Ein Wunsch wird wahr: 1. von 2 Teilen – Schreibstube – Off Topic – Nirn.de Forum

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Thema: Ein Wunsch wird wahr: 1. von 2 Teilen  (Gelesen 1186 mal)

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24.03.2006

   Endlich war der große Tag gekommen. Bereits kurz vor neun Uhr morgens wanderte mein Blick immer wieder zum Telefon, das allerdings partout nicht klingeln wollte. Es dauerte noch eine halbe Stunde, bis ich mir endlich ein Herz nahm und selbst beim Mediacenter anrief.
   “Oblivion? Na klar, das Spiel haben wir seit gestern Abend schon auf Lager!”
   Nur zwanzig Minuten später hielt ich kurzatmig, aber glücklich mein Exemplar von Oblivion in Händen. Die Collectors Edition! Schnell noch im Aldi nebenan einige Lebensmittel und Getränke eingekauft, dann konnte das Nonstop-Oblivion-Wochenende beginnen. Zuhause angekommen stöpselte ich zunächst einmal das Telefon aus, zog die Vorhänge im Wohnzimmer zu und löschte das Licht, bevor ich schließlich mit zittrigen Händen das Spiel  installierte und  nach langen Monaten des Wartens endlich Oblivion spielen konnte. Bereits bei der Eröffnungsmusik lief mir ein wohliger Schauer nach dem anderen über den Rücken. Ich spürte, wie sich meine Nackenhärchen über der Gänsehaut aufrichteten und meine Augen schließlich feucht wurden, doch ich schämte mich meiner Tränen nicht. Nein! Ich wusste genau: nichts würde mich nun noch davon  abhalten können, dieses Spiel zu spielen, bis mein Kopf auf die Tastatur zu fallen drohte und ich mich nur noch mit Hilfe von zwei Streichhölzern und Unmengen von frisch gebrühten, rabenschwarzen Kaffees auf den Beinen halten konnte. Ich hatte an alles gedacht. Wirklich an alles?
   Die ersten Stunden verbrachte ich staunend damit, durch die wunderbare Welt Cyrodils zu wandern, während ich insgeheim meinen Eltern auf den Knien dafür dankte, dass sie mir diesen neuen Computer ermöglicht hatten. Dann begann ich damit, der Hauptstory zu folgen. Ich saß gerade daran, die Stadt Kvatch zu befreien, als es an der Haustür klingelte.
   Nein, heute lässt du keinen rein, dachte ich. Wenn es wirklich wichtig ist, kommt der wieder und wenn nicht, dann war es einfach nicht wichtig genug.
   Dann  hörte ich, wie sich ein Schlüssel im Schloss drehte. Nur einen Augenblick später stand im Rahmen meiner Wohnzimmertür der einzige Grund, der noch zwischen mir und einem ungetrübten Spielvergnügen stand: Angelika, meine Freundin und die einzige Person, die außer mir noch einen Schlüssel zu meiner Wohnung besaß. Mist! Im Geiste machte ich mir die Notiz, dass ich bei nächster Gelegenheit entweder das Schloss auswechseln lassen oder versuchen musste, ihr unauffällig das schmale Stück Metall wieder abzunehmen.
   “Du bist ja doch da! Hast du eigentlich keine Ohren am Kopf?”
    Das Licht im Zimmer leuchtete auf, die Illusion von Cyrodil war im gleichen Augenblick zerstört. Ich blinzelte. Da stand sie nun vor mir: schwarze Stiefeletten, enge Jeans (wahrscheinlich mit dem Schuhlöffel angezogen), ein knapp sitzendes schwarzes Top und ein kleines Jäckchen mit hohem Kunstfellbesatz, auf dem ihr dunkles Haar in langen Wellen  thronte. Ihr Make-up war unaufdringlich, doch reizvoll, was man von ihren hellblauen Augen nicht gerade behaupten konnte, die mich mit einer Mischung von unverhohlener Wut und maßloser Enttäuschung fixierten.
   “Weißt du eigentlich, wie oft ich heute versucht habe, dich anzurufen?” Sie ging zwei Schritte und riss den Vorhang wieder auf. Durchs Fenster sah ich einen sternenübersäten Himmel, der fast so schön war wie der in Cyrodil. Sie bückte sich kurz, was mich in den Genuss zweier wohlgeformter, aber ein wenig asymmetrischer Pobacken kommen ließ, und griff nach dem  Telefonkabel, wobei sie etwas murmelte, das stark nach “… das hätte ich mir doch denken können… “ klang.
   “Sag mal, hast du etwa vergessen, das wir beide heute Abend ein Date haben?”
   Vergessen? Nein. Verdrängt traf es schon eher…
