moscheen. Leider sinkt dadurch natürlich die Toleranz, denn nur das was man kennt bestimmt das Bild das man hat. Man muss aber alles sehen, um zu verstehen. Warum gibt es keine Sendungen, die das Leben der Immigranten in Deutschland positiv darstellen? Das gibt es weder als Unterhaltung, noch als Doku. Zumindest nicht so, das es bekannt genug wäre um das öffentliche Bild zu beeinflussen.



Das gehört jetzt eigentlich nicht hierhin, aber ich kann das so nicht stehen lassen.
Wenn aber, wie jetzt gerade aktuell, ein pädophiler sich selbst anzeigt, nix unternommen wird und es Monate später zu einem Verbrechen kommt, hinkt man hinterher und tritt dabei noch mit anlauf in wirklich jedes Fettnäpfchen.
Ich kenne den Fall nicht. Aber Pädophilie ist keine Straftat, sondern eine Paraphilie, eine psychische Störung des Sexualverhaltens. Zwar bei Erwachsenen nicht heilbar, aber man kann den Betroffenen helfen das zu kontrollieren. Hat der Besagte in jenem Fall ein Verbrechen angezeigt, oder sich nur bei der Polizei "geoutet"? In letzterem ist den Behörden nichts vorzuwerfen. Allenfalls das sie ihn nicht genug ermutigt haben, sich professionellen Rat zu holen. Denn das ist das einzige was sie tun dürfen, und das ist auch richtig so. Pädophile sind in der Gesellschaft derart verachtet, das die wenigsten sich überhaupt trauen, Hilfe zu suchen. Und die Mehrheit der Gesellschaft hat null Ahnung von der Materie. Für die ist Pädophilie = Kindesmisshandlung.
  21.08.2012, 19:53
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Zugegeben: Ich hätte das wohl etwas weiter ausführen müssen. Der Stiefvater hatte Kinderpornos auf dem Pc vom Täter entdeckt und ihn angezeigt, der Täter selbst hat sich angezeigt, nachdem er ein kleines Mädchen heimlich fotografierte. Ist zumindest mein Wissensstand. Zudem lag der Polizei ein Durchsuchungsbefehl für das Haus vor. Die Polizei hat aber nicht
Reagiert und was passiert: jetzt haben wir ein Verfahren wegen sexuellem missbrauchs Schutzbefohlener, Mord und versuchter Vergewaltigung. Ist zumindest, dass was ich"erfahren" habe. Gehört aber wirklich nicht hierher.

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  22.08.2012, 00:10
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Zu dem Pädophiliethema sag ich nur: wer sich selbst anzeigt hat durchaus die entsprechende Behandlung verdient, aber es allgemein als Psychische Störung abzutun verharmlost die Sache doch ungemein. Klar ist sowas krank, wenn wir allerdings weiterhin alles auf die Psyche zurückführen ist irgendwann selbst ein Diktator oder Massenmörder einfach nur krank und bekomt vlt. statt einer gerechten (falls man sowas überhaupt gerecht bestrafen kann) eine Behandlung, Medikamente und irgendwann sogar noch Mitleid.

Zum eigentlichen Thema:
Mir fällt auch immer mehr die fast schon allgemein feindliche Stimmung gegenüber Ausländern auf. Berufsbedingt hab ich selbst oft mit Ausländern zu tun deren Integration zu wünschen übrig läßt ("ich kein Deutsch"). Mich regt sowas auch auf, von den religiösen Aspekten ganz zu schweigen (das leidige Thema Islam). Aber hab ich deshalb allgemein ein Problem mit Ausländern? Nein, weil ich jeden Menschen nicht nach seiner Herkunft oder seiner Hautfarbe beurteile sondern nach seinen Taten und seinem Charakter, und ich habe in meinem Leben etliche Ausländer kennen gelernt mit denen ich besser klarkomme als mit manchem Deutschen (immer wieder ein regelrechter Kulturschock wenn man von jemand Namens Ahmed, Ivan oder Tuc mit einem klassisch Bayrischen "Servus" oder sogar "Grüß Gott" begrüßt wird).
Was man gegen die scheinbar wachsende Ausländerfeindlichkeit tun kann weiß ich jedoch nicht, ich denke jedoch dass das Hauptaugenmerk auf bessere Integration gelenkt werden sollte, und auch die Ausländer selbst sollten etwas dafür tun. Auch sollte nicht jeder Asylantrag einfach ohne weiteres angenommen werden. Bei den Rassisten und Nazis selbst weiß ich allerdings keine vernünftige Lösung. Zum Glück lernen es einige von selbst.
I was running with the wolves, hunting the lamb.
They stared at me with their fiery eyes and spoke:
"Thou hast gained his mark
thou shall never hunt alone
thine shall be their blood and flesh
and ours shall be thy soul"
  22.08.2012, 00:47
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@MorpheuZ:
Du hast recht, Begriffe wie Faschismus, Ausländerfeindlichkeit oder Rassismus werden oft, oft synonym und oft unpassend gebraucht. Ist mir ja letztlich im Ausgangspost auch passiert, wie du schon angesprochen hast. Jetzt ist die (mediale) Wortschöpfung "Dönermorde" wohl eher weniger aufgrund feindlicher Gesinnung der Medien ggü. Ausländern entstanden. Aber: Wird durch eine solche (Stereo-)Typisierung nicht bereits der Eindruck erweckt / suggeriert, dass die Opfer (ja Ausländer und damit halt) "irgendwie anders" sind? Und klar, die Grenze zwischen "abgedroschenem Witz" (ich fand den übrigens ganz lustig... ist es eigentlich schlimmer, wenn man so nen Witz erzählt, oder wenn man drüber lacht? ;)) oder ähnlichem und Fremdenfeindlichkeit verläuft fließend (ich finde übrigens nicht, dass man Fremdenfeindlichkeit mit Rassismus gleichsetzen sollte, Fremdenfeindlichkeit ist für mich mit Abneigung verbunden, nicht mit (blindem) Hass (und schlimmerem) wie Rassismus), nichtsdestotrotz meine ich schon eine gesellschaftliche Tendenz dahin zu erkennen, dass "objektiv gegen Ausländer Gerichtetes" (weiß nicht, wie man das neutraler ausdrücken kann, du weißt schon was ich meine) eben immer weniger als Witz gesagt/gemeint ist, sondern dass soetwas dann tatsächlich ernst genommen wird. Dieser "latente Rassismus", wie du ihn nennst, da stimme ich dir voll und ganz zu, ist wohl das Kernproblem. Und wenn man sich gerade die behördlichen Ermittlungen und "Aktionen" (inkl. Aktenvernichtung etc.) betrachtet, kann man doch ins Zweifeln kommen, ob dieser "latente Rassismus" nicht auch - Treueeid auf die Verfassung hin oder her - in den deutschen Behörden breitfächrig Einzug gehalten hat.  :|

Das mit dem Integrationswillen ist so eine Sache, das ist, wie du ja schon angedeutet hast, keine Einbahnstraße. Sicherlich ist wohl ein mitunter fehlender Integrationswille auch "mit Schuld" an dieser Misere, aber ist es denn angesichts der verbreiteten Antipathie, die den Ausländern aus unserer Gesellschaft entgegenschlägt, wirklich verwunderlich, dass die dann "lieber unter sich" bleiben? Möchte ich mal so in den Raum stellen. Ich kann nicht in die Gedanken anderer Menschen schlüpfen, aber ich vermute doch, dass, wenn ich mich entschließe, in ein anderes Land auszuwandern, ich die Hoffnung habe, mich dort gut einzuleben und mich mit den "Einheimischen" gut zu verstehen. Weshalb sollte diese Ursprungshaltung bei "unseren Zuwanderern" nicht vorhanden sein?