   “Anstatt mit mir essen zu gehen, um anschließend romantisch den Sternenhimmel zu betrachten, wie du es mir versprochen hast, sitzt du hier vor dieser blöden Kiste und … was ist das überhaupt?”
   Ich räusperte mich.
   “Das, meine Liebe, ist Oblivion, das wahrscheinlich beste Offline-Rollenspiel, das in diesem Jahr heraus gekommen ist und in den nächsten Jahren herauskommen wird. Ich habe mehr als ein Jahr ungeduldig darauf gewartet, eine Release-Verschiebung überlebt und jeden noch so kleinen Fetzen Information darüber verschlungen, den es darüber gab! Und wenn du mir mal öfter genau zugehört hättest, statt dir ständig die Nägel zu lackieren oder ähnliches, dann wüsstest du das auch! Es tut mir leid, aber ich habe heute absolut keine Zeit für dich! Und auch nicht morgen und erst recht nicht übermorgen. Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du gleich den Vorhang wieder zuziehen, das Licht ausmachen und schließlich deinen hübschen kleinen Arsch aus meiner Wohnung bewegen würdest!!!”
   Meine Stimme, die anfangs noch beherrscht und ruhig klang, hatte  zum Ende meiner Ausführung hin deutlich  an Lautstärke zugenommen, bis Angelika letztlich bei jedem Wort deutlich zusammenzuckte. Tief ausatmend wandte ich mich wieder meinem 19 Zoll Flachbildschirm zu, auf dem der Held von Kvatch gerade dabei gewesen war, einige Skamps in den wohlverdienten ewigen Ruhestand zu schicken, bevor er so rüde von Angelika unterbrochen worden war. Nur wenige Momente später fühlte ich ihren Atem in meinem Nacken, gefolgt von zwei Armen, die sich um meine Brust schlängelten, um mir die Ankunft der beiden gefährlichsten Waffen einer Frau anzukündigen: ihrer Brüste. Durch den dünnen Stoff des  Tops konnte ich ihre aufgerichteten Brustwarzen spüren, die sie mit voller Absicht ganz langsam  über meinen Rücken hin zur Schulter wandern ließ. Das war Angelikas übliche Masche, wenn sie mich zu etwas überreden wollte und meistens hatte sie damit  auch Erfolg. Heute nicht.
   “Was ist denn an diesem Spiel so besonderes?” fragte sie gurrend.” Wir beide können doch auch sehr viel Spaß miteinander haben!”
   Nein, heute bekommst du mich nicht rum, dachte ich entschlossen.
   “Nun, Angelika,” antwortete ich, ohne den Blick vom Bildschirm zu nehmen, während ich vorsichtig, aber bestimmt ihre Hände von meiner Brust schob, was mir nicht leicht fiel. “Im Gegensatz zu dir macht dieses Spiel einfach so Spaß!” knurrte ich. “Ich muss es nicht erst zum essen ausführen und dann mit ihm den Sternenhimmel betrachten, wenn ich es mal vögeln will! Und es hat keine Migräne, wenn ich endlich das Programm soweit hinter mir habe und selbst zum Zug kommen will! Das macht dieses Spiel zu etwas besonderem…”
   Ein wütendes Schnauben, das klackern ihrer Pfennigabsätze auf dem Laminat und das Knallen der Wohnungstür war das letzte, was ich von Angelika an diesem Abend und  wohl in den nächsten drei Wochen  zu  hören bekommen sollte. Hoffentlich hatte sie keine Löcher ins Laminat gestanzt. Nun, das zu überprüfen hatte auch bis morgen Zeit …
   Ich seufzte. Sie hatte das Licht angelassen und der Vorhang war auch noch offen. Alles musste man selber machen. Bevor ich das Wohnzimmerfenster wieder mit der Stoffbahn abdunkelte, warf ich noch einen Blick in den Sternenhimmel. Gerade in diesem Moment zog eine Sternschnuppe gut sichtbar am Himmel vorbei. Durfte man sich nicht etwas wünschen, wenn man eine Sternschnuppe sah? Ich schloss die Augen und murmelte im Stillen einen Wunsch, von dem ich wusste, das er nie in Erfüllung gehen würde.
   In dieser Nacht träumte ich von den weiten Cyrodils mit seinen wogenden Gräsern, den endlosen Ebenen und der kaiserlichen Hauptstadt, deren Zinnen und Gemäuer in der untergehenden Sonne silberblau erstrahlten, während ich auf einem Felsvorsprung eines bewaldeten Berges hockte und meinen Blick in die Ferne schweifen ließ. Diese Welt wartete nur darauf, von mir entdeckt zu werden und beim nächsten tiefen Atemzug wusste ich genau, dass ich dort angekommen war, wo ich immer schon sein wollte:  zuhause…