Es ist übrigens interessant, dass du gerade Schweden anspricht, denn ich hatte bisher immer die (sicherlich medial entstandene) Botschaft im Hinterkopf, dass eben die skandinavischen Länder quasi ein Vorbild an Integration von Zuwanderern seien?? Aber egal, zurück nach Deutschland: Es ist ja gerade durch die NSU-Morde so, dass dieses Thema eigentlich nicht gesondert angeschnitten werden müsste, sondern gerade "brettlbreit" auf dem Tableau steht (stehen sollte). Und was du da sagst, ist auch ein Punkt, den ich schlicht nicht verstehen kann: Dass in einer derart zentralen gesellschaftspolitischen Frage nicht das Lagerdenken hintan gestellt und gemeinsam eine Lösung erarbeitet wird... traurig sowas :( Ich war kürzlich auf einer Vorstellung von Hagen Rether, einem Kabarettisten, dessen "inhaltliche Richtung" ich nicht unbedingt teile, aber zum Thema "Integration" hat er ein wie ich finde sehr schönes Beispiel gebracht: "Wenn Sie ihr Kind in einen neuen Kindergarten geben, und der Kleine steht nach einem halben Jahr immernoch alleine in der Ecke rum, da kriegen Sie aber einen richtigen Hals auf die Erzieherin oder? Und dann sagt die Erzieherin aber, dass der Kleine sich nicht integrieren wollte! ja, die möchten Sie an die Wand nageln, die Frau (...)"

Ich stimme dir auch zu, dass es nicht sein kann, rassistisch motivierte Verbrechen anders / schärfer zu verurteilen als andere Verbrechen. Nicht nur, dass das von Verfassungs wegen untersagt wäre, es gibt ohnehin eine ganze Reihe von Abwägungskriterien und -möglichkeiten, ein Verbrechen zu bewerten, mit entsprechend abgestuften Strafmaßen. Aber ich lese aus Prantls Kommentar diese Forderung auch nicht heraus. Eher, dass die Aktivitäten im Bereich innere Sicherheit wieder mehr in den Fokus "rechts" gerückt werden sollte. Ich finde es bei aller (zumindest bei mir vorhandener) Skepsis gegenüber den Linken beispielsweise erstaunlich, dass deren Abgeordnete vom Verfassungsschutz beobachtet werden, auf der anderen Seite aber seit Jahren zu wenig Material für ein NPD-Verbotsverfahren gesammelt werden konnte, oder dass die Mordserie der NSU nicht aufgeklärt/aufgehalten werden konnte (die sicherlich ein Kapitel für sich ist, und mir graust schon davor, was im Laufe der Ermittlungen da wohl noch alles rauskommt...).

@LordNerevar:
Den Teufelskreis
Zitat
Und da beginnt der Teufelskreis: Dadurch, dass sich die Gesellschaft nicht richtig informiert, interessierts die Regierung nicht, weswegen die Judikative da freie Hand hat, und die macht das so lange, wie es den geneigten TV interessiert.


versteh ich nicht. Klar, die Gesellschaft ist zu wenig über fremde Kulturen informiert, das ist ganz sicher so. Ich wüsste (nur aus Beispiel) jetzt stante pede ohne zu googeln nicht, weshalb es den Ramadan gibt, samt der nächtlichen Völlerei. Und diese Un-, teilweise sogar Fehlinformiertheit ist sicherlich auch der mangelnden Angebote in den Medien zu verdanken, wobei: im heutigen Internetzeitalter sollte derartige Informationsbeschaffung ja eigentlich auch nicht mehr so schwierig sein. Möglicherweise fehlt da auch einfach das Interesse? Aber: Nur weil es die Gesellschaft nicht interessiert, kann sich ein Parlament, das dazu gewählt ist, die Interessen der Bevölkerung zu vertreten, doch nicht die Haltung erlauben "mach ich halt auch mal nix"?! Den Part mit der Judikative hab ich auch nicht ganz verstanden, was machen die so lange, wie es die Medien interessiert?