So, wenn alles klappt, folgt der zweite und letzte Teil morgen abend :)
Viel spaß!  :D :)
  19.04.2006, 22:54
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  • Legionär
    • Legion
schön langsam, aber sicher hebt sich das niveau der schreibstube empor.

gute arbeit - zwar sicherlich ein bisschen schräg für nicht oblivionspieler, da es aber die nie lesen werden auch egal.

mir hats grundsetzlich gefallen!

"Politik, Religion und soziale Themen sind schlechte Gastgeschenke" - Michael Hess † 2010
  20.04.2006, 14:37
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  • Bettler
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musste erst mal jemand wieder pushen, damit ich es lese :-)

auch von mir lob!  sehr schön geschrieben!!

gruß egg
  20.04.2006, 14:48
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  • Skelett-Magier
    • Untot
Also, wirklich gut beschrieben, aus so einer kurzen Zeitspanne hast du wirklich was rausgehauen, wunderbar gelungen.

Eine lustige Kurzgeschichte, gefällt mir gut. ;)
Meine Signatur war 17 Pixel  :ugly: zu hoch, nach einer so langen Zeit...  oO :censored:
Aber was soll man machen :| nun bleibt mir nur noch eins, ich brauch ne neue ;), wer Vorschläge hat, PN an mich oder den Papst  :er-wars:.
Solange :wayne: :frieden:
  20.04.2006, 14:54
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  • Reisender
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die geschichte ist ja noch nicht zuende...und ich kann versprechen, das der zweite teil es noch einmal in sich haben wird, leider aber erst morgen abend online geht :(
  20.04.2006, 20:06
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Mir hats sehr sehr viel Spaß gemacht die Story zu lesen.
Ich zitiere:“Nun, Angelika,” antwortete ich, ohne den Blick vom Bildschirm zu nehmen, während ich vorsichtig, aber bestimmt ihre Hände von meiner Brust schob, was mir nicht leicht fiel. “Im Gegensatz zu dir macht dieses Spiel einfach so Spaß!” knurrte ich. “Ich muss es nicht erst zum essen ausführen und dann mit ihm den Sternenhimmel betrachten, wenn ich es mal vögeln will! Und es hat keine Migräne, wenn ich endlich das Programm soweit hinter mir habe und selbst zum Zug kommen will! Das macht dieses Spiel zu etwas besonderem…”
 :ugly:
  23.04.2006, 22:56
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