Die oft vorherrschende Abneigung gegen Ausländer kann sicherlich auch an einer falschen Erziehung liegen, oder an einer gar nicht vorhandenen Erziehung, an Gleichgültigkeit, oder gar am schlechten Beispiel der Eltern (wenn schon die ausländerfeindliche Parolen von sich geben... der Apfel fällt nicht weit vom Stamm)

@PHofmann1984:
Ich weiß nicht in welchem Beruf du arbeitest bzw. in welchem Zusammenhang du diese Entdeckungen gemacht hast, aber nach meinem Kenntnisstand wird keineswegs jeder Asylantrag "einfach ohne Weiteres" angenommen. Die Bearbeitung eines solchen Antrags dauert bei uns aktuell glaube ich durchschnittlich ca. 14 Monate (habe dafür aber keine Quelle), wenn die alles nur durchwinken würden, wären die sicherlich schneller. Im Gegenteil man liest ja alle paar Monate mal wieder von Abschiebungsentscheidungen, wo man teilweise nur den Kopf schütteln kann.

Da du ja auf diesem Gebiet (zumindest im weiteren Sinne (?)) tätig bist: Was ist denn für dich "bessere Integration"?
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Dr. Reinhard K. Sprenger (*1953)
  22.08.2012, 08:14
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Da hab ich mich wohl etwas mißverständlich ausgedrückt. Ich Arbeite in der technischen Kundenbetreuung (telefonisch), nicht in der Ausländerbehörde oder ähnlichem.
Bessere Integration heißt für mich zum einen dass der Immigrant unsere Sprache beherrscht (ich rede keinesfalls von dialektfreiem Deutsch, aber zumindest so dass man ihn versteht). Auch die Bildung von Parallelgesellschaften ist problematisch, dort ist keine Integration nötig weil sich kleine "Gemeinden" bilden die eher an das Herkunftsland erinnern als an das jeweilige Land in welche migriert wurde. Und wie immer gehören hier zwei Seiten dazu, zum einen müssen die Leute den Willen aufbringen sich zu integrieren, zum anderen muss ihnen von staatlicher und gesellschaftlicher Seite auch die Möglichkeit gegeben werden sich zu integrieren. Ich denke in ländlichen Regionen sollte so etwas besser funktionieren, einfach aufgrund des Fehlens von Massenmenschhaltung in gigantischen Wohnblöcken, aber welcher Ausländer will heutzutage schon aufs Land ziehen, bzw. wer kann sich das leisten.
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  22.08.2012, 10:02
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Parallelgesellschaften, das ist in der Tat ein riesen Problem. Wenn in einer Siedlung vermehrt Menschen der gleichen Herkunft wohnen, insbesondere bei sozial schwachen Gebieten, bilden sich leicht "Ghettos" (ein besserer Begriff fällt mir grad nicht ein). Personen, die in diesen Gebieten wohnen, haben natürlich weit weniger Bedarf, sich zu integrieren. Oftmals werden diese Siedlungen aber so belassen, und das ist der falsche Weg.
Immigranten, die deutsche, oder gemischte Nachbarn haben, haben natürlich weit größeren Bedarf, sich zu integrieren. In manchen Städten werden solche Siedlungen aufgelöst, damit verschwinden dann auch prompt die anderen Probleme die solche Ghettos mit sich bringen.
Hier in der Stadt gab es mal ein "Russenghetto", wo Russen bzw. Russlanddeutsche in großer Zahl lebten, und was eine hohe Kriminalitätsrate, insbesondere gegen Deutsche aufwies. Dann wurden die Gebäude abgerissen oder umgebaut, die Anwohner mussten sich auf der Suche nach neuen Wohnungen über das Stadtgebiet verteilen und haben sich integriert.
  22.08.2012, 10:27
